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Berliner Vereinsbote · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Es bandle sich darum, dass der Mensch lerne, seine Stimmung zu beherrschen, dass er sich in den Grenzen halte, welche die Vernunft vorschreibe und die Nützlichkeit erheische. (Stürmischer Beifall.) Für ihn, den Redner, sei heute ein solcher Sabbath. Auch möchte er sich zu so grossen Dingen, mit denen der Vorredner sich beschäftigt hat, nicht versteigen, und es sei gut, in den Grenzen des Kommerses zu bleiben. (Bravo!) Ueberdies sei er mit seinen bescheidenen Worten nicht in der Lage, in so grossen Fragen, wie sie hier berührt wurden, aufzukommen. (Rufe: Oho! und Sehr gut!) — Frau Lazarus nickt zustimmend mit dem Kopfe.) Hierauf schildert Professor Lazarus einige Episoden aus seinem Leben und erwähnte die Ursachen, die ihn dazu führten, das Studium der Völkerpsychologie zu betreiben. Lazarus schloss, indem er die jüdische Jugend aufforderte, den Gedanken der Menschheit stets zu pflegen, mit einem Hoch auf die ״Lesehalle“. Die Ausführungen des Professor Lazarus fanden enthusiastische Aufnahme. Ein Trinkspruch auf Dr. Fialla, welchem das Verdienst gebührt, die Lazarus-Woche in Wien veranstaltet zu haben, veranlasste diesen zu einer beifällig aufgenommenen Rede, welche darin gipfelte, dass die Juden aus den Belehrungen und Anregungen, die ihnen in so reichem Masse durch die Vorträge der berühmten Gäste zu teil geworden seien, Mässigung und Weisheit, aber auch Stärkung des Selbst* bewusstseins lernen mögen. Der Kommers schloss in animiertester Stimmung in später Nachtstunde. Ein neues Stücklein vom Wiener Magistrat. In einer der zahlreichen Wählerversammlungen, welche jüngst in Wien abgehalten wurden, ergriff Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Galizenstein das Wort, um wie die ״Neuzeit“ schreibt, Folgendes mitzuteilen: Er habe vor kurzer Zeit eine Verlassenschaftsabh&ndlung durchzuführen gehabt. In dem betreffenden Testamente seien 100 Gulden für hilfsbedürftige Israelitinnen testiert gewesen. Bald darauf habe der Wiener Magistrat in einer Zuschrift mitgeteilt, der Stadtrat habe in einer Sitzung beschlossen, auf das Legat von 100 Gulden für arme Israelitinnen zu Gunsten der׳ Klostervorstehung ״zum guten Hirten“ zu verzichten. Die Verlassenschaftsbehörde jedoch habe hierauf dem Stadtrate in entsprechender Form bedeutet, dass er nicht das Recht habe, über ein mit specieller Widmung versehense Legat derart zu verfügen. ״Ich erwähne dies hier,“ sagte Dr. Galizenstein, ״um zu zeigen, dass sich heute die liebergriffe der Antisemiten auch auf des Privatrecht erstrecken. Ich halte diesen Fall für viel krasser als alles, was im Landtag geschehen ist mit den verweigerten Subventionen. Wenn man selbst die Schnur zum Säckel in der Hand hat — gut. Aber das, was den Armen gehört, ganz betrögenen Elementen zuführen zu wollen, das geht zu weit. Was geschieht dann, wenn sich das nicht an der Barriere des öffentlichen Rechtes bricht? So lange es österreichische Richter giebfc, wird das nicht geschehen; aber was geschieht denn mit den öffentlichen Spenden, die an dieser Stelle zur freien Verteilung gegeben werden? Es bedarf nicht erst juristischer Schulung, um zn wissen, das man nicht das Recht hat, fremdes Geld zu verschenken. Wenn sich der Stadtrat, dem übrigens auch Juristen angehören, so offen über die Legalität hinwegsetzt, so ist dies einer der klarsten Beweise, wie die Antisemiten Recht und Gesetz respektiren. Der Antisemitismus in Ungarn hat ein Lebenszeichen von sich gegeben: ln Groswardein findet gegenwärtig ein magyarischer Studentencongress statt. In dem Berichte des ״Fester Lloyd“ über den Verlauf des Congreeses heisst es nun: ״Grossen Resens erregte ein gestern beim Festbankett gesprochener antisemitischer Toast des Kecskemeter ss Möbel-Fabrik % Berlin, Leipziger-Str. 114 ü. & B. 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