Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3050 (27.8.1927)
- Date
- 1927-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Hungen 1× ep/1044798
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|Poleo; SS gfoszy 1 Wien: Zum Abholern indei Expedition, H., Tabors tr. i-8 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkanf in Wien dnrch die Kolportenre der Firma Goldschmied. Wollseile 11 Mit Poetversand für Wien w»d Oesterreich monatlich & Schilling Tankecho - Slow akei*. Mon.K 82. Jugoslawien: Hon.Din.60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Hon. um.4.Frankr eich, Belgien: Hon. Pros. 35 orgemeitmm liiyfiim I Preis SOfll Änglan d:Mon. 4 Schilling Italien: Monat!. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei B ul ga r i e n: Mon.lOOLewa, S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Pecs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-33, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon Kr. 31-0-86 VII., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) NachsahiiBf*a Mi Preia- »#fbah»ltan. Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.698 «r. 3050 Wie». Samstag. 27. August 1927 9. gahrgaug Flaggenkrieg in Berlin. Re Hotelbesitzer gegen die revnblttanische Reichsflagge. — Reichs« regierung gegen vrechifche Regierung und Berliner Magistrat. Berlin, 26. August. Eine für das republikanische Deutschland symptomatische Affäre, die sich schon seit längerer Zeit Hinsicht, hat nunmehr zu einem Eingreifen des preußischen Ministerpräsidenten gof'ülhrt. Die großen Berliner Hotels haben am letzten Vevfassungstag nicht geflaggt, da sie sich weigerte«, die republikanische Reichsflagge aufzuziehen. Dies erregte bei den städtischen Behörden Aergernis und der Berliner Magistrat beschloß, in den Hotels, welche sich weigern, die republikanische Flagge zu hiffen, keine Empfänge abzuhalten. Die Hotelbesitzer hatten die Unverfrorenheit, trotz dieses Beschlusses des Berliner Magistrats und trotz der Borste Hungen, die das Auswärtige Amt bei ihnen erhob, die republikanische Flagge gewissermaßen zu boykottieren. Das Hotel „Kaiserhof" hat es sich sogar' geleistet, zu Ehren des gegenwärtig in Berlin weilenden New NorLer Bürgermeisters Walker, wohl die amerikanische Flagge auszustecken, aber das gleichzeitige Hissen der, deutschen. Reichsflagge abzulohnen. . Nunmehr ist diese Affäre der gegen, die.Republik. demonstrierenden "Hoteliers, die immerhin auch einen komischen Beigeschmack Hat, zu einer politischen Affäre geworden. Der preußische Ministerpräsident, Braun, hat an sämtliche Maatsminister ein Rundschreiben gerichtet, m dem er bk antirepubltkanffche Demonstration der Hotels Kaiserihof, Bristol, Continental, Esplanade und Adlon rekapituliert und dann ausführt: „Ich halte es für dringend erforderlich, daß die republikanische preußische Regierung diese Stellungnahme gegen den heutigen Staat damit beantwortet, daß die .Herren Staatsminister weder selbst zu den Veranstaltungen in den genannten Hotels einladen noch sich an solchen beteiligen, die in diesen Hotels stattfinden. Ich bitte auch die Herren Staittsrninifter MaMDWWDasWWnWSWWWMW>WWWWW9>UW>WWl Minifterkrise in ßngland? SnWte wer ImlW« »es Slscaunt serll. London, 26. August. (Reuter.). Es verlautet, daß Viscount Cecil infolge von MeinnngSverschieden heilen mit den übrigen Mnisterkollegen in Fragen, betreffend den B ö l k e rbund, demiffioniert habe. BiSromrt Cecil lehnte es ab, diese Meldung zu bestätigen oder zu dementieren. 1 ) i ■ ' Paris wird ruhiger. M Demonsttationea flauen ab. Paris, 26. August. Gestern abends gegen. 1V Wr bildeten sich aus den großen Boulevards neuerlich Ansammlungen von Demonstranten, die den Verkehr zu behindern suchten. Die Polizei stellte in kürzester Zeit die Ordnung wieder her und verhaftete insgesarnt 48 Personen, darunter 22 Fremde, wegen verbotenen Waffentragens, GchorsamSvevweigerung und Mangels an Ausweispapieren. Schwere AassAeltungen ln «re. I Le Havre, 26. August. Im Lause der gestern abgehaltenm kommunistischen Ternonstrationsversantmlung wurden nrehrere Si che t he itsbeamte, die sich - in Ausübung ihres Dienstes im Versammlungslosal befanden, von der Menge erkannt und mißhandelt. Einer der Beamten erhielt einen S1 i ch i n den Unterleib wrf> mutzte, schwer verletztem das Spital geschafft werden. eine Anordnung dahin zu erlaßen, daß für die ihnen unterstellten Beamten in ihrer Eigenschaft als behördliche Vertreter das gleiche gilt. Es bedarf einer so durchgreifenden Maßnahme, um der Oeffentlichkolt zu zeigen, daß die republikanische Regierung nicht gewillt ist, irgendeine bewußte Mißachtung der bestehenden Staatsform zu duwen." Der preußische Ministerpräsident hat dieses Schreiben dem Reichskanzler zur Kenntnis gebracht, mit der Bitte, daß auch die Reichsvegierung sich dem Vorgehen Preußens anschließen möge. Dennoch haben an dem Empfang, den der Amerika, nifche Klub gestern zu Ehren des New Yorker Bürgermeisters gab und der im Hotel „Kaiserhof" stattfand, Vertreter der Reichsregierung teilgenommen. Es ist nun äbzuwarten, welche Dimensionen der Flaggenkrieg zwischen den Behörden und den Berliner Hotels cmnchmen wird. Gegen den Boykott der republikanischen Reichsflagge. durch die Hotelbesitzer hat der Verband der Hotelan g e st eilten Protest erhoben. Die Berliner Hotelbesitzer, die heute nachmittags zu einer Sitzung _ McWmengetrssten .»sind- haben folgenden Beschluß gefaßt: Der Verein Berliner Hotels und verwandter Betriebe hat im Einvernehmen mit der Reichsorganisation der Hotelbesitzer beschloffen, auf seinen bisherigen Standpunkt M verharren. Die Hotelbesitzer erklären, daß sie die ReichssaHne. in jeder Weife respektieren, daß sie aber lediglich ans rein wirtschaftlichen Gründen durch das Hiffen dieser mchr oder weniger umkämpfton Flagge sich nicht aus die Seite einer Partei stellen könnten. Die maßgebenden Behörden werden ersucht, endlich einen Wog zu finden, um derReichsflagge die nötige Gel tun g u n d A ch t u n g zu verschaffen, so daß wirtschaftliche Unternehmen sie hiffen können, ohne dadurch eine wirtschaftliche Einbuße, eventuell den Boykott gewisser BeVoWerungskrerse zu erleiden. Saida unter Polizeiaufsicht. Meigeiasse» tut» toletcr zm BertzSr »arselasen. Prag, 26. August. Die ,Fiarodni Politika" meldet in ihrer Mittagsausgabe: General Gajda wurd? gestern vormittags zur Polizeidirektion vorgeladen und erst vor Mitternacht unter Assistenz von zwei Zivildetektivs entlassen, die ihm in seiner Wohnung in Bubontsch überwachen. Gajda darf sich nicht einmal seinem Telephon nähern. Das Sekretariat der Fascisten sowie einige Privatwohnungen von Mitgliedern dieser Partei stehen noch immer untere Polizeiaufsicht. Wie „Becerni List" meldet, soll Gajda heute um 9 Uhr *zu einem neuerlichen Verhör zu der Polizeidirektion vorgeladen sein. Nach den Meldungen der Abendblätter wurde heute das Verhör mit dem pensionierten General Gajda wieder au fgenomckreu. Kurz vor Mttag begab sich Gajda in Begleitung zweier Polizeibemnten in das Polizeipräsidium. Ern Polizeibeamter blieb mit der Gattin Gajdas in dessen Wohnrmg zurück. Um 3 Uhr nachmittags wurde das Bevyör mit Gajda unterbrochen und dieser von den Polt, zeibeanrten in seine Wohnung zurückgeleitet. "Es wurden heute fünf weitere Berhastungon vorgenommen. Sie KinderlShmungrepidemle k« Rmniknir« Aus Bukarest wird gemeldet: Die fett einiger Zeit grassierende Kinderlähmungsepidemie nimmt e r n st e A u smaße an. Im ganzen Lande, insbesondere in der .Hauptstadt, wurden eiligst energische M a ß n a h m e n zur Bekämpfung der Epidemie getroffen. Das System der Fudemazzia. Kr.. Wien, 27. August. Me Aktion Lord Rochermeves zugunsten der Revision des Trimwner Vertrages und der Wiederherstellung ^der asten iGvenzen .Ungarns hat bei den ungarländischen Juden den mächtigsten Widerhall gefunden. In den Synagogen, in den Ratsstuben der jüdischen Gemeinden und in der Presse waren es vornehmlich Juden, die dem Rothermere-HiMgungsrummel schweißtriefend Vorspann leisteten. Industrie- und Finanznmgnaten und jüdische Berufsjournalisten benützten ihre Sommerurlaubs reisen dazu, im Ausland die historische Lüge zu verbreiten, daß in Ungarn kein offizieller Antisemitismus herrsche und daß die Juden Ungarns selbst stark genug seien, itste letzt eh Reste antisemitischer Gesinnung bei den''Behörden und (in der Gesellschaft selbst zu beseitigen. Erst vor wenigen Tagen wurde bei einer Tagung des amerikanischen polnischen Instituts, einer angesehenen Gelehrtengesellschaft, d^r Mrmecus clausus und der Regierungsantisemitismus in Ungarn zum Gegenstand eines Referates gemacht, aber auch' «dort Hut ein Abgesandter der ungarischen Gesandtschaft in Washington, unterstützt von einem in Amerika lebenden ungarischen Juden, alles in Abrede gestellt und die Versicherung abgegeben, daß der ungarischen Regierung nichts ferner liege als eine Bedrückung der jüdischen Staatsbürger. Als hätte die ungarische Regierung sich dieser mit aüfsallender Beflissenheit in die Welt 'gesetzten guten Leumundsnoten geschämt und als wollten sie ihre, zugriffsbereiten vassenschützlerischen Draufgänger beruhigen, hat die Bethlen-Regierung gerade in den letzten zwei Wochen mit brutaler Gewalt die ganze Legende vom angeblich abflauenden Regierungsantisemitismus zerstört.. Ganz ohne sichtbaren Grund hat, wie wiederholt gemeldet wurde- Bethtens Jynenminister in den GrerHkomitaten eine' Fahndung nach sogenannten „Galizlauem" unternehmen lassen, .die in ihrer Durchführung selbst die berüchtigste russische „jdblcüva" auf Juden in der zaristischen Zeit in tzen. Schatten stellt Tier Numerus clausus wftd nicht abgeschafft, dafür aber werden jüdische Familien zu.Hunderten subsisienzlos und heimatlos über die Landesgrenze getrieben. iGegenwärtig weilt in Ungarn eine große Delegation amerikanischer Journalisten 'Gar mancher dieser männlichen und weiblichen, Diener der öffentlichen Meinung Amerikas hat in seinem Blatte in gerechter Entrüstung Wer die Unmenschlichkeiten der magyarischm Reaktion berichtet und das!Gewissen der Welt gegen den vassenschützlerisch?en Bcmditis- Mis aufgerüttelt. Sie sind gerade 'in der'Zelt nach Budapest gekommen, da auf der einen Seite die Gemüter unter Benützung des neuen Apostels Rothermere gegen die bestehen- Uden ^Fried ensverträge und die guten'Beziehungen zu'den'^Nach- . barstaaten .ausgestachelt hat, auf der änderen Seite eine in mittelalterlichen Formen durchgefuhrte Judenverfolgung , auf der Tagesordnung steht. Es ist zu befürchten, daß es diesen amerikanischen .Publizisten nicht besser ergehen wird als manchen ihrer Vorgänger, die unter dem Titel einer Studienkommission sich in Ungarn selbst die Wahrheit Wer dieses Land holen sollten. Auch sie werden von der Regierung fetiert, von einem 'Fest- und WeingÄage zum andern geführt, auch sie bekommen nur die Dinge, zu Gesicht, die äußerlich schön sind, deren innere Morschheit aber ihnen verborgen bleibt. Diesen 'Gästen zuliebe hat sich das Innenministerium zu einen: Gommunique aufgerafft, in welchem der Umfang der Razzia bagatellisiert, die antisemitischen Motive der ganzen Aktion 'in Abrede gestellt, und die barbarischen Begleitumstände der. Razzia abgeleugnet werden. Gleichzeitig , aber werden diese Journalisten durch Geheimagenten peinlichst überwacht, ihr Verkehr mit Juden Wer Arbeitern genau regi- .striert und gemeldet, und da die Bevölkerung das weiß, dürfte sich kaum jemand trauen, einem der Journalistengäste die Wahrheit zu' sagm, selbst wenn er sie suchen foottte. Unter solchen Umständen obliegt es der unabhängigen jüdischen Presse im Auslande, die gesamt« Oeffentlichkeit dev Welt zu warnen, den beschönigenden Berichten ans Umgarn weiter GlaWen zu schenken, selbst wenn sie von sogenannter jüdischer Seite kommen. Es muß imtMer und .«immer wieder daran erinnert werden, daß die Juden in Ungarn, soweit sie nicht mit der Regienmg Geschäfte machen, em* geschüchtert sind. Es muß entgegen allen Versuchen der ungarischen Regiermrg imnrer von neuem betont werden, daß die Politik der Hvrthy-Bethlen-Regiemng auf den > Krieg ausgeht und daß die ungarischen Juden und die ungarischen Arbeiter sich nach wie vor in der Lage der Bedrückten und Verfolgten ^befinden. Hjurchette Mischer Familien — und nur gegen diese richtet sich die Razzia — sind jetzt gszivungen, in der Welt existenz- und obdachlos herunrzmrren. Sie wurden als „Galizianer" ausgewiesen, aber Men aMkeuM