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Berliner Vereinsbote · 1897-03-05 · Heft 10 (5.3.1897) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Heinrich MVeitzenberg, V«ttn Hy,, IHnbSbe-g-r^kttntzsetzen an 6er Felswand in die Höhe der Klippe. Da sieht er das Ungetüm zischen und in die Höhe sich schnellen, aber vergebens und nach fruchtlosen Versuchen in seinen Gang sich zurückziehen. Er aber fiel erschöpft, ohnmächtig nieder, seine Glieder waren zerschlagen und schüttelten im Fieber, sein Herz schlug ihm bis zum Hals hinauf, vor seinem Munde sammelte sich Schaum. Lange lag er so in der Oede mit befangenem Bewusstsein — da treffen Töne sein Ohr, Töne, die er lange Zeit nicht vernommen, Gesänge, Hailoh, Getümmel von Menschen aus der Ferne. Er erwacht, erhebt sich, schaut um sich — siehe, drüben auf einer lachenden Ebene lagerte eine Karawane; in einem ziemlich gangbaren Abhange senkte sich die Felswand nach dem Flussbette zu; in diesem war der Morast verschwunden, und eine Sandbank bot einen bequemen Uebergang. Er war gerettet! Auf seine Kniee fallen, aufjubeln, dann hinunter- und hinübereilen zu den Menschenbrüdern war das Werk weniger Augenblicke. Er fand eine Horde, deren Häuptling ihm Freund war, und eine gastliehe Aufnahme. Bald geleitete ihn. sein Freund auf bequemen Wegen nach seinem Wohnsitz, er war seiner Gattin und seinen Kindern erhalten. Niemals hätte er aber die Felswand erklommen, wenn das Entsetzen vor dem Ungetüm seinen Fuss im wahren Sinne des Wortes nicht beflügelt hätte. Dem Tode wäre er in der schreckliehen Oede nicht entgangen. Die Pflege der biblischen Poesie. Es ist eine betrübende und dabei unentschuldbare That- »ache, dass die Kenntnis der poetischen Literatur der Bibel immer noch ein ausschliessliches Gut derer istj die sich eingehender und in wissenschaftlicher Weise mit der hebräisehen Sprache überhaupt beschäftigen und dass die sog. gebildeten jüdischen Kreise diesen Erzeugnissen der Weltlitteratur fremd gegenüberstehen, ihnen keinen Platz in ihren Bibliotheken gewähren, vielmehr achsefisuckend ihnen den Rücken wenden, als seien sie einer näheren Betrachtung kaum würdig. Fast eine jede NationaJlitteratur hat in ihrer Mitte einen Mann hervorgebracht, dessen Schriften und Poesien nicht nur Eigentum sein«? eigenen Heimatvolkes sondern Gemeingut aller Menschen geworden sind. Jeder Gebildete, der Anspruch auf diese Bezeichnung erhebt, kennt Shakespeare, den König 4er Dramatiker, oder die satirischen Lustspieldichter Meliere und wenn er sich recht eingehend mit fremder Litteratur beschäftigt hat, auch die träumerische Poesie Firdusis. Dass aber auch die Literatur der Bibel Erzeugnisse aufzuweisen hat, die derselben Wert- Schätzung würdig sind, davon weiss er nichts, er kennt sie kaum dem Namen nach, und von dem poetischen Inhalt derselben hat er nicht im entferntesten Ahnung. Und worauf ist die beschämende Unkenntnis zurückzuführen? Die Erfordernisse, die heut das Leben an die Fachbildung einerseits, an das allg. Wissen andererseits stellen, seien so gross, dass man unmöglich auch diesem Zweige der Litteratur seine Aufmerksam widmen kann. Es liegt leider etwas Wahres in diesen Worten; denn gegenüber den hervorragendsten litterarischen Erzeugnissen einiger anderer Völker hat die poetische Litteratur der Bibel nicht die allgemeine Geltung erlangt, die ihr gebührt. Darum wende ich mich in meinen Ausführungen nicht an die gesamte gebildete Welt, sondern zunächst an diejenigen, die dem Volke entstammen, dem diese Litteratur angehört, die also für dieses Volk die Nationallitteratur im weitesten Sinne zu nennen ist. Die hebräische Sprache war einst die Umgangssprache der Juden, sie ist noch heute für uns die heilige Sprache, in der Gott das Gesetz uns gegeben und in der wir noch heute unser Gebet zu ihm emporsenden. — Und sollte die Poesie, die uns in dieser Sprache geschenkt worden ist,, noch fürderhin uns unbekannt bleiben,

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