Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Vor allem verlangte er, elftes Daniel wieder nach Battersdorf zurückkehre, um dort vom Schulzen im Namen der Bauern- Schaft eine Beschwerdeschrift über die Gewalttätigkeiten, Beleidigungen und Abgaben, welche sich der Graf in den letzten Monaten erlaubt hatte, aufsetzen und unterschreiben zu lassen. Dieser an die königl. Regierung gerichteten Beschwerdeschrift wollte sich der Obristlieutenant bei dem Grafen, zu dem er sich persönlich zu begeben gedachte, bedienen. In seinem Kummer und seiner Angst durch die Aussichten, die ihm der edle Freund eröffnete, unendlich beruhigt, fuhr Daniel nach Battersdorf zurück und fand hier alles für ihn in der günstigsten Stimmung. Der Büttel des Grafen war wirklich in des alten Salme Hause erschienen, um die alte Frummet aus dem Dorfe und über die Grenze zu bringen. Sofort aber wurde der Schulze geholt, den aber der übermütige Diener des Grafen aufs schimpflichste behandelte, bis der Schulze ein paar handfeste Knechte herbeigeholt, die mit Vergnügen nach An- Weisung des Herrn den Büttel tüchtig durchbleueten. Nach geschehener That überkam aber den Schulzen doch einige Besorgnis vor dem mächtigen Herrn, der, wenn er es irgend vermochte, diese Beleidigung und Widersetzlichkeit gewiss ahnden würde. Es war dem Schulzen daher eine grosse Beruhigung, als Daniel erschien und den Antrag auf eine Beschwerdeschrift an die Regierung stellte. Er vermochte dem Bauer leicht einsichtlich zn machen, dass die Hilfe der Regierung allein dem Zustande ein Ende machen und ihn vor allen üblen Folgen schützen könnte. Daniel selbst setzte die Schrift auf, fasste sie mit Klarheit und Nachdruck ab, gruppierte die einzelnen Frevel des Grafen geschickt neben einander, so dass der Schulze selbst von a-lP den gewichtigen Thatsachen überrascht war und mutig seinen Namen und das Amtssiegel daruntersetzte. Darüber war freilich die Nacht hereingebrochen und Daniel musste seine Ungeduld bis zum andern Morgen zügeln. Er hatte sich freilich die erste Nacht im elterlichen Hause ganz anders geträumt. Aber die Hoffnung war ja wieder in sein verzweifelndes Herz eingezogen, und so fand ihn der | erste Frühstrahl der Sonne wieder auf dem Wagen, um seinen Beschützer die geforderte Schrift zu bringen. Bis jetzt war ihm durch Gottes Hilfe and Fügung alles so trefflich gelungen, dass er darin eine Bürgschaft für alles Weitere zu erblicken glaubte. Doch sehen wir uns zuvor nach Rosa unu ihrem Schicksale um. Einige Stunden mochte wohl die Fahrt gedauert haben, bis endlich die Kutsche, in welcher man Rosa mit Gewalt gepackt und verschlossen hatte, vor dem Portal eines altertümlichen Gebäudes hielt. Es war eine erschreckliche Fahrt. Denn ausser dem Sturm und dem immer von neuem niederrausehenden Platzregen ging sie auf den holprigsten Wegen, meist durch Wälder, bald aufbald abwärts, dass der Wagen bald auf die eine, bald auf die andere Seite sich neigte und immerfort umzuschlagen drohte, und das Mädchen hin und hergeschleudert kaum zur Besinnung kam. Als der Wagen hielt und der Schlag geöffnet worden, trat ihr ein altes hässliches Weib mit einem Licht entgegen, führte sie schweigend durch Gänge und über Treppen in einen langen Corridor. wo sie endlich eine Thür öffnete, das Mädchen hineinnötigte, das Licht auf den Tisch stellte, und sich entfernte. Rosa hörte, wie jene die Thür verschloss, und sich dann langsam entlernte. Sie befand sich allein in einem grossen Gemach, das einst mit grosser Pracht ausgestattet gewesen, jetzt aber veraltet und zum Teil in seinen Tapeten und Vorhängen zerschlissen und vom Zahn der Zeit überall angenagt war,־ die Möbel waren altmodisch lind massiv, nur ein schönes weissüberzogenes Bett mit reichen Umhängen winkte ihr freundlich aus einer Ecke entgegen. Mitternacht war schon vorüber; der Wind heulte um und durch das Gebäude, stiess auf die Fenster und Läden, dass sie immerfort klapperten, und das Licht hin und her flackerte. Rosa empfand ein tiefes Grausen und warf sich verzweiflungsvoll in einen alten Lehnstuhl, der vor dem Tisch stand. Sie hatte keine Thränen, denn Schrecken erfüllte ihre Brust. Sie rang nur die Hände, griff von Zeit zu Zeit nach der brennenden Stirn und erleichterte ihr beängstigtes Herz in Seufzern ... (Fortsetzung folgt.)