Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3067 (13.9.1927)
- Date
- 1927-09-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: SS groggy Wien: Zorn Abholen in det Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenrerkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling TBcheeho - Slow akei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Fr an kr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 Naehzahlvngen bei PfeUerhöhenRen Vorbehalten. Nr. 3067 Wiener orgemettung | Preis 2Qg | En gl and: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bul garienrMon.100 Lewa S e hw e i z und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, 11., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-8-19 Ab 6 Ohr abends: Telephon Nr. 31-0-86 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) OesterreiChischos Postsparkassenkonto Nr. 150.693 Wien, Dienstag, 13. September 1937 9. Jahrgang Zar Minderheitenproblem vor dem Völkerbund. Aue Spende von zwei Millionen Dollars für die Bibliothek. — Die holländische Rrsolntio« in der Kommission begraben. — Eine Rede des kanadischen Jelegierte«. Genf, 12. September. In der heutigen letzten Sitzung der VMerbundversammlimg wurde die Generaldebatte fortgesetzt. PräsidentGuani teilte die Aenderung der Holländischerl Resolution mit. Diese Resolution forderte, wie bekannt, ursprünglich die Untersuchung der Prinzipien des seinerzeitigen Genfer Protokolls. Sie läßt nunmehr dieses Protokoll fallen und fordert lediglich . ctitc Untersuchung der Grundsätze der Schiedsgericht-> Larkeit, der Sicherheit und der Abrüstung' die in dem Pakt enthalten Ivaren. Die Resolution ging an die dritte Kommission. Der Präsident teilte sodmin mit, daß Herr D. R o ck t* feiler junior ttt New Aork dem Völkerbund zwei Mllionen Dollar für die Bibliothek gespendet habe. Die Versammlung beschloß, ihm den Dank zu votieren. Es sprachen sodann der Präsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Herr Motta, und der rumänische Vertreter L u p u, worauf der kanadische Vertreter D a n d ur a n d das Minderheitsproblem anschnitt. Er berief sich darauf, das; er feWst der französischen Minderheit in Kanada cmgehöre. In der gerechten Lösung dieser Frage liege die Aufrechterhaltung des Weltfriedens zum größten Teil begründet. Die Minderheiten seien naturgenrätz sehr empfindlich, und ihre gerechte Behandlung könnte daher sehr viel Zündstoff beseitigen, der, so wie die Dinge heute liegen, dauernd sinnlos in der Welt angehäust wird. Sie Abrllftnng. Genf, 12. September. Die Abrüstungskonunrssion des Völkerbundes hat heute unter dem Vorsitz des tschechoslowakischen Außenministers B e n e s ch ihre Arbeiten begonnen. Zunächst wurde der Bericht über die Arbeiten des vorbereitenden Komitees für die Abrüstungskonferenz von dessen Präsidenten Loudon (Holland) erstattet. Dieser erklärte, die Regierungen chatten schuld daran, daß die Vorbereitungen für die Abrüstungskonferenz bisher nicht den geringsten Erfolg gehabt hätten; auch die P r e s s e treffe Schuld daran, da sie die Stimmung nicht genügend vorbereitet habe. Loudon sprach sich sodann für eine Verschiebung der nächsten Tagung des vorbereitenden Komitees aus, die im November dieses Jahres hätte stattftnden sollen. Hierauf sprach Graf B e r n ft o r fff, worauf die Beratung auf Mittwoch vertagt wurde. Dar Bndvet des Völkerbundes. G >e n f, 12. September. Für -das nächste Jahr belauft sich der gesamte Voranschlag des Völkerbund es aus 24,8 Millionen Francs. Davon entfallen auf das Sekretariat und die besonderen Organisationen 13,4, -auf die internationale Arbeitsorganisation 7,9, aus den ständigen internationalen Gerichtshof 2,17 Millionen Francs. Die Kosten der, Völkerbundversamml u n g für das nächste Jahr sind mit 393.000 Francs und die der Ratstagung mit 75.000 Francs präliminiert. Die Ausgaben für die verschiedenen Kommissionen, Konferenzen und Sachverftändigenreisen wurden mit 1,8 Millionen Francs veranschlagt. Schluß des 3iouifte«ko«sresies. Sank an die Schweiz. B a f c I, 12. September. In seiner Schlußanspräche an den Kongreß drückte Präsident S o k o l o w der Schweiz und der Stadt Basel den Dank der Zionistischen Organisation für die gebotene Gastfreundschaft aus. Er verlas sodann eine an den Kongreß gerichtete Wogriitzungsdepesche des zurzeit in Südafrika weilenden englischen Kolonialministers Amery und schloß sodann mit dem Dank an die Delegierten imd alle Teilnehmer des Kongresses die Beratungen. - » Mord im Pariser ttalieuischen Konsulat. Der Blzekonsul erschossen. Paris, 12. September. Heute vormittags erschien ein Italiener im hiesigen italienischen Konsulat rtnd verlangte den Vizekonsul, Grafen Nardini, zu sprechen. Da der Vizekonsul noch nicht anwesend war, wartete der Petent. Ws dann der Vizekonsul kam, folgte» er ihm in dessen 'Mrntszimmer und gab auf den Grafen Nardini zwei Revolver schüfst ab. Der Vizekonsul erlag den Berletzuugen im Laufe des Tages. Nach der Tat versuchte der Mörder zu fliehen, wurde jedoch vom Personal festgenommen. Er verweigert jede Auskunft über seine Person und die lMottve seiner Tat. Wie es heißt, hat er den Anschlag deshalb verübt, weil Nardini sich geweigert hat, seiner in Italien zurückgebliebenen Frau »inen Paß, zu verschaffen. Als der Mörder des Vizekonfuls aufs Polizeikommissariat gebracht wurde, crätt er zwei NervenunfäNe. In seinen Papieren wurden verschiedene Dokumente, dar unter eine italienische Eisenbahnlegitimation, gefunden!; sämtliche N a m en waren a u s r a d i e r<t. Er verweigert auch weiterhin jegliche Antwort aus alle Fragen, die ihm gestellt werden. Valtisches Locarno. srlSrmgea reff lettischen AnßeminWr». Genf, 12. September. Der hier weilende Außenminister der lettischen Republik Zielona, machte den Pressevertretern Mitteilungen über das Verhältnis Let' tlairds znSoW- /etruHlan ö, sowohl hinsichtlich des soeben ckög^chlofsenen Hangelsvert rages zwischen beiden Staaten' als auch bchügliich der noch immer im Gange befindlichen Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt. Er erklärte weiters, Lettland verfolge m ErwKteruNgi'dor vor kurzem mit Estland abgeschlossenen Entente cordiale die Politik eines „Lacorna der baltischen Staaten", wodurch der Bestand der Randstaaten arn besten gesichert wäre. 'Lettland wünsche auch Polen rn dies« Politik ernzuWietzerr. Re Wahlen in Snsoflawien. Ae Radikalen verlieren 30, die Demokraten gewinnen 37 Mandate. Belgrad, 12. September. Heute mittags wurden folgende endgültige Wahlresultate bekanntgegeben: Die radikale Partei erhielt 110 Mandate (in der früheren Skupschtina 140). Diese Mandate verteilen sich aus die dr^i Gmppem der Partei folgend: Vukicevic 81, Pasie 19 und Zentrum 10. Die demokratische Partei (Davidovtt) 63 Mandate (37);? die mit ihnen vereinigten bosnischen Muselmanen 16 (15); die slowenisch-klerikale Bolkspartei (Korosee) 21 (20); die selbständigen Demokraten (Pribieevie) 23 (23); die kroatische Bauernpartei (Radic) 60 (67 mit der später disstdierten Nikic-Gruppe und den kroatischen Föderalisten); die sirbische Bauernpartei 9 (7). Die deutsche Partei Jugoslawiens, die bisher 5 Mandate hatte, gewann 1 Mandat. Ferner wurden gewählt: 2 kroatische Föderalisten, 1 montenegrinischer Föderalist, 1 slowenischer Bauecnparteiler, .1 Sozialist (in der früheren Skupschtina keiner) und 2 Ungar :, die damit'zum erstenmal in das jugoslawische Parlament einziehen. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesctztes E gekennzeichnet. Bon Bafel nach Genf. — y, Wien. 13. September. Im Völkerbund ist gestern noch vor Torschluß die holländische Resolution, obzwar sie sich ziemlich verwässert hatte, an die Kommission gewiesen worden. Wenn eine Regierung, sagte einmal Bismarck, einen Antrag nicht haben will, dann nimmt sie ihn im Prinzip an und steckt ihn in eine Kommission. Was eine Regierung kann, das trifft auch der Völkerbund, imd so wird man von der holländischen Resolution im Winter noch in einem Ausschlußbericht etwas hören. Die Frage ist damit nicht abgetan und sie wird sich immer wieder anmelden. Die 22 Außenminister, die in Genf versammelt sind, mußten diesmal in ihren rhetorischen Konzessioüen an die öffentliche Stimmung sehr wett gehen, und das bedeutet immerhin sehr viel. Leider aber noch immer nicht genug, um die Schwingen der Demokratie zu beleben undihr etwas Energie einznflößien. Ihre Schwächlichkeit verhindert die Ausbreitung der Ideen des Völkerbundes und läßt auch diesen zu einer bureaukm tischen Organifatton erstarren, an der schließlich! nur die organisierte Dnreaukratie Freude hat, die sich allgemach zum Herrn der Welt gemacht hat. Sie hat Verständnis für die bureaukratische Behandlung aller Probleme, denen der Völkerwmd dienen sollte, und so wird sie indirekt Knm Schutzpatron des Unrechtes. i Ern kanadischer Delogierter, dcr Europas übertnnchte Höflichkeit nicht kannte, nannte gestern vor dem versammelten Völkerbund den Fortbestand der Minoritätensrage eine Anhäufung von Sinnlosigkeit. Er warf also wieder ein Thema auf, das mit der gleichen Hartnäckigkeit wie die Abrüstung immer wieder erscheint, immer wieder zurückgeschoben wird. Es ist bald in der Form einer demütigen Denkschrift da, bald im zerfetzten Gewand irgendeine« unglücklichen Gruppe von Flüchtlingen. Sie werden in staunenswerter Geduld angehört, mit Beschlüssen bedacht und wieder verabschiedet. Das Plenum hört nur selten von diesen Nachtsetten seiner Politik und es ist verständlich, daß! es vor dem Zwang zurückschreckt, seine Zeit mit diesem Jammer vertrödeln zu müssen, bei dessen Behandlung man nur schwer einen Anfang findet. Trotzdem' hat es der kanadische Vertreter unternommen, die Frage anzuschneiden und so wird sich wenigstens in den Sitzungsprotokollen eine Andeutung vorfinden.!AIber auch sonst wird sich der Völkerbund seiner Pflicht nicht entschitagen können, und sowett Tendenzen hiefür vorhanden fern mögen, hat der Zionistenkongreß, der am Sonntag abends zu Basel, also wenige Bähnstunden von Genf, seine fünfzehnte. Tagung abgeschlossen hat, .deutlich daran erinnert, daß hiev eine Lücke klafft. Er hat nicht von den jüdischen Minoritäten gesprochen, die durch den Friedensvertrag unter dein besonderen Schutz des Völkerbundes gestellt sind, dies aber kaum verspüren. Der ZivnistenLongroß hat nur als Vertreter' des jüdischen Minoritätsvolkes gesprochen, dem der Völkerbund den Aufbau des nationalen Heimes in feierlichem Vertrag zugesagt hat. Eine der wichtigsten Resolutionen stellt nun fest, daß die Mandatsverwaltung gegen die Bestimmungen des Auftrages verstößt und daß sie sogar Grundreckste, Lebensinteressen und die Würde der jüdischen Siedlung verletzt. Die inneren Konsequenzen, die sich hieraus für die Wahl der neuen Leitung ergeben müßten, wurden nicht vom Kongreß!, auch nicht von der .Leitung gezogen. Aber die Beschwerde war allgemein und sie verdichtete sich in dcr poetischen Kommission zu dem Anfrage Wises, es sei eine amerikanische Delegatton mit den Verhandlungen mtt England zu betrauen, da die in London ansässigen Führer nicht frei genug wären. Diese Begründung zeigt, daß es sich leinglich um eine innerzionistische Mißstimmung handelt, nicht aber, wie ein dastGras wachsen hörend, r Dummkopf in der Wiener „Neuen Freien Pu.-sse" mit hochpolitischer Miene schrieb, um „Amerikas weltpolitische Interessen", um einen Schachzug amerikanischer Orientpolittk. Dieser gute Enveiterte-Agency-Jonrnalist hat übrigens auch noch die Entdeckung gemacht, daß die Balfour-Deklaratimr von 1917 gegen die Gründung eines unter deutsch-amerikanischem Einflüsse stehenden, nach Amerika tendierenden Zionistenstaates gerichtet war. Dieses Vergnügen, das auf eine artige Vernaberung des Zionismus vor England «bzielt, muH gestört werden. Stephen Wist wollte nichts anderes sagen, als was er gesagt hat, als was der gcknze Kongreß empfunden hat, indem er der Tadelsresolutßm zuDmmte. Dieser Beschluß geht aber über die MandcvÜ- Verwaltung hinaus. Er ist auch au den Völkerbund adyeMyH