Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1897)
- Date
- 1897-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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J ahre&bericht bezugnehmend, drückte er ferner seine Freude aus über die erfreulichen Resultate ,des ersten. Jahres, welche zu den stolzesten Hoffnungen für diö;2ühünft berechtigen, und entwirft iii klarer Weise ein' Bild von der Art der Thatigkeit des Arbeitsausschusses, der sehr häufig in die Lage kommt, auch erziehlich auf die arbeitssuchenden Personen einzuwirken. Er betont ferner die Aufgabe des Arbeitsausschusses, den Nachweiss nicht schablonenmässig, sondern individüel zu behandeln, wie er dass an mehreren Beispielen zeigt. Er teilt darauf mit, dass von anderer Seite im Anschluss an unseren Verein die Gründung eines Central-Nachweis-Vereins für ganz Deutschland angeregt sei, ebenso die Schaffung einer Fürsorge-Commission zur Beaufsichtigung der untergebrachten Personen. Die Verwirklichung dieser Pläne, namentlich des ersteren, müsse aber schon der damit verbundenen Kosten wegen einer spätem Zeit Vorbehalten bleiben. Nunmehr trägt Herr Julius Cohn als Revisor den Kassenbericht und die Bilanz vor, und die Versammlung erteilt die Decharge. Vor Eintritt in die Wahl des neuen Vorstandes verbreitet sich der Vorsitzende über die Pflichten, welche die Gewählten mit der Annahme der Wahl übernehmen, deren unbedingte hingebungsvollste Erfüllung nötig sei, wenn der Verein auch ferner gedeihliche Fortschritte machen solle. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl werden vorgeschlagen die Herren: Rosenstiel, Julius Cohn, Th. Bernheim, Ad. Korach, D. Lichtenstein, H. Davidsohn, Julius Bodenstein, Jos. Frankel, San.-Rat Dr. Maretzki, Dr. Max Leichten tritt, Otto Haber, Direcfcor Alb. Ehrenberg, II ia Ber, E. Burchard, Alb. Bloch, J. Gutmann, 8. Steinthal, S. Weile, J. Hirschberg, Maximilian Haymann. und da gegen diese Vorschlagsliste sich kein Widerspruch erhebt, werden die genannten Herren als gewählt proclamiert. Nachdem der Antrag, den verstorbenen Herrn Siegfried Leichtentritt als immerwährendes Mitglied in den Listen des Vereins zu führen, einstimmig angenommen worden, dankt Herr J. Gutmann im Namen der Versammlung dem bisherigen Vorstand für seine erfolgreiche Thatigkeit, die Sitzung geschlossen wird. Am 23. vorigen Mts. sprach im Verein für jüdische Geschichte und Utteratur Herr Dr. N. Samter, Lehrer an der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, über ״Proselytismus und Judentum“. Der interessante Vortrag bot den zahlreichen Zuhörern viel Neues und Beachtenswertes. Dr. Samter beherrscht dieses Gebiet, dem er schon seit einer Reihe von Jahren sein ernstes Studium zuwendet, wie kein zweiter. Seine Schrift über diesen Stoff ist bekannt. An den beitällig aufgenommenen Vortrag schloss sich eine Diskussion, an der sich die Herren Dr. Adler, Hausen, Klausner, Levy und Schäfer beteiligten. In der vierten Montagsvorlesung zum Besten der Lehranstatt für die Wissenschaft des Judentums sprach Herr Docent Dr. Richard M. Meyer über die beiden Dramen von Lessing: ״Die Juden“ und ״Nathan der Weise“. Der geistreiche Vergleich dieser beiden Dramen ergab die Anschauung, dass ״Die Juden“ ein Drama der Toleranz sei, welches polemisch wirke. Der ״Nathan“ sei dagegen ein Werk der Polemik, das die wahrhafte Toleranz predige. Der Vortrag rechtfertigte den Ruf, den sich der Redner als Literarhistoriker erworben hat. Seine Dankbarkeit für den geistreichen Vortrag, der reich an kritischen Bemerkungen war, bekundete das zahlreiche Auditorium durch reichen Beifall. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde versendet an alle Wohlthätigkeitsvereine nachstehende Einladung zu einer gemeinsamen Besprechung am 6. ds. behufs Gründung eines Verbandes der Wohlthätigkeitsanstalten. Bereits in einer Zeitschrift vom Monat November v. J. ist von uns bzw. von der Centralstelle für Wohlthätigkeitsanstalten in der jüdischen Gemeinde darauf hingewiesen worden, dass das Bedürfnis, eine möglichst umfassende Ausgestaltung dieser Centrale herbeizuführen, sich lebhaft fühlbar mache. Es ist hierbei betont worden, das alleiniger Zweck dieses erweiterten Instituts die Besserung und Hebung der Armenpflege in unserer Gemeinde sein soll, und dass jeglicher Eingriff in die Verwaltung und Selbständigkeit der beteiligten Anstalten ausgeschlossen ist. Zu unserer Genugthuung hat hierauf ein erheblicher Teil der eingeladenen Anstalten seinen Anschluss erklärt, einen weiteren Teil diesen Anschluss nur noch von unwesentlichen Bedenken abhängig gewacht, deren Beseitigung in persönlicher Ausspräche zu erwarten ist. Fast alle aufgeforderten Institute jedoch haben ihre Bereitwilligkeit zur Teilnahme an dem in Aussicht genommenen Verbände der Wohlthätigkeitsansfalten ausgedrückt. Ehe wir zu dieser hochbedeutsamen Frage Stellung nehmen, bemerken wir. dass z. B. in Hamburg ein solcher Verband existirt und segensreich wirkt. Am 3. d. M. fand im Münzhof eine Versammlung der im N. und NO. wohnenden Mitglieder des ״Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ statt. Herr Dr. Moses hielt einen sehr interessanten Vortrag über: ״Berthold Auerbach und seine Stellung zum Judentum“. In der Diskussion beklagte sich Herr W. darüber, dass ein Lehrer in einer hiesigen Gemeindeschule sich in unverantliebster Weise gegen die jüdischen Schüler benommen, sie nicht nur selbst mit Schmähungen belegte, sondern auch den anderen Kindern hierzu Veranlassung gab. Herr L. berichtete über einige Fälle antisemitischer Vorkommnisse, wegen welcher der Central-Verein das Gericht angerufen. In seinem Schlusswort richtete Dr. M. einen warmen Appell an die Versammlung, nicht nur die Bestrebungen des Central-Vereins nach Kräften zu unterstützen, sondern — und das ist Aufgabe der jüdischen Frau — die Jugend mit Begeisterung für unsern heiligen Glauben zu erfüllen. Berichtigung. In dem Bericht in No. 9 des ״Berliner Vereinsbote“ über die Generalversammlung des Vereins selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens ist insofern ein Irrtum unterlaufen, als dass nicht Herr Herz zum Cassenrevisor gewählt wurde, sondern Herr Baschwitz. Herr Herz ist zweiter Schriftführer. Den werten Vereinen empfehle ich mein reichhaltiges Lager von Musikalien aller Art als: Salon-Musikstücke, Lieder, Couplets, Duette, Ensemble- und Solo- Scenen. Billigste Preise! A. Bandtlow, Musikalienhandlung Alte SohdnltauBerstr. 19. Cigarren und Cigaretten, Rauch-, Kauu. 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