Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3055 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorte 8 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung 1. September 1927 Nr. 3055 VOLKSWIRTSCHAFT Ae derrtkche Znlandskonjuuktur und der Export. (Don uns-ercm Berliner Korrespondenten.) Die günstige JulandskonjunkLur, die gcgeulvärtig in Denffchlanid herrscht, hat in den deutschen WirtschaftSkreüsen eine lebhafte Erörterung der Frage hervorgerufen, ob die Bedeutung dieser JnlmtdZlonjunltur toichtiger sei als das Exportgeschäft oder umgolohrt. Bei der isolierten Lage der deutschen Produktion innerhalb de-r Weltwirtschaft ist es natürlich von großem Vorteil, wenn sich die Vorbedingungen. für einen gesteigerten Umsatz auf dem deutschen Markte bessern, tv-odurch die Abhängigkeit vom Exportnrarkt wesentlich verringert ist. Allevdings kommt cs dabei schr viel darauf an, die Nachfrage des Inlandmarktes mit solchen deutschen Fabrikaten decken zu können, die nicht zu ihrer Herstellung fremde Rohmaterialien oder fremde Halbfabrikate verlangen, sonst Windelt es sich nur um eine g el>o x gte Konjunktur. Die steigende Jnlandkonjunltur führt also nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Wirtschaftslage, und gerade in den letzten Wochen ist bei gesteigerter Ausnahmssähigkeit des deutschen Jnlandmarktes eine Verschlechterung der Handelsbilanz eingctreten, da z. B. im I u l i ein Rekord der E i. nf'-uHr fremd e r Rohstoffe'; erreicht wurde. Dies bringt den Beweis, daß die deutsche Jnlandkonjunktur nicht zu einer absoluten Berbcssenmg der deutschen Produktions- und Umsatz - bedingungen gefiihrt hat, sondern daß eine enorme Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage eingetreten wäre, würden nicht die Export zach len eine Stütze für -die Grundlagen der deutschen Wirtschaft liefern. Die deutschen Ausfuhrziffern bewegen sich gleichmäßig nach oben und dies ist ein Symptom, daß die deutschen Waren sich auf den AuslandmäEen wieder durchzusetzen beginnen. Diese Konstellation befindet sich jedoch mitten in der Entwicklung, und es wäre verkehrt, wollte man jetzt wegen der eingetretenen Jnlandkonjunktur auf die wertvollem Erfolge einer angestrengten Exportwirschast verzichten und sich in der Produktion in erster Linie auf den Inkan dwarkt einstellen. Die gleichmäßige Versorgung der einmal gewonnenen Auslandmärkte istdaher eine Forderung, die unbedingt derjenigen der vollkommenen Versorgung des Inlandmarltes mit deutschen Waren in Konjunkturzeiten vorangeht. Dazu kommt, daß die-Konjunkturen am Inlandmarkt in der Regel nur k u r zftrri st i;g sind — auch hier sind schon Anzeichen eines Sinkens der Jn- Jnlandkonjunktur bemerkbar — daß sie also eine auch nur teilweise Aufgabe der Export- Lestrebungen nicht rechtfertigen würden; überdies richten sich die Inlandkonjunkturen nicht'selten auf solche Waren, die in der Hauptsache aus fremden Materialien hergestellt werden müssen, was zu einer weiteren Erhöhung der Einfuhr ftemder Rohstoffe Zwingen würde, wobei die KonzentraÜon der Produktion auf die Bearbeitung dieser Rohstoffe und das Zurückstellen der Ausfuhrgeschäfte unbedingt den Wirtschaftsstand verschlechtern muß. Auch bei anderen Wirtschaftsnationen machen die E xportbeziehungen den Hauptwert der gesamten Wirtschaftsgestion aus. Der Welthandel wird sich immer international auswirken, und eine Einschränkung der deutschen Produktion auf den sogenannten nationalen Verbrauch, der auch nur bestimmte Gebiete umfaßt, muß schon aus diesem Grunde als wirtschaftlicher Selbstmordversuch angesehen werden. Die so vielfach erörterte Frage „Exportgeschäft oder Jnlandkonjunktur" ist daher müßig; nur richtige Verbindung von Inland- und Auslandgeschäft und Ausbalancierung der Konjunkturen der eigenen und der fremden Märkte ist die Gewähr für eine gleichmäßige und günstige Wirtschastsentwicklung. .Der Ultimo brachte auf dem Geldmarkt keine größeren Ansprüche; die Wechseleinreichungen bei der Nationalbank waren sogar geringer als sonst am Ende des Monats. Geld ist zu 6.38 Prozent angeboten. Der leichte Stand des Geldmarktes ist eine Folge der fortgesetzten Zuflüsse ausländischen Kapitals, unter dem sich in den wtzten Tagen auch englisches befindet, das größere Beträge in Wien untewebracht hat; es handelt sich dabei hauptsächlich um solche Kapitalien, die nach den Juli-Ereignissen nach Berlgn verlegt wurden und nunmehr wieder nach Men zurückgelangen. Die Oesterreichrsthe Postsparkasse verzinst vom 1. September 1927 an Einlagen auf NamEinlagebücher mit 43/4 Prozent; Einlagen auf Uebevbringer-Sparbücher mit fk Prozent, bei dreimonatiger Kündigung, die für Emlagen von 500 Schilling aufwärts vereinbart werden kann, mit 5y2 Prozent; Einlagen auf Prämieneinlagebücher: die Prämienelnlage von 300 Schilling während des Prämienjahres mit 3lU Prozent; den die Prämieneinlage übersteigen^ den Teil der Einlagen auf Prämieneinlagebücher sowie dre Prämienjeinlage der Prämieneinlaaedücher der Reihe II, insoweit sie vor dem 1. Oktober 1927 eingezahlt worden ist. mit 4Vi Prozent. Mne amerikanische Anleihe für Frankreich? Waßihrngton, 31. August. Im Staatsdepartement wird erklärt, daß in der Frage einer französischen, in Amerika ausizun ohmenden KonsolidierungSa nl e i h e keine Entscheidung vor der Rückkehr des Staatssekretärs Mellon werde getroffen werden, die zwischen dem 6. und 9. September erwartet wird. Andererseits verlautet, daß das Staatsdepartement im Begriffe sei, das infolge der Nichtratifizierung des amerikanisch-ftanzüsischen Schuldenabikommens erlassene Verbot der Aufnahme französischer P r i v a t a n l e i h e n in Amerika zeitweilig aufzuheben und so die Konsolidierung der französischen Handels schulden zu dem gegenwärtig üblichen niedrigeren Zinsfuß zu ermöglichen. Die New Dorker Bankiers wollen in der Tat Frankj reich eine Anleihe von ungefähr 300 Millionen Dollar zu 6^/3 Prozent zugeftehen, die an Stelle gewisser älterer 7- 'bis Sprozentiger Obligationen treten solle. Ermäßigung des Zinsfußes für Zollstundungen. Laut Verordnung -des Finanzministeriums wird ab 1. September der bisher 8 Prozent -betragende Zinsfuß für Stundungen von Zöllen und den in gleicher Weise wie diese zur Ein-Hebung gelangenden Abgaben (-Warenumsatzsteuer usw.) auf VA Prozent ermäßigt. Darnach verringern sich die auf -den halben A b r e ch n un g s m on a i entfallenden Zinsen von A. auf 3/ic Pr 0 zen 1. Die Tlevisenkurfe. Die Lira hat sich gestern, rotfttcr gebessert und schloß 28.19 Va Paritär Zürich. Auch Devisx Madrid hat eine leichte Kuvsevhöhurrg (auf 87.55) zu verzpichnen. Der Leu ist bei 3.21 unverändert, auch die Mark hat keine nennenswerte Kursänderung zu verzeichnen (Züricher Schlußkurs 123.41). Der Schilling hat seine Rückgänge der letzter: Tage wettgemacht und notiert wieder 73.10 Parität Zürich. Feilbietungen. In der gerichtlichen Auktionshalle (1. Bezirk, Jakobergasse 1) werden am 2. September, nachmittags 3 bis 7 Uhr. eine Geschäfts-, eine Wohnungseinrichtung, Radioapparat und Grammophon samt Zubehör, Teppiche, Bilder, Bücher, Tischgeräte, Textil-, Gummi-, Wall-, Wirk-, Pfaidlerwaren, Effekten, Silbergeräte und Pretiosen usw. zwangswe'se versteigert. Verdaut der Mischen KaufleUitc und Gcwervelreiberrve«. ^<sute, 8 Uhr abends, im BürgLr-Cafe (2. Bezu Praterstraße 11) Massenversammlung. Tagesordnung: Refunbierung der Fürsovgjeabgabe, Wahl einer Mordnung, die mit dem Stadtrat Bveitner sich in Verbindung setzen wird'; ferner Export nach der Levante. Schwaches Geschäft auf der Leipziger Messe. Aus Leipzig wird gemeldet: Nach den Eindrücken bis Mittwoch mittags dürste der diesjährige Geschäftsertrag der Leipziger Messe bei einer ganzen Reihe von Branchen unter der Mittellinie bleiben. Die ausländischen Jnteyesfenten sind offenbar nicht gewillt, aus ihrer Reserve herauszutrieten, und die Nachbestellungen, die für den Jnlandsmarkt im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft vorgenommen werden, summieren sich nur in wenigen Fällen zu größeren Beträgen. Eine Umsahstetgernng ist in der Gruppe des B ure aubed a r ses zu verzeichnen. Auch die Aussteller von Lederwaren sind verschiedentlich gut ins Geschäft gekommen, während sich in Porzellan, Glas, Keramik und ihren kunstgewerblichen Anhängen die Umsatfi bewsegung noch immer in enge» Grenzen hält. Für das Kernstück, die technische Mos se, die als ganzes seit Montag überraschenderweise stagniert, wird von den bevorstehenden Bau- und Siedlungsausstellungen ein wenn auch bescheidener Auftrieb erwartet. Starke Stzrigerung der tschechoslowakischen Anleihen. Aus Prag wird gem>eldet: An der Dienstag-Börse haben die beiden Jnvestitionsanlieihen und dre Konver/wnsanleihe den Parikurs erreicht. Die übrigen kprozentigen Staatstitres sind nur mehr 30 Heller vom Parikurs entfernt. Zum erstenmal wurde der Parikurs im heurigen Frühjahr von der österreichischen Völktzrbundanlekhe erreicht und sogar überschritten. 8oeben erschienen: Drei neue Abenteuer Sberloclc Holmes? M*4 Die drei Diebe! and andere Abenteuer. Von A. Conan Doyle. Bilder von Cnrt Lange. S 1*80. ♦dH Buchhandlung und mod. Antiquariat R. Löwit, Wien, I., Rotenturmatr« 22. Telephon 71-4-25. llf ■■■ ktfeit Mund und RBrper Die tschechoslowakische KohlenpreiduMon. AuS Prag wird berichtet: Die KolsicirproduMon in der Republik betrug im zweiten Quartal dieses Jahres 3,346.538 Tonnen Steinkohle und 4,475.758 Tonnen Braunkohle. Die.Produktion an Steinkohlenkoks betrug 605.646 Domren, au Steinkohlenbriketts 39.130 Tonnen und an Braunkohlenbriketts 49.108 Tonnen. Es waren 95 SteinkoMngrnben ltttb 180 Braunkohlenwerke, erstere mit 57.229, letztere mit 36.215 beschäftigten Personen in Tätigkeit. Die Vorräte, an Steinkohle genügen für 42, an Braunkohle für 106 Tage. Der Kohlenexport im zweiten Quartal betrug 402.290 Tonnen Steinkohle, 670.036 Tonnen Braunäü)!'^, 187.683 Tonnen Koks, 32.002 Tonnen Briketts und 134 Tonnen Grrrdekoks. Die Einfuhr in derselben Periode betrug im ganzen 363.762 Tonnen Steinkohle, 3856 Tonnen Braunkohle, 60.882 Tonnen Koks, 5716 TMncn Briketts und 1758 Tonnen Anthrazit. Ein staatliches Expoxtinstttut in Polen. Aus Warschau wird gentzeldct: Der Ministerrat hat den Entwurf einer Verordnung des Präsidenten der Republik betreffend die Schaffung eines staatliche?: Exportinstituts - bestätigt. Die polnischen Maximalzölle. Aus Warschau wird berichtet: Die bereits angekündigte Verordnung über die Einführung von u>n zirka 100 Prozent erhöhten Maximalzöllen für die Länder, mit denen Polen keinen Handelsvertrag besitzt und die polnische Warpn bei der Einfuhr fchlechtler behandeln als Waren anderer Staaten oder Exportprämien für die Ausfuhr nach Polen geinähren, wurde am 26. August im Amtsblatt verlautbart; dre Zölle treten bem^ nach am 26. Dezember in Kraft. Da die deutsche Regierung annimmt, daß diese Verordnung erlassen wurde, uni erneu Druck auf die Haltung Deutschlands bei den Handelsvertrags^ech andlungen nrit Polen auszuüben, hat der deutsche Geschäftsträger in Warschau die polnische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß die deutsche Regierung diese Verordnung als Unslreundlichkeit ansicht. Beabsichtigte Herabsetzung der polnischen Einfuhrkontingente. Aus Warschau wird berichtet: Das Handelsministerium! arbeitet gegenwärtig an einer durchgreirfeüden Revision der Ko nttnglente für die Warencinsnhr rrach Polen. Die EinsnhrkontinMnte sollen für alle Waren und alle Staaten stark herabgesetzt werden, um das Passivum der HandelÄiilanz zu verringern. Die Ukraine plant vre Massenfabrikation von SchMM. Mrs Charkow berichtet ,Fd.-E.": Bon den obersten Wirp> schaftsilrstanzeit der Ukraine ist der Bauplan für die vom ukrainischen Ledertrust zu errichtende Schuhfabrik in Charkow bestätigt worden. Die Fabrik soll eine Prtzduktlonsfähigkeit von 2.2 Million eit P aar S chuhen jährlich besitzen bei Baukosten von 26 Millionen Rubel. Dre Bäuarbeiten werden in: Frühjahr 1928 beginnen und bis 1929 abgeschlossen werden. Der gegenwärtige Bedarf der Ukraine an Schuhwerk sei 16 Millionen Paar jährlich; von den staatlichen und genosienschastlichen Unternehmuwßcii werden zurzeit nur eine MiMon Paar im Jahre geliefert, so daß das Privatkapital, bezw. Kleinhiandwierk auf dem ukrainischen Schuhinarkt eine nach Ansicht der Sowjekwirtschaftsblehörden unverMtnismaßig große RoÄe spielen kann. Einzichung ider alten 10- und 20-Zlotp-Noten. Aus Warschau wird gemeldet: Die Bank von Polen beginnt am 1. Seppemüer 1927 mit der Eirtziehung der im 'Umlauf befindlichen A-ZIotv-Banknoten, die vom 28. Februar 1919 und vom 15. Juli 1924 datiert sind, sowie der vom 28. Februar 1919 datierten lO-Zloth-Bankepten. Di^sc Banknoten werden nur bis zum 29. Fe'bruar 1928 Gülttg- Tctt haben. . Rückkehr Akgentinieus pm Goldstandard. Aus London wird gem/eödet: Nach einer Meldung aus Buenos Aires hat der Präsident der argentinischen Republik ern Dekret unterzeichnet, durch das Argentinien wieder zum Goldstandard zurückkehrt. Ein Notgesetz hat im Jahre 191/ den Goldstandard aufgehoben. Wiener Börse. Fester. Im allgemeinen wae die Börse gestern wieder ziemlich geschäftsßill. Bei Eröfsnung bestand nur Nachfrage nach einzelnen Papieren, wie Staatsbahn, Wafseif und Mpine, die denn auch im Kurse anzogen. Tschechoslowakische Effekten läge» ungleichmäßig, ungarische Werte gingen zufolge reichlicher Budapesier Abgaben zurück, im weiteren Verlause komrtea sie, da sich'Nachfrage -ergab, einen Teil ihrer Kurseinbußcn wettmache»- Die Ultimoprämieii-erklärung hatte in einzelnen Papieren Deckungen zur Folge, doch getOann das Geschäft keinen größeren Umfang. Die Erklärungskursc lauteten: Kreditaktien 06.75, Ungarische Kreditbank 115.10, 'Alpine A6.50, Staatsbahn 35.10, Siemens 25.65, Trif-ailer 57.50, Krupp 24.25, Südbahn-Prioritäton 78.25, Bankverein 30.50, Südbahn 19.40, Felten 55, Poldihiitte 130, Rima 164.70, Skoda 198.75, Waffensabrik 32.75, Salgo 108.40, Ungarische Hofherr 25.05, Karpathen 30^60, Naphtha 10j75, Ungarische Zucker 298, Danrpfschiff 117. Nach der Prämienerklüung War ein« iallgenielne Befestigung der Tendenz zu konflafteven; dennoch gewann das Geschäft bis Börsenschluß keinen größoreir Umfang, da es an privaten Aufträgen fehlte. In dan meisten Kulissen-- und Schvankenwerten waren Kursech'öhnngen zu konstatieren. Das Jrrteresse für Reuten, tvielches in den letzten Tagen geherrscht hatte, hat sich wieder verflüchtigt, da die künstliche Anfachung durch allerlei Gerüchte über Zusannnenhänge zwifcheic l 3us neue Problem: ein teures Telegramm oder ein bllllger nnslMrWer LnftvoMlelr Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten^ zugestellt wird, nur —.60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern; am Abflugstage bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt.