Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3052 (29.8.1927)
- Date
- 1927-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Polen: as gfoszy | Wien: Znm Abholen indei Expedition, II., Tabors tr. 1-8 oder in einerVerschleißetelle (Trafik) monatl.6 Schilling Straßenverkauf in Wien dnrch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I., Wolleeile 11 Mit Postrersand für Wien und Oestorreich monatlich & Schilling Tsohooho - Slow akeit Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polenilfon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4.Frankr eich, Belgien: Mon. Free. 86 tUehsahimnff«! bat fl**!#* 9rhöh*n<r«a ▼•*t>»'h »1 t«n. «k. 3092 Wiener Morgenseilung MiMSNIIWIMMMeWeWWlMMWSSMMUMtWSWSWWSWWWWWWMSWIWWIWWWWWSMWSWWWWWWMWWWWWWWWWWWWWMWH MMWWMWWWWW»««» Men. Msntag. 20. Angnft 1027 1 Preis %O g\ Engl an d: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien:Mon.l00Lewa S c hw e i z and das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration. Wien, II., Taborstr. J Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends Telephon!$r. 31-0-86 Vll., Lerchenfel derstraße 1 (Druckerei „Inva") Oesterreichisches Postspar kassenkonto Nr. 150.6gg 9. Jahrgang Sie Reaktion Met in Sesterreich. Srrichtnng von Werbestellen illr die BLrgergarde. Die „Korrespondenz Herzog" meldet: In der abgelaufenen Woche fanden wieder eine Reihe von Werbeversammlungen für die geplante Aufstellung einer Bürg ergarde statt. Das Komitee Art beschlossen, in allen Bezirken Werbestellen zu errichten. In einer der Versammlungen erklärte der Vizepräsident des Reformverbandes der österreichischen Hausbesitzer, Tichy, daß die Bürgergarde der Gegenpol der Gemeindelvache sein werde. „Wir müssen uns rüsten, um den Geschäftsleuten, den Wohnungsinhabern usw. zu Hilfe eilen zu können, wenn sie und 'das Privateigentum in Gefahr sind und die Polizei nicht ausreichen sollte." Die Gliederung der Bürgergarde, die mit 1. Oktober ins Leben treten s-oll, ist folgende: 1. Eine aktive Gruppe; 2. eine Ersatztruppe; 3. eine technische Nothilfe und 4. eine Förderungsgruppe. Das Statut der Bürgergavde soll dem des Republikanischen Schutzbundes 'in vieler Hinsicht nachgebildet werden. Die Bürgergarde, die sich aus allen bürgerlichen Kreisen rekrutieren wird, wird in jeder Beziehung unpolitisch und vorerst nicht uniformiert sein. Es ist 'doch mehr als merkwürdig, daß alle diese Vorbereitungen offen geschehen unb daß in Wien Werbestellen eingerichtet werden. Das Spiel mit dem Feuer wilÄ jetzt von der anderen Sette her betrieben, und wenn die Regierung sich nicht bald besinnt, kann ein neues Wettrüsten anheben, das dann zu den Konsequenzen führt, die wir vor anderthalb Monaten erlebt haben. Die Bürgergarde, die ausgerüstet wird, hat nur den Zweck, ein Organ der politischen und sozialen Reaktion zu sein. Daß sie den Geschäftsleuten und Wohnungsinhabern zu Hilfe eilen wird, ist blanker Unsinn. Diese Aufgabe hat nur die Polizei und im besonderen Falle das Militär zu erfüllen. Es ist sonderbar, daß die Regierung ihre Autorität so widerspruchslos zerstören läßt, und wenn auch diese Werbung einen etwas großsprecherischen Charakter trägt, so erzeugt sie doch eine gefährliche Stimmung und präpariert den Boden für die Hetze. So* ü. ZiomstertkMMß. Vorkonferenzen in Basel. Basel, 36. August. Heute wurde hier die Konferenz des. Weltverbandes zionistischer Frauen eröffnet.- Den Vor-, sitz führte Lady Samuel, die Gattin des gewesenen OberkommMrs. Die'Keven Kajemeth-Mitarbeiter hielten in Basel eine Beratung ab. M. M>. U ss-i sch i i n berichtete über die Arbeit des Jüdischen Rationalsonds und betonte die Notwendigkeit einer Erhöhung der Einkünfte, damit die bei den früheren Bodenkäufen gemachten Geldschulden getilgt iverden Wunen. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte, an der sich unter anderem Rabbi Meyer, Berlin, und Spiro aus Amerika beteiligten. Gegenstand der Beratungen war die Schaffung von Richtlinien, um den Sammelapparat zu kräftigen und die Ausgaben zu verkleinern. Die zionistische Organisation Kanadas, die sich bekanntlich verpflichtet hatte, eine Million Dollar für den Jüdischen Nationalfonds aufzubringen, hat bereits die erste Zahlung in der Höhe von 300.000 Dollar gelei-stet und daran die Bedingung geknüpft, daß dieses Geld nicht zur Bezahlung alter Schulden, sondern zum Ankauf neuen Bodens verwendet werden soll. Am 25. August wurde die Konferenz des Weltverbandes Poale Zion (verbunden mit Zionistsn-Sozialiften) in Anwesenheit von Vertretern aus Palästina, Amerika, Polen und Galizien, Litauen, Deutschland, Frankreich und , Argentinien eröffnet. Verlosen wurde ein Begrüßungsschreiben von Fritz Adler, der bedauert, wegen späten Eintreffens -der Einladung an den Beratungen nicht teilnchmen zu können und int Namen der Anetten Internationale der Konferenz besten Erfolg zu ihren Arbeiten wünscht. Die^ Eröffnungsansprache hielt der Präsident des Verbandes, Kapl a n s k i, der eine Hebersicht über die Poale Zion-Bewegung gab. Herr Berl Locker erstattete in einem zweistündigen Referat Rechenschaft über die Tätigkeit des Weltverbandes. Der Bericht des Keren -aieffod. Das Hauptbureau des Keren Hast'ssod in Jerusalem übermittelt einen Bericht an den 15. Zioniften-Kongreß über die Arbeit des Keren Hnjessod von April 1925 bis März 1027. In diesen zwei Jahren belief sich das Einkommen des Keren Hajessod auf 1,433.850 Pfund. Die Steigerung gegenüber dont Einkonttnctt in den vorang'gaugenett ztvei Jahren beträgt 8,18 Prozent. Zu der geltannten Summe steuerten die Bereinigten Staaten 615.318 Pfund, Südafrika 77.858 Pfund, Englnud 20.968 Pfund, Deutschland 48.729 Pfund, Polen 36.892 Pfund bei. Nas PalaMa-Mandat. Ein italienisches Dementi der Mretmigsgerilchte. Nom, 26. August. XI- T. A.) In einem offenbar von. der Regierung inspirierten Artikel tritt das „G i o rnale d'Jtalia" dom in der ausländischen Presse verbreiteten Gerücht entgegen, daß zwischen Deutschland und Italien Verhandlungen schweben über den Abschluß eines Kolonialverttages und über ein gemeinsames Vorgehen beim Völkerbund im Sinne einer neuen Verteilung der Kolonialmandate. Das italienische Blatt führt aus, daß in der Frage der Mandate die italienischen Interessen nicht parallel mit den deutschen gehen. «« Gespräch mit Meir Berlm. Ae Krise in der zlanistWen Sewemilg. Basel, 26. August. (I. T. A.) In eineck Gespräch mit dem I. T. A.-Bertreter gab der Präsident des Misrachi, Rabbi Meir Berlin, seiner Meinung über die jetzige Krisis im Zionismus in den folgenden Ausführungen Ausdruck: Die Krisis ist nicht zu Ende, im Gegenteil, wir stehen vor einer neuen, noch schwereren K r i s i s, die nicht; in der eigentlichen Palästina-Arbeit sondern in der allge- I meinen zionistischen Lage ihren Ausgangspunkt hat. Die zionistische Führung hat sich in den letzten Jahren tmntr/; ' mehr von den jüdischen Massen entfernt. Der Hauptmotor in der inneren Politik des Zionismus war Dr. Weizma n n. Kein Mitglied der Exekutive vermochte es, sich neben ihnt durchzusetzen. Dr. Wetzmann erwartete die Erfüllung seiner Hoffnungen von Kreisen, die außerhalb des Zionismus stehen: von amerikanischen Millionären. So mutzte die Idee der Erweiterung der Jewish Agency zu einer Einschrumpfung der zionistischen Bewegung führen. Ich für mein Teil glaube nicht an eine radikale Aenderung zum Guten in Verbindung mit dem kommenden Kongreß. Ich glaube vielmehr, daß das verkürzte Budget zur Einstellung wichtiger.Arbeiten in ' Palästina führen wird; aber man wird nicht einmal das. verminderte Budget aufbringen können. Neue Arbeitslosigkeit, neue Schwächung der Organisation wird die Folge sein. / 1 Sie Kongreßwahlen in Bulgarien. Die bulgarischen Zionisten entsenden zum 15. Zionistenkongres, drei Delegierte, und ztvar zwei Allgemeine Zionisten und einen Revisionisten. Fm redaktionellen Teil enthaltene unentgeltliche Mitteilungen sind durch ei« oorangesetztes E gekennzeichnet. Der Kongreß der Nationalitäten. Die zwischenfSlle in der Schlußsitzung. Genf, 26. August. (Verspätet eingetrossen.) Eine Tagung mit inneren und äußeren Zwischenfällen — so könnte man den letzten Nationalitätenkongveß bezeichnen. Als die Eröffnung des Kongresses sich verzögerte und der Generalsekretär D r. A m m ende den zahlreich versammelten Journalisten und Delegierten mitteilte,, daß die Eröffnung (die aus 10 Uhr an gesetzt war) erst um 3 Uhr nachmittags stattfinden werde, wußte man, daß etwas dazwischengekommen war. Die motivierende Bemerkung Dr. Ammendes, daß das Gremium noch einige Fragen Kl bereinigen hübe, ließ auf gewisse R e i b u n g e: schlichen. Es wurde viel von der Friesenfrage gomunkelt. Die Friesen gelten allgemein als deutscher Stamm. Doch gibt es unter 'ihnen auch solche, die das Friesentum als besondere Nationalität betrachten und als nationale Minderheit anerkannt werden möchten. Nun hat es sich aber der leitende Ausschuß des Kongresses, und insbesondere Präsident D r. W i l fa n, zu Grundsatz gemacht, Gruppen nur dann arrfzunehmen, wenn feststeht, daß ihre Bestrebungen die Mehrheit der Volksgenossen hinter' sich haben. Daher wurdet die Friesen vorläufig abgewiesen. Noch ein zweiter Grundsatz scheint maßgebend zu sein. Gruppen, d e r e n P r o g r a m m e g e g e n eine bestehende : Äebietshoheii verstoßen, werden nicht zu-! gelassen. Daher finden die- Ukrainer und die Mazedonier keine offenes Tür. Eine Ausnahme bilden die katalanischen S e p ä ratiste n, deren hochintelligente und politisch geschulte Führung es verstand, die Gcbictssrage in geschickter Weise offiziell au^uschalten, sie aber sozusagen als ,Fko>ntrabande" in die Debatte einzuführen. Da es nun auf diesem Kongresse neun bis zehn aufnahmewerbende Gruppen gab, die vorläufig abgewiesen wurden und jede dieser Gruppen unter den offiziellen Kongreßteilnehmern Sympathiker fand (es wurde in deit Couloirs viel mehr verhandelt und getüschelt als im Sitzungssaale), so war es nicht, zu verwundern, daß sich die Spannung in der letzten Sitzung, als jede Hoffnung aus Aufnahme geschwunden war, Luft machte. Plötzlich erhob sich Dr. Kaezmarek, um im Namen der Minoriäten Deutschlands zu e. klären, daß diese den Kongretz verlassen. Ihm schlossen sich die Dänen und auch die übrigen polnischen Gruppen an. Eine große Sezession folgte. Der Präsident wendete sich gegen den Borwurs, daß d.. einseitige machtpolitische Tendenzen im Spiele wären. Die Sitzung wurde unterbrochen, und nach der Mederaufnahme gaben die Vertreter der im Kongreß verbliebenen Gruppen Bertrauenserllärungen für den Präsidenten Dr. W ils an ab, worauf dieser es als seine Hauptaufgabe bszejchnete, die Sezeffionisten wieder zurückzubvingen. An der festgesetzten Debatte beteiligten sich unter anderem auch die jüdischen Abgeordneten Dr. L. Reich und Heller, und in später Abendstunde wurden die zu den einzelnen Kongreßreseraben eingebvachten Resoluttonen angenomtnen. Hevvorzuheben ist die Resolution, die an den Völkerbund appelliert, sich der Sache der nationalen Minderheiten in energischerer Weise als bisher anzunehmen. ' Sine Spionageorganisation in Sftgnlirie« entdeckt. Lemberg, 29. August. (Tsch. Pr.-B.) Die Organe der politischen Polizei in Stanislau haben eine weitver- , zw eigte Sp iorrage organisation aufgehoben, deren Ah. tigkeit sich über ganz Ostgalizien erstreckt. Im Zusammenhang mit dieser Affäre wurden in Stanislau, Lemberg Und anderen ostgalizischen Städten zahlreiche Verhaftungen vorgeny«- men. Unter den Verhafteten, bei denen überaus tvichttge mM tärische Pläne und Dokumente vvrgefunden wurden, befinden sich ein Oberstleutnant und einige Unteroffiziere der polnischen Ar«,«. Den Verhafteten wird Spionage zugunsten Sowjetrußlands zum i Borwurf gemacht.