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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-15 · Heft 3069 (15.9.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3069 (15.9.1927)
Date
1927-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Polen: 25 groszy l Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche Slow akei: Mon. K 22. Jugo81 a w i en: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 35 Nachsahlvngen bei Preis- 3rhöh*n?on r» rbob s 1 ton. Wiener | Preis gQg | England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lir* Rumänien: Mon. 170LÜ Bulgarien:Mon.lOOLewm. S e hw o i 7. und das Übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38» 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon Nr. 31-0-86 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparkaesenkonto Nr. 150.693 Nr. 3669 Wien. Aonnerrlag, 15. September 1927 9. ZaHrgang «n Attentat auf Sifcifteo. Schießerei in Ravenna. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Shue Debatte. —y, Wien, 15. September. Ohne «Debatte hat der Völkerbmrdvat den BeckchL der Mandatskomnnsfron über Palästina zur Kenntnis genommen. Tie Kommission ihrerseits hatte den englischen Bericht zur Kenntnis genommen und lediglich die Angabe statistischer Daten über die Einwanderung, den Arbeitsschutz'«und die Vodeupreise für die nächste Beratung vertagt'. Die ziolüftische Organisation hatte ein Memorandum vorgelegt,, das recht kritische Einwendungen machte und ans die Nichterfüllung des Mandates hinwies. Da aber der englische Vertreter — es war Colonel Symes, der Chefsekvetär der Palästinaregiernng — alle Maßnahmen verteidigte und keinen «Gegenredner hatte, schien der Mandatskommission alles recht und schön. Es ist ja vom Rat des Völkerbundes entschieden worden, daß die Kommission nicht das Recht besitze, Deputationen aus den Mandatsgebieten z!u vernehmen, und so sind die Interessenten darauf verwiesen, in einem Hotel sogar darauf zu warten, daß ein Kom- Missionsmitglied, wenn es sich beim Portier die Post holt, inoffiziell sie ins Gespräch zu ziehen bereit findet. Das neue Recht, das der Völkerbund schasst und das er.sogar repräsentiert, findet sich nrit diesem Vorgang. a!b, der jede objektive Erforschung der Wahrheit unmöglich macht. Nun hat der Völkerbund den Entscheid, der Kommission bestätigt. Er hat ihn nicht angesehen.und in.der Menge der Berichte, die nur mit dem Titel verlesen werden, war auch dieser. Es wird kerne Eimvendung erhobenalso weiter, der nächste Purlkt. Wer sollte auch Eimvendung erheben!? Die Kommission hat sicherlich gewissenhaft gearbeitet, ein paar Referenten (aus ihrer Mitte) angehört und schließlich die Ausführungen des Regierungsvertreters ent'gegengenoinmen. Keine Einwendung, also zur Kenntnis. Was die «Zionisten da schreiben, das haben sie schon in der vorvorigen und in der vorigen Session geschrieben, und man nmß das nicht gar so ernst nehmen. Die Hauptsache für sie bleibt doch, daß alle halbes Jahr ein britischer Mnister erklärt, England halte fest aN der Balfour-Erklärung. «Palästina macht zwar eine schwere Krise durch, die aber. doch nicht so tief gehen muß, wie «das die. Juden behaupten. Dean der Vertreter der Palästinaregierung'hat ja mitgeteilt, daß das Land sogar aus seinen Kassenbestanden Ueberschüsse erzielt, die der Kronsagent freudig bewegt als Rückzahlung auf die Kriegsvorschüsse einstreicht. Es wäre ja immerhin erwägenswert, ob diese Vorschüsse dem Lande Palästina gewährt; wurden, das, soviel man weiß, als solches kein kriegführender Staat war. Diese Kassenbestände fließen aus der jüdischen Arbeit und es wäre inrmerhin erwägenswert, ob dlen Inden Vorschüsse erteilt wurden, die sie sukzessive zu tilgen haben. Das ist nun nicht der'Fall gewesen, und die jüdischen Memoranden haben diese Frage bisher nicht berührt. Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter, und so stellt die Kommission mit Vergnügen fest, . daß das Klagen über die Krise doch nur eine.allgemeine Erscheinung ist. Mau hilft in Europa nicht, weshalb sollte man da den Juden helfen? Bekanntlich sind die Juden seid) Ustd außerdem arbeitet doch die zionistische Exekutive deKan, die amerikanisch-jüdischen Geldfürsten für sich zu gewinnen. Sie haben also höchstwahrscheinlich Aussicht auf viel Geld, .ans sehr viel Geld — wozu also sich nrit einer Sache abplagen, von der die Juden selbst nicht sprechen. Es wäre ja gewiß die Parallele zu Griechenland und Bulgarien zu bedenken, denen ansehnliche Sunnnen unter der Patronanz des Völkerbundes zur AnsiedlUng von Flüchtlingen ■ und Repatriierten geliehen wurden und deren Siedlungswerk von Organen des Völkerbundes bis ins Detail nachkontrvlliert wird. Eine Völkerbundarrleihe würde ja dem zionistischen Streben neue Autorität geben Und wäre der Anlaß zu einer Prüfung der Aufbauarbeiten, die, wie man ja weiß, der Zionismus nicht zu scheuen hätte. -Denn er ist vor allem moralisch fest fundiert und seine Anhänger sind Idealisten. In Palästina ist Tüchtiges geleistet ivorden, denn, wie der Colonel Symes mitteilt, zahlt es sogar die Kriegsvorschüsse zurück. Und nun beginnt wieder der Zauberkreis. Nun hat der Zionistenkongreß sich dazu ausgerafft, zu erklären, daß das ALandat nicht erfüllt wird und daß 'die Palästinaregiernng gegen Sinn und Inhalt des Mandates vorgeht, daß sie die Araber bevorzugt und ganz vergaffen hach welche 'Aufgabe ihr eigentlich zugewiesen ist. Der Beschluß ist in Basel gefaßt worden, aber der Völkerbund hat Wichtigeres zu tun. Er hat di« hoho ÄufgM. dHpM»- Maklattd, 14. September. In Ravenna hatten sich gestern die fafcistifchen Führer der Organisation von Bologna versammelt, mn einen Ausflug nach Fiume zu unternehmen. Während ihrer Besprechung stürzte von der Straße ein Mann in das Lokal und gab m e h r e r e N evolv«rfchüsse ab. Der Kommandant der Miliz von Bologna, Ettore Mutti, wurde schwerverletzt. Der Parteisekretär Morigi, der selbst verwundet wurde, schoß den Attentäter nieder. Es ist der 40jährige Arbeiter Leopoldo Mifsiroli. In seinen Taschen fand man Gedenkmünzen auf den Tod Matteottis. Die Nachricht von dem Attentat rief in ganz Italien große Sensation hervor, doch kanr es nirgends zu Ausschreitung««. Mussolini telegraphierte an die Verwundeten: ,/Euer Blut heiligt euch für die Sache der Revolution." Sie königlich persischen Fascisien. Teheran, 14. September. Im königlichen Palast hat sich gestern die fascistische königliche Partei Persiens konstituiert. Die Zeremonie, die sehr feierlich war, erfolgte im Beisein sämtlicher Minister. Der Schah Riza Pelewi führte den Vorsitz. Die Partei bchchtMAden jün geren Beamten, Studenten und Offizieren und ste soll insbesondere die Haltung der Grenzbevölkerung gegenüber Sowjetrußland kontrollieren. Nie Kommissionen des Völkerbundes. KodWerimg des lvternattoualen Rechtes. Genf, 14. September. Die Kommissionen des Völkerbundes sind in vollster Tätigkeit. Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt man die Arbeiten des juristischen Ausschusses. Er hat heute die Kodifizierung des internationalen Rechtes in Verhandlung gezogen. Zu einer großen Debatte gab die Frage der Verantwortlichkeit des Staates für Verbrechen Anlaß, die auf seinem Gebiete an oder von Ausländern begangen werden. Da hiebei besonders die auf deutschem Gebiet erfolgte Ermordung des belgischen Leutnants Graff hervorgehoben wurde, so beteiligten sich insbesondere die französischen, belgischen und deutschen Vertreter an der Aussprache. Es wurde von allen erklärt, >daß die Notwendigkeit internationaler Untersuchungskommissiou für solche Fälle zuzugestehen sei. DÄ weiteren beschäftigte sich das Juristenkomitee in zwei streng vertraulichen Sitzungen mit der Frage des ungarisch-rumänischen Konfliktes. Diese Angelegenheit hat schon im Vorjahr den Völkerbund beschäftigt und wurde damals nicht erledigt. Den Gegenstand des Streites bildet die Bodenreform in Siebenbürgen, und es wird von ungarischer Sette behauptet, daß es sich.nicht so sehr um eine Reform, als vielmehr um eine Expropriation der magyarischen Großgrundbesitzer gehandelt habe. Im ungarischen Abgeordnetenhaus wurde im Sommer eine sehr erregte Debatte über diese Frage geführt, und Graf Bethlen mußte alle Kraft aufbieten, um übereilte Beschlüsse zu verhindern. Es wurde bei dieser Gelegenheit beantragt, daß Ungarn mit dem Austritt ans dem Völkerbund rüstung der Völker zu fördern und den Weltfrieden zu 'be- ■ festigen. Die Mächte, die sich da zusannnengesimden haben — 22 Außenminister sind in Genf —, tun ja auch das nicht- Sie lassen schöne Reden halten. Wo sind dis Mandate! Wo sind die Beschlüsse der draußen Wartenden! Für sie ist das Kolionialamt in London zuständig und das wird als Richter in eigener Sache ihnen schon das Zweckdienliche eröffnen. Und die Zionisten werden es anhören, froh und glücklich, daß ein Kolonialsekretar zu ihnen spricht. Ter Bechht wich sichre -Debatte zur Kenntnis genommen. drohen solle, falls nicht die Frage ’ dem permanenten Schiedsgericht im Haag vorgelegt werde. Die Frage dürfte morgen vor das Plenum des Rates kommen. Ungarns Vertreter ist, wie bekannt, Graf Apponhi, und die ungarische Regierung hat in einem eigenen Schreiben an den Völkerbund mitgeteilt, daß sich die Vollmachten des Grasen Apponyi auch auf den Konflikt mit Rumänien erstrecken. Die politische Kommission beschäftigte sich mit dem Antrag, es sei für die Besetzung der nichtständigen Ratsitze das Proportionalwahlversahren einMführen. Die Kommission half sich aus der heiklen Situation, indem sie einen Unterausschuß einsetzte. Eine merkwürdige Diskussion gab es im zweiten Ausschuß. Die Italiener hatten beantragt, es sei vom Völkerbund und aus seinen Mitteln ein internationales kinematograp^'^ck)es Institut in Rom zu errichten. Der A:.. rettete beträchtliche Verlegenheit. Loucheur, der .Vertr. ''Deichs, verlangte die Verweisung vor den Ra», w uiu^aflc Delegierten von der Notwendigkeit einer solchen Institution überzeugt seien. Schließlich fand der Belgier de Broukere die erlösende Formel: Einsetzung eines Unterausschusses. Dar obligatorische Schiedsgericht. Genf, 14. September. In der Nachmittagssitznng der Abrüstungskommission legte der norwegische Delegierte Nansen den Entwurf einer Konv vntion zur Einsu h r u n g des obligatorischen Schi edsg e r i ch t e s bei internationalen Strettfällen vor. gilt ukrainisches Memorandum an den Völkerbund. Genf, 14. September. In Genf ist eine ukrainische Delegation eingetroffen und hat dem Präsidenten der Völkerbundversammlung ein lemotanbum über die Lage der unter der Herrschaft verschiedener Staaten stehenden West ukrainischen Gebiete überreicht. Darin wird Autonomie für diese Gebiete, beziehungsweise Bestimmungen über die nationalen M i n d e r he i t e n verlangt. Jas Ratfel um den General Sasorfki. Angrvttch ln Danzlg interniert. W arfcha u, 14. September. Große .Aufregung rief eine' heute nachts erschienene Extraausgabe der „Rzeczpofpoltta" hervor, die-behauptet, daß der seit fünf Wochen abgängige Genewl Zagorski in ein-om polnischen Wiassenmagazin auf der Westerplatte bei Danzig gewaltsam zurückgehalten werde. Es sei ihm durch, Bestechung der Polizisttzn gelnngen, einen Brief hinauszuschmuggeln und durch seine Danziger Freunde nach Warschau befördern zu' lassen. Demgegenüber behauptet das polnische Generalkommissariat in Danzig, daß ihm von einer Anwesenheit Zagorski s auf der Westerplatte nichts bekannt sei. Die Warschauer Gendarmerie erklärt, sie habe Anlaß zu der Vermutung, daß General Zagorski tatsächlich auf der Westerplatte weilt, aber nichts als Häftling, sondern als einer, der sich freiwillig vor der Oessontlichkeit verbirgt. Der Chef der Gendarmerie, Oberst Piatkowski, Wider Untersuchungsrichter sind nach Danzig ab gereckt um den Sachverhalt an Ort und Stelle überprüfen. Wie nunmehr festgestellt wurde, befindet sich! Gen. Zagorski in Paris; er hat beiz aus Danzig datierten B dnäh einen «Mittelsmann zustellen lassen.

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