Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1897)
- Date
- 1897-04-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Unglücksmär, die Sache an sich braucht gar nicht weiter tragisch zu sein, beraubt oft genug den reichen Juden seines mühsam zusammengebrachten Vermögens; der Mangel an Grundbesitz ist ein sehr schwerwiegender Wirtschädlicher Nachteil, der mit der Zeit seine schwächenden Rückwirkungen schon äussern wird. Die Gesetzgebung ist ohnehin den nichtindustriellen und bodenwirtschaftlichen Erwerbszweigen nicht sehr günstig, namentlich diejenigen Gewerbe, die Juden hauptsächlich treiben oder seit jeher zu treiben gezwungen waren, werden allerhand Beschränkungen und Schmälerungen unterworfen. Die Schwankungen, die der Besitz erfährt, haben die Tendenz, dem Grund und Boden zu gute zu kommen. Ob der Antisemitismus bewusst oder unbewusst eine Rolle dabei spielt, ist nicht ausgemacht. Die Rückkehr zur Agrikultur ist das Einzige, was Tausenden und Zehntausenden von Juden ein ertraglieberes Dasein verschaffen würde. Wir glauben, unsere Hausierer wären unaussprechlich glücklich, wenn sie mit den selbständigen Bauern tauschen könnten, die im bescheidenen Genüsse eines kleinen aber sicheren Besitzes ein ruhiges, zufriedenes und von Nervenabspannungen freies Leben führen. Leider ist in Deutschland die Ueberführung grösserer Bevölkerungsgruppen in den Dienst agrikultureller Aufgaben nicht gut möglich, und wenn möglich, so doch dem Juden unmöglich. Man kann sicher sein, dass derartige Unternehmungen nur unter weiterer Aufwühlung judenfeindlicher Instinkte versucht werden könnten. Wir würden gewiss mit Lamentationen über jüdische Vordringlichkeit und planmässige Verwirklichung unserer Weltherrschaftsgelüste betäubt werden. Die Landwirtschaft, die jetzt als so unergiebig verschrien wird, dass damit angeblich kein Jude was zu thun haben will, würde auf einmal zur alleinigen Domäne des Christen- und arisch reinen Germanentums proklamiert werden, wie es jetzt schon mit manchen Handwerken geschiebt, obwohl früher die Vorwürfe, dass die Juden keinen körperanstrengenden Beruf erwählten, hageldicht vom Himmel des Judenhasses herabregneten. In Deutschland liesse die Unduldsamkeit, die jetzt allerorten einreisst, in dieser Richtung nichts aufkommen, selbst wenn der Anbau noch viel erhöhter Steigerung fähig wäre. Die Juden Russlands gehören zum grössten Teil dem Handwerkerstände an, ja in vielen, sehr vielen Städten giebt es nur jüdische Handwerker, was mit den statistischen Feststellungen, die gewiss nicht zu Gunsten der Juden gefälscht sein werden, im vollsten Einklänge steht. Die Statistik weist auf einen weit höheren Prozentsatz jüdischer Handwerker auf als christlicher, und doch können die Anklagen, die Juden leben nur von leichtem Gewinn, auch dort nicht verstummen. Die bittere Armut der russischen Juden ist zum Teil den einsitigen Gewerbsarten, auf die sie beschränkt sind, zuzuschreiben. (Schluss folgt ) Aus der Gemeinde. In der Sitzung der Repräsentanten-Versammlung am 24. April stellte Herr Oppenheim den Antrag, das vom ״Central-Verein für die Interessen der jüdischen Gemeinden“ eingebrachte Gesuch um Erbauung dreier Synagogen in der nächsten Sitzung zu verhandeln. Der Antrag wurde dem Ausschuss III überwiesen. Hierauf bringt der Vorsitzende ein Schreiben des Maurermeisters Gottlieiner zur Verlesung, worin letzterer sich dagegen verwahrt, in der letzten Submission Bedingungen gestellt zu haben, aus denen ihm ein Vorwurf zu machen sei. Aus der sich hieran knüpfenden Debatte ergiebt sich, dass die Firma durchaus correkt gehandelt und jeder Vorwurf unbegründet ist. Frau Bertha Manheimer hat dem Hospital eine Zu- Wendung zur Errichtung einer David und Erna Packscher- Stiftung gemacht. Der Vorstaud hat hieran den Zusatz geknüpft, dass dadurch die Zahl der Hospitaliten nicht erhöht werde. Die Versammlung lehnte diesen Zusatz ab. Die Schenkung wurde angenommen. Als Honorar für Erteilung des Religionsunterrichts an den Königlichen Gymnasien wurde bisher pro Stunde und Jahr 90 Mark gezahlt. Einem Anträge entsprechend, wurde das Honorar auf 135 M. erhöht, vorbehaltlich der Genehmigung des Provinzial- Schulkollegiums. Für das laufende Jahr wurden folgende Subventionen gewährt: Reformgemeinde 15 000 Mark, Charlottenburg 8000 Mark, Synagogen-Verein des Westens 4000 Mark, Vereinigte B’ne brith und Schochare hatob 2000 Mark, Lippmann Taus - Synagoge 1200 Mark, Synagogen-Verein Moabit 1000 Mark, ״Ahawas scholaum“ 800 Mark, ״Adass jeschurun“ 750 Mark, ״Beth Zion“ (300 Mark, Friedrichsberg 500 Mark und ,,Verein für jüdische Geschichte und Litteratur“ 500 Mark. Dem jüdischen Mädchenstift wurde auf Antrag ein einmaliger Beitrag von Mk. 1500 bewilligt. In geheimer Sitzung wurde über die Vorlage, betreffend die Feier des25jährig. Bestehens des Reichenheim’schen Gemeinde-Waisenhauses, die am 9. Mai c. stattfinden soll,beraten. Die dem Hospital der hiesigen jüdische״ Gemeinde gewordene 10,000 Mark-Spende der Kaiserin stammt, wie jetzt bekannt wird,‘ aus einem Fonds von 100,000 Mark, den seiner Zeit der Geheime Commerzienrat Schwabach der hohen Frau aus Anlass seines 50jährigen Geschäftsjubiläums zu wohlthätigen Zwecken zur Verfügung gestellt hat. Wie wir erfahren, hatte die Kaiserin damals an den Oberbürgermeister Zelle das Ersuchen richten lassen, zwei jüdische Wohlthätigkeitsanstalten namhaft zu machen, welchen solche Spenden zugewendet werden sollten. Jüdische Gemeinde. *tettrebuufU Freitag, de« BO. April in allen Synagogen abends 73/4 Uhr. Kon«ade«d, de« 1. Mai in der alten Synagoge morg. 8’/2 Uhr, in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. I«se«dsv1te»dir«ft Nachm 4Uhr Neue Synagoge Herr Rabbiner Dr. Weisse. Adeudgottesdienst 81/* Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen in allen Synag. morgens 61/2 Uhr und abends 6V2 Uhr. ״Adass jeschurun“ Alte Schönhauserstr. 42. Sonnabend Predigt, Herr Rabbiner Dr. Ellenbogen. Jüdische Lesehalle und Volksbilbli othek Münchener Hof, Spandauerstr. 11-13 für jedermann geöffnet: an Wochentagen von 1/2״— Sonnabend u. Sonntag v. ,/22—726 Bücher werden ausser Sonnabend täglich gewechselt. ספרים מחזורים טליחים (Talasse in Wolle u. Seide) Silbertressen!"HUTD empf• H. Engel’s Buchhdlg., Berlin 6., Klosterstr. 10. TTTTTTTTTTTlTITIIIiTIirTITTTTTl IIIIIllIll.., ״Juda s ¥öcMer״ : - Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen 1895. “ " Montag, S Mal, abends 872 ühr präoise ״ - in unserem Vereinshause Königstr. 291. יי ׳ WU" Geschäftliche Sitzung. * Beschlussfassung über die Sommersaison. (Nur Mitglieder.) יי י Der Vorstand: Ida Ranft, Vorsitzende. י Vereinigung Monbijou. Vom 1. Mai bis 1. September fallen die regelmässigen Sitzungen bis auf Weiteres aus. Von der Wiederaufnahme derselben werden die p. p. Mitglieder zur Zeit in Kenntniss gesetzt werden. Der Vorstand- Der Israelitische Wohlthätigkeits-Verein ..HUMANITA s Bikor Chaulim hat den Zweck, seine Mitglieder und deren Angehörige nach Maassgäbe der statutarischen Bestimmungen zu unterstützen. a) In Krankheitsfällen freie Behandlung durch den Vereins-Arzt Herrn Dr. Caro, Alte Schönh&userstr. 50 für alle Familienmitglieder, soweit diese unter 21 Jahren, b) freie Arznei, Bandagen, Heilserum etc. c) Geldunterstützung in Krankheitsfällen der Mitglieder, d) Mitglieder, welche mindestens ein Jahr dem Verein angehören und für welche der Vereinsarzt eine Badereise zur Herstellung der Gesundheit notwendig erachtet, eine Unterstützung bis zur Höfic von BO Mk. während der Dauer der Badereise zu gewähren. Jedes Mitglied zahlt bei Neuaufnahme in den Verein eine Einsehreibegebühr von 2 Mk. und monatlich nur 1 Mk. Beitrag. Der Verein veranstaltet zum Besten der Unterstiitzungskasae stets vier grosse Festlichkeiten im Jahre. Meldungen sind an den Vorsitzenden, Herrn Buchdruckereibes. S. Kunz, Rochstr. 15 zu richten;