Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1897)
- Date
- 1897-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner ¥erein§b6te. PostzetU1ngs-L.iste 10(2 jIenfraf-©rgarL für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag. Bezugspreis Mk. 0,75 vierteljährlich, für auswärts 1,00 BDc. Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Ptg. Redaktion, Exped|tion and Annoncen-Annahme: Berlin NO., Elisabethstrasse 59 s Nummer 17. Berlin, den 23. April 1897 II. Jahrgang. -W- Fernspreeh-Anschluss Amt VII, No. 4662. '"WM Unseren werten Lesern — soweit sie den Abonnementsbetrag pro II. Quartal noch nicht entrichtet haben — werden wir in den nächsten Tagen eine Quittung über 75 Pfg. zu präsentieren uns erlauben. Wir bitten höfl., die Quittung zu honorieren um sich so die prompte Zustellung des ״Berliner Vereinsbote“ zu sichern. ״Berliner Vereinsbote", Elisabethstrasse 59a. Stimmen der Presse über: ״Die konfessionelle Eidesformel“. Dass der von antisemitischer Seite eingebrachte und auch vom Reichstage angenommene Antrag auf Wiedereinfuhrung der confessionellen Eidesformel den Zweck haben soll, die Heiligkeit des Eides su erhöhen, ist eine Behauptung, die die Antisemitenhäuptlinge ihren leichtgläubigen Anhängern und gedankenlosen Nachbetern auftischen; die werden es ihnen vielleicht glauben. Selbst der grösste Teil der judenfresserischen Presse giebt die rein antisemitische Tendenz des Antrages zu und brüstet sich mit diesem ״grossartigen Erfolg“. Andrerseits fehlt es aber auch nicht an mutvollen Verurteilungen des Antrages und an sachlichen Widerlegungen der Berechtigung desselben. Das ״Berliner Tageblatt“ schreibt: .... Was aber der antisemitische Antrag bezweckt, das ist etwas ganz anderes. Er ist ein Vorstoss auf dem Wege, die bürgerliche Gleichberechtigung zu beseitigen und diejenigen, die nicht der christlichen Konfession angehören, vom Richteramte auszuschliessen. Den Hetzereien der Antisemiten wird es gelingen, herbeizuführen, dass Zeugen sich weigern werden, den spezifisch christlichen Eid vor einem jüdischen Richter zu schwören, und man wird dann weiter daraus zu folgern suchen, dass ein Jude überhaupt in einem christlichen Staate nicht Richter sein dürfe. Nun haben zwar bereits vor Einführung der Reichsjustizgesetze, durch welche das Erfordernis des konfessionellen Eides beseitigt worden ist, jüdische Richter den christlichen Eid abgenommen, ohne dass dadurch die Zeugen sich in ihrem Gewissen bedrängt gefühlt haben. Weder von konservativer noch von nltramontaner Seite erhob sich im Reichstag bei Beratung der Strafprozessordnung eine Stimme für die Beibehaltung des konfessionellen Eides und die Regierung hatte es nicht einmal für nötig erachtet, die Beseitigung der konfessionellen Formel in den Motiven irgendwie näher zu begründen. Aber freilich trieben damals die Leute vom Schlage der Herren Liebermann, Böckel und Ahlwardt noch nicht ihr Wesen, und sie konnten sich noch nicht rühmen, die Konservativen und die Centrumspartei an ihrem Gängelbau de zu führen. Die Herren werden, durch die Abstimmung der klerikal-konservativen Mehrheit ermutigt, auf dem beschrittenen Wege fortfahren, um ein Bollwerk der bürgerlichen Gleichberechtigung nach dem andern niederzureissen. Mit der Beseitigung der Gleichheit der Konfessionen wird man beginnen, und die Beseitigung der übrigen freiheitlichen Güter der Nation wird nachfolgen. Nur ein einmütiges Zusammengehen aller liberalen Elemente im deutschen Volke wird es verhindern können, dass unsere Nation durch die freiheitsfeindlichen Elemente von der Höhe der Kultur herabgedrückt wird, welche sie bisher unter den Staaten Europas eingenommen. Die ״Elbinger Zeitung“: .Von freisinniger Seite wird im Interesse der Israeliten gegen die Einführung der konfessionellen Eidesformel Stellung genommen; und somit ist die ganze Frage künstlich in ein antisemitisches Licht gerückt. Antisemitisch ist diese Frage aber nur in dem Sinne, in welchem jeder Christ selbstverständlich Antisemit ist, und die Juden selbst haben gar keine Ursache, diese durchaus berechtigte Forderung der Christen zu bekämpfen. Wenn aber antisemitische Blätter gar mit dem Vorwurfe kommen, die Konservativen verleugneten ihr Tivoli-Programm, weil sie den v. Liebermannschen Antrag ausdrücklich des antisemitischen Charakters entkleidet haben, so ist das töricht. Aus der ganzen Reichstags -Debatte hätten sie lernen können, dass der Radau-Antisemitismus a la Ahlwardt die Lösung der Judenfrage nur hindert und den berechtigten christlichen Antisemitismus in den weitesten Volkskreisen diskreditiert hat. . . . Die biedere ״Staatsbürger-Ztg“. .... Mit dem Antrag Liebermann v. Sonnenberg hat die Deutsch-sociale Reformpartei einen doppelten Zweck erreicht. Er ist mit grosser Mehrheit angenommen worden und hat die Stellung der Parteien zur Judenfrage geklärt. Die Regierung wird bei der bevorstehenden Revision der