Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3060 (6.9.1927)
- Date
- 1927-09-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen: SS gros2y | Wien: Zum Abholen indes Expedition, II* Taborstr. 1-6 oder in einerVerschleißstdle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Men und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4. Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 Ar*ehsshlang«n bei Preis* erhöhenden Vorbehalten. im»nnanm Nr. 1060 —. »... ..unÄMrnimmmmJSBtmHmmmmmmmmmmmmmMmmSSSmmmmmmr''--- — orgemeilung Men. Menrtag. 8. September 1927 I Preis ao g | Englan d: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei B ul g a r i e n: Mon.100 Lewa. S e hw e i 2 und das übrige Ausland monatlich Pres. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Ohr abends: Telephon Nr. 81-0-86 VU., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei ,Inva*) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 160.693 9. Jahrgang Sie Deklarationen in Basel. gabetinftp Sder die Geschichte der Khnrchillsche« Weißbuches. — Sine BStk«b»nba«leihe für das zionistische Aufbauwerk? (Bon «ttferetn Berichterstatter.) Zewsehia und Zewifh Agency. —y, Wien, 6. September. Wir haben gestern den erschütternden Ausruf der russischen 'Zionisten an den Baseler Kongreß! mitgeteilt. Der .Aufruf ist ein Dokument der Wahrheit, eine der vielen Demaskierungen des Systems der sozialen Freiheit und Gerechtigkeit, das Rußland auf dem Boden hält und. eine Schändung der Begriffe von Freiheit und Gerechtigkeit ist. Es ändert nichts an dieser Charakterisierung, daß sich unter dem Machthabern auch einige Personen jüdischer Abkunft befinden. Sie sind zum Bolschewismus aus dem Gefühl ihrer durch den Zarismus beleidigten Menschenwürde getrieben worden und sie haben im Besitze der Macht vor allen: ihr jüdisches Empfinden von sich geworfen. Sie sind abgefallen und ein gut Teil ihrer Tätigkeit ist dem Ziele gewidmet, durch Taten zu beweisen, daß sie ihr Judentum verleugnen. Immer will der Neophyt päpstlicher sein als der Papst; immer wird er von der hysterischen Angst, gepeitscht, man könnte ihn wegen seines jüdischen Blutes nicht voll nehmen. Es ist der Minderwertigkeitskomplex des zur vollen -Assimilation strebenden Renegaten und die Pfefferkorn waren nochE'mer die ärgsten. Sie bilden in Rußland einen eigenen Verband, die „jüdische Sektion", bekannt als Jetvsekzia, die eine neue Art des Pogroms entdeckt hat. Sie zerstampft alles Jüdischehält die Kerker für den jüdischen „Burschui" offen Und schickt diejenigen, die an Volk und Art treu hängen, in die sibirischen Eiswüsten. Die russische Regierung sieht das gerne. Sie hat das Oolonisativnswerk in der iKrim .geschaffen,.um erstens von dieser greulichen Barbevei ihrer FewsMa abzulenkeN undk ztvxrteus ans das jüdische'Empfinden in der Welt zu spekulieren. Das ist die gleiche Doppelzüngigkeit, die sich in der Sowjet- ■ diplomatie zeigt. So ein Botschafter unterzeichnet, wie jetzt Rakowsk: in Paris, eine Kriegs ansage an den Westen als Mitglied der Internationale, tritt aber als akkreditierter Vertreter nichts damit zu tun haben. Moskau kolonisiert die Juden in der Krim und sperrt diejenigen, die jüdisch bleiben wollen, in die Hungerzelle. Weizmann hat auf dem Zionrstenkongreß dieses Spiel stigmatisiert und auf die politische Färbung hingewiesen. Nur schade, daß er den Gedanken nicht ganz zu Ende gesponnen hat. Rußland kann diese Kolonifationswohltätigkeit nur dank der Hilfe der amerikanischen Juden betreiben, nämlich derselben: reichen Juden, um die die jüdische Vertretung im Palästina-!Mandat erweitert werden soll. Sie haben sich Rußland zur Verfügung gestellt und lehNen, wie ja auch jetzt Präsident Weizmann bestätigt, die Priorität Palästinas ab. Sie sind für die Krim-Kolonisation. Aus verschiedenen Motiven. Erstens, weil eine Regierung, eine wirkliche, echte (die über Militär und Arr.-ste verfügt) an sie herangetveten ist. Wann hätte ein Jude in hoher Stellung je auf solchen Anruf versagt? Zweitens kann man Philanthropie ohne politisches Bekenntnis betreiben. Diese Juden, die da kolonisiert werden, kommen nicht nach Amerika, sie bringen nicht ihr seelisches ^eid und ihre Armut mit und man muß sich nicht durch! Protest gegen das Einwander'nngsgesetz unpopulär machen. Drittens ist die' Sache Anlaß zu wichtigen persönlichen Beziehungen und möglicherweise auch zur Vermittlung zwischen Moskau und Amerika, jenem Amerika, das sich! nicht unter den Minden grüßen lassen will. Wie die Krim-Kolonien nach! einem gegenrevolutionären Rückschlag aussehen würden, das unterliegt wohl keinem Zweifel. Aber es ist doch der bolschewikische Plan, rechtzeitig für Blitzableiter zu sorgen und diese jüdische Funktion hat sich noch immer bewährt. Die reichen Juden Amerikas wissen das, aber sie bleiben fest. Denn diese Krim-Kolonisation ist, so mcholitisch sie aus sieht, das politische Gegenstück zu Palästina, sie ist als Konkurrenz gedacht und wird als solche betrieben. Sie: wird ja versagen, weil das Judentum trotz allem überall, Ivo es sich konzentriert, jüdisch wird und national fühlt. Aber heute zieht sie Kräfte und Mittel auf sich', und diese jtzräste und Mittel komme:: von denen, die wir für Palästina erweichen sollen. Für die Krimpst Geld da, für Palästina Versprechungen und Sachverständige. Schade, daß Weizmann seinen Gedanken nicht durchgeführt hat. . . o. a., Basel, 5. September. (Telephonisch,). Achte Sitzung 8. September abends. Die Abendsitzung begann mit einem Nachruf Sokol o w s für die Loten der letzten Kongretzperiode, wobei er besonders des Dichters Israel Zangwill und des italienischen Politikers Luigi Luzatti gedachte. Sodamr folgten, Wie bei allen früheren Kongressen die Deklarationen der oppositioneller Gruppen. Herr Solowejtschik verlas namens der Radikalen eine Deklaration, in welcher sie ihre Opposition gegen den gegenwärtigen Kurs der zionistischen Politik eingehend begründen. Die Deklaration schließt mit den Worten: ' . „Das Programm, das der Präsident der Organisation und der Präsident der Exekutive dem Kongreß vorgelegt haben, bedeutet die Fortsetzung des bisher auf allen Gebieten gescheiterten Systems der herrschenden zionistischen Politik. Wir lehnen dieses Programm in feinen wichtigsten Richtlinie»: ab und werden gexsen, d ie Wleb cs wah l der fi erdieu Präf i d enf ett urch.i h r e Betvamurg initt der Leitung der zionistischen Politik stimineln." - Dr. Licht haim verlas eine kurze Deklaration der Revisionisten, in der ercklävt Svird, daß sie der gegenwärtigen Leitung, falls sie tviedergewahlt wird, ihr Mißtrauen zmn Ausdruck bringen. Sodann ergriff Jabot insky das Wort zu einer Erklärung, die er verlas. Sie bezieht sich auf den Vorhalt des Präsidentsn.W erzmann in feiner Rede von Samstag nachts, warum Jabotinfky seine Rede nicht gehalten habe, bevor er das Weißbuch unterschrieb. Jabotinfky erklärt, er sei am 17. Juni 1922 in den Nachmittagsstunden »mch einer achtmonatigen Propagandareffe aus Amerika zurückgeLehrt und direkt zu Weizmann' üeschieden worden. Dort sei ihm das Weißbuch vorgelegt worden, von dem er fvuher nichts gewußt habe. Wlc-WNMlN habe ihm erklärt, werm das Weißbuch nicht bis zum 18. Juni, das ist am nächsten Tag, in den Morgenstmiden der englffchen Regiierung üüevgebm fei, so trete oin Ultim atum der en glischen Regierungm Kraft, wonach das Mandat geändert werde. Unter dicsein Zwang und in dem Bewußtsein, gemeinsam mit feinen Kollege»: eine Schlacht zu verliseren, habe Jabotinsky nach de»: Zusicherungsen Weizmanns, daß alles Erdenkliche gqschehm her, das Weißbuch mitunterschrieben. Er bedauere feine damalige Loyalität nach der jüngste»: Rode Werzmanns. Sodann erstattet Dr. Artur Ruppin sein Referat über die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas, lieber die Aufgaben der Fände referieren die Herren Ussis ch - kin und Dr. H antk e. Die Tagesordrrmlg ist dahin geändert worden, daß morgen wiedemm eine Nachtsitzung zur Entgegennahme des Berichtes der politischen Kommission stattfinde. Mitklvoch wird das Plenum den ganzen Tag beisammon sei»», um die Berichte der Kolomsationskmnmission, der Einwanderungskominrssion und der' ErzkehuuMommffsion entgegenzunehmen. Außerdem ist r»och ein Referat Kurt B l um e n.fe lds Wer Zionismus und Wische Gegenwart angesetzt. Donnerstag berichten die übrigen Kommissionen und am Freitag soll nach der Wahl der Exekutive und des MtivnÄomitees der Schluß des Kongresses erfolge:». Die Konmüfsionen. o. a., Basel, 6. September. Der gestrige und der heutige Tag wäre»: zur Gänze den.Beratungen der Kommissionen gewidmet, welche angestrengt arbeiten. Befördere Bedeutung kommt der finanzpolitischen Kommission zu, welche die bisherige Finanzpolitik zu überprüfen und die Richtlinien für die neue Kongretzperiode zu bestimmen hat. Die Kommission tagt unter dein Vorsitz des Senators Rottenstreich, des Vorsitzenden der Budgetkommission des polnilschm Senates, unter dessen Aegyde die polnische Dollaranleihe zustande kam. Cs haben bisher die Leitung und die von den Arbeitern, dm AmevAcmem und von der Organisation geleitetm Wirtschaftsinstitute berichtet. Wie wir erfahrm, kaut man zu dem Resultat, daß bloß die Arbeiterbank tadellos geführt wurde. Bei dm anderem Jnftitutm scheint eine Aerrderung der Finanzpolitik dringend geboten, lieber die ModalitätM wird jcht beraten. Der f i n a»: z p o l i t i s ch e n K o m M i s s Kegen acht AnleiheproMe vor, 'die teils von der Exekutive, teils von Kongretzdelegiertm uirterbreitet wurden. z Wie uns von mforrnhertier Soito nrrtgeteitt Ä besteht auf Grurch von Rücksprachen mit Äon Wertvetvvn f oinzelner Groß,nächte dije Aussicht, daß eine vom Völkerbund garantierte Anleihe zustande konunt, ans ähnlicher Basis, wie die feinorzxktriae österrieichffche Aalorhe kontraWert wurde. Die Erz ich ungskom Mission tlcht mekw dem Vorsitz des Krakauer Sejmabgeordneten Dr. QstaS Thon. Der Leiter des Untermchtsdepartements der Pülästina-Exekutive, Dr. L o u r i e, erstattete seinen Bericht über dm Stand des Schubwerkes. Die Vertreter der Misrachi berriängelten, das' das rctrgiöfc Mbment beim Unterricht ,m dm von der Exekutive sowie von der Arbeiterpartei erhaltenen Schulm vemachlässigt werde. Sie behauptm, daß für das Schukwevk ein weit größerer Betrag aufgebracht werden könnte, toenn das religiöse Moment stärkere Berücksichtigung ifände. Delegierter Dr. Gold- . h a m m « r (Wien) regte an> daß an die Stelle der vor: der Exekutive, von den Arbeitern und von dem Misrachi geleiteten drei Schultypen eure eücheitlijche Schule trete und verwies auf das Schulwesen in Deutschland und in der Schweiz, wo aus der parteilosen Schule Anhänger aller drei Richtungen hervorgehen. In >der P o li ti s chen Kommission rvird auch von Seite -der regierungstreuen Parteien schach Kritik geübt. Unter anderem sagte Ben Zwi: „Wir leben in Palästina in einem Staat, in ivelchem wir eine Minorität sind, ohne die Minoritätsvechte zu besitzen." Dvr Pormaineuzausschutz berät über die Zusammensetzung der Exekutive. Die Liste der für P a l a st i n a vorzuschlagenden Personen bereitet sehr große Schwierigkeiten, dagegen wird zu gl ich Londons >die Einigung sehr bald erfolgen. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. ie neuerten Mantelstoffe SSS BESTEH gEHHflUFSBESELLSCHflFT Freien bei . vi., mariahilferstrasse 3