Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3067 (13.9.1927)
- Date
- 1927-09-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Dienstag Wiener Morgeuzettmrg 13. Geptenrber tSN Nr. 3067 um Unmögliche-?. Wschließend sei zu dem Durchfall gesagt: DaS Publikum sollte van dem Recht der Selbsthilfe öfters Gebrauch machen; dann werden die unmöglichen Stucke, dis wWhiM MffAhrüngsn ntdd die für sie verantwortlich sind, rm'ch verschwinden. S. S. Ans Den Theatern. B--U r-g'tchea te.r. Margen, 1^3 Uhr, W^r tscha « s z<i m Pechv oaL^'. Ataöomäot'he-at-e r. Margen, 146 Uhr, „Adam u-rrv E va^. Opermlthepcher. Movgen, 7 lchr ka-va l rer" E Fvlw Lehmann, Fkwi Mayr. Deut^chs-s B-o-lt sitch « a 1 e r. Donnerstag begirmt Leopoldine Konstantin in der Titelrolle von „Zaza" ihr disZsähriyes GaMol. Volks ope r. Heute findet die ISO. Anfführmrg des Nngspiekes Hab' mein Herz in Heidelberg verloren" statt Ra ilmundt Header. Im Rahmen des Lümützer LschechGchen G«h<mwiels wird heute abends, 8 Uhr, das frmi- Msche Lustspiel ,^Zaqueline" anfgefühft. Kamme rfipiele. Ms nächste Abendno-vität wird ,L)roadway", amerikanisches Zeitbild in drei Men von Philip Dunmng und Georg Abbott, vorbereitet. 91 6ilt DMervftä, Herrn RSchsteS Jahr wieder Festmachen. Jur Jahre 1SW werden wieder, diesmal am 3. Juni besinnend, Festwochen abgehalten werden, die ein auserlesenes Progranttn. theatralischer, musikalischer und sonMer künstlerischer Darbietungen, ferner auch sportliche und gesellschaMche Veranstaltungen großen SrilS bringen wollen. Unter anderem! sollet auch Gastspiel« vvn internationaler Bedeutung arrangiert werden. Eine JNgerchvIchne in Wie«. Im Rarmundtbeater gelärmt als GErdungSdorstelÜm« der JuaeNdbAhtne, nMhe in Deutschland int Dienste der NoHserFichung schon langst in vollster Blüte steht, während diese Kunstgattung für Wteen eine Neuerscheinung darsteM, das MÄaMge StA! für die Jugeend „Du soUst Vater und Mutter ehren" von Felix Orf, heavbeitÄ von O. PH. Ohler, zur Erstaufführung. Die Jugendbuhne bringt nur Stücks, wfrlche eigjens Mr Jugendliche verfaßt sind. Tue meist riolkstÄmlrch-tnov>ernen Handlungen bewegen sich in den Schickfalskreisen sugendlicher Personen, find inhaltlich vollkoMmien einwandfrei, unterhaltend und im Einfluß von oieredelnüer Wirkung. Die Vorstellungen finden an Sams- -.agnachMittagen statt. Tristan Bernard als Operettrnlkbrettist. Wie aus Paris berichtet wird, schreibt der Komödiendichter Tristan Vernard ein Opey-ttenÜbretto, das sein Vetter Jacgues Fr ah mit Georges Rivl er e vertonen wird. Eine Rathrnau-Biographie. Don Etta Federn- Kohlhaas erscheint demnächst ein Buch „Walther Rathenau, die (Geschichte seines Lebens" km Dresdner Verlag Carl Reißner. Diese Biograschie stützt sich auf authentisches Material und enthält u. a. Tagebuchnotizen von Rathenau sowie eine bisher unveröffentlichte Schrift über Mystik. Vereise. Boriräge und Versammlungen. Mich radikaler Zionisten. Samstag, den 17. d. M., um 8 Uhr abends im neurenovierten Festsaal des Hotel Continental, 2. Bezirk, Praterstraße 7 (Eingang Taborstraße), Massen- Meeting: „Der 1v. Ziomstenkormretz in Basel." Referenten: Oberbaurat R. Stri-aer, Dr. Leo Gold ha mm er und Dr. Leopold Pta schkes. JAüfchrs Zentrum der Sozialen Mfsgeirueinfchaft, i. Bezirk, Untere Augartenstraße 35. Dienstag, den 13. d. St, 8 Uhr abends, findet ein Elternabend in der Kindevlesestuibe rmt einem Bovtrag (Dr. Isidor Klaber) „Die Ki-ndertosestuHe, * wie sie ist und sein soll" statt. Gerichtssaal. Die Gattin erwürgt. Vor einem Schwurgerichte unter Vorsitz des OLGR. Dr. Wetz beginnt heute der Prozeß gegen den Zimmermarin Johann C o z i l wegen des Verbrechens des Totschlages, weil dieser seine Gattin im Verlaufe eines Streites, während sie in der Badewanne saß, erwürgt hatte. Cozik lebte seit zwanzig Jahren mit seiner Gattin Marie in unglücklicher Ehe. Zwischen den Eheleuten gab es häufig Zwistigkeiten, weil der Gatte es mit der ehelichen Treue nicht genau nahm und ein Verhältnis mit der außerehelichen Tochter seiner Gattin unterhielt. Die Frau revanchierte sich, indem sie mit dem Gatten ihrer Tochter ein Verhältnis einging. Diese mißlichen Familienverhältnisse steigerten sich zur Unleidlichkeit, als Cozik sich nach dem Kriege dem Trünke ergab und ein gewalttätiges Wesen annahm. Am 7. Dcärz kam es zur Katastrophe. Cozik kam wieder einmal angeheitert nach Hause und fand die Gattin entkleidet in der Badewanne, eben ein Bad nehmend. lieber die Szene, die sich vor der Bluttat abgespielt hatte, konnte kein« Darstellung ermittelt werden, weil Cozik behauptete, sich an nichts erinnern zu können. Wenige Minuten nachher war Frau Cozik eine Leiche, und man nahm zuerst einen Schlaganfall an. Die gerichtliche Obduktion der Leiche ergab jedoch, daß Marie Cozik erwürgt worden war. Trotz dieses Obduktionsbefundes blieb der Mann hartnäckig bei seiner Angabe, er habe die Gattin in der mit Wasser gefüllten Badewanne leblos, den Kopf im Wasser, vorgefunden. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß Cozik über die vermeintliche Eifersucht seiner,Frau erhost. sie im, Streit erwürgt hat. Die Verhandlung ist für zwei Tage' anberaumt. Roch immer Srosavescu. SReJÜj bestreitet, ihren Gatten getötet z»r haben. In dem Kampf um die Wohnung des von seiner Frau getöteten Staatsopernsängers Trajan Grosavesru zwischen der Berlafsenschaft und Frau Nelly Grosavescu hat nun der Hquseigentümer eingegriffen und Frau Grosavescu die . Kündigung zugeschickt. Er begründet die Kündigung damit, daß die Wohnung nicht benützt werde und daß AsmGrofaveSeu durch die Tötung ihres Gatten und durch ihr ganzes Verhalten während und nach dem Prozeß den anderen Hausparteien ein Zusammenwohnen unmöglich gemacht habe. Der Vertreter Nelly Grosavescus, Dr. Leopold Bloch, bestritt die passive Klagslegitimation, da Frau Nelly Grosavescu nicht Wohnungsinhaberin sei. Die Kündigung könne daher nur zu Händen der Derlaffenschaft erfolgen. Die Wohnung werde nur deshalb nicht benützt, weil Frau Grosavescu der Eintritt verweigert werde. Sie benütze aber die Wohnung noch immer zur Aufbewahrung ihrer Möbel und KleÄer. Schließlich heißt es in den von Frau Grosavescu gemachten schriftlichen Einwendungen: Ich bestreite, daß ich meinen Gatten getötet habe, bestreite, daß ich eine strafbare Handlung begangen habe und verweise darauf, daß ich vom Landesals Schwurgericht freigssprochen worden bin. Die Verhandlung in dieser Kündrgrm-gssache wird Eide September stattfinden. Selm Rnmensseft. Vor einem Geschivorenengericht unter Vorsitz des HofratcS Dr. K u b e s ch hatte sich gestern der 37jährige Hilfsarbeiter Robert P r i k r i l wegen Totschlages zu verantworten, weil er im Verlaufe eines Streites, der sich während eines Namensfestes wegen der Lebensgefährtin des Prikril, Elisabeth Weber, entspannen hatte, den Eisenarbeiter Franz Christ erstochen hatte. Die Weber soll durch ihr Benehmen eine chr völlig unbekannte Nameristagsgesellschast provoziert haben, und Prikril mischte sich in den Streit ein. Ec ries dem Christ zu, er solle aus dem Gasthaus kommen, dort werde er ihm es schon zeigen. Franz Christ folgte ihm auch, blieb aber in der Türe stehen, und plötzlich hörte man den Ruf: „O weh, ich bin gestochen?" Zeugen behaupten, daß Prikril unvermutet auf Christ losgesprungen sei und ihm einen wuchtigen Stoß in die Brust versetzt habe. Christ war in tvenigcn Sekunden tot. Prikril, der wegen Totschlages bereits mit 4 Jahren schweren Kerkers vorbestraft ist, verantwortete sich mit Notwehr, gal' aber zu, daß er das Messer schon früher geöffnet und zum Stich bereitgchalten habe. Sachverständige erklärten, daß er zur Zeit der Tat nicht alkoholisiert war. Der Gefangenhausdirektion war bekanutgeivordcn, daß einer der Zeugen beabsichtige, an dein Angeklagten selbst R a ch ej u st i z zu üben, iveshalb sich sämtliche Zeugen vor ihrem Eintritt in den Schwurgcrichtssaal einer genauen Leibesvisitation unterziehen mußten. Tatsächlich fai'd man bei einem der Zeugen ein großes S ch n a p p m e s - se-r. v Nach durchgeführtem Bowcisvcrfahreu beautlvorteten die Geschworenen, unter denen sich ztvei Frauen befanden, die Hauptfrage auf Verbrechen des Totschlages mit nenn Ja, gegen drei Stimmen Nein, die Zusatzfrage auf Notwehr mit vier Stinrmen Ja gegen acht Stimmen Nein, auf Notwehrüberschrertung mit sechs Ja gegen sechs Nein. Die Eventualfrage auf fahrlässige Tötung mit acht Stimmen Ja gegen vier Stimmen Nein. Auf Grund dieses Verdiktes wurde der Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten strengen Arrests verurteilt. Arie Wirtfchaftskonserenz der Nachfolgestaaten? llever Bettehrserleichterimgeu. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, findet zurzeit eine Fühlungnahme zwischen den Nachfolgestaaten der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie statt, die darauf abzielt, Verhandlungen über gegenseitige Verkehrserleichterungen imHattdel herbeizusühren. Damit befindet sich eine auf dem Stockholmer internationalen Handelskammerkongreß gemachte Anregung auf dem Wege zur BerwirÜichung. Dem Vernehmen nach soll die erwähnte Fühlungnahme bereits so weit gediehen sein, daß bereits für die nächste Zeit mit der Aufnahme der Verhandlungen gerechnet werden kann; der Ort, wo diese Wirtschastskonfevenz stattsinden wird, ist noch nicht bestimmt; es kommen, wie es heißt, in. erster Linke Prag oder Wiem in Betracht. Der Mehlroll. News BerhMddmgpn mit Ungarn. Ärmlich wird verlautbart: Auf Grund des Ministerratsbeschluffes vom 9. d. wurde bereits an die u n g arische Regierung wegen Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Me hl frage aus einer anderen Grundlage als dem seinerzeit in Aussicht genommenen Mehlübereinkommen herangetreten. Die Verhandlungen werden noch im Laufe dieser Woche in Budapest ausgenommen werden. Die Mordnung, welche Ende der Woche zu den MMzolLverhandlungen nach Budapest reist, wird unter Führung des Seftionschefs Dr. Schüller stehen. Der Ausbau der Tiroler WafferkrWr. Bodcnkreditanstalt und Escomptegesellschaft wollen sich finanziell beteiligen. In der Frage des Ausbaues der Westtiroler Wasserkräfte, für die sich bekanntlich die rheinisch-westfälische Industrie in hervorragendem Maße interessierte und den vollkommenen Ausbau dieser Wasserkräfte bei gleichzeitiger Uebernahme der gesamten Stromerzeugnisse sichern wollte, ist, wie die „Wiener Bank- und Börsenzeitung" erfährt, insoferne eine Wendung eingetreten, als die bereits an der Tiroler Wasserkraft A.-G. (Tiwag) interessierten Großbanken, die B o d e n k r e d i t a n st a l t und die Niederösterreichische Escomptegesellden Beschluß gefaßt haben, die Finanzierung der Projekte, deren Konzession seinerzeit von der C ontin ental en Elektrizitätsgesellschaft in Landeck erworben wurde, durchzuführen, so zwar, daß die T i w a g s t ch g emeinsam mit der Continentalen Elektrizitätsgesellschaft um die Konzessionierun'g des Projektes, respektive um die Erneuerung der bereits seinerzeit bewilligten Konzession bewiM. Die Finanzierung würden, wie gesagt, die beiden Ban- - fen übernehmen, wobei selbstverständlich getrachtet werden wird, den Rheinisch-Westfälischen Konzern zur Mitarbeit und zur Stromabnahme heranzuziehen. Es soll so die vollkommene Ausschaltung österreichischer Interessen verhindert werden. Die oben angeführten Beschlüsse wurden in der letzten Verwaltungsratssitzuirg der „Tiwag" in Innsbruck gefaßt. GleMeitig wurde beschlossen, diese Beschlüsse der Tiroler Landesregierung schriftlich zu übermitteln, um die rasche Einleitung der Verhandlungen zu ermöglichen. Re Wirtkchastsvoltttt in MüIm. Die Mtllnie» des Kongress. In der Nachtsi-tzung auf Freitag hat der 16. Zioniftenkongreß die Anträge der finanzpolitischen Kommission, betreffend btc Wirtschaftspolitik, ohne Debatte en bloc anqmom'men. Diese Anträge lassen wir lster folgen: 1. Der Kongreß betont die außerordentliche Bedeutung einer systematischen und aktiven Wirtschaftspolitik und Arbeit der l§xekutive. Da eine derartige Arbeit in steuer-, zoll-, kolonisations- und kon- 1 zessionspolitischen Angelegenheiten einer sachgemäßen detaillierten Bearbeitung bedarf, beauftragt, der Kongreß die Exekuffve, die Schaffung besonderer w i r tschaftspolitischer Ressorts in den politischen Departements der Exekutive in London und Jerusalem vorzunehmen. 2. Der Kongreß fordert die Exekutive auf, alle nötigen Schritte zur Beseitigung der Gefahren zu tun, die in dem Entwurf des palästinensisch-syrischen Handelsvertrages für die industrielle Entwicklung Palä^tina.s enthalten sind. 3. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, von der palästinensischen und britischen^ Regierung zu fordern, daß Palästina für den Export seiner Waren den englischen Dominions umd Kolonien gleichgestellt wird. 4. Me Exekutive wird beauftragt, sich bei der palästinenisischen Regierung dafür einzusetzen, daß für die Produkte der einheimischen Industrie und Landwirtschaft und die Rohstoffe, Futter- und Düngemittel, die vom Ausland importiert werden, prrvile.gierte Frachtsätze eingeführt werden. Me Oestrrrejchische Nwioualbank hat in der ersten Septembevwoche iaut ihrsm Ausweis vom 7. d. M. ihren Barschatz um 1.05 Millionen Schilling vermindert. Der Notenumlauf hat um 41.6 Mllionen Schilling abgenommen und beträgt geyanwärtig 8V7.7 Millionen Schilling. Das Wechsel- Portefeuille sst um 122 Millionen Schilling geringer, die GiroveMndlichkeiwn haben sich um 28.3 Millionen Schilling erhöht. Eine Fusion in der österreichischen Holzindustrie. Die HlWndnstv'e Hugo Forchheimer A. G. in Innsbruck und die ^i-iva^-Hotz A. G. in Jrmsbmck beabsichtigen, sich zu 'fusionieren. Auf der Dagesovdnnng der nächsten GeneralversamMlungen dieser beiden Gesellschaften stehen dementsprechende Anträge des DeavaEtungsrates. VeAe1vtg««v Dreher und Gösser Brauere»? Nach der Vereinigung der oberosterrelchischen Brauereien, der Stilllegung der SchMeühofer, ist, wie bekannt, vor kurzein« die Vereinigung der Hütteldorfer Brauerei utjtt den Dreherlchen Brauerei,en vollzogen wiorden. Wie nun die „Wiener Bank- und Börsenzieitung" erfährt, sind in der kotzten Zeit Verhandlungen zwischen dein' genannteir Konzern imd dev Gösser Brauerei A. G. eingeleitet wor- BBMaMB——■wwi—miMiiiifciiwiiiiTrpn iHsawraa E Ja» neue Problem: Sin teures Telegramm ober ein billiger MMMer Lnstpoftbrlef? Ein Telegramm nach Polen» kostet für zehn Worte 3.76 Schilling, ein Expreschrief 1.10 Schilling; der Lnftpostbries, der in einigen Stunhen nach Aufgabe iir Wien dem polnischen Adressaten zugestellt wird, nur —.GO Schilling. Aufgabe bet allen Postämtern; am Abslugstage Ns 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt.