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Berliner Vereinsbote · 1897-05-28 · Heft 22 (28.5.1897) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 22 (28.5.1897)
Date
1897-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Pcstzeltungs-Llste 1012. ^Zenfraf-Orga^ für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag. Bezugspreis Mk. 0,75 vierteljährlich, für answärt« 1,00 Hk. -WS Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Ffg. Redaktion, Expedition a. Annoncen■ Annahme: Berlin NO., EUsakefhstr. 50 a. WM- Fernsprecher Amt 7, No. 4662. -WS Nummer 22. Berlin, den 28. Mai 1897 III. Jahrgang. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Die ״Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“ begeht am 27. Mai c. das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Wir benutzen diese Veranlassung gern, um unsern Lesern einige Mitteilungen über die Entstehung und die innere Geschichte dieser hervorragenden Pflegestätte jüdischen Wissens zu machen, denen wir die der Jubiläumsfeier gewidmeten Festschrift zu Grunde legen. Einer der ersten, die den Gedanken einer höheren Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums angeregt haben, war Abraham Geiger. Schon im Jahre 1835 machte er den Vorschlag, eine Lehranstalt zu errichten, die 1m Jahre 1636 zur 700. Jahreswende der Geburt des Maimonides eröffnet und durch einen ״Maimoni des-Verein“ erhalten werden sollte. Sein Schriftehen, das er im Jahre 1838 veröffentlichte*), und das von jener Selbstständigkeit des Geistes zeugt, welche die Eigentümlichkeit des jüdischen religiösen Bewusstseins zu wahren bestrebt ist, und der wir auch die Entstehung der Wissenschaft des Judentums in unserem Jahrhundert verdanken, verfolgt denselben Zweck. Einen eifrigen und erfolgreichen Förderer haben diese Bestrebungen Geigers in Ludwig Philippson gefunden, der im Jahre 1837 in dieser Sache einen Aufruf veröffentlichte, der wohl dazu beigetragen hat, dass der Gedanke in weiteren Kreisen Anhänger fand, aber unmittelbar ebensowenig wie die diesbezüglichen Beschlüsse der Rabbiner- Versammlungen in den Jahren 1845 und 1846 zur Verwirklichung des Gedankens geführt hat. Der Name beider Männer ist mit der ,,Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums," in der sie die Verwirklichung ihrer Gedanken gesehen haben, verknüpft. Geiger war Lehrer an derselben und Philippson Mitglied ihres Curatorinms. — Unter dem Einflüsse dieser Bestrebungen ist im Jahre 1853 das ״Jüdisch-theologische Seminar Frankel'scher Stiftung“ in Breslau eröffnet worden. Es lag in der Natur der Sache, dass in der Umgebung, in welcher Mendelssohn, Zunz und andere von den hervorragendsfcen Vertretern der Wissenschaft des Judentums gelebt und gewirkt haben, das Bedürfnis sich fühlbar machte, dieser eine freie und sichere Stätte zu bereiten. Dieses Bedürfnis führte zur Errichtung der ״Hochschnle für die *) Ueber die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät. Von Abraham Geiger. Wiesbaden 1838. Wissenschaft des Judentums." Ueber die Absichten der Männer, welche die Anstalt ins Leben gerufen haben, geben besonders folgende Sätze der Einladung, die im Mai des Jahres 1869 an diejenigen erging, bei denen Interesse für die Sache vorausgesetzt wurde, Auskunft: ״Unabhängigkeit erscheint als eine der wesentlichsten Grundlagen für das Gedeihen einer solchen Anstalt, unabhängig von den Staats- und Gemeinde-Behörden, damit auch unabhängig von jeglicher Parteibestrebung, unabhängig von den gespaltenen und vorübergehenden Meinungen, kann sie nur in dem reinen Streben nach wahrer Erkenntnis wahrhaft blühen und für den Fortbestand und die Fortentwickelung des Judentums edle Früchte tragen.“ ״Es geschieht darum dem höchsten eonservativen Interesse Genüge, wenn wir eine Anstalt schaffen, in welcher pietätvoller Fleiss und wahrheitsdurstige Forschung danach ringen sollen, das Wissen des Judentums als seinen edelsten Kern zu erhalten und zu erheben.“ Die Forderungen, die hier ausgesprochen wurden, entsprechen einem grossen Prinzip©, welches sich aus den wichtigsten Resultaten der Wissenschaft des Judentums notwendigerweise ergiebt, dem Principe der Autonomie des religiösen Bewusstseins. Die Gewähr für den religiösen Wert von Ideen und Institutionen liegt in erster Reihe nicht in ihrem Vorkommen in einer unserer religiösen Urkunden, auch nicht in der Persönlichkeit, von der sie geschaffen worden sind, sondern in der Wirkung, die sie auf das religiöse Gemüt ausüben, in der Bedeutung, die sie für dasselbe besitzen. Sie sind' uns wohl historisch vermittelt, aber ihre Bedeutung erlangen sie erst durch die von ihnen bewirkte religiöse Erhebung. Wer also Vertrauen auf die Kraft der religiösen Ideen und Einrichtung des Judentums besitzt, der wird nicht ausschliesslich in einer bestimmten Auffassung desselben die Gewähr für ihre Fortdauer erblicken. Nachdem die ersten Schritte, die Mittel zur Begründung der Anstalt herbeizuschaffen geschehen waren, und nach Ueberwindung mancherlei Schwierigkeiten der Lehrplan entworfen war, der das Curatorium und das Lehrercollegium später noch zweimal beschäftigte, begann die ״Hochschnle für die Wissenschaft des Judentums" ihre Wirksamkeit. Von den Mitgliedern des gegenwärtigen Curatoriums, denen die Freude des ersten 20. Jahrestages beschieden ist, blicken vier auf die Anfänge der Hochschule zurück. Zu diesen gehört Herr Geh.-Rat Prof. Lazarus, der an der Spitze der Lehranstalt seines Amtes als Vorsitzender des Curatoriums während 23 Jahre gewaltet. Mit seinem Berliner Wohnsitz hat er zugleich den Vorsitz aufgegeben•, er

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