Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3062 (8.9.1927)
- Date
- 1927-09-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polen: 25 groszyj Wien: Zum Abholen indes Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied,!., Wollzeile 11 Mit Postversand kür Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche Slow akeil Mon.K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm*4.Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 Nftchskhlmngsn Ml Pr«ls* arhöhangen rerbehalten. Rk. 3062 Komtrefiauiilnbe. Wiener Morgenxeitung | Preis gO S> England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bul gar ien:Mon.l00 Lewa. S e hw e i z und das Übrige Ausland monatlich Pres. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon Nr. 31-0-86 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Me». Sonnentag, 8. September 1927 Oesterreichisches Postspa» kassenkonto Nr. 150.69 9. Fatzraang Die Schwierigteiteu auf beut Baseler zionifteulongretz. Stephen Wike ntzsereift. — Sie kleine PMftinn-Krekntive gefalle«. — Die Refslntlsnen der Kiawaadernagskommiffioa. (Bon nuferem Berichterstatter.) Im redaktionellen Dell enthaltene entgeÜÜche Miteillmgen sind durch ein oorangesetzteS L gekennzeichnet. Der Zustand des verstärkte« Schutzes. —y, Wien, 8. September. Die WrMrng ist wieder in die Debatte gestellt. Wie ein gerupfter Phönix aus dem Grabe, steigt das Problem aus dem Genfer Paprerkorb. Das Beneschfsche Protokoll meldet sich wieder am, einen Monat nach der Flottenkonstrenz der Mavine-Großstaaten, deren Generäle, Admiräle, Kanonenfabriken und Werften im Berufs- und Verdienstinteresse eine Reduktion des Standes als unbedingt unmöglich erklärt hatten. Jetzt kommt die Sache in einem breiteren Umfang vor den Völkerbund. Die polnische Delegation hat einen Nichtangriffspakt vorgelegt, der auf die Ausdehnung der Locarno-Verträge auf den Osten hinausgeht, aber so formuliert werden soll, daß die Abmachung allgemein verbindliche Rechtskraft für die ganze Welt erhalten kann. Dieser Vorschlag soll, wie kolportiert wird, von Frankreich mißgünstig angesehen werden, da angeblich Poincare einen gleichartigen Vorschlag.stellen wollte. Das wäre also ein Streit um die Priorität der M>ee. Aber es wird doch zuviel auf die Naivität des Publikums spekuliert, wenn man ihm suggerieren wollte, daß die polnische Regierung ihr Prospekt so ganz aus eigenem entworfen hat. Gewiß sprechen die inneren Bedürfnisse Polens sehr stark, für oen Frieden. Zwischen Deutschland und Rußland eingekeilt, .m den Wagen Frankreichs gebunden, muß Polen die für die Entfaltung seiner Wirtschaft notwendigen Mittel in die Kasernen stecken. Es Kväre. schön, wenn ihm die Unproduktivität dieses Zustandes zum Bewußtsein gekommen wäre und wenn es sua sponte auf der Abrüstung bestünde. Aber der polnische Vorschlag entspricht gar zu sehr den neuesten Linien der französischen Außenpolitik, die Sicherung des Rheins an der Weichsel zu suchen und sich dem Leitgedanken der englischen Konservativen anzujschließen, die Grenzen gegen Rußland noch mehr zu vertiefen. Und das ist wieder die Wirkung der Umtriebe des Komintern, der seine innere Sterilität durch äußere Reizungen zu verdecken bestrebt ist und tatsächlich in Rußland die Kriegspsychose erzeugt hat. Wie immer es aber um die Veranlassungen der polnischen Anregung bestellt ist, er hat eine vielleicht nicht erwartete Unterstützung von seiten Hollands erhallen, und die Rede, bieder holländische Außenminister vorgestern in Genf gehalten hat, war eine Sensation. Kritik und Angriff zugleich. Er ging auf die psychologischen Wirkungen ein, die die Enttäuschung über die Völkerbundarbeiten in der öffentlichen Meinung der Welt erzeugt hat. Holland möchte ab rüsten; darüber besteht kein Zweifel. Abcr der Zustand, wie ersijch herausgebildet hat, die befürchtete Unterschätzung eines Staates, der kein Militär hat, läßt auch die kleinen Länder, die sonst ein vertraglich geregeltes Leben sichren könnten, nicht zur Ruhe kommen. Es besteht der aus der Zarenzcit fo berüchtigte Zustand des verstärkten Schutzes und was damals nur auf das innere Rußland berechnet war, die gewaltsame Niederhaltung der Demokratie, ist heute sozusagen geistiger Besitz der gesittetem Welt. Der holländische Minister konnte frei von der Leber sprechen: „Trotz aller Arbeiten der vorbereitenden Wrüstungskommission ist die Abrüstung' auch heute noch ein Traum. Die Versammlung muß deutliche erllären, daß, wenn der gegenwärtige Stillstand in der Abrüstungssrage noch lange andauert, er zu einer Lethargie führen könttte, die voller Gefahren ist. Blesonders in den überseeischen Länsxrn macht sich eine immer stärkere Strömung für die „Ungeschlicherllärnng des Krieges" geltend. Wir müssen uns' alle 'fragen, ob nicht der Augenblick gekommen ist, die Lücken irr Artikel 16 des Bölkerbundpaktes auszufüllen und den gesetzmäßigen Krieg in Zukunft auszuschließen sowie den Angriffskrieg als internationales Verbrechen zu stigmatisieren. Die obligatorische internationale Rechtsprechung wir) frei- Hcfy dazu notwendig sein, und auch, daß die Großmächte sich nicht länger abseits Hallen, wenn es gilt, entsprechende Verpflichtungen zu übernehmen. Wenn wir heute versäumen, die moralische Abrüstung sicherzustellen, so werden wir trotz aller vom Patt vorgesehenen Garantien zu neuen Kriegen komnien. Die Haltung der Völker gegenüber dem Programm der moralischen Wrüstung ist über das Schicksal der Welt entscheidend." Er will also die moralische Wrüstung als die Voraussetzung der materiellen. Hmrtkes Referat. o. 3., Basel, 7. September. (Telephonisch.) In der gestrigen Nachtsitzung hatte sich nach dem Nationalfondsreferat Ussischkins, wie bereits kurz berichtet, eine lebhafte Debatte entwickelt. Der Amerikaner Bernstein warf dem Nationalfonds separatistische Tendenzen vor. Er baue seine Tätigkett auf dem Prinzip der Partei auf. Eine Reihe misrachistischer Redner brachte Beschwerden des religiösen Judentums gegen die Gebarung des Nationalfonds auf seinem Besitz vor, denen der Poalezionist Juris entgegentrat. Dr. Hantke referierte sodann über den Keren Hajessod und stellte fest, daß abzüglich der russischen Juden heit, die an der Mitarbeit, gHtzgdert ist, jede Wische Familie im Jahre dnrchschnMich 16 shiüing für die beiden Fonds aufhringe, von denen 7 fhilling auf den Keren Hajessod entfallen. In den letzten zwei Jahren hatte der Keren Hajessod Bruttoeinnahmen von 800.000 Pfund, das ist zwei Drittel der gesamten für die palästinensischen Ausbauzwecke aufgebrachten Mittel. Hantke sieht in dem Keren Hajessod, an dem sich auch Nichtzionisten beteiligen, eine der Grundlagen für die künftige Agency. Er spricht schließlich Dr. Berthold Feiwel, der sechs Jahre lang den Keren Hajessod vorbildlich, geleitet hatte, den .Dank aus. Da die Ausschüsse mtt ihren Arbeiten nur sehr langsam vorwärtZkommen, sind die Sitzungen des Plenums gehemmt. In. der politischen Kommission Lauert nach der Demission Wises die Krise fort. Stephan Wise hat tatsächlich Basel verlassen. Die polittsche Kommission sowie Präsident Weizmann haben LederjacAeti f 98 Renommiert? Fiim Reelle Bedienung K.RorieH^^O Das wäre das große Umlernen, auf das die Wett heute noch ivartet. Es hätte schon feit langem eingeleitet werden können, wenn der Völkerbund seine wahre Aufgabe erfaßt hätte. Er ist geschaffen worden, um die Solidarität der Menschen zu wahren und aus ihr ein politisches System zu konstruieren, das die Bedürfnisse der Nationen und der Arbett unter das Gebot der Menschlichkett stellt. Das hätte di« Aechtung des Krieges zur Voraussetzung haben müssen, nicht allein des bewaffneten, sondern auch des legalen, der nrtt Zollüarrieren und Minderheitsunterdrückung ausgestattet ist. Der Völkerbund hat das Problem, das vor allem 1 ihn heute telegraphisch ersucht, zum Kongreß zurückzukommen. Ein Erfolg hat sich bisher nicht ergeben. Es ist noch unklar, wann unter diesen Umständen der Kongreß seine Arbeiten wird schließen können. Die Verlängerung über Freitag hinaus gill bereits jetzt als sicher. zehnte Sitzung. 7. September abends. 0. 3., B a s e l, 7. September. (Telephonisch.) Die heutige Sitzung konnte erst um 9 Uhr abens beginnen, da um diese Zeit die Einwanderungskommission ihre Resolutionen bereits fertiggestellt hatte. Namens des Ausschusses legte Delegierter Do bk ils die folgenden Beschlüsse vdr: In Anbetracht der Krise, welche die Einwanderung zum Stillstand gebracht hat, erklärt der Kongreß feierlich, daß eine im großen Maßstab geführte Volksalijah, die sowohl Arbeitskraft als Kapital ins Land bringen soll, eine unbedingte Notwendigkeit ist. Der Kongreß erblickt in der organisierten Alijah von Ehaluzim einen entscheidenden Faktor für die Stärkung der zionistischen Bewegung und sieht hiefür die unerläßliche Voraussetzung in der Hachscharahtätigkett in der Galuth. Der Kongreß beauftragt die zionistische Leitung, sofort jenem Teil der organisierten Pioniere, welcher die entsprechende Vorbildung hat, die Einreisenach Erez- Jsrael zu ermöglichen. (Zu diesem Punkt beantragt Professor P i ck die Mänderung des Wortes „sofort" in „bri der ersten Möglichkeit".) In den Resolutionen wird Stellung genommen gegen eine in den jüngsten Tagen, am 26. August, erflossene Verordnung der Palästina-Regierung, welche jede Einwanderung von Arbeitern und Handwerkern unterbindet. Die Exekutive wird aufgefordert, alle Mtttel anzuwenden, damit diese Verordnung außer Kraft gesetzt wird. Eure weitere Resolution beschäftigt sich mit der zionistischen Jugend in Rußland. Der Kongreß wird aufgefordert zu beschließen, daß die für die Pionierbewegung in Rußland vorgesehene Subvention vor allen anderen Aufgaben zur Auszahlung zu bringen ist. Dieser Beschluß wurde mtt besonderem Nachdruck von Tempkin begründet, der mitteilte, daß nicht weniger als 980 hervorragende Zionisten in den Kerkern Sibiriens schmachten. Sie Palastiimerekutive. Das ölllker.Triumvlrat avgelehnt. 0. 3., Basel, 7. September. (Telephonisch.), Wie bereits mitgeteilt, hat gestern im Permanenzausschutz der von Weizmann für die Palästina-Exekutive vorgeschlagene Rechtsanwalt Sacker seine Bedingungen formuliert. Sie gchen dahin, daß die Palästina-Exekutive mtr aus den von ihm vezeichneten drei Mitgliedern, Colonel Ktsch, van B ri e s l a n d und Sacker, bestehen ein solches der Kultur und der Massenerziehung ist, in seine Telle zerlegt und hat sich die militärische Seite zuerst vorgenommen. Zaghaft und widerstrebend, weil niemand an so oingefressene Vorurtelle rühren null. Es rächt sich, wenn man mtt halben Mitteln auf halben Wegen halber Zielen zustveben will und wenn man es unternimmt, eine Frage der Bestialität, die doch der Krieg in jeder Form «ist, ordnen zu wollen. Äe hat ihre eigenen Gesetze und wer mtt ihnen so pakttert, wie es der Völkerbund tut, der verstrickt sich in dem Gesträuch und flüchtet sich schließlich tzum verstärkten Schutz.