Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-08-30 · Heft 3053 (30.8.1927) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3053 (30.8.1927)
Date
1927-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982141--31129-3019417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 4 Men, Dienstag Wiener Morgsnzeitrmg so. August;ss? :twua N<ch mmer „Zewifh Al«W. 4wtt* KhQB9 ^Bp^QSi* v4. des Mandats-soll em« „Jewish Agency", das .eistt eine Bertvetmrg der Juden, «»erkannt toerden, derer? Aufgabe in der Beratung der Mandatarmacht beim Aufbau. deS „nationalen jüdischen Heims"' in PakMna begeht. Ws' solche Jewish Agency wird im Mandat die ZivniWhe Organisation anerkannt — nrit der Einschränkung, „solange die Mandatar macht diese Organisation für diese Funktion, als geeignet befindet". (Dies ist eine notwendige Sicherung für den Fall des Rückganges oder der Auflösung , der Zionistischeil Organisation.) Ferner sagt das Mandat, daß diese Jewish Agency, d. h. die Zionistische Organisation, die Mithilfe aller jüdischell Kreise bei der Aufbauarbeit für Palästina anzustrebm hat. (Damit sollte gesagt werdeil, daß die bevorzugte Stellung der Zionistischen Organisation als Jelmsh Agency kein Monopol der Zionisten in der Palästinaarbeit bedeutet, sondern daß gerade ioegen ihrer jwlitischen Sonderstellung eine Verpflichtung der Zionistischen Organisation besteht, lmter ihrer Führung alle Huden an der Palästillaarbeit zu interessieren.) -» Der Sachverhalt ist klar, der juristische Tatbeftaird läßt keine Deutung in der Richtung zu, daß die Jewish Agency auf eine andere Körperschaft übertragen lverdeir soll. Die Exekutive der Zionistischen Organisation aber bemüht sich seit fünf Jahreti, den im Mandat vorgezeichneten Zustand zu beseitigen. Sie will die Jewish Agency- „erweitern" — was juristisch nicht möglich ist. Die Agency ist ja kein Vereill, . in den neue Mitglieder eilrtreten können. Sie ist eine Funktion, die einer bestimmten Körperschaft — nämlich der Zionistischen Organisation — Übertragen wurde. Man könnte nur die Zionistische Orgarlisation enve'itern (was Brandeis wollte), indem man Nichtzionisten in begrenzter Zahl und für bestimmte leitende Posten in diese Organisation aufnimmL, ohne den Charakter der Zionistischen Organisation zu änderir und ohne die Souveränität des Kongresse? anzutasten. Oder aber man muß eine neue -Organisation schaffen und die Funktion der Agency aus diese übertragen. Düs ist der Weg, den die Zionistische Exekutive seit fünf Jlchren zu gehen versucht. Sie nennt dies „Erweiterung der Jewish Agency" — ivas falsch ist, und sie behauptet, daß das Mandat dies von ihr verlange — was ebenso fdfcfj ist. Freilich, wenn man es für politisch klug hä t, Jahr für Jahr mr die englische Regierung zu schreiben, daß man die „Agency" erweitere, so wird diese viel eicht eines Tages, ftagen, was denn nun geschehen sei. Uno wem: man darauf keine Antwort hat... Aber unsere Politik ist ja bekanntlich von unübertrefflicher Klugheit. * ' Vor vier Jahren erklärte die Exekutive zur Begrün-' düng all dieser- Verkehrtheiten, daß durch Gewinnung von NichLzioniften neue Geldmittel für Palästina geschaffen würden. Nun sind sicherlich alle Zionisten damit einverstanden, daß Versuche unternommen werden, das Interesse der Nichtzionifien für PÄästina zu wecken. Der Weg, der zu diesem Zweck beschnitten rverden mußte, war klar: die Zionistische Organisation mußte an die Nichtzivnisten herantretcn, die Bedeutung der Paläflrnasache für die gesamte Judenheit darlegen, und konkrete Pläne und Vorschläge, unterbreiten, damit reiche, einflußreiche und wohlwollende Nichtzio nisten die ^Möglichkeit hatten, sich an der Palästinaarbeit zu beteiligen. Wen» solche Bemühungen Erfolg hatten, wenn z. B. Nichtzümisten -Gesellschaften oder Vereine gründeten, um in PaLastma zn arbeiten, mußte man düesen den vollen Gnsluß auf die Gestaltung dieser ‘ Arbeit einräumen, entsprechend den Leistungen, Fähigkeiten und sogar Versprechungen für die Zukunft, die wir von solchen Nichtzionisten erlangen konnten. Wenn dann im Laufe der Zeit die Beteiligung nichtzionistischer Körperschaften an der Palästinaarboit einen wirklich nennenswerten Grad erreichte, so konnte schließlich sogar die Frage erwogen werden, ob nmrmehr ntdjt die Zeit gekommen sek, eine neue, größere, stärkere Palästinaorganisation an die Stelle der Zionistischen Organisation treten zu lassen. Bejahte man diese Frage, so war dann die politische Funktion der Jewish Agency von der Zionistischen Organisation auf diese Neue Palaftinaorganisation zu übertragen — vorausgesetzt, daß die neuen, nichtzionistischen Elemente durch ihre geleistete Arbeit und ihre politische Haltung die Gewähr dafür boten, daß sie die jüdische PMstinapolitik im ©ferne der früheren Zionistischen Orgwrssation, d. h. im nationalen Sinne, fortführen würden. Versuche in dieser Richtung wurden vor fünf und sechs Jahren in Amerika gemacht, aber bald wieder fällen gelassen. Die organische Methode wurde äufgegeben und durch eine mechanische ersetzt, totöei sich bald zeigte, daß unsere Mechaniker den Apparat nicht verstanden, mit dem sie umgingen. * Die Sache fing mit einem allgememen Geschrei an. Es wurde der Oeffentlichkeit erklärt, daß die Zionistische, Organisation und ihre Exekutive nicht imstande seien, die PoKWnaarbeit zu leisten. Mau müsse darum die anderen Juden gewinnen und das heiße „Erweiterung der Jewish sAgeney". Natürlich erweiterte diese sich keineswegs durch die lauten Parolen der Exekutive. Sie konnte sich nicht erweitern, denn das hätte ja bedeutet, daß entweder Nichtzionistm in die Zionistische Organisation eintraten oder daß eine Neue Palästinavrgamsation, mindestens ein großes Komitee, vorhanden war, das di: Agency-Funktion übernahm. Ersteres wollte die Exekutive nicht. — letzteres konnte sie. nicht «zymyzen, sotauye-^as beMhiUe^WiyWyBvwÄee^ tÄht vochanÄN ''tvüU. Also mußte nrau dieses Komitee bilden. Aber wio? Vorarbeiten hierzrt waren nicht geleistet, als die Exekutive ihre Parole ausgab. (Das wollten die braven Kongreßdekegierwn vor vier Jahren gar nicht glauben.) Man IMte int Frühjahr 1923 mit einigen angesehenen englischen Juden verhandelt, welche sich ziemlich kühl verhielten und erklärten, sie würden sich die Sache überlegen. Darm war Dr. Woizinann nach Amerika gefahren und hatte jene'Verhandlungen mit Marshall begonnen, die heute, nach vier Jahren, noch inMer andauern. Jnzroischen rvar iit der Zionistischen Organisation ein heftiger Kanrpf tun die Theorie der Agency, die Gesahven und Möglichkeiten der neuen Politik entbrannt, ein Kampf, der naturgemäß die propagaMstische Kraft, das Selbstvertrauen, die Werbelust der Zionisten schwächte. Warum noch diä Fern stehender: für die Zionistische Organisation tverben? Uebermorgen wird es ja — neben dem schon „neutralen" Keren Häjessvd — die neue Jewish Agency geben. Die Großjuden kommen — und ihr Geld. Mit dieser Öffnung wurde jede ernsthafte Behandlung des Problems als überflüssige Pedanterie von Juristen und logischen Rechnern beiseite geschoben. Aber das Geld kam nicht, die neue Agency kam nicht. Es kam ein neuer theoretischer Economic Board, ein Komitee, welches studieren und Pläne machen soll. Bon Geldbeschaffung keine Rede. Bon sofortiger Geldbeschaffung, dem großen Argument vor vier Jahren, überhaupt keine Rede. Das Komitee schickt Sachverständige. Sehr gut. Berichte von Sachverständigen kann auch die Exekutive der Zionistischen Organisation in unbegrenzter Zahl erhalten, tvenn sie die Sachverständigen gut bezahlt. Was aber wird das Komitee dann tun? Wird es sich an die Spitze der Palästinaarbeit stellen? Wird cs die Gelder beschaffen? $ Von alledem ist nichts zu hören. Keine Verpflichtung wurde eingcgangen. Im Gegenteil: die Herren lversen den Ball schon wieder zurück und erklären, wir tnüßten sagen, rvic es gemacht iverden soll, und. das Volk müsse das Geld aufbringen. Aber auf immer erneutes Drängen und Bitten 'Dr. Meizmanns, nach Absendung des berühmten Entschulöigungsöriefes an Marshall, soll das Komitee im Prinzip bereit sein, „in die Jewish' Agency einzutreten". Also doch in die Zionistische Organisation? Denn eine andere Organisation als Träger der Agency-Funktion besteht ja nicht, und in London erklären die engsten Mitarbeiter Dr. Weizmanns, daß von dem Fifty-sifty-Projekt, ddr „Full siedged"-Agency, keine Rede mehr sein könne. Aber das kann Dr. Weizmann doch nicht gewollt haben, daß die Marshall, Wassermann rmd Mond zum Zionistenkongreß komnten und sich von ihm wählen lassen sollen? Also was? Oder sollte Tr. Weizmann beabsichtigen, mit jenen Herren ein eigenes kleines Komitee zu 'bilden und dieses — cm Stelle der Zionistischen Organisation — als Jewish Agency anerkennen zu 'lassen? Aber wäre das nicht die siebennral abgeschworene Notabetnpvlitik, die Gründung der Jca ohne Geld? * Wir wollen das alles gar nicht mehr so gründlich, ernst und langwierig untersuchen, wie wir dies in früheren Jahren zu tun pflegten. Die Exekutive hatte nie einen durchdachten Plan für die in sich unmögliche, dem Sinn des Mandat.4 und der Zionistischen Organisation tvidersprechende „Ettveitermrg der Jewish Agency". Mr kätnpfen gegen eine 'Chimäre. Die Organisation zerfleischt 'stst, weil die Leitung nicht Übersieht, was die Zionistische Organisation, die Agency, das nichtzionistische Judentum heütv ist und wie diese drei Faktoren wirklich zusammengeftihrt werden könnten. So drehen wir uns km Kreise urü> sferd heute beim Ausgangspunkt wieder angelangt. Vor fünf Jahren (Jahreskonferenz 1923) stellte Dr. Weizmmm ein Ultfenatum: Nur er uwd Sokvlvtv seien die Agency — sonst niemand. Zwei Tage Kampf, Demission der andere.? Exekutivmitglieder, Erbitterung — und als Folge Zerfall der Leitung. Warum? Um ein untmrchidachtes Prchekt, dem jeder Sinn fehlte. Wer ist die Agency? Nach dem Mandat ist es die Zionistische Organisation, selbstverständlich vertreten durch ihre Organe, also Kongreß, Aktionskomitee, Exekutive. Dies altes ist Agency'. /Niemand bestellt, daß bi« Exekutive trach außen die Zionistische. Organisation und damit auch die Agency vertrat. Niemand bestritt, daß Weizmann und Sokoliow wiederum als Leiter der politischen Ressorts im engeren Sinne die Agency repräsentierten. Wozu also die Forderung jenes Beschlusses? Aus diesem, aller Überlegung baren, nervösen AnMusland des Mhrers, der immer ändern, immer etwas Neues unternehmen muß, damit dann — irgendwie — das große Gekdwunder eintritt. Da such wir heute wieder. Drei Herren —- brave Herren, wohlmeinende Herren — haben nach längerem Zureden erklärt, sie tvürdeu „in die Jewish Agency etntreten". Also jene in die Zionistische Organisation? Oder Weizmann :md Sokolow in jenes Komitee? (Allein oder mitsamt den weniger berühmten Mitgliedern der Leitung?) U::d was macht Fifty-frty? Und wer bringt nun das '©elb auf? Tie neuen Herren — oder das alte Volk? Ach, niemand weiß es, keiner ahnt es. Und so gehen wir wieder einmal zun: Kongreß. Für die Jewish Agency — .gkgen die Jtzwish Age-wtz.! l L«d Getils DeMsum endgülttg. London, 29. August. (Reuter.) Es bestätigt sich, daß Biscount E« cil endgültig beschlossen Hobe, znrückMrelen, wvtl chn die Pvlittk der Regierung bezüglich der Hb- -vÄUumg nicht befriedigt habe. Gr wird daher Deckis^j inert«* nach Genf gehen. 9KC nffftflytr VCfKlfvIv W W arschau, 29. August. Wie die 'Abendblätter erscchren, hat die Sowjetregrerung bei der polnischen Regierung um das iAgkoment für Dimitri Bogomolv-ftf^acks Gesandter in Warschau und aV Nachfolger des ermo-r»d>- ten Ge«s<a--wd^'n Wv.jckvftf nachtzesucht. K« blutige LeicheufÜ«. Mtötfwttaa M drr MSscherims der Wd Llmzettls. L on-d*om, 26. August. Sonntag fand anläßlich der Einä-scherung der Leichen Saeeos und Banzettis in Boston eine große Domonstratton statt. Mm schätzt die ZaHl der Teilnehmer auf etwa 200.000. Etwa 1000 Polizisten wurden gegen die Demonstranten angesetzt, wobei es zu zahlreichen blutigen Zusammenstößen kam. In zwei Feuerwchrfilialen, deren Mannschaften durch favschen Feueralarm weggelockt wurden, wurde Feuer gelegt, ebenso in mchreron chemischen Betrieben, deren Explosivstoffe hingereicht hätten, um d e n ganzen Stadtteil Westend in Trüm-mer zm legen. Ein, Regen verhinderte die Ausbreitung der Brände, die von der Feuerwchr rasch gelöscht werden konnten. D i e F e u e r w e h r g e b ä u d e s i n d n i e.d e^rgebranut, eine der chemischen Fabriken Bravery teilweise. Seither werden sämtliche FeuevwchrstationLn und Fabriken von Polizei un-d MilitÄa überwach t. UÄöer den Leichenz-ug selbst wird berichtet, daß er von Abteilungen der Polizei so blockiert war, daß nur 20V Leidtragende dem Sarge foügen durfte«. Die nachdrängenden Tausende wurden von den Pferdm der Berittenen und den G u m m i k n ü t t e l n der PoLz^i zu Fuß auseinandergejagt. Auch die Neugierigen, welche die Straße füllten, wurden bis "an die Haustore verfocht. Der Friedhof war völlig abgesperrt, und der Leichenzug war von ungeheurem Lärm begleitet. Heute sollen die As ch en ur n en auf dem Union Sqnare in New Bork ausgestellt und Mttwvch auf der „Berengar ia" nach Europa gebracht werden. Belageningsrustand ln Slottttßa«. Berlin, 29. August. Wie das berliner!Pageblafi" aus Brüssel meldet, hat der Bürgermeister von Rw tMrrdam den BelagerungS-gustand über die ©fcäft verhängt, weil die von kommunistischer Seite auSgehenttv; Unruhen seit der Hinrichlu-wg Saecos wwd Vanzeti-is nicht aufh-S.ren wollen. ött ttin^tH(l(llHQCtt. oOlirmtllitCll ttt Gestern nachmlltagS kam von Budapest die Reissgeft^f^st der amerikanischen Journak'ürst'öU mit chven Äuwen zu mehrtägigem Aufenthalt fei Wien an. Auf dem OstbaW^f wurden die Gaste Namens der Bundesregierung von LrgaÜmrsKkt Dr. Kleinwächber und den- Vertretern aller journalistischen Korporationen und der Bereinigung drr österve^Wfchew DagWeitungen willkommen geheißen. Jas tSMche Duell in LedeÄMU. Budapest, 26. August. Wie '„McvA)ar Qrszak" molidet, verhandelte heute der Oedenbuvger Gevichtshof ^die Stvafangelegenheit deS Notars Erich T'tz'Ucki«, der am 10. Juli bei einem im Oedenbuvger Walde ausgetvagenen Pistolenduell de« Wiener Polizeibeamtou Walter Setz getötet hatte. Tyuka sagte aus, Setz habe ihn vor zwei Jahren ohne jede Ursache aus der Stmße insultiert und habe dann die Genugtuung Mit der ErKävung vevwoigert, daß er sich nicht duelliere. Dadurch sei Setz in der GeseUchast unmöglich geworden und habe dann mehrere Male Vevsucht, von Tyuka Genugtuung zu erlangen. DaS Duell wurde sodann am 10. Juli ln Oedenburg ausgetvagen. MS erster habe Setz geschossen, doch sei sein Schutz fehkgegangen, sodann schoß Tyubr und die Kugel zerriß eine Hauptader Setz', der während des Transportes «ach dem Spital starb. Der einbEommvve GeLmdant sagte aus, daß Tyucka seinen Schutz, och n e fr« a i e It n, abgegeben habe. Der Gevichtshof erklärte Tyuka des DuellvergehenS schuldig und verurteilte ihn zu 1B Ddonate n Starrfe'Sg-« fta-n-g-n ds. Sie Borstöltte vo« Bukarek ÜdEwemmt. Buk ar 29. August. In einem großen Gebiet-von Rumänien Md starke Wol-kenbrüche niedergegmrgen, die in vielen Gegenden Ueb e rfchwemmun^n hervorgerufen haben. Die Vorstädte von Bukare Wehen Un ter af^ser. UnwetterwMMe t» z«W>. London, 29. August. (Wolfs.) Nach, hier eiMetroffeuen 'Meldungen ist Japan von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.