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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-05 · Heft 3059 (5.9.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3059 (5.9.1927)
Date
1927-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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,_ l*omSreftqii»g«il»e. | Polen 8 SS groszy | Wien: Zorn Abholen Index Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einerVerschleißstelto (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slonr akei: Mo®. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. P o 1 e n :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Qm. 4. Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 Naoheahlmgen bei Pr eie* erhöhenden Vorbehalten. mmmmmmmtmamammmmm_ Nr. 3019 Wien. Montag, 5. September 1927 Welzmann antwortet der Sppofition. Segen SrLnbanm «nd Aabotinfktz. — Ae Behandlung der Anden in Sowletrnßland. — Kein AwettammernWem. (Von unserem Berichterstatter.) Morgenreilung o. a., B afel, 4. September. (Telephonisch.) Die Generaldebatte wurde um Mitternacht geschlossen. Das Haus hatte sich unterdessen dicht gefüllt, und bot wieder das schöne, bewegte Bild des EröffnUngsabends. Unter fieberhafter Spannung der Delegierten und Zuhörer ergriff nach 12 Uhr nachts Präsident Weizmann das Wort. Er bezog sich zunächst auf ein heute dem Plenum zugegangenes Memorandum über die Politik der Zionistischen Exekutive. Dann wendete er sich den „kleineren Vorwürfen von seiten der Misrachi und Poale Zion zu und behandelte schließlich die „alljährlichen Reben" Grünbaums und Jabotinskys. Grünbaum hätte einfach auf das Protokoll seiner Wiener Kongreßrede verweisen können... Delegierter Stricker: Das kann man auch von anderen Reden sagen. W e i z m a n n (fortfahrend): ... und wenn er gesagt hätte, was er unter einer großen politischen Tat versteht, so könnte ich antworten, ob ich sie für möglich halte. Aber er sagte dieses Wort ins Blaue hinein. Große politische Taten sftid einmal in zwanzig oder in fünfzig Jahren möglich. Man kann sie nicht erfinden.Als Grünbaumausführte, was eine Negierung tut, wenn sie wirklich, helfen wolle, spielte er offenbar auf Rußland an. Ich ziehe die langatmige Hilfe Englands yer naschen Hilfe Sowjet rutzlands vor, dhr durch politische Zwecke gefärbt wird. Wenn man es braucht, macht man es eben schnell. So kommt es, daß die Sowjetregkerung einvrMts Juden aufs Land verpflanzt, andererseits Juden unter ddr Erde in von sibirischen Kerkern festhält. Grünbaum fragt auch, warum ich den politischen Kurs decke, mit welchem die meisten Zionisten unzufrieden find. Ich verstehe sehr gut, daß das jüdische Nationalheim nicht identisch ist mit der Mandatarmacht, ich halte es aber auch zum großen Teil für unsere Aufgabe, die Arbeit so zu leisten, daß man die Mandatarmacht in ein Minimum an Verlegenheit bringt. Wenn es so weiter geht, wird Jabot ins ky auch lernen und wohl auch Ihnen viel zu gemäßigt sein. Er hat sich hier Zwang angetan, aber es gab einen anderen Jabotinskh, der im Laufe dieser Kongreßperiode gereist und geredet hat. Es war eine andere Tonart. Was den Komplex der Fragen betrifft, die sich auf Schutzzoll usw. beziehen, so will Jabotinskh auf rasche Aenderung drängen. Aber es geht langsam. Wenn einmal der vielgerühmte Judenstcmt kommt, so wird es auch dort eine Buroaukratie geben, der man verwerfen wirb, daß sie eine hölzerne Maschine ist. Wir haben die Regierung veranlaßt, anstatt fallweise zu entscheiden, ob diese oder jene Industrie gefördert werden soll, die ganze Frage vom Standpunkt des ganzen Landes zu studieren und man verlangte von uns diesbezüglich bestimmte Vorschläge. Das ist gewiß ein Fortschritt. Der G-lansefMt in der Rede Jabotinjstkys -war der Vergleich mit der griechischen Slebelang. Aber das Verhältnis ist nicht 1 zu 10 oder gar zu 30, sondern 1 zu 2 öder zu 3. (Anm. der Ne>d.: Griechenland hat in zwei Jahren, allerdings mit fina n-'z i e I l e r Unterstützung des Völkerbundes eineinhalb Millionen Menschen aus Kleinasien in Griechenland angosiedelt, wobei es den Boden nicht zu bezahlen hatte.) Auch dieser Unterschied ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß wir unsere Kolonisation mit einem relativen Minimum an menschlichem Leid durchführen müssen. Man wirft mir Obstruktion der Vorwürfe gegen die englische Regierung vor. Ich habe aber immer gesagt, das M a n d a -t i st n o ch l a n g e n i ch t e r f ü l l t. Wir werden erst in größerem Umfang arbeiten können, wenn wir die Mittel dam Laben. Die Legion Jaöotinfliis wird die politische Lage bestimmt nicht bessern. Hingegen müssen wir d i e öf f e n t l i ch e Meinung Englands gewinnen, die wir noch lange nicht in dem erforderlichen Maße haben. Heute hätte eine Anfrage gegen, bic Administration Palästinas vor dem englischen Parlament kein Echo. Bei einer Abstimmung würde die überwiegende Majorität sagen, wir wollen davon nichts wissen, oder die Abstimmung würde das Verhalten der Administration bestätigen. Daraus folgt, daß unsere Forderungen nur insoweit Erfolg versprechen, als keine Koinzidenz der Interessen vorliegt. Es gibt keinen derech hemelech (Königsweg) vor Palästina. Auch Jabotinskh mußte, als er Mitglied der Exekutive war, das Weißbuch unterzeichnen. Wir werden noch lauge arbeiten müssen, ehe aus dem Weißbuch ein Blau-Weiß-Buch wird. Was die Jewish Agency anbelangt, so erklärt Weizmann: Wir haben die Priorität auf Palästina nie aufgegeben und. die anderen haben diese Priorität nie anerkannt. Die politischen Dinge hängen mit den ökonomischen so eng zusammen, .• ’' ■ ' daß das Anbot an die Nichtzionisten, sich nur an der ökonomischen Arbeit zu beteiligen, nur eine Höflichkeitsphrase ist, die die Ablehmmg beinhaltet. Ich kann und werde meine'Politik nicht ändern, wenn ich blechen sollte. ' Weizmann erhebt dann scharfe Vorwürfe gegen die zersetzende. Kritik in Palästina selbst, insbesondere in Tel Awiw. Die Krise —- schließt Weizmann — ist eine Psychose. Es ist das Gebot der Stunde, die Nerven im Zamn zu halten. Das ist das wichtigste in diesen: Augenblick und das ist das letzte, was ich Ihnen zu sagen habe. Stürmischer Beifall und Händeklatschen. Das Haus erhöbt > sich und singt die Hatikwah. Schluß der Sitzung halb 2 Uhr morgens. Heute war für das Plenum sitzungsfrei. Alle KommUionen tagten und weiden auch morgen arbeiten. * Im Permanenzausschuß forderte Weizmann die Ermächtigung, die Exekutive selbst zu bilden. Für die Palästina-Exekutive schlagt er vor: U s s i.f ch k i n, Frau Henriette S z o l d, Sacher, K i s ch,.. Mn Vriesland und S p r i n z a k. Ae Kommiffionen. Bas 11, 4. September. (Schweiz. -Dep.-Ag.) Ms Hauptinteresse der heute tagenden Kommissionen des Zionistenkongressesl konzentrierte sich auf die Verhandlungen des finanzpolitischen und Budgetausschusses, welcher sich mit den Fragen des Defizits und. den Maßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit 'beschäftigte. Wie man versichert, ist 'Aussicht vorhanden, daß eine mittlere Linie zwischen den Forderungen der bürgerlichen und der linken Fraktion gefunden wcä>e. Die Kompromiß Verhandlungen sollen nach einer Information unseres o.-«.-Berichterstatters dahingehen, daß nebst dem Bndgeterfordernis von 227.000 Pfund eine für produktive Arbeitslvsensürsorge notwendige Summe von 70.000 Pfund durch eine Sonderaktion aufgebracht ivird. Durch eine entsprechende Sicherstellung soll die auf einen längeren Zeitraum verteilte Tilgung der Schulden ermöglicht werden. Dem Plenum ivürde dann ein neues Budget von! etwa 300.000 Pfund unterbreitet werden. — Herr Schocken ist in Basel ein getroffen. Lr> Weizmann besucht nach Kongreßschlnb Palästina. Jerusalem, 4. September. (I. T. A.) Bon informierter Seite wird mitgeteilt, daß Dr. Chaim W e i z - manu, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, | Preis 80 g| Englan d:Mon.4Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei BnlgariemMon.lOOLewa. S e hw e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Ohr abends: Telephon Nr. 31-0-86 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.693 9. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. kurz nach Beendigu ng das 16. Zionistenkongresses Palästina besuchen wird. Sein Eintreffen wird anfangs Oktober erwartet. Er wird sich einen Monat im Lände aufhalten. Ein Weltverdand reNisionistischer Frauen. Basel, 4. September. (I. T. A.) Im Zusarmnen-!han.g mit der Vorkonferenz der Weltunion der Zionisten- Redisionlsten fand in Basel die Gründung eines Wclt- Verbandes r e v i s i o n i st i s ch t r Frauen statt. Die Aufgabe dieses Verbandes ist es, die revisionistische Weltanschauung in allen den sozialen und kulturellen Aufbau Palästinas betreffenden Fragen durchzusetzen und auf diesen: Wege die Mitarbeit der jüdischen Frauen in der Diaspora zu erhöhen und den Wohlstand des Jischuw zu fördern. Es wurde beschlossen, sich dem Weltverband zionistischer Frauen (Wizo) anzuschließen. Es wurde ein ge-, schäftsführendes Komitee eing-esetzt, dem folgende Damen angehören: Mirjam B e r n st e i n - C o h e n, Tel AwW (Palästina); Esther Böhm, Brünn. (Tschechoslowakei)^ Dr. Josefine Hosfinann, Wien (Oesterreich)'; Frau Dr. East e r, Wien (Oesterreich); . Mme. R e c a n a t r, Saloniki (Griechenland); Fmu Dr. Noemi Weisl, Jerusalem (Palästina). Sie Vralldels-Gknppe errichtet eine ArSeiterfiedlnng in Palästina. Jerusalem, 3. September. (I. T. 3L) Das Konnte: des Palcftine Demelvpment Council!of America hat beschlossen, das gesamte Budget des Council zur Errichtung einer Arbeitersiedlung in der Nahe von.Chedera zu verlpeudeM Die Vorbereitungen sind bereits getroffen tojorbeit. Oberlichter Br a udeis, der Begründer und Präsident des Eouncih hat den Plan gebilligt. j ' Ein Waad Leumi-Hnus in gernfalem Jerusalem, 3. September. (I. T. A.) Der Waad Leumk (Jüdischer Nationalrat für Palästina) verhandelt wegen des Ankaufes eines großen Gebäudes im Zentrum Jerusalems, das ihm als Sitz dienen soll. Auch der Waad Harr beschloß den Ankauf eines Hauses. Me nächste Wische Rechtsschutzkonserenz in Palästina. J e r u s a l e m, 3. Septenrber. (I. -T. A.)' Das Komilo: zur Vorbereitung eines jüdischen Wel rkong ress^s!iir Palästina hat das Präsidium des Council ou Jewish, Minority Rights tngeladen, diie nächste Konferenz zum Achntz-e der jüdischen Rechte, in Palästina abzuhalten. Empfang für de» österreichische« Generalkonsul in Palästina. Jerusalem, 4. September. (I. T. $.) Bei dem Empfang, den die österreichische Landsmannschaft in Palästina dem neuen österreichischen Generalkonsul für Palästina, Walter Haas, in Tel Awiw bereitete, sprach dieser über das Verhältnis Oesterreichs zu seinen Landeskindern, die die palästinensische Staatsbürgerschaft erworben hatten. Er sagte, die österreichische Regierung verstehe eineu solchen Schritt durchaus als den Ausdruck einer bestimmten Weltanschauung, ja sie bewachte ihn als selbstverständlich, und werde darum die palästinensischen Oesterreicher nicht als schlechtere Oesterreicher betrachten. Im Verlauf seiner Rede kam er auch auf die j irdisch« Industrie ju swrochen und führte aus: Diese junge, tapfere Industrie, die den Kampf mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes ausgenommen hat, könne versichert sein, daß Oesterreich mit ihr nicht konkurrieren, sondern ihr. Hilfe an gedeihen lassen werde, Hilfe i" Rohmaterialien, iMaschmen und allem, lvas diese Jnd^'--- benötige.

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