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Berliner Vereinsbote · 1897-05-14 · Heft 20 (14.5.1897) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 20 (14.5.1897)
Date
1897-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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¥erein§bale Berljner Postacltungs-Ugtc 1012, jZentrar0־r^ar^ für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag. UV' Bezugspreis Hk. 0,75 vierteljährlich, für auswärts 1,00 Hk. 'X Insertionspreis für die viergespeltene Petitzeile 38 Pt,. Redaktion,!Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Elisabethstrasse 59 a Nummer 20. Berlin, den 14. Mai ¥897 IM. Jahrgang. Fernsprech-Anschluss Amt VII, No. 4662. Das Reichenheimsche Gemeinde-Waisenhaus. Die in diesen Tagen veranstaltete Feier des fänfundzwanzigjährigen Bestehens des Reichenheimschen Gemeinde- Waisenhauses giebt uns eine besondere Veranlassung, unsere Leser mit dieser Anstalt, die zu den segensreichsten der jüdischen Gemeinde gehört, näher bekannt zu machen. Im Jahre 1869 fassten der Fabrikbesitzer Moritz Reichenheim und seine Gattin Sara, geh. Prins, den Ent- Schluss, aus ihren Mitteln ein Waisenhaus zu errichten, auszustatten und der jüdischen Gemeinde als Eigentum zu überweisen. Sie bestimmten zu dem Zwecke die ansehnliehe Summe von 750000Mark und liessen nach Erwerbung von Grund und Boden den Plan zu dem Gebäude von dem Geheimen Regierungs- und Baurat Hitzig anfertigen und den Bau im Frühjahr 1871 beginnen. Am 8. Mai 1872, dem Gebnrtstage der Mitbegründerin, wurde das Waisenhaus eröffnet. Doch die geplante freudige Eröffnungsfeier verwandelte sich in einen Traueract. Dem edlen Stifter, Herrn Moritz Reichenheim, sollte es nicht vergönnt sein, seinen Herzenswunsch erfüllt zu sehen — am 16. April starb er nach längerer Krankheit. Zunächst wurden 21 Knaben und 13 Mädchen aufgenommen, die schon vorher, auf Kosten der jüdischen Gemeinde, unter Aufsicht der Waisen-Kommission, in Familienpflege waren. Die Anstal*, welcher durch allerhöchste Kabinetsordre Seiner Majestät des Königs vom 15. Juni 1872 die Rechte einer juristischen Person verliehen wurden, führt den Namen ״Waisenhaus der jüdischen Gemeinde, gestiftet von Moritz und Sara Reichenheim.“ Sie hat ihren Platz am Weinbergsweg 11c und macht durch ihre gefällige, aber ernste Architektur den Eindruck eines öffentlichen Bauwerks. Sie liegt 16,6 m von der Strassenflucht entfernt, inmitten eines Grundstücks von 67,8 m Breite und 83 m Tiefe (56,27 Ar.), auf einer Anhöhe von 4,4 m über dem Strassennivean und ist rings von einem Garten umgeben. Die Grundform des Gebäudes ist die des Hufeisens der vor^pringende Mittelbau erhält 1m Wesentlichen die Räume für die Verwaltung und diejenigen Räume, welche den Abteilungen für Knaben und Mädchen gemeinsam dieneu. während der rechte Flügel zur Aufnahme der Knaben und der linke für die Mädchen bestimmt ist. Grund und Boden, die Errichtung der Gebäude und die Beschaffung des luventars, hatten einen Kosten aufwand von 366 000 Mark verursacht; der Rest des für das Waisenhaus ausgesetzten Beträges von 384000 Mark wurde als eiserner Fond der jüdi sehen Gemeinde überwiesen, die nunmehr die Kosten der Erhaltung der Anstalt zu tragen hat. Zweck der Anstalt ist die Erziehung halb oder ganz verwaister Knaben und Mädchen jüdischen Glaubens aus der Berliner Synagogen- Gemeinde. Dieselben besuchen öffentliche Schulen. Die Leitung der Anstalt ist bestrebt, die Mehrzahl der Zöglinge dem Handwerkerstande zuzuführen. Die Vorliebe für das Handwerk wird in den Zöglingen durch erziehliche Mittel, so z B. auch durch eineu in der Anstalt׳ eingerichteten Handfertigkeits-Unterricht geweckt. Für körperliche Uebungen ist durchTurnunterricht gesorgt, der durch eine praktisch eingerichtete Turnhalle wesentlich gefördert wird. Das Reichenheimsche Waisenhaus.

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