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Berliner Vereinsbote · 1897-04-09 · Heft 15 (9.4.1897) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berliner ^erein$b61e *0r (Icnlral-Örgai] für die jüdischen Vereine!Berlins Erscheint jeden Freitag. PT Bezugspreis Mk. 0,75 vierteljährlich, für auswärts 1,00 Mk. Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Redaktion, Expedition und Annonoen-Annahme: Berlin NO., Elisabethstrasse 50 a. 1tung«»-1&te 1012. osm ׳ iirjj Nummer 15. Berlin, den 9. April 1897 M- Jahrgang. Trotz unserer dringenden Bitte sind noch viele Vereine mit der Beantwortung unserer Fragebogen im Rückstände, so dass wir die ״Geschichte der jüdischen Vereine Berlins“ noch zurückstellen mussten. Hoffentlich erfüllen die p. p. Vorstände unsere Bitte um Einsendung der ausgefüllten Fragebogen recht bald, so dass wir mit dem Abdruck schon in der nächsten Nummer beginnen können. Redaktion und Verlag des ״Berliner Vereinsboten“, Elisabethstrasse 59a. {־Hermann MakowerTj Träufte nur von Segen dieser Mann Wie milder Stern aus bessern Welten. (Claudius.) Einer der würdigsten Männer unserer Gemeinde ist zu Grabe getragen worden. Justizrat Hermann Makower hat seinen Lebenslauf beendet. Was er seinem Stande, der juristischen Wissenschaft gewesen, ist von berufener Seite geschildert, das gehört der Geschichte der Rechtswissenschaft an. Wir betrauern in ihm mehr, denn er war unser. Mit allen Fasern des Herzens wurzelte er im Judentum, dem er seine Kraft bis ans Lebensende widmete. Trotz seiner ausgebreiteten Thätigkeit in seinem Berufe und im öffentliebem Leben fand er noch Zeit, an den verschiedensten Arten der Wohlthätigkeit und der werkthätigen Menschenliebe in reichstem Masse Teil zu nehmen. Verkannt von vielen, fanatisch bekämpft von denen, die ihm seine entschieden liberale Gesinnung nicht verzeihen konnten, jedoch geliebt und verehrt von allen, die ihn näher kannten — so stand er der Mitwelt gegenüber. Seine Zurückhaltung, seine wahrhaft vornehme Gesinnung wurde von vielen ■für übermässiges Selbstbewusstsein und Stolz, ja, für Hochmut ausgelegt. Vielfach wurde die Meinung ausgesprochen, ״Herr Justizrat Makower scheine bei jeder Gelegenheit zeigen zu wollen, wie unnahbar hoch er über den gewöhnlichen Staubgeborenen stehe“. Welche Täuschung! Wer in nähere Beziehung zu ihm trat, der erfuhr, welch’ einen köstlichen, menschenfreundlichen Inhalt diese für viele so rauhe Aussenseite barg. Hermann Makower ist in Santomischl in Posen gehören. Früh kam er nach Berlin, wo er das Französische Gymnasium besuchte. Nach Absolvierung seiner juristischen Studien wurde er Assessor ain Berliner Stadtgericht. Später wurde er Rechtsanwalt und Notar. Früh schon zeigte er sein reges Interesse für alle religiösen Angelegenheiten unserer Gemeinde. Ein grosses Feld der Thätigkeit eröffnet© sich ihm, als er in die Repräsentantenversammlung gewählt wurde. Fast ein Menschenalter hat er dieser Körperschaft angehört, hat er, von dem Vertrauen aller zum Vorsitz berufen, der Berliner Gemeinde den Stempel seines reichen Geistes aufgedrückt. Vor niemand sich beugend, unbekümmert um Anfeindung und Hass, hat er es verschmäht, sich den wechselnden Zeitströmungen anzupassen. Sein ganzes Leben hindurch hat er die Fahne des entschiedenen Fortschrittes hochgehalten. In den letzten fünfzehn Jahren wandte er das grösste Interesse dem Erziehungshause in Pankow zu, und gerade hier bewies er seine innige Menschenliebe, sein reiches und tiefes Gemüt, sein wahrhaft jüdisches Herz in glänzender Weise. Die Anregung zur Gründung dieses Hauses gab die russische Judenverfolgung im Jahre 1882. Wie er schon einmal bei dem Neu-Stettiner Tempelbrande den verfolgten und angeklagten Juden seine helfende Hand geboten und zu deren Rettung in hohem Masse bei getragen hatte, so rief auch das Unglück unserer russischen Glaubensbrüder seine ganze Menschenliebe zu thätiger Hilfe wach. Er organisierte ein Comite, das den über die Grenze Flüchtenden Mittel und Wege zur Rettung weisen sollte. Er selbst eilte mit seinem jungen Sohne nach Brody, um an Ort und Stelle die geeignetsten Massnahmen zur Abhilfe treffen zu können. Als er aber die Tausende von Unglücklichen sah, gehüllt in Lumpen, starrend von Schmutz, in Scheunen und Viehställen hausend, als er beobachtete, wie die Not aus kraftstrotzenden, fleissigen Arbeitern, Menschen gemacht hatte, die zum grossen Teile die moralisch© Kraft nicht mehr besassen, ihre Lage durch eigene Hilfe zu bessern, da sah er ein, hier könne wahre Hilfe nur in geringem Masse gewährt werden, wenn nicht von unten herauf diesem Volke Rettung würde. ״Ich will mit den Kindern beginnen und sie in den Stand setzen, dereinst ihren Angehörigen Helfer und Stütze zu werden.w So wählte er 39 Knaben aus, die ärmsten und elendesten, und brachte sie nach Berlin. Nachdem die Anstalt kurze Zeit in der Fruchtstrasse domiziliert hatte, siedelte sie nach Pankow über, wo sie unter dem Namen Erziehungshaus seit 15 Jahren nach den

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