Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Traurig hatte der liebe Gott zugehört, sein erhabener Geist konnte es nicht fassen, dass er nur Undank ernten sollte von den Geschöpfen, die er voll Liebe in die Welt gesetzt, und plötzlich wandte er sich an die zuletzt gekommene Seele: ״Du hast eben erst die Erde verlassen, künde mir, ob es wirklich so schlimm mit den Menschen steht, wie diese hier klagen.“ ״Allmächtiger Vater“, antwortete die Seele, ״ich habe mir Mühe gegeben in die Herzen der Menschen einzudringen, ihr Fühlen und Denken zu durchforschen, solange ich auf Erden weilte; wohl habe ich erkannt, dass die Menschen nicht mehr so sind, wie du sie in deiner göttlichen Liebe erschaffen, wohl sind sie nicht immer deiner erhabenen Lehren und Vorschriften eingedenk, und doch hat mich ihr Frohsinn und besonders ihr Lachen stets so erfreut, dass ich keinem ernstlich zürnen konnte. Ich will dir erzählen, Allgütiger, was ich zuletzt auf dem Fluge nach dem Himmel gesehen habe, dann richte du in deiner Allweisheit über sie, o Herr.“ Und die Seele begann: ״leb flog־ an einem grossen Hause vorbei, hoch oben im Giebel erblickte ich ein kleines ärmliches, aber sehr sauberes Zimmer, in dem eine Wiege stand, und darin schlief sanft ein Kind; eine Frau trat ein, ging auf die Wiege zu und beugte sich selig lächelnd über den Säugling. Dieser seiner selbst noch unbewusst, schlägt lächelnd, noch vom Traum befangen, die Augen zu ihr auf. Es hat zehn Uhr geschlagen; das Läuten einer Glocke verkündet mir, dass die Stunde zu Ende, und die Pause beginnt. Da offnen sich plötzlich alle Thüren, lärmend stürzt die kleine Schar in den Hof, durch laute» Jubeln und Lachen dem Frohsinn ihres Herzens Luft machend. Selig lächelnd kniet ein junges Paar vor den Eltern,