Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3062 (8.9.1927)
- Date
- 1927-09-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«SctK 1 JiUcn, Donnerstag Wiener Morgenzettmrg September 1927 Nr. 3062 Nie tscheMK-derrtlchen Hattelrüertragsverhandlungen. Ans P r a § ir :' uns k-crichtc.»: §>i.N'wr-.r,crtragsvcrtVndluN'ictt ..wi {droit der T{ch.'c!'o{l?wrkoi und Doutschwivtz sollen am AX?--n?.-n:'öe7 in 1'rag fertgc jetzt werden. Gegenstand der Beri'and-.ilwt.-n werden w'.'dor in erster Neide olltari -- 'arische a r n;10 ü Ivi;>:n, inv> auf beiden Leiten ,zeigt sich oas Bestreben. V,:niiich.- ftriUigen Punkte zu erledigen. Für die ^'chechv'.ewakei werden die Berlmi-dlirngen über die Zelle aus trn.':rirt'chn'r!i-che Produkt-.' und Tertilien von größter W-ichtH- Ic;t 'ein. für Deutschland wieder die Frage der C hem i -• * .7 ■ i c n - n I! -d M a s ch i n e n i 71 -d n st r : c. < Bezüglich des Be tvi-lliguitgsverfa-hre ns ist der nrüßle DeA 'der schwebenden Fragen bereits bereinigt. Bei-den Prager Vorhand tun-geu rechnet man Kreits mit detaillierten Arbeiten an dem Nahmenvertnig. Auch die Frage des Schuhes des A r be i t sma r k tc? wird angeschnitten werden. Der denr'che Vorschlag, diese Frage in der Dschecho- 'iowakei durch e'n paritätisches Gesetz nach deutschem Muster zu lösen, stößt in ^er Tschechoslorvatei auf den Widerstand der Beamten- und Arbeiter-Organisationen. D'sterres.b.sfch'S Kapital bei ber Bant Malopolfki. Aus Krakau -wird 'uns berichtet: Die Aktienmajorität der Pank Malopolfki ist an eine neue Grupp?, überaegangen, die gemeinsam mit der Oest erre ichi s ch en Bodenkrevitanstalt Aktien für drei Milktonen Zloty ubfernommcn hat. Die Direktoren der Bvdenkreditanstalt Rudolf Steiner und Ernst Garr treten in den Verwalttmgsrat der Bank Malopolfki ein. Internationale Maßnahmen gegen Fälschungen. Der Zen» tralverbaud des deutschen Bant- und Bankierg c w e r b e s strebt die Einführung allgemein gültiger Sicherst e i t s m a ß n a st m e n zur Vorbeugüng von Fälschungen bei Za h>tu ng Sa u f t rüg e n u■»d Ban - A1 k>re<d-i tkerung e n zugunsten von Privatpersonen an. Die Maßnahmen sollen international einheitlich getroffen werden. Verhandlungen sowohl innerhalb der deutschen w:e^ auch mit a u s l ä n d i s ch e. u B a nk v e r bä n den find lvreits eingeleite i worden. Leichte Besserung «S-er Lira. A^f den Devisennrärkten begann zuwlge von Käufen für italienische Rechnung eine leichte Erholung der Lira von ihr^m Tiefstand. Devise Mailand hob sich von 28.13 auf 28.19 Parität Zürich. T!n Leu ging bei schwacher Grundtendenz von 3.I8V2 auf 3.18 zurück. Dil? norwegische Krone hat chre in den letzten Tagen unterbrochene Aufwärtsberoegung Meder fortgesetzt und notierte gestern 136.40. Der Schilling befestigte sich von 73.10 auf 73.121/2. Feilbietungen. Beim Aezirkstzericht Floridsdorf am 25. Oktober, -^10 Uhr, Teerproduktensabvik, 21. Bezirk, Bnchbevgergasse 10, Schab wert 32.657 S., geringstes Gebot 16.328 S.; am 18. Oi!ober, 3411 Uhr, -Hans 21. Bezirk, Kahlgasse 13, Schäinoert 28.019 S., geringstes Gebot 14-309 S.; am 18. Oktober, 1410 Uhr, ,Va>us 21. Bezirk, Brünnerstraße 49, Schätzwert 73.362 S., geringstes Gebot 39.181 S. Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Heute, 8 Uhr abnrds, M e s se - Ha u ptv c rsa m m Du ng vn der ,,Kaufmanns-halle" des Wiener Bürgcr-East, 2. Bezirk, Praterstraße 11. Rekordeinnahmen der deutschen Reichsbahnen. Aus Berlin wird gemeldet: Die Einnahmen der Deutschen Reichsbahngesellschaft erreichten im Juli mit 453.1 Millionen Mark den höchsten Stand seit Bestehen der Gesellschaft (Oktober 1924), nachdem bereits die Juni-Einnahmen mit 406.7 Millionen alle vorangegangenen Monate übertrofsen hatte». Die Gesamteimnahmen im lau senden Geschäftsjahre fmö auf 2801.8 Millionen Marl gestiegen, so daß sie die Einnahmen des Vorjahres um 386.2 Millionen Mar! äbertreffen. Der polnische Ausfuhrzoll auf Reggcn und Roggenmchl ist bis ensch!ies;l.ch 3 0. Juni 1 92H 9, r>cm in der Verordnung vom lf,. Jänner 1927 festgesetzten Ausmaß verlängert worden. Die Verlängerung ist bereits a-m 1. September 1927 in Kraft getreten. Die von ungarisch.".- Seite lanoierten Gerächte von einer bevorstehenden Aufhebung des Getre-ide-Ausfichrzolles in Polen beruhen also, w-e wir, als wir sie registrierten, bereits mittei'len fonnten, nicht auf Wahrheit; sie sind darauf zurückzuführen, das; der ungariscl» Getreidcexpori sich für diese Kam- Iwgne Heffmmgen auf eine Ansfuhrkonfimltur nach Polen gemacht hatte, weshalb auch große Käufe in Ungarn bereitgestellt wurden, an denen der ungarische Getre-deHandel sehr viel Geld verloren hat. Ein staatliches Exportmstitut in Pole«. Der polnische Ministerrat Hot den VerordnungSentwurf des polnischen Staatspräsidenten über die Errichtung eines Exportinstituts angenommen. Dieses Institut hat zur'Aufgabe, auf die Organbstevmvg des polnischen Exports einen bedeutenden Einfluß auszuüben. Errichtung weiterer ReisschLlfabrilen in Polen. Mt englischem Kapital ist kürzlich in Krakau eine Reisschälfabrik errichtet worben, deren Pr0duktionsfähigkeit täglich 200 Tannen beträgt. Diese Firma soll auch noch ' in Lodz und Warschau Fabriken errichten. NeversieFlung ö*r itngLrifchxn ChamMgueMvr«en «ach RUumnie«. Die ungarischen Charnpagn^rfaLrikeu haben infolge des Rückganges de-s Konsm-m-S mit großen Schrrierigkeiten zu kämpfen. Die Luxussteuer und die Billigkeit der anderen Weine in Ungarn veranlatzte nun die Chanrpagnerfabriken, ein neues Produktwnsgebiet zu suchen. Wie wir erfahren, haben die beiden ChUnpagnersabriken Lrttka uno Törlxh Schritte bei der rumünischen Regierung MternoinMen, damit diese Fabriken ihre Betriebe nach Siebenbürgen verlegen, bezw. dort Filialen gründen können. Ein ueües Bodenkreditiuftitut in Rumänien. In B-u ka» r est ist, wie von dort berichtet wird, das „Zweite Bürgerl-che Bodenkreditmstrtut" ^begründet worden, >das sich die Getväh-rmlg » von Hypothekarkrediten durch Emission von Pfandbriefen und Finanzierung von landwirtfchcrftlichen Jndtrftvceuntrrnehmungen zur Aufgabe stellt. Das GrmMapi'tal des Instituts beträgt 2 0 Millionen Lei, soll aber später auf 40 Millionen Lei erhöht werden. Was Die Düptei amt nottteudigsten drUNcht. Aus K-omstantinopel wird berichtet: llnt*r der Aegide der ttittkischen MonoPpWerwaltung für Pattcknen unrrd^ eine Gesellschaft ins Leben gerufen, welche eine Fabrik zur Erzeugung - von Schießpulper unv Patronen errichten soll. Züut Präsidenten der Gesellschaft wurde der Präsident der türkischen Nationaidtrrstrminlung, H a f-s-a.n B^e h, ernannt. Wiener Börse. Nach anfänglicher Znruckhaltnng frerwdöcher. Die neuerlichen Rückgänge au der Berliner Börse schufen auf dem hiesigen Wttenmarkte Zurückhaltung. Dies verursachte m den meisten Kulissen Kursrückgänge. Im weiteren Verlauf des Verkehres wurde die Stimmung durch die feste Haltung der Prager Börse gebessert, welche zufolge der günstigen Konfunkturiberichte der Industrie und der Geldflüfsigkeit aufnahmsHereit war. Prager Kaufe wirkten unter anderem auf Alpine ein, die sich auf 48 Schilling erhöhen konnten. Auch Felten, Juli-Süd und Ländevbank waren gebessert, ebenso tschechoslowakische Jndustriepapierc, Elektrizitäts- und Petroleumwerte waren schwächer. Die ungarischen Montanwerte lagen ruhig, die Kurse bröckelten etwas ab. Der Rentenmavkt war vernachläsiigt, die Kurse gaben weiter nach. Auf dem Anlagemarkte notierten Rudolfsbahn-Schuld 2.50, RudolfSbahn-Prioritäten 10.25, Wiener Verkehrsanleihe 2. St assakurse: Schief. Eskompte —.75, LäudeiLank 19.30, Bosn. Laudcsbank 16, Zivno 101.75, Bankverein 30.28, Bodenkredit 125.90, Brit.-ungar. Bank 113.75, Oesterr. Kredit 65.25, Anglobank 5.75, Niederösterr. Eskompte 24.25, Merkurbaiik 30.50, Nationatbaiik 249, Donau Dampsfch. 119.50, Nordlmhii Genus; 607, Lcmberg-(5zerii.-Jassy 67, Pbwzer Brau 141, Sarasevoer Brau 38.50, Lcmbergcr Brau 110, Alpine chem. --.45, Stern u. Hassers 15.80, 2l. E. G. Union 40, Brown Boveri 19.25. Ber. Elektr. 54, El-rn 37.75, Oberöstevr. Wafferkr. 27.25, Stcweag 29-70, Trifailcr 56, Steir. Magnesit 67.60, Brünncr Masch. 7.95, Daimler —.67, Poldihütte 131.75, Rothau-Neudek 87.25, Skoda 203.75, Graf 11. Stift 44.80, .Heid Masch. 6, Oesterr. Hofherr 10.42, Schrauben 119, Sim« mermger 14.76, Was sei: 31.70, Lcpkam 11.53, K arpathen 49, Awestem 5.50, Färb. u. Druck 89, Gerngroß 22.2t>. Wiener .Holzbörse. Der gestrige Holzmarkt inies guten Besuch auf. Das Jnlnndgeschäft ist belebt, leidet jedoch unter den immer schirier,ger mcrdeudcu Jukassoverhärtntss-en. Auch ist Mangel an gutem Material. Gesucht waren Fichte, Tanne, Kiefer, Schnittruatcrial, Tischlerand Bauholz und alle Nadelrundholzsorten. Das dlüSlandsHeschäft hat sich, etivas abgeschwächt. Die Notierrmgen für NabellMzfchnittnraherial laurdeir für die ineisteii Sorten run 1 bis 2 Schilling per Kubikmeter erhöht. Wiener Börse für lauOwirtfchafiltchr Prodnitr. Die Tendenz des Wie,rer Marktes ist unter dem Einftust der Preiseinschrättkungen auf den Auslandsbörscu sehr zurückhaltend, obwohl sich die Preise infolge der vielfach fehlenden OsthEe nicht geändert haben. Es kam nur zu vereinzelteu Äbschlüssten. Man taxierte Jugo-Tlieiß, 70/80 Kilogrannn, protm'pt, mit Kc 1.95. Osestcrreichischer Weizen wertet je nach Qualität S 39.— bis 39.75 ab Station. In Roggen wurde russischer zir Ke 1.67, waagvirfrei Triest,. Oktober- Nob!enibopverladung, gehandelt. Westuiiaarisches Korn wurde zu S 36.76 ab Grenze und Marchstid'er- bis S 39.— ab' Statiorr gehandelt. Inländische Braugerste 'ist unverändert ssest. Ungarische fand Aufnahnrc zu S 38.50 ex Men. Hafer liegt freundlich. Die Preise haben sich nicht verändert. Mais hat sich weiter verbilligt. In Feinmehlen ist der Einkauf zurückhaltend. Brotmvhl, Fnttevmehl u,id Kleie begegnen normaler Nachfrage. BDaPrster Getreideterminmarkt. Die Tendenz spricht sich auch wleitcrhin rückläufig aus. Die Kurst haberr sich weiter ternÄßigt. Es notiertctl in P^ugö: Ungarischer Weizen per Oktober 30.86, per Aiärz 33S5, Oktob«r-Korn 28.30, Marz 29M, Mai-Mais 25.50. Auswärtige Börsen. Berlin. Bei unveränderter Situation auf dem Geldmarkt blieb die Unsicherheit auf deM Aktienmarkt weiter bestehen. Deckungskäiifc der Baisse konnten in einzelnen Papieren Besserungen von ein bis vier Prozent Hervorbringei,, die in den letzten Tagen stark gefallenen Werte, wie Kunstseide und Sprit, gewannen auch bis zu zehn Prozent zufolge Von Materialt'nappheit; dennoch ist die Kursgestaltung noch immer sehr uneinheitlich, lind tut weiteren Verlaufe des Verkehrs ergaben sich abermals Rückgänge, die im Durchschnitt jedoch über ciu bis zwar Prozent nicht wesentlich hjnausgingen. Es herrscht auch wseiterhin große Zurückhaltung. — Prag. Die günstigen Konjunkt'.rberichte der Industrie rntd die stärkte Geldflüssigkeit brcchten auf sämtlichen Gebieten des Aktienmarktes fte st c Tendenz hervor, die durch die Aieldungen aus Berlin nicht beeinflußt werden konnte. Banken- und Industriewerte hatten starke Steigerungen zu verzeichnen. Auch Antagewcrte lagen fester. — Budapest. Die Börse blieb nach wie vor geschäftslos und in den meisten Werten waren Kursabschläge zu verzeichnen, die sich am stärksten bei den Montanwerten bemerkbar machten. Der Vertkehr rvar bis zuM Schlüsse gering rmd lustlos. (9. Fortsetzung^ Ficiis erster Fasttag. Ans den Jagenderinnenmgen des alten Professors, Von Bififoiiiln Segel. Wir alle hatten Durst bei dieser starten Hi^e, und die kleineren Knaben würden jetzt alle ihre glänzenden Knöpfe und sonstiges Spielzeug gern für einen Trunk Wasser hingegcben haben. Schließlich warf Großmütterchen ihren Blätterkranz weg, gab den Stock seinem Eigentümer zurück und lief voran,- es war ihr zu langweilig, mit uns Schritt zu halten. Die Gegend kannte sie gut; bald kam sie atemlos herbeigesprungen und rief: „Kommt, ich zeig' Euch was Schönes, ich Hab' was Schönes gefunden, ach, so Schönes Hab' ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Kommt schnell, schnell.^ Sie führte Ulis seitwärts nach einem kleinen Gebüsch am Abhänge der 'Anhöhe. Mitten in einer kleinen Ebene, zwischen Sand- und Kieselsteinen, war eine Quelle, nicht größer als ein Waschbecken; sie mußte, erst, vor kurzem ausgebrochen sein, deren wir karrnterr die Stelle sehr gut und waren vor wertigen Tagen dort geweserr, ohne die Quelle zu bemerken. Kristallklar und still lag der rvinzige, liebliche Wasserspiegel da im Sonnenlicht, cingerahmt von einem Saum polierter Kieselsteine und seinen weißen Sandes. Am Boden schimmerteit zwei winzige Näpfchen, so groß wie Fingerhüte, durch die das Wasser sichtlich aus den Tiefen der Erde hervorspru'oeltc. Ein dünnes Bächlein grub sich leise singend ein seines, schmales Bett hinaus ins Freie, um den Abhang hinunterzurieselil. Irr einiger Entfernung dehnte sich die saftige, frische Grasfläche und das dichte Gebüsch stand reglos da. Eine Weile verharrten u>ir schweigend, dann sprach mein Lehrer: „Trinkt, Kinder. Wer leinen Neder getan hat, $u fasten, darf trinken. Ihr habt gewiß alle Durst/' „Großmütterchen," sagte ich, „trink' doch. Du klagtest vorhin über Durst. Trink' doch." Großmütterchen trat hinzu, bückte sich« und machte ans chren Händen eine Schale, bereit, sie in das labende Naß zu tauchen. Sie zögerte. Schließlich richtete sie sich auf und trat zurüL „Ich kann nicht. . ., ich will nicht. . es tst schche . . . siehst du ... es ist so schSn . . Keiner trank. Wir standen noch eine Weile da„ dann Mngen wir unseren Weg. Kemko hatte die Rückkehr seiner Herrin gewittert und kam uns eine Strecke lang entgegen gelaufen. Er ließ von der Ferne ein freudiges Bellen erklingen. .Alser Großmütterchens ansichtig umtfce, stürzte er förmlich auf sie zu, beleckte ihre Schuhe, beschnüffelte und beroch sie von oben bis unten, dann legte er ihr seine Pfoten zutraulich auf die Schultern und neigte den Kvpf, nach Liebkosungen begierig. „Mach'' nvict) nicht schmutzig, dummer Kerl," wehrte Großmütterchen lachend und-klopfte >ihm freundschaftlich auf den Nacken. „Na, seid Ihr endlich zurück von dev weiteit Reise?" begrüßte uns die Haushälterin Jaga. ,^abt Ihr Hunger? Habt Ihr Durst? Kommt nur schnell herein." Auf dem langen Tisch im großen Wirtschaft'szmuuer warteten einige Schüsseln voll Nahm mit Walderdbeeren. Großmütterchen und die anderen Kleinen, voran mein zehnjähriger Bruder, machten sich über den schneeiveißen, purpurgefleckt-en Leckerbissen her. Jaga stand ani der Schmalseite des Tisches, und während sie. große Schnitten Weißbrot mtt Butter bestrich, ermahnte sie mit befchlshaberischer Stimnie die jungen Naschhälse, ja nicht einen Löffel einzutauchen, ehe sie die Berachah gemacht. Jaga war eine fromme Katholikin und achtete streng daraus, daß die Vorschriften der jüdischen Religion von uns Kindern peinlich befolgt wurden. Beim Anblick der appetitlichen Speise und der herzhaft zugreifenden Kinder fühlte ich Plötzlich ein starkes Knurren in der Magengegend. Jaga kam auf mich zu und schloß mich zärtlich in die Arme. „Hast wohl guten ^Appetit, mein Junge, was? Mer du mußt noch zwei, drei Stundert fasten, mein Kind, du bist ja schon ein gwßer Junge; ei, du bist ja schon fast so «groß wie. ich, und wir ist es, als hätte .ich . dich erst gestern auf diesen meinen .Armen gettagen. Wie rasch die Zeit vergeht. " „Was fällt dir ein, Jaga, ich rnnß den ganz«: Tag fasten, bis drei Sterne am Abendhimmel stehen." ■ „Du bist wohl verrückt, Kleiner? Schau mal einer an, der hält sich> für einen erwachsenen Mann und will - den ganzen Tag fasten. ..!" „Das -muH ich>, Jaga, icfy hab'> nämlich einen NÄ>er geteert:" „Einen Neder, was ist denn das?" „Das ist ein Gelübde, so gut wie ein Schwur." „Dummes Zeug, ein kleiner Junge, wie du, tut keinen Schwur. Bis' drei Uhr fastest du, dann wird gegessen. Verstanden? Basta!" Jaga war um ein Jahr älter als meine Großmutter, hatte ihr ganzes Leben mit uns verbracht und war berett, für jeden von uns durchs Feuer zu gehen; sie sühtte sich als Herrin des Hauses, duzte alle, die Großmutter nicht ausgenommen, führte ein strenges Regiment tmb duldete keinen Widerspruch. „Heda, chr kleinen Lämmer," ivandte sie sich an die Schar der schmausendm Kinder, „seid ihr fertig? So sprecht das Tischgebet und trollt euch in den Garten, dort könnt ihr herumspringen, so viel ihr ivollt; aber hütet euch, mir die Blumen und das Gemüse zu zerstanrpfen uiid die jungen Schoten zu verwüsten, sonst reiß' ich. euch die Ohren ab, .ihr verflixteir Schlingel!" Einige Minuten später saßen Mutter uiri> Großmutter mit Jaga an dent langen Tisch, mit Wirtschaftsärbeüen beschäftigt. Reb Chajkel trat ein ttttb ließ sich seufzend auf einem Stuhl in der Ecke nieder. Er wischte sich die schweißbedeckte Stirn. „Ein heißer Tag," stöhnte er. Großmutter zwinkette meiner Mutter lächMrd zu und diese sagte: „Ein Glas kalte Sauerrnilch würde Euch schr wohl tun. . ., ein schwächlicher Mann iche Ihr seid . . . D« Zaddik von Pip^^wka trinkt ja sogar Kaffee amheutigen (Forschung-.folgt:)