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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-03 · Heft 3057 (3.9.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3057 (3.9.1927)
Date
1927-09-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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iitpk'mßer 1927 Nr. 3057 3-ritc 'ttuen, cniuvit: .^ums .^LvrgeNHeiltzrrg ins Abkommen zwischen Rumänien und der Iteaua Romano. Aus Bukarest wird uns berichtet: Zwischen dem rumänischen Staat und der Steaua Romana wurden zlvei Abkommen abgeschlossen. Nach dem ersten wird eine bedeutende Anzahl A k t i e n, die Aktionären der Gegnerstaaten gehört haben, dem Staate überwiesen. Das zweite Abkommen betrifft die von Titu -lescu in London abgemachten Entschädigungen für Kriegsitörungen. Die Zahlungen werden dieses Jahr beginnen. Die Wirtschaftslage Belgien«. (V-om unserem Brüsseler S. - K o r r e sp o n - deuten.) Wohl gibt es nach der Stabilisierung «der belgischen Wahrung nicht jene 'absolute Krise, welche den Prophezeiungen der Skeptiker zufolge hätte eintreten müssen, doch läßt sich im letzten Vierteljahr offenkundig eine Senkung der Wirtschaft^ kurve erkennen, obwohl die Symptome, die gewöhnlich einer Wirtschaftskrise ihr Gepräge geben, wie starke Vergrößerung der Arbeitslosigkeit, Konkurse und allgemeines Elend, nicht aufgetreten sind. Wie zu erwarten war, hat das Ende des englischen Bergarbeiterstreiks zu einem ansehnlichen Rückschlag im belgischen Kohlenbergbau geführt. Die Kohlenausfuhr ist um zirka 240.000 Tonnen zurückgegangen, die Einfuhr Don ausländischer Kohle während des ersten Halbjahres im Vergleich zu der entsprechenden Periode des Vorjahres um zirka 1,1 Millionen Tonnen gestiegen, was ein merkliches Anwachsen der ausländischen Konkurrenz bedeutet. Besser stehen die Aussichten in der Eisen- und S t a h l i n d u st r i e, deren Produktion die vom Rohstahlkartell gewährte Quote überschreitet; Belgiens Schwerindustrie hat ohne Zweifel durch das Rohstahlkartell eine Stütze erhalten. Die anderen Industriezweige, ausgenommen die Textilindustrie, haben in -der letzten Zeit unbefriedigenden Geschäftsgang. In der G l a sbranche versucht man durch Rationalisicrungsbestrebungen dem Absatz einen Ansporn zu geben, die ZMn dH o lz i n d ustr ie leidet seit längerer Zeit unter der starken ausländischen Konkurrenz, nicht besser geht cs der D i a m a n t e n i n d u st r i e, in Antwerpen, welche trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, den Geschäftsgang zu heben. Die gegenwärtige Geschäftslage und die sie bestimmenden Faktoren lassen keine übermäßigen Hoffnungen anflommen, doch hat es den Anschein, daß die Stabilisierungsdepression sich doch in Belgien nicht zu einer so starken Krise auswirken wird, wie es seinerzeit in Deutschland nach der Markstabilisierung der Fall war. Oesterreich auf «der Leipziger Messe. Aus Leipzig wird berichtet: Auf der Leipziger Herbstmesse, die im allgemeinen schwach ist, hat Oesterreich diesmal bedeutende, Erfolge auszuwseisen. Besonders bei der Strickwarenindustrie, 1 Äe durch 15 Firmen vertreten war, wurden vielfach die bei! der Frühjahrsmesse erzielten Rekordumsätze üverboten. Auch ' (4. Fortsetzung.) rteln erster rasflag. Ans den Jngenderinnerungen des alten Professors, Von Dinjamin Seüel. Wäre heute kern Trauertag, was gäbe es für eine Lust, in den Fluß zu springen, dann durch die blumenbesäte werte Wiese in den Wald zu laufen . . . Jetzt aber hieß es umkehren. . . Auf dem Rückweg geriet ich unversehens in die große, lichte Speisekammer, wo meine Großmutter chr Reich der eingemachten Früchte und aller anderen Herrlichkeiten hatte. Da standen mächtige Schüsseln, jede unter einem Glassturz, voll geprügelter Saneuirschen- Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, schwimmend in einem dickflüssigen, glitzernden Säst, sahen mich verlockend «n und ließen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ich brauchte nur einen Glassturz abzuheben . . . Im vorigen Jahre, ebenfalls am neunten Ab, war mir dasselbe passiert. Ich hatte mir ehrlich vorgenommen, bis zwölf Uhr zu fasten; das war eine Kleinigkeit für einen elfjährigen Knaben. Da war ich aber in die Speisekammer geraten, die Schüsseln standen, ganz wie jetzt, in Reih und Glied. . . Ich konnte nicht widerstehen. . . Das war eine häßliche Geschichte. Ich verdarb mir das ganze schöne Fasten und schämte mich nachher tief in der Seele. Pünktlich um zwölf Uhr bat die Mutter: „Ach, Kind, du hast ja hdute noch nichts im Munde gehabt. . . Schnell trink nur ein Glas Milch." Ich stammelte verlegen, daß ich noch gar keinen Hunger verspürte, wartete noch zwei Stunden, bis Mutter und Großmutter gebieterisch drängten. Aber es war nicht mehr gutzumachen. Wie verwünschte ich meine Naschhaftigkeit! Sollte ich ihr diesmal wieder zum Opfer fallen? . . . Die rosigen und die grünen Süßigkeiten schimmerten unter dem Glas, ich glaubte, ihren Dust und ihren Geschmack leibhaftig zu spüren . . . Schon hielt ich die Hand auf den leibhaftig zu spüren . . . Schon hielt ich die Hand auf dem Knojpf des'. Glassturzes. . ein Griff... Da kam mir der Neder in den Sinn . . . Das Barmizwah-Jahr mit dem Bruch eines Neder zu beginnen. . . Nein! ... Ich schlich mich rasch aus der Kammer, nicht ohne einen sehnsüchtigen Abschiedsblick nach den Schüsseln zu werfen. . . Me Leoernmr-enjtrmen haben große Aufträge bekommen. Stark gefragt waren tveiters kunstgewerbliche Artikel, besonders Brmrzen, Keramiken und Modewaren. In der Hauptsache trat Deutschland als Käufer auf, daneben fanden sich holländische, englische und amerikanische Interessenten ein. iseidenkrawatten wurden nach Japan abgesetzt. Der Konkurs wurde eröffnet über die Firma „Produktivbau" im21. Bezirk, HirschstMen. -Das Ausgle ichsverfahrsen wurde eröffnet über Eduard Salzer (Nud. Kuhn, 1. Bezirk, StUrngassc 3): Malvine Berger, 1. Bezirk, Wollzeile 22: Adolf Buchhalter, Schneidermeister. 2. Bezirk, Blumauergasie 9; Gustav Pfrismier, Ä). Bezirk, Wallenstelnstraße 29; Therese Trapper, 5. Bezirk, Margaretenstraße 67; Heinrich Preminger, 9. Bezirk, Rotenlöwengafse 16; Johann Sommer, Selckormeister, 16. Bezirk, Remhartgasie 20; Hildo Hrdlitschka, Delikatessenhandlung, з. Bezirk, Fasangasse 18. Versteigerung. Beim Exekutionsgerscht Wien am 5. September, 3 Uhr nachmittags, Bureml- und Geschäftseinrichtung, Maschinell, Motoren usw. Verband jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender in Wien. Mittwoch, den 7. September, 6 Uhr abends, findet im Klublokal (Bürger-Cafe, 2. Bezirk, Praterstraße 11) eine dringende VorstandSsitzun-g statt. Donnerstag, den 8. September, wird :m Wiener Bürge r-Eafe eine Messehauptversammlung «des Verbandes abgehalten. Permanenzdienst des Vorstandes während der Messe täglich von 0 bis 11 Uhr vormittags im Sekretariat, 1. Bezirk, Ellsabechstraße 9/I./10, Tel. 69-0-18 und 45-8-34. Die Devisenmärkte waren gestern durch weiteres Ansteigen der norwegischen Krone, die sich von 135.60 auf 135.90 hob, sowie durch die rückläufige Bewegung der Lira, der die vorübergehende Stützung nichts genützt hat -und die mit 98.12M Parität Zürich schloß, gekennzeichnet. Der Leu war ebenfalls schwächer; er notierte 3.20. nach 3.21 am Vortage. Der Schilling blieb unverändert mit 73.1214. Die Finanzierung des Berliner Wohnbauprogramms. Aus Berlin wird berichtet: Vorbehaltlich der Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung ist die Finanzierung des Berliner WohnungsbanprojeÄes nunmehr gesichert. Nachdem eine Anzahl größerer Finnen, darunter и. a. die Philipp Holzmann A.-G. und die Berliner Bodengses ellschaft m. v. H. (Häberland), den Auftrag für den Bau von 8000 Wohnungen erhallen hat, wird das Bankhaus Dillo.n Read u. Co., Newhork, zur Finanzierung des Vorhabens eine WohuungSvauanleihe im Betrage von 30 Millionen Dollar auf 26 Jahre mit einer NominalVerzinsung von 6 Prozent auftegen. Strafanzeige gegen einen ungarischen TertMonzern. Aus Budapest wird berichtet: Die zu denk Konzern eines belgischen Industriellen gehörigen Textilunternchmungen „Exzelsio r", „Iris", „Mercur" und „Nota", die im Sommer einen 40prozentigen Ausgleich abgeschlossen hatten, konnten am 26. August, als die erste Rate faltig war, ihren Verpflichtungen nicht Nachkommen. Infolgedessen richteten die Gesellschaften an den Landes-Kreditschutzverein inc Mitteilung, daß sie die. Zahlungen nicht leisten können und die Geschäfte zum Zwecke der Liquidierung den Gläubigern zur Verfügung stellen. Dieses Angebot wurde jedoch abgetehnt, uno zwar mit Rücksicht darauf, daß nur ein'e ganz verschwindend geringe Deckung für die Forderung vorhanden wäre und in oer Gebarung der Gesellschaften Mißbräuche vorgekommcn seien, die eine strafbare Handlung involvieren. Die Strafanzeige wurde auch tatsächlich erstattet. Eine freie Weinbauzone in ver Türkei. Aus Ko nstantinopel wird berichtet: Die Direktton des Alkohol" Monopols erließ eine Verordnung, wonach den Weingartenbesitzern die M^inerzeugung und der Verkauf gestatt et ist. Nach dein Erlaß dürfen jedoch nur die Weingartenbesiher der Weinbauzone die Erzeugung vornehmen. Sie .sind bezüglich der Erzeugung und des Verkaufes vollkommen unabhängig. Für ein Kilogramm Wein, der bis 12prozentig ist, sind 10 Grüsch, für höhlerprozentigen Wein ' 15 Grüsch pro Kilogramm der Montvpof.verwaltung ab- - zulreflern. Es ist verboten, außerhalb der Weinzone Wei: trauben einzukausen, um Wein zu erzeugen. Konzentration in der ungarischen Maschinenindustrie'? Au. Budapest wird bcrichlet: Zwistlien der Maschinenfabrik Hos- Herr & Schranu, der Landwirtschaftlichen Maschinenfabrik, der Firma Kühne einerseits und «der A. G. ovr Manfred W c i jj andererseits sind gegenwärtig Verhandlungen im Zuge, welch? bereits unmittelbar vor dem Abschlüsse stehen. Es handelt sich um ein Ucbereinkominen, nach welchem die Firma Manfred Weiß auf die Erzeugung von landwirtschaftlichen Maschinen verzichten soll, wofür sich die anderen oben erwähnten Fabriken verpflichten, stimm che zur Herstellung von landwntschastlicheu Dtaschinen nötigen Halbfabrikate, Abgüsse und Zugehöre ausschließlich bei der Firma Manfred Weiß zu bestellen. (Sop.) StUMung der Kühlenfpachten in Polen. Die Jndustrie- und Hanbelskam'mier in Krakau teilt mit, baß das Warschauer VerlfttMministerimn bei Anträgen und bei entsprechender Sicherung eine dreimonatige Stundung der Fra chtgevühren für Kohle, die im August und Septem v er Verladen wird, gewährt. Diese Anordnung hat oen Zweck, ben Konsumenten die Versorgung mit Kohle in den Sommermonaten zu ^leichtern. Die im August gestundeten Smn'men sollen am 3. November und die im September gestundeten Summen am 3. Dezember einschließlich der Zinsen beglichen werden. Liquidation einer Warschauer Bank. Aus Warschau wird gemeldet: Auf Grund des Ergebnisses der in der Warschauer Nationalban! für Handel und Industrie seitens der Organe des Bankinspektorates beim Finanzministerium vorgeuommeuen Revision hat der Ministerrat beschlossen, die Bank zu liquidieren. Unabhängig von der Schließung der Bank werden die Ergebnisse t>er Revision der Staatsanwaltschaft zwecks gerichtlicher Verfolgung der Direktion der Ban! wegen Mißbrauches von Klwntendepots, Fälschung der Geschäftsbücher nsw. bekanntgegeben werden. Amerika will Meistbegünstigung von Frankreich. Nach einer Agenturmvldnng aus Washington hat daS StaatSdcpartcnlent der amerikanischen Botschaft in Paris die Weisung erteilt, sobald wie möglich Verhandlungen zwecks Abschlusses eines französisch - aMetkk'aNischen Handelsviertrages einzuleiten. Dieser Entschluß sei gefaßt worden, weil der kürzlich zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossene Handelsvertrag, der die neuen französischen Tarife zur Anwendung bringen müsse, in beträchtlicher Wkise den amerikanischen Handel beeinflussen würde, wenn die Vereinigten Staaten nickst die Meistbegünstigung erhielten. Das Monopol Idcs kanadischen Welze rrflgosiS. Ter kanadische Meizcnpool, der auf die Gestaltung der Weltweizenpreise eine» immer größeren Einfluß ausübt, kündigt, Me aus Montreal gemeldet wird, an, daß er dieses Jahr Wer 200 Milli onen Vushiels W erzen verfügen wird, die er sich in den Prärieprovinzen Mamtoba, Saskatchebvn und Alberto gesickert hat. Der Pool kontrolliert heute vsoin insgesamt 19,240.473 mit Weizen bestellten Acres in den drei Provinzen 16 Millionen Acres. In den vier Jahren seines Bestehens ist seine Mitgliedevzahl auf 140.000 gestiegen. Praktisch hat also der Ptzwl ein Verkaufst jo trior p o l für kanadischen W>ei!ze n inne. Wiener Börse. Geschäftslos. — Ungleichmäßig. Die abermals ausgetretene schwjachp Haltung «der BerliuLv Börse legte dem hiesigen Markte Zurückhaltung! auf. Der Wienverkehr war gering und die Goschaftslofigksit verstärkte sich bis Börsenschluß immer mehr. Interesse bestand hauptsächlich für tschechosloivalische Jndustriepapiere, welche für Prager Rechnung gekauft wurden. Die Kurse enttvickelten sich ungleichmäßig!. In den meisten Kulissen war eine lAibbrückelung zu konstatieren, widerstandsfähig waren Elektrizitätswerte, die auf die Nachrichten von Unser Zehrer, Rabbi Miba, rief uns jetzt zusammen. Wir setzten uns zur Erde auf die ausgebreiteten Matten rings im Halbkreis um ihn herum, und es wurde die Geschichte von Kamza und Bar Kamza*) vorgetragen. Unser Lehrer besaß gediegene chronologische Kenntnisse und hatte einen ziemlich guten Ueberblick über die wvltgesch>ichtlichen Vorgänge, soweit sie sich aus der rabbinischcn Literatur erwerben ließen. An der Hand der schlichten, naiveik und innigen Schilderung der Zerstörung Jerusalems durch Ti- { tus, der Festung Tur Malta und Bethars, belehrte er uns, wie kleine Ereignisse große, verhängnisvolle Wirkungen j> nach sich ziehen, wie bedeutungslose, unbedachtsame Handlungen des einzelnen, wenn sie sich summieren, über ganze Reiche und Völker die furchtbarsten Schicksalsschläge heraufbeschwören. Er hatte nie etwas von Hegel gehört, und die Lehre von dem sich immer mehr bewußt werdenden absoluten Geist wäre ihm ztveifellos als eine grobe, heidnische Verirrung erschienen. Doch auch für ihn war der Gang der Weltgeschichte nichts anderes als die Entfaltung des Gcij stes, aber des betvußten, transzendenten, der sich der Völ-! ker und Staaten als seiner Werkzeuge bediente, um das Menschengeschlecht zu dem höchsten Ziele emporzuführen, dessen letzte Form und Inhalt den Sterblichen verborgen blieb, von dem er aber einen Schimmer die Menschen schauen ließ> dnrchj die seinen Propheten geofsenbarten Visionen: die höchste Erkenntnis und die Verwirklichung der vollen Gerechtigkeit in der Welt. Er würzte seinen Vortrag durch allerhand Erzählungen Und Parabeln >aus< der Aggada und Zitaten aus dem Moreh Nebuchim des Maimuni und dem Kusari des R. Jehuda Halewi, sogar den Sohar verschmähte er nicht, obwohl er uns jedesmal davor warnte, dieses Buch zu lesen, bevor wir die Vollreife des Verstandes erlangt und uns gesättigt haben an dem Studium der Thora. Der Sohar enthielt nämlich, wie er versicherte, viele dunkle Stellen, sogar Fälschungen späterer Ketzer, Heuchler und Spötter, darum richtete er. in unreifen Gchstevn. Verwirrung und Unheil an. Er müntevte! uns zu Eintvürfen und Fragen auf sind beantwortete sie mit aufklärenden Exkursionen, Parabeln und Vergleichen. Auf meine Frage, Ivarum Gott so vieL Leiden und Zerstörungen zuließ, antwortete er mit einem Zitat aus der Aggada: Me großen Dinge können in der Welt nur gewonnen Werder: durch Leiden; die Leiden dienen dazu, die edleH Kräfte M Mcn *)~®ittin 56 ff. scheid aus der Verborgenheit hervorzulocken, sie zu prüfen, läutern, damit sie Wachsen und sieghaft werden, fähig, das Böse «in der Welt zu überwinden-sie würden einrosterh. tchM es im Leben nur ein Gelingen und Gedeihen gäbe. Wenn das Schicksal den 'Menschen verschont, ntWs--er freiwillig das Leiden mlf 'sich nehmen, wenigstens rn «ckb- Seschwächter und gemilderter Form, zum Beispiel durch! Fasten, soweit es die Kraft nicht schädigt. Denn lyenn das Leiden die Kraft zerstört und vernichtet, so wird es selber zu einein Teil ^des Bosen. Alle! großen. Kriegshelden, von Nebukadnezar und Sancherib bis Napoleon I., waren für ihn nur Geißelruten -in der Hand Gottes, Werkzeuge zrrr Bestrafung des Bösen 'und Beseitigung ihrer 'Werke; aber Gott läßt, seinen. 'Werkzeugen die volles Freiheit ides Handelns; sobald sie sich 'überheben und in Hvchinmt und Gtansamkeit ansangen, edle Kräfte zu vernichten und' Werke Gottes zu zerstören, werden sie am Endes selber «zerstört und vernichtet. - s Natürlich konnten wir Knaben diese ganze Geschichtsphilofophic nur teilweise erfassen, aber sie regte in uns eine Mille von Gedmrken an. Das Leiden, dass tvir übrigens nur vorn Höreusagerr kannten, erschien uns als etwa« 'Begehrenswertes, und alles, was wir aus Erzählungen und SckMderungeu davon wußten, verlor 'das Schreckhafte und Beällgstigeilde. Die Welt gelvann für uns ein freundliches Antlitz; was sich dahinter 'mr Bösem und Schmerzlichem verbergen inochte, o, das ivürdeu wir schon bewältigen und überlvindeu. Wir lvürden schon gewahr werden, was wir konnten. Etwas Kindlichi-Herorsches regte sich in uns. Eine heitere Zuversicht erfüllte uns. Mir dämmerte 'es rms, baß eine Aehnlichkeit zwischen der Völkerwelt imd der Sternenwelt bestand. GleickMie mein Lehrer mir die Welt ,der Sterne, in der er so heimisch war, als sein von 'der höchsten Vernunft planvoll regiertes Reich! zeigte, dessen letzter Zweck uns ewig verhüllt bleibt, so erschien mir di« Welt der Völker als ein GelvimMel von Sternen, in dem! die une» forschliche Weisheit eine nur dem forschenden Ange erkennbare OrdnlMg walten ließ. Somien gingen auf, ivaudelte» ihre Bahnen, voll Planeten begleitet, und erloschen, und arldere tauchteil aus der Dunkelheit empor. Alles aber war von -einem geheimnisvollen Leben durchleuchtet mtb ruhte in einer allmächtigen, ewigen Hand, die es fest und gütig zu verborgenen, erhabeneu Zie^n lmkte. (Fortsetzung folgt.) *

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