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Berliner Vereinsbote · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Herr I. Rosenthal, der bisherige verdienstvolle Vorsitzende des Vereins ״Gemilus chassodim‘', hat den Vorsitz freiwillig niedergelegt. Es ist dies im Interesse des Vereins zu bedauern, und wir wünschen, dass es diesem so segensreich wirkendem Vereine an einer geeigneten Leitung nicht fehlen möge. Der ״Humanitäts-Verein für Gewerbetreibende von!868" feierte am 2(5. d. M. im Hotel Imperial sein 2!>. Stiftungsfest. Der Abend ist als ein sehr gelungener zu bezeichnen und bot das hübsch zusammengestellte Programm eine Fülle hervorragender Leistungen, von denen die Vorträge «ler Opernsängerin Frl. Schröder, der Herren Weinbaum, Halpern und Springer ganz besonders erwähnt seien. A11 der Kaffetafel begrüsste der Vorsitzende des Vereins, Herr Alex Büchel, die Gäste und Mitglieder, und noch manche andere Rede wechselte mit Toasten und Ansprachen etc. Ausser «lern pekuniären Erfolg, den dieses Fest brachte, führte es dem Vereine neue Mitglieder zu, so dass die Hoff- 111mg, der Humanitätsverein werde auch in Zukunft seine crspriessliche Thätigkeit zum Segen seiner unrerstützungsbedürftigen Mitglieder fortsetzen, voll und ganz ihre Bereehtigung haben dürfte. Im ״Verein für jüdische Geschichte und Litteratur‘ hielt am 21). Dez. Herr Lehrer A. Lev.v einen Vortrag über; ״Volks- und Familienfeste im alten Israel״. Heiner verstand es, dieses streng wissenschaftliche Thema nach allen Seiten zu beleuchten und allgemein verständlich zu behandeln. Das zahlreich erschienene Publikum folgte dem mehr als emstümligen Vertragt- bis zum Ende mit •lern gespanntesten Interesse und gab dann seiner Befriedigung durch lang anhaltenden Beifall Ausdruck. Unter hervorragenden Gästen bemerkten wir den Dichter Hernnaim Sudermann, welcher nach Schluss des Vortrages sich über denselben mit dem Herrn Vortragenden privatim noch eingehend unterhielt. Im Vortrage selbst wurde zunächst der Begriff ״Volksfest“ gegenüber dem religiösen und politischen festgestellt. Der Herr Vortragende schilderte eingehend das Jungfrauenfest des lf>. Ab. dessen hohes Alter er entgegen der talmudischon Ansicht nachzuweisen suchte. Dann wurden das Fest des Wasserschöpfens, die Vorbereitungen zum Omerschwingen und zum Darbringen der Erstlingsfrüchte, sowie das Weidenfest!grosses Hosianna; ausführlich geschildert. Der vorgerückten Stunde wegen, konnte der Herr Vortragende vom zweiten Abschnitte (Familienfeste! eingehend nur die Hochzeitsgebräuche behandeln, wobei eine Fülle interessiereu der bisher wohl noch unbekannter Momente zu Tage gefördert wurden. A11 den Vortrag schloss sich eine kurze Diskussion, in welcher sich die Herren Muszkat, Albert Katz und Dr. Brody beteiligten. Hierauf erüffnete der Vorsitzende Dr. Karpeles die General-Versammlung. Der Bericht über die Thätigkeit des Vereins weist ein erfreuliches Bild der Entwichelung auf. Auch die Kassenverhältnisse gestalteten sich im letzten Jahre günstiger. Es wurden 7 Vortrags- und 7 Diskussionsabende abgehalten, die durchweg gut besucht waren. In diesem Jahre werden die Mitglieder die ״Zionsharfe von Dr. Karpeles“ erhalten. Nachdem die abgeänderten Statuten beraten und genehmigt׳ worden, fand die Wald des Vorstandes und der Commissionen statt, die eine Wiederwähl aller bisher Gewählten ergab. Zum Schluss machte der Vorsitzende auf die demnächst zu eröffnenden Fortbihlungkurse aufmerksam, für welche bereits drei hervorragende Lehrkräfte gewonnen sind. Am Sonnabend den 2. Januar IS!>7 findet eine Sitzung der ״Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin“ statt. Als besonders hervorzuliebender Punkt der Tagesordnung ist der Vortrag des Herrn Coli. Bernhard- Tarnowitz über; ״Die soziale Stellung der jüd. Lehrer“ zu erwähnen. Der Vortrag beginnt um!S:V4 Uhr pünktlich im Hotel Münchener Hof, Spandauersrr. 11 1J. Gäste sind herzlich willkommen. Es ist eine alte, an sich geheiligte, und von den frommen Vätern ererbte Sitte, an jedem Tage, in einer besonders dazu Ih-siiinniten Versammlung ein besonderes Frühgebet vor dem allgemeinen Gottesdienst abzuhalten, damit das Tagewerk nie11t begonnen werde, ohne Gott den Herrn für das von seiner Gnade bisher Gewährte zu danken und seinen Schutz und Beistand für das Bevorstehende anzüflehen. Fast in jeder bedeutenden jüdischen Gemeinde wird auf die Erhaltung dieser frommen Sitte Bedacht genommen und beinahe überall besteht ein: ״Verein zur Wahrung des Frühgottesdienstes“ unter dem altüblichen Namen Cliebrath schomer laboker. Auch in der hiesigen jüdischen Gemeinde existiert ein solcher Verein seit einer langen!leihe von Jahren und wenn auch aus Mangel an einer Urkunde der Tag seiner Entstehung nicht■ angegeben werden kann, so steht, es doch thatsächlich fest, dass dieser Verein schon bei Gründung der alten Synagoge (Heidereutergasse> Erwähnung geschieht, derselbe also jedenfalls an 200 Jahre alt ist. Entsprechend dem Grundzuge des Judentums ist dieser Verein von jeher bemüht gewesen, >lern ihm inne wohnenden Gofctessimi nicht durch Gebet allein, sondern auch durch wohlthätige Bruderliebe Ausdruck zu geben. (Fortsetzung der Veieinsschau vorletzte Seite.) Cigarren und Cigaretten, Rauch-, Kauu. Schnupftabake empfiehlt Otto Tulosinski, Berliner Possen-Theater Mtinzstr.17 (Bing. Königsgraben) Direktion Joseph Aschinger und Leonh:1rdv Haskul. ,Der Lnmpenbair Anf. d. Vorstell.: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr Entree BO Pfg. u. s. w. R. Jaretzki. 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