Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3051 (28.8.1927)
- Date
- 1927-08-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ [Polen r 25 gfoszy | Preis g» g| Wien: Zun Abholen indei Expedition, U-, Taborstr. 1-8 oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßen verkauf in Wien durch die Kolporteure d» Firma Goldschmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ts che cho Slo w akei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. P o 1 e n :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4.Frankr eich, Belgien: Mon. Frcs. 86 Mnohxahl latren Ml Preis* erhöhenden rerbehalton. E Wiener Morgeiyeitung Knglan d:Mon.48chilling Italien: Monatl. 20 Lire Bum Knien: Mon. 170 Lei Bulgarien: Mon.100 Lewa S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration; Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Dhr abends Telephon Nr. 31-0-86 VII., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 160 693 Rr. 3051 Wie». Sonntag, 28. Angnft 1927 9. Jahrgang Zer Mett trat die Rheiulandbesetzmg. Einigung zwischen England n«d Frankreich. — Deutschland veriangt die voWiindigeR8n«n«g. Lord Srcil gegen Womberlaiu. London, 27. August. Die politische Offensive, die Deutschland knapp vor der Dölkerbundtagung gegen die weitere Besetzung des NHeinlandes eröffnete, hat zu langwierigen Verhandlungen Mischen England und Frankreich geführt, deren Ergebnis nunmehr vorliegt: Zwischen England, Frankreich und Belgien wurde ein Übereinkommen getroffen, über welches das „Foreign Office" wohl noch nichts Genaues mitteilt, das aber, wie Ihr Korrespondenr aus maßgebender Quelle erfährt, eine Herabsetzung der Rheinlands esatzung um 10.000 M'ann auf 60.000 Mann. vorsieht. Es verlautet, daß die französische Regierung ihre Truppen; utrt: 8000 Man n, die britische und belgische ihre Besatzungen um 2000 Mann heraibsetzen werden. Dieses Abkonrmen wird in Deutschland , sicher neue Gegenaktionen auslösen, da man dort unter Berufung auf die längst durchlöchertm Vereinbarungen von Locarno an der Forderung nach vollständiger Närmrung des Rheinlandes feschällt; diese Forderung dürfte von Deutschland auf der Septembertagung des VMeribundes neuerlich erhoben werden und ist geeignet, den Völkerbund wieder einmal bloßzustellen, da e.r sich.gegendie eben getroffene S e p a r at v e r e in-' barung als ohnmächtig erweisen muß. Vornehmlich aus ' diesem Grunde sind die Differenzen im englischen, Kabinett zwischen Lord Cecil und dem Auhemninister Chamberlain entstanden, die zu den bisher im'lvidersprochenen Nach- . richten von der « Demission Lord Cecils Anlaß gegeben haben. Wohl ist die Demission Cecils noch nicht offiziell erfolgt und soviel man im Außenministerium weiß, wird sich Lord Cecil am Dienstag nach Genf zur Völkerbundtagung begeben, doch gilt es in politischen Kreisen als ausgemacht, daß Lord Cecil aus der Regierung austveten wird; der Grund sei, daß er mit der allgemeinen Außetrpolitik der Regierung nicht übereinstinmrt. Dies beziehe sich besonders auf das oben erwähnte Abkommen Chamberlains mit Frankreich, in der Rheinlandfrage, das die Sicherheit am Rhein nicht von Verträgen, sondern von einer weiteren Besetzung abhängig macht. Außerdem mißbilligt Cecil als Freihändler allen indnstriollen Protektionismus. Die' Beziehungen zwischen ihm und den rechtsstehenden Konservativen sind seit langem gespannt. (Bekanntlich wurde Cecil während des Krieges, als er Blockademini st e r war, . von den Konservativen heftig angegriffen, da sie ihm vorwarfen, er sei nicht zu einer vollen, strengen Blockade der Zenträlmachte entschlossen gewesen,. Die Red.) ■ ../<■ Schließlich sind ' die Differenzen zwischen Cecil und Chamberlain darauf zurückzuführen, daß Chamberlain offenkundig das Bestreben verfolgt, den Völkerbund rn seiner Bedentnng herabzndrücken. Sie MschMsMeNtarMe Mim ttt Paris. m MiMWer Borstotz der yolnWen GruWe. — Arre ErMrung des Mg. Dr. Reich. Warf ch a u, 28. August. Abgeordneter Dr. Leon Reich versendet an die polnische Presse eine Erklärung, in der er gegen das Verhalten der polnischen parlamentarischen Gruppe die -entschiedenste Verwahrung einlegt. Der Wische Klub im polnisches Scjm war zur Pariser Tagung der Interparlamentarischen Union speziell ein geladen worden und hatte Dr. Reich als seinen Delegierten bestimmt. Nun hat aber.die Leitung der polnischen parlamentarischen Gruppe den Pariser Kongreß verständigt, daß in Vertretung des polnischen Sejm vier namentlich, angeführte Abgeordnete das Wort ergreifen werden. Diese Liste umfaßt natürlich vier nichtjüdische Abgeordnete. Da dem Mg. Dr. Reich auf diese Weise die Ausübung 'be§ van seinem Klub erhaltewn Mandates unmöglich gemacht wurde, verzichtet er unter Protest auf die Teilnahme an der Session der Interparlamentarischen Union. und fordert für die Zukunft die Mstellüng des Unfuges, daß über so wichtige Fragen entschieden wirb, ohne baß vorher mit dem' Jüdischen Klub und dessen Repräsentanten Fühlung genommen würde. Die Konferenz Wer Die Wlswlir«. Paris, 27. August. In der heutigen Sitzung erörterte die Konferenz der Interparlamentarischen Union den Tagesordnungspunkt „Zollfragen". Ihr lag eine Resolution vor, welche die Schaffung einer europäischen Zottnnion durch Abschluß von Zollverträgen zwischen den Ländern für wüuscheuswert erachtet und das Bedauern über die in den verschiedenen Staaten bestehenden Tendenzen auf Erhöhung in der Zollfrage (Zollschranken) ausdrückt. In der Debatte über die Resolution sprachen sich die Vertreter Frankreichs, Englands, Rumäniens und Ungarns für -die Beseitigung der Zollschranken aus, und der Vorsitzende der amerikanischen Gruppe, Burj ton, wies darauf hin, daß 62 Nationen im E-u-r-aP a I ihre Zolltarife erhöht haben. Die Zerstückelung Oesterreichs habe Zollschranken zwischen Ländern aufgerichtet, die bisher vollkommene Handelsfreiheit genossen haben. Der Freihandel sei die Grundlage des Wohlstandes und chm haben auch die Vereinigten Staaten ihren Reichtum zu banken., In der Debatte sprachen auch zwei österreichische Vertreter; Nationalrat Dr. Erwin W a i ß hielt eine Neklamerede für Oesterreich, in der er auch auf die Juliereignisse zu sprechen kam, die in aller Welt große Aufmerksamkeit erregt haben. Es ist nicht zu leugnen •— führte der Redner aus —, daß * die wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs bei solchen Ereignissen, wiie es die Julitage in Wien warm, üne bedeutende Rolle spielen. Bei einer , wirtschaftlichen Besserung würde fsthauch in dieser Hinsicht so manches anders gestalten. . Das Gesetz Wer die Konfessionen in An. möniea. Bukarest, 25. 96ifln|£ (Z. T. A.) Kultusminister Lapedatu. teilte heute dpr Journalisten die Grundprinzipien des Gesetzentwurfes mit, der die Beziehungen ziwifchen dem Staat und den verschiedenen Konfessionen regeln soll. Dieser Gesetzentwurf wird Äs erster in der Herb sts ession des Parlarnents eingeb rächt werden. Er enthält u. a. die Bestimmung, daß ^Geistliche der einzelnen Konfessionen rumänische Staatsbürger sein müssen und luegeu politischer Verbrechen nicht bestraft fein bftrfen. Las tzolnikchs Parlament. Warschau, 27. August. (P. T.-A.) Heute um 12 Uhr mittags überreichte der Sejmmarschall R'a t a j dem Zivilkahinett des Präsidenten einen durch die erforderliche Anzahl der Abgeordneten Unterzeichneten Antrag betreffs E i nberufung ein er außerordentlichen Session des Sejm und des Seirates. Im -redaktionellen Teil enthaltene mrentgeltlkche Mitteilungen sind durch ein oorangefetztes E gekennzeichnet. Ans dem Anhalt. Die hentige Ausgabe der „Wiener Morgenzeitung" K enthält die folgenden, den Fragen des bevorstehenden^ 15. Zionistenkonkresses gewidmeten Aufsätze: Herzl an den ersten Zionistenkongreß. „Gruß an Bafel" von Dr. E. M. Z w e i g. ,^Die Franensrage in Palästina" von Anitta Mülle r- Cohen. „Bnei Ewer" von Dr. David R o t h b l u m. Wir werden in den nächsten Tagen eine Atrzahl weiterer Kongreßauffätze folgen lassen, so von Wladimir I abo 1 insky, Dr. Lazarus Barth, Dep. I. G r ü n - b-a u m, Jean Fischer, Richard L i ch t h o i m n. a. Aus dein übrigen Inhalt der heutigen Nummer: „Wechsel auf die Ewigkeit" von S. Groueman«. „Berühmte Kaffeehäuser" von Oskar Rosenfeld. Maßnahmen gegen die tschechischen Zascisten. Bor der Mslösung der Galda-Partes. — GemMKimo. pasek nach Men geflMtt? Prag, 27. August. Me die Blätter melden, wird bte Rsgrerung die fascistische Gemeinde.in den «ächstev Tagen auslösen. . Die im Zuge besi-ndllchen Maßnahmen der Prager PoKzei« divektion gegen die fastPssche. Organisation haben in den letzten - zwei Tagen eine Masse ns lucht aus der fasevstischen Parte: zur Folge gehabt. Vor allem sind es Maats- -und öffenMche Angestellte, die den Fascisten die Gefolgschaft vssveiger-n, da sie wegen ihrer Mtgliedschast und besonders wegen des Vorfalles* in Sazawa Perseku-tionen -fürchten. Besonders stark macht sich -der Abfall -m den Bezirken Prag n, Wevwber-ge, Vhse-Hvad und Pod-ol bemerkbar, doch auch in der Provinz nimmt dHe Arbfailbewegung größere Drmensione« an. General Konapasek, ein Führer der Faseisten, der durch dir Untcrsuchrrng stark kompromittiert ist, ist es gelungen, ins Ausland zu flüchten. Angeblich hat er sich nach Mm gewendet. Me -gestrige Extraausgabe des sastsstsschsn Organs ,Mzska Straz" -ft zur Gänze konfisziert worden. Das Mitglied des ßrscistischen Direttovlums, Zastera, wurde gestern abends beim Verlassen des. Sekretariats von zwei Polizeibeamten angehatten und zur Polizei gebracht. Nach einem bis * 9 Uhr abends wahrenden Verhör wurde er wieder entlassen. Als Haupttäter des Faseistenüberfalles auf -die Billa des Mmisterialdirektors Vorel wurde heute der Beamte Alois Benesch vevhaftet. Benesch ist sin Sohn des Besitzers der Gastwirtschaft ,^um goldenen Tiger", in der vor dem Kriege die deutfchnat-ion-alen Studenten ihr Hauptquartier hatten und heute das fascistische Parteiseikretariat untergebracht ist. Die Iuterniemmg des Fascistenführers^Garj^ a umrde heute lmtzshoben. AuslönderraNia 1« Paris. Al» Folge der Satto>BaozeUl-Nem»«ftnül«mn. Paris/ 27. August. Heute nachts wurden bei einer Razzia gegen unevwünfchte Elemente in Paris 48 A u sl ä n d e r festgenommen, die, soweit ihre Papiere nicht in Ordnung sind, übe-r di-e Grenze abgesch-o-b-em w e r d e n sollen. —i—i—>— Italienische Kriegsschiffe ln den palWnenfilchen SewSffern. Jerusalem, 27. August. (J.D. A.) Tie italienischen Kriegsschiffe „Pisa" und „Feruccro" sind in den palästinensischen Gewässern eingetroffen. Der italienische Konsul Pedracci gab zu Ehren der Bemannung einen Empfanig, dem mehrere Regrermrgsbeamte und die auswärtigen Konsuln beiwohnten. Die fascistische Hynrqx wurde gesungen, wvöei Ofsisiere und Kadetten den fasckstischsn WH kMW. /—1 .