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Berliner Vereinsbote · 1897-04-09 · Heft 15 (9.4.1897) · page 2

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Ideen und unter den Augen ihres Stifter gedeihliches Leben entfaltet. : Ihr war Makower alles. Nicht blos materielle Hilfe gewährte er, er gab, was mehr ist, sich selbst, seine Liebe, seine Kraft. Er stahl sich die Stunden ab, um seine Pfleglinge zu besuchen. Er lehrte sie, er las ihnen vor. er erzählte Märchen mit dem ihm eigenen köstlichen Humor; er sang, turnte und spielte mit ihnen. Wohl verlangte er viel von Zögling und Erzieher. Sein Wahlspruch war: ״Es sei nicht besonders lobenswert, wenn jemand seine Pflicht thut, erst dann dürfe man es beachten, wenn jemand mehr thäte.“ Darum war ihm Müssiggang verhasst, und was man gewöhnlich unter Ruhe versteht, kannte und duldete er nicht. ״Ruhe ist nicht Müssiggehen, sondern anders als gewöhnlich sich beschäftigen״, pflegte er zu sagen. Auch das Wort ״ich kann nicht“, stand auch nicht in seinem Wörterbuche. Aber mit dieser Festigkeit, die manchem unbequem werden konnte, verband er einen reinen Kindersinn, eine herzliche Mitfreude mit allen Regungen der Kinderseele. Wie strahlte sein Antlitz, wenn er die Fortschritte der Kinder wahrnahm, wenn diese ihm eine neue Zeichnung, eine Handarbeit vorzeigten, wie war er beglückt, wenn die Kleinen ihm ein Gedicht deklamierten, ihre Liedlein vorsangen. Ihm waren die Anstalt und ihre Pfleglinge ans Herz gewachsen. Gleich Frau und Kinder bildeten sie ein Glied der Familie, und wie ihre Freude die seinige, SO war seine die ihrige. Kaum ein Tag verging, wo ׳ nicht Geschenke verschiedenster Art in Pankow ankamen, bald Bücher, bald Bilder und ähnliche Gegenstände. Von einer Reise kehrte er nie leer zurück. Muscheln, Schnecken, Käfer, Schmetterlinge, seltene Blumen und Steine brachte er mit aus den Alpen, vom Oceaii, staunend hingen die Blicke an ihm, wenn er von fremden Ländern erzählte. — Keinem der Kinder wird der Aufenthalt in Kalau, wo er eine Besitzung hatte, aus dem Gedächtnis schwinden, keinem die Tage, da er mit seinen kleinen Gästen Streifzüge durch die dortige Gegend, gemeinschaftliche Kahnpartien durch den Spreewald unternahm. Wunderbar war der Einfluss, den er auf alle seine Mitarbeiter ausübte. Die hehre Begeisterung für seine Ideen, die jugendliche Kraft und Elastizität, die Energie. mit der er alle Beschwerden des Alters übörwand, wenn sie ihn hinderten, seine Lieblinge zu besuchen, das hegeisterte alle, die mit ihm und unter ihm an seinem Werke arbeiteten; man wärmte sich an dem Feuer, das in dem Busen dieses Mannes glühte. Und die Kinder! Mit welcher Liebe hingen sie an ihm! Der Sonntag schien allen nicht recht gelebt, wenn er, was nur selten vorkam, nicht in Pankow war. Auch die Handwerker, die längst das Haus verlassen hatten, zog es immer wieder in seine Nähe; wussten sie ja, welche Liebe und Anteilnahme ihnen entgegengebracht wurde. Sie konnten mit Recht in ihrem Nachruf sagen: הDurch seine innige Liebe, seine milde, herzgewinnende Art hat er ans, die er zu seinen Kindern erwählt, Vater und Mutter ersetzt.“ Seit drei Jahren gab es für Makower einen noch mächtigeren Anziehungspunkt in Pankow, das war das ,,Mädchenhaus“. Schon im Jahre 1888 war er in einem Vortrage dafür eingetreten, dass man die Aufmerksamkeit mehr als bisher der Lage der armen jüdischen Mädchen zuwenden müsse: Man müsse bewirken, dass die Töchter armer Eltern sich mehr dem dienenden Stande widmeten. Vor drei Jahren endlich konnte er seinen Plan, ein Haus zu gründen, in welchem solche Mädchen aus ganz Deutschland für den dienenden Stand vorbereitet würden, ausführen. Das Blühen und Gedeihen dieses Hauses, war in seinem letzten Lebensjahre seine grösste Freude. Jegliche freie Zeit brachte er daselbst zu, bald lehrend, bald mit den Mädchen spielend. Noch am Sonntag vor seinem Tode hatte er sich nicht abhalten lassen, nach Pankow zu wandern, trotzdem er bereits den Tag vorher erkrankt Die Mädchen fühlten, wie sie ihm ans Herz gewachsen waren, und ob sie auch aus allen Gegenden Deuschlands zusammengeschneit waren, das Gefühl der Verehrung und Liebe zu ihm einigte die verschiedensten Charaktere in harmonischer Weise. Sie haben den liebenden Vater verloren. Wir aber stehen mit ihnen trauernd an seinem Grabe und sprechen mit dem Dichter: Friede sei um diesen Grabstein her, sanfter Friede Gottes. Ach, sie haben einen guten. Mann begraben, und uns war er mehr! H. F. Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. greift10, den 9. April in allen Synagogen abds. 7 Uhr. Sonnabend, den 10. April in der alten Synagoge morg. 82/ג Uhr, in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. Abendsottesdienst 7 Uhr. 37 Min. Gottesdienst an den Wochentagen morgens in der Alten u. Kaiserstr-Syn. 672 Uhr,Neue und Lindenstr.-Syn. 7 Uhr. abends in allen Syn. 6 Uhr. Religionsschule des Leuisenstädt. Brüdervereins, Annenstr. 1h. I. Das Sommerhalbjahr beginnt Mittwoch, d. 28. April, Nachm. 3 Uhr. Anmeld, nimmt Herr Fred. Bleichrode, Sonntag, d. 25. April, Vorm. 10—12 Uhr, im Schullokal entgegen. Barmizwah-Unterricht unentgeltlich. Jüd. Lesehalle und Volksbibliothek Münchener Hof, Spandauerstr. lt-13 für Jedermann geöffnet; an Wochentagen (ausser Freitag) von 7—10 abends, Freitag, Sonnabend und Sonntag von 1—5 nachm. Bücher werden gewechselt: Sonntag, Montag, Donnerstag u. Freitag in den Lesestunden. : ״Juda’s Töchter“ * Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen 1895 ' m (Alte Vereinigung.) ' ־ Montag, den 12. April a. c., abends 8% Uhr pr.; » in unserem Vereinshause Königstr. 29. . " Vortrag des Herrn SUnon Spandau: t 1 ״l>ie Bedeutung des Pessaehfestes.“; jj Gäste (Damen) willkommen. | n Der Vorstand: Ida Ranft, Vorsitzende. « Verein für jüdische Geschichte u. Litteratur. Mittwoch, den 14. April, präcise 8V2 Uhr, ÜV" Discussions-Abend "dl im Architekten-Hause, Wilhelmstrasse 92, Saal B. Vortrag des Herrn Dr. N. Birnbaum: Henrik Ideen und die jüdische Weltanschauung. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Vereinigung Monbijou. Nächste Sitzung: Mittwoch, den 14. April er. präeise 9 Uhr, in Cassel’s Hotel, Burgstr. 16., Vortrag. Gäste haben Zutritt. Dar Vorstand. Wölfische Ez-Chajim- Gemeinde. Landsbergerstr. 85. Die Einweihung findet am 11. April Nachm. 4 Uhr statt. Festpredigt RabbinerDr.Grün־ fei dt jr._Der Vorstand. Litterarisch - Gesellige Vereinigung! Dienstag, den 13. April 1897 Sitzung mit Damen. ״Kopf und Herz.“ Festspiel von Martin Cohn. Vorgelesen von Herrn Georg Wolff. Anfang 9 Uhr präcise. Verein ״Schomre schabbos. Stellnngsuchenden, die den Sabbath halten, wird Beschäfbigung nachgewiesen und Unter- Stützung gewährt. Beitrittserklärungen nimmt entgegen und Auskunft erteilt Eonis Becker, Linienstr. 71. ספרים מחזורים טיליתים (Talasse in Wolle u. Seide) Silbertressen N1NM empf. H. Engel’s Buchhdlg., Berlin C., Klosterstr. 10.

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