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Berliner Vereinsbote · 1897-04-30 · Heft 18 (30.4.1897) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berliner ¥erein$befe. "cT ^enfröf-01^01^ für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag. Bezugspreis Hk. V,7ü vierteljährlich, für auswärts 1,00 Hk. Pcstzeitungs-Usto 1012. ׳s£±* \ r>'J Nummer 18. Berlin, den 30. April 1897 lll. Jahrgang. WM- Fernspreeli—Anschluss Amt VII, No. 4662• Unseren werten Lesern — soweit sie den Abonnementsbetrag pro II. Quartal noch nicht entrichtet haben — werden wir in den nächsten Tagen eine Quittung über 75 Pfg. zu präsentieren uns erlauben. Wir bitten höfl., die Quittung zu honorieren um sich so die prompte Zustellung des ״Berliner Vereinsbote“ zu sichern. ״Berliner Vereinsbote“, Elisabethstrasse 59a. Eine wichtige Frage. Von B. Traubenberg. Der Zugang zum Ackerbau, der tJrbeschäftigung des jüdischen Volkes, ist durch geschichtliche Gewaltakte dem Juden leider völlig ahgeschnitteu. In der alten europäischen Heimat kann sich der Jude die Pforte zum Landbau nicht ersehliessen, der Gründe hierfür sind mannigfache vorhanden. Zunächst befindet sich der Jude in der eigentümlichen Lage des Poeten im Schillerschen Gedichte. Die Welt ist weggegeben, der ״irdische“ Besitz ist verteilt und Europa .bietet — wenigstens im Westen — keinen Raum mehr für etwaige Ansprüche, die eine der ältesten Kultur- Völker an den Boden erheben könnte. Der eine oder andere mag ja hie und da mit Pflug und Sense dem Humus seinen Lebensunterhalt entlocken, solche Fälle werden nicht allzu selten sein, aber im Vergleich zur Gesamtmasse des Judentums sind das doch vereinzelt auftretende Erscheinungen. In Deutschland sowohl wie in Oesterreich-Ungarn ist eine geringe Anteilnähme für Bodenbearbeitung sicher vorhanden, indes sind einer weiteren Entwickelung auf diesem Gebiete, die so wünschens- und erstrebenswert wäre, die beengendsten Schranken von vornherein gezogen. Die ungeheure Dichtigkeit der Bevölkerung des westlichen Europas lässt eine Ausdehnung bodenwirtschaftlicher Thätigkeit durch die Juden thatsächlich nicht zu. Ist doch die Auswanderung aus den Reihen״ der Landleute grösser als die aus irgend einem anderen Bevölkerung»- teil, wenden sich doch mit jedem Frühjahr immer riesiger anschwellende Scharen, besonders aus Deutschland, dem westlichen Erdteil zu, um zumeist die fremde Erde anzubauen. Die drückende Enge und die winzigen Aussichten der heimatlichen Verhältnisse haben diesen kräftigen Bauern truppen den Wanderstab in die Hand gedrückt. Die Möglichkeit bethätigender Ausbreitung regt die Kräfte an und spornt zu frischem Fleiss und kühnen Unternehmungen an. Die Unmöglichkeit, das frisch pulsierende Blut in Thätigkeit zu versetzen, treibt so viele arbeitslustige Menschen aus den väterlichen Hütten fort So ist es erklärlich, dass Deutschland eine Viertelmillion seiner produktivsten, zähesten Bürger an Amerika in einzelnen Jahren abgieht. Freilich in Russland, wo guter und ertragkräftiger Boden in gewaltigen Flächen noch der Bewirtschaftung harrt, wäre ja Raum genug, um die Juden dem langentwöhnten Landbau wieder zuzuführen, ein Streben, das unter den russischen Juden ja viel Anklang gefunden hat und der Verwirklichung entgegengebracht werden sollte. Aber die neueren drakonischen, die Juden für vogelfrei erklärenden Massregeln, haben sich wie ein tötlieber Reif auf diese jungen und zarten Keime gelegt, und die .wenigen Kolonien, die als ein vielverheissender Anfang angesehen wurden, werden wohl unter der russisehen Barbarei und den Chikanen der niederen und höheren Beamten vom Erdboden verschwinden. Was im Westeil der Mangel an Platz verhindert, das thut hier asiatische Zerstörungssucht. Wir halten es für dringend erforderlich, einen grossen Kern des Judentums, — wie in der Urväter Tagen — an die Scholle zu fesseln. Der aufmerksame Beobachter der sich jetzt entwickelnden Zustände muss um die materielle Zukunft der Juden besorgt werden. Trotz des so viel verschrienen angeblichen Reichtums der Juden scheint uns die Wohlfahrt derselben auf ziemlich wankenden Füssen zu stehen. Es giebt vielleicht nicht wenige Juden, die dieses von unseren Feinden fortwährend mit Posaunenschall ausgestossene Geschrei von den Reichtümern der Juden selbst für wahr halten, nichtsdestoweniger ist diese Fabel — eben eine Fabel, nur mit* dem Unterschied, dass diese nicht wie gewöhnlich einem edlen, sondern bösen und verwerfliehen Zwecken dienen soll. Der Jude ist namentlich an mobilem Besitz beteiligt, dessen Wert kein absoluter, sondern ein zu sehr von politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen abhängiger ist. Irgend eine

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