Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3052 (29.8.1927)
- Date
- 1927-08-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982140--31123-3019410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
Ar. 3Ö52 Wim, Montag MeÄse Morgenzerrung §9. August 1627 Seite 3 noch ein technischer G>run>>: das System der Mandats Verteilung, ■ as fc<Ktf der Gruppe der Eth Liwlloth in Kongreßpolen wieoer angetvendet wurde.- Ich will gewiß nicht behaupten, daß bei alledem ideologische Gesichtspunkte nicht imtgespielt HGten. Me Parole war „Rettung der Thora in Erez Israel". Den aktuellen Fragen wurde in der Agitation kein Platz gewährt. Die rein religiöse Pawle ist sicherlich stqrk genug, die große Masse der Mitläufer zu finden, die den Wahlakt nnt ihren Stünmen überfluteten. Aus diesem Grunde kann der Sieg des Wsrachi nur von den hier dargelegten Gesichtspunkten ans beurteilt werden. Das gibt keine Handhabe, daraus auf die Beziehungen dieser, großen Mihlermasse zu den zionistischen Problemen zu schließen. Diese Massen stehen den zionistischen Problemen gleichgüü^ gegenüber und werden von den Keribccken Mhvern anSgenstht. Es ist zweifellos, daß die „Eth eine gewaltige Niederlage erlitten hat. Nicht nur in Kongreß- Polen, muh in Ostgalizien, wo die Leniberger Exekutive dem „Ech Liwnvth^ am nächsten steht. Ohm Wahlkunststücke 'hätte Eth Liwnoth dieselbe Mandatszayl erreicht wie „M-Hmnischmar": Aber ganz häßliche Wichltvicks haben: rettend eingegriffen. Sie Esche« Monarchisten. Attentate auf Juden in Charbin. Cch-a rbin, 24. August. (I. T. A.) Die jüdische Bevölkerung des Fernen Ostens ist durch den folgenden Vorfall in große Erregung versetzt worden: Der in Chardin sehr angesehene Mische Bürger Jizchäk Wrlenski begab sich in Begleitung seines Schlvagers Bis ch owski nach der Bahnstation Kerlar bei Gharbrn. Dort befindet sich eine Kolonie rmfstscher Monarchisten, die Pogrompropaganda führen. Gin gewesener Offizier des Atanmns Semenow na« merrS RuSkin ging auf die beiden zu und fragte, ob sie Juden feien. Als sie dies bejahten, zog er einen Rovower und schoß die Seiden nieder. Wrlensti .war s ofort tot, B>i s ch owski wurde schwer verletzt in das Krankenhaus von Charbin gebracht. Der Mörder wurde verhaftet und sagte aus, er habe die Tat mit voller UeSerlegung als Rache des Nuffeutmns an den Juden begangen. Die ganze jüdische BevüLkevung Gharbins beteiligte sich an dev Bestattung des Ermordeten. Es jourde ein Komitee gewählt, welches der chinestschen Regierung ein , MemoraMlM Wer die gefährliche PogromPropaganda der russischen Monarchisten in China Werre ichte. ein neuer Lzeanflug gelungen. London, 26^ August. (Reuter.) Das gestern in Haribour-Grace (Neuftrndland) um 4 Uhr 44 Minuten Greenwich-Zeit gestartete Flugzeug „Stolz von Det r o it", das von den Piloten Brock und Schlee gesteuert wird, ist, nachdem es heute um 6 Uhr früh Plymouth überflogen hatte,, um 16 Uhr All Minuten in Croydon geland et. ' Der Pilot Schlee erklärte in einem Interviewdas Flugzeug „Pride of Detroit" hätte drei Stunden lang die Orientierung verloren, als es in einer Höhe von 5000 Fuß über dichte Moff-en über der Grafschaft Devon flog. Zuerst hätten die Flieger geglaubt, sie wären ü b e r I rland. Da aber die Küste anders aussah, waren sie auf 200 Fuß herabgegangen und hätten über einer Ortschaft Briefe nicdovfallon lassen, mit der Frage, wo sie sich befinden. Jemand habe in großen Buchstaben mit Kreide auf den Boden geschrieben: Seat o n, Grafschaft Devon. Die Küstenwache habe die Natianalftagge gehißt, und nun hätten sie Bescheid gewußt. Sie Kohlenverteuerung in Polen nicht bewilligt. Warschau, 29. August. (Tsch. Pr.-B.) Das Ministerium für Handel und Industrie hat die KoGanisidustriellen verständigt, daß die von den Industriellen geplante PcrisyrlMung der Kxchle nicht zugela.sf-Hn werde. Sollten k>ie Kohlenindustrivllen trotz des Protestes des Miniftsriums die beabsichtigte Preiserhöhung durchführen, dmm Würde die Regierung Repressalien, unter anderem die Aufhebung her Frachtbegünstigungen fijx pjy KpWutranspyrte, artwondsn. %*x diesliibrige Soethechlrei,. %tt (Stefan Gsarae tHyMffwtL Frankfurt, 88. August. (WM.) Am heutiM 17S. Gsbmtstage Goethes gelangte der vor einig-su Monaten neugsschaffwe Franks uxtür Goethe- Preis in der Höhe von 10.0$) Mar! zum erstenmal zur Verteilung. Das Kuratorium hat den Preis einstimmig dem Dichter Stefan George Kusrkamrt. Re Bechtt der MM« Moder, heitev. Smmme SklSM m Ml»«« »rchtchMiiWeiu. Zürich, 36. August. Unter den Nosalutiomn der in Zürich stattgefMdemn Mischen NskWschutztonferenz veMemn die m Fräste der jüdischen Minderheit s-r echt s besondere Beachtung, da sie für die grundfcWKe HegMrng dieser Frage wichtige NMMen etff# In der ersten dieser Resolutionen wird festgestellt, daß die Bestimmungen der Minderheitsverträge über die Rechte der ethnischeil, religiöser: und sprachlichen Minderheiten noch t u keinen: Lande, wo sie verpflichtend sind, verwirklicht nmrden. In einer Reihe Länder ist die b ü r g e rl i ch c G l c i ch b c r e <b t i g u n g weder ü: den Gesetzen noch in der Tat durchgeführt worden. Die Konferenz fordert den Völkerbund auf, dafür zu sorgen, daß die MindcrheitSvertäge nicht zu einem wertlosen Fetzen Papier werden. Ir: der zlveiten Resolution erklärt, die Konferenz, daß die volle Verwirklichung der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden in den osteuropäischen Ländern, in denen die Juden in kompakten Massen wohnen und ein nationales Leben führen, nur dann möglich sein wird, wenn ihr Recht auf nationale Autonomie in den innerjttdhschen Angelegenheiten anerkannt sein wird. Dafür entwickelt die dritte Resolution folgende Grundsätze: Der jüdischen Bevölkerung jener Länder muß das Recht verliehen werden, öffentlich - rechtliche Körperschaften inS Leben zu rufen, die sich mit allen inneren jüdischen Angelegenheiten zu befassen hätten und das Recht haben sollei:, der jüdischen Bevölkerung Steuern aufzuerlegen. Diese Körperschaften bestehen aus Zentralorganen (Nationalräten, Oberräten, oder Zentmlräten) mid aus lokalen Organen (Kehilloth). Diesen Körperschaften soll die Befugnis erteilt werden, im Rahmen der allgemeinen Gesetzgebmrg das jüdische Schulwesen zu verwalten, die Unterrichtssprache wie das Programm der jüdischen Schulen zu bestimmen. Ihnen soll ein entsprechender Teil des Budgets der Regierung uird der Selbstvertvaltungskörperschaften nach dem Zahlenverhältnis der Mischen Bevölkerung zugeteilt werden. Solange in diesen Ländern die Institutionen der nationalen Autonomie noch nicht bestehen, soll den privaten jüdischen Schulen mit hoSräifcher mrd jiddischer Unterrichtssprache OeffentlichkoitSrecht erteilt und ein entsprechender Budgetteil nach der Zahl ihrer Schüler zuerkannt werden. In allen jüdischen Schulen muß unabhängig von der Unterrichtssprache — das Hebräische in. einem genügenden Maße gelehrt werden. Kne Srvreffnng an Basel. Der gewesene Präsident der Unionbank, Herr B os el, erhielt am 9. April l. I. ein anonymes Schreiben, das außer wüsten Beschimpfungen auch Drohungen mit dem Tod e enthielt. Er zeigte die Sache schon damals an, und der Vevdacht fiel auf den 21jährigen Mechanikergehilfen Richard H a n d l. Der Bursche scheint es als Sport zu betreiben, den Bankier mit Todesdrohungen einznschüchtcrn zu versuchen. Gr hat im Mai 1938 einen neuen Grpressungsversuch verWt und wurde deshalb zu vier Monaten strengen Arrestes bedingt verurteilt. Kaum in Freiheit, hat er wieder von Herrn Basel brieflich 860 Schilling verlangt, die bei der gewerblichen Fortbildungsschule an der Wienzeile erlegt werden sollten, widrigenfalls dem Bankier Verschiedenes angedroht wurde. Handl wurde abevmals verhaftet und bekam diesmal acht Monate schweren Kerkers. Seit seiner Entlassung aus der Strafanstalt Kaiser-Gbersdorf war Handl unbekannten Aufenthaltes. Er konnte erst am Samstag verhaftet werden. Cr bestritt die Urheberschaft des letzten Drohbriefes, obwohl er sich seinem ehemaligen Komplizen, einem Privatbeamten gegenüber gerühmt hat, an Bosel dieses Schreiben gerichtet zu Wen. Er wurde dem Landesgexichte eingeliefert. Plötzlicher Tod. Am 37. d. M. ist in seiner Wohnung, 8. Begaffe 10, der Mährfge MinNndler Aron Davit hard, zu Preßvurg geboren, plötzlich gestorben. Bowi- Ivbnow Über Brasman. Wie berichtet. l>at vor kurzem der wegen seiner antisemitischen Rodeexzesse bekannte Geograph der Hamburger Universität, Professor P a s s a r g e, das berüchtigte »Buch bom Kahal" des getauften russischen Juden J a ko<b Brasman, lvelches noch vor Jahrzehnten als plumpe und lächerliche Fälschung . entlarvt worden ist, in deutscher Sprache neu herausgegeben. Ueber die PersöUliclsteit dieses Brasman :md über die Rolle, die sein Machwerk seinerzeit gespielt hat, äußerte sich Herr Professor Simon D u b n o w gegenWer dem I. T. A.-Vertreter auf Befragen ungefähr wie folgt: Brasman übte in Minsk den Beruf eines „Melnmcd" (Kmderlehrer) aus. Bom Teufel der .Karriere ergriffen, ließ er sich taufen und trat in den 60er Jahren inBcziehungen zu höheren Beamten des litauischen Gouvernements, wo — nach dem polnischen Aufstand — ein starker Antisemitismus herrschte. Die Beamtenschaft wußte den Renegaten dafür zu gewinnen, einen publizistischen Betzleumdungsfeldzug gegen das Judentum einzuleiten. In dem offiziellen Organ des Gouvernements Wilna „Wilenski Westnik" veröffentlichte Brasman eine Artikelserie über den jüdischen „Kahal", ivobei ihm der „Pinkas" (Memorbuch) der Minsker jüdischen Gemeinde vom Anfang des 19. Ja7)vhunderts als Unterlage diente. Die Autonomie der jüdischen Gemeinde schilderte er als.eindn „Staat im Staate". Die Pariser Alliance Jsraelite bezeichnete er als die Zentrale der jüdischen Weltherrschaft, den Petersburger Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden als die russische Filiale dieses Organs. Die Publikationen Brafmans wurden von der antisemitischen Presse gegen die von der Judenschaft Rußlands erhobene Forderung nach bürgerlicher Gleichberechtigung scharf ausgenutzt. Zu dem gleichen Zwecke der Bekämpfung der jüdischen Emanzipationsbestrebungen wurden 1869 für Rechnung der Petersburger Regierung die Aufsätze Brafnmns durch die litauische Gouvernemmtsverwaltung als Buch herausgegeben und an höhere Staatsbeamte versandt. Auch ein Teil der liberalen Presse, wie zum Beispiel der „Golos", führten die Brafmanfchen „Enthüllungen" gegen den jüdischen Emanzipationskampf ins Treffen. Jedoch die loyale Fortschvittspresse wies nach, daß es sich um eine Denunziation handelte. -Aber noch 1905 diente das Brafmanfche Buch den Judengegnern als das geistige Arsenal . in ihrem Kampfe gegen die jüdische Gleichberechtigung. Das russische Judentum ließ sich durch solche Argumente nicht anfechten, und in feinem Kampfe um bürgerliche Gleichberechtigung machte es nie ein Hehl daraus, daß es gleichzeitig auch nationale Autonomie erstrebt, indem ja Gleichberechtigung auch das Recht auf nationale Betätigung bedeutet. In den letzten Jahrzehnten, schloß Professor Dubnow, war das Brafman-Buch vergessen. Wenn jetzt der Antisemitismus in Deutschland dieses Machwerk ausg?grabsn hat, so ist dies nur ein 'Zeugnis seines Bankrotts. Sie Wische Einwanderung in die Bereinigten Staate«. Wie die Einwandererhilfs- und SchuHgesellschast „Hias" mitteilt, sind in der 'Zeit vom 1. Jänner bis 30. Juni 1927 5365 Mische Einwanderer nach Amerika gekommen. In der gleichen Zeit kamen weitere- 3864 Juden nach Amerika, die aber nicht als Einwanderer 'klassifiziert waren. Wegen der Zurülbweifung von 135 Einwanderern durch die Behörden hat „Hias" Appellationen eingerercht, die in 94 Fällen von Erfolg begleitet waren. 93 Einwanderer wurden endMtig zurückgewresen, die restlichen Fälle sind noch in der Schwebe. Die ptfffle Einwanderung in Kanada. Im Verlauf des Monats Juli sind 434 Mische Einwanderer in Kanada eingetroffen. Im Durchschnitt macht die jüdische Einwanderung in Kanada 3 Prozent dvr allgemeinen Einwanderung ans. Ser Meifterschaftsftart. AGid gefchiagen. — Gute Leistung der Hatoah. Die erste Meistersch-astsrnndL sktzw mit graßsn Uebexraschnngen eip. Nach dem uneswarteten Gisge dsr Austria gm Samstgg gegen den B. A, C. gsd es gestern zunächst in H ü t t e l d y r f eine veritahle <Ü ß n * sattsn, Oesterreichs einziger Vertreter im Mitteleuropäischen Cup, Rapid, mußte sich dem ambitionierten SpgMub Wacker mit ziamlicher Tordifferenz beugen. Auch Pienna startete wieder einmal mit Volldampf und heimste einen hohen Tieg gegen Sportklub ein. Sehr gut hielt sich Hakoah, die den Meister Admira einen ebenbürtigen Gegner abgyb und den Floridsdorsern nur einen kmppen Sieg überließ. Herthas Debüt in der ersten Muffe stüoie das in der zweite» Liga endeten mit Niederlagen. Slovan holte sichnach schwerem Kampf zwei Punkte gegen F. A, & Der Besuch der Plätze war gut. Wacker Wiigt M 4:1 A:«. Verdienter Sieg. Vor 1ZP0-0 Zuschauern sawkteu die MoidÄnger ome» -glsttöG Sieg über -die HMefdorfor, bei denen es rmr wenige Lichtpunkte gab. HorpyfH tvar pMeicht der s ch w ä ch st e M a n n auf dem Felde. Auf der Gegenseite erwies fth Sdap-PaM als MB