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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-25 · Heft 3048 (25.8.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3048 (25.8.1927)
Date
1927-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Polen: 35gf0S2y | Wien; 2a» AbhöUn in dp* Expedition, II., f«börste. 1-8 oder in einerVerschleißstells (Trafik) monail.5 Schilling Straß enverkauf in Wien dnreh die Kolporteure der Firma Goldschmied, L, Wolhtelle 11 Mit Postverwind für Wien und Oesterreich monatlich & Schilling Tscheeho - Slow »keir Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. P o 1 e n :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Fr an kr eich, Belgien: Mon. Pres. 85 •* MPteli’ orhohcorsB r«rh«halten. | Preis 20 g England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Bnmfinien: Mon. 170Lei B n 1 g a r i e n: Mon.100 Lewa. S c hw e i 2 and das fibrige Ausland monatlich Pres. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Tafoorstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon Nr. 31-0-88 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva") Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.698 Nr. 3018 Mru, ^ownmtttB, 25. August 1927 9. Jahrgang Nächtliche Tumulte tu Paris. Plünderungen «ud Barrikaden. — Biele hundert Verletzte. — 200 Personen verhaltet. Paris, 24. August. Die schweren Unruhen bauerten -bis gegen 2 Uhr morgens. Ein starker Regenguß zerstreute die Demonstranten und tonnt der schwer «bedrängten Polizei $ir Hilfe. Im ganzen wurden rund 200 Personen verhaftet und in Haft behalten. Auiherdem wurden mehrere hundert Personen in die Wachstuben der Polizei gebracht, aber wieder fveigelassen. Die Zahl der Verletzten wird, auf viele hundert geschätzt.; In dm Spitälern liegen 30 Schwerverletzte. Von den Polizisten erlitten viele leichte Verletzungen, zehn wurden schwer verletzt. Zu den schwersten Zusammenstößen kam es gegen Mitternacht im Arbeiterviertel des Boulevards Sebastopol. Die Mm ge schlug dort Bäume um und «baute Barrikaden. Der Straßenöahnverkehr mutzte eingestellt werden. Die Polizei war gegen die Menge machtlos. Die Fensterscheiben der umliegenden Geschäfte wurden eingeschlagen und mehrere Laden ausgeplündert. Es fielen auch Revolverschüsse. In den Champs Elysees. wurden die Auslag enfenster der .Kaufhduser ebenfalls «durch Steinwüvfe zertrümmert. Auch-i n de r Bast rl-le und auf dem Plaoe de la RepuMqUe ereWeteu sich Tmnultszencn, «wobei wieder Auslagenscheiben emgeschlagen und Geschä«fte ausge raubt wurden. Der Pvlizevpväfekt C.h rappe hat selbst" die Operationen der Polizei gegen die Demonstranten, in diesem Teile von Paris geleitet. Zu ähnlichen Szenen kam es aus dem Mon t - martre, der Plaoe Clichy und der Place de la Rspublique sowie im Faubourg du Demple. Am meisten heimgcisucht wurde auf dem Montmartre das große Cafe Vipler, in welches die Manifestanten unter dem Ruse: „Meder mit der Bourgeoisie!" eindrangen. Das Cafe, das um diese Zeit stark besucht war, war im Handumdrehen der Schauplatz eines argen H a n d g e m e it ges. Die Gäste ergriffen die Flucht, während die Demonstranten die Stühle und Tische umwavfen und in die großen Spiegelscheiben Revolverschüsse abifeuerten. Es entstand eine ungeheure Pmnk. Frauen fielen in Ohnmacht, Kinder wurden umgestoßen und zu Boden getreten. Ein Greis von siebzig Jahren wurde durch Fauftschläge lebensgefährlich verletzt. Sämtliche großen Automobile, wie überhaupt Luxusautos, die vor dem Cafe standen, wurden von den Masten umgeworfeu und zertrümmert. Von dort drangen die Demonstranten, immer die äußeren Boulevards entlang, in die Champs Elysees vor. Dort überfielen.sie unter Geschrei die Terrasse des kürzlich evöffneten Cafe Tortoni. Die Gäste flüchteten in das Innere des Gebäudes. Plötzlich fielenSchüf «se. Die Kellner behaupten, daß die Demonstranten in das Cafe geschossen härten, während die Demonstranten sagen, aus dem Kaffeehaus fei auf sie geschossen worden. Etwa 300 Demonstranten drangen in das Cafe. «Seine ganze innere Einrichtung, die zum Teil außerordentlich luxuriös ist, wurde in Stücke geschlagen. Das Kaffeehauspersonal wurde mißhandelt und die Spiegelscheiben sowie die großen gläsernen Beleuchtungskörper wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Bei der Polizeipräfektur und bei dem Innenministerium herrscht der Eindruck vor, daß man sich einer ausgesprochen revolutionären Bewegung gegenüber gesehen habe. Innenminister S a rr a u t erklärte, daß diese Vorkommnisse die Früchte der kommunistischen Propaganda der letzten Monate seien, welche er mohrstuh in seinen Roden gebranbmarkt habe. Um eine Wiederholung ähnlicher Zwischenfälle wie heute nachts zu verhindern, hat die Polizei neue umsaßs.e§vde, sehr Maßnahmen getrogen. Unter den Verhaftete n, deren Zahl mit A4 angegeben wird, «befinden sich viele Ausländer, darunter Italiener, Spanier und Polen, sowie ein Amerikaner. Die Zahl der verletzten Polizisten beträgt 121. Ae SttoswaßMmeiu Vor der Strafkammer hatten sich heute fünf Teilnehmer an den gestrigen Manifestationen wegen verbotenen Maffentvagens sowie tätlicher Wachebeleidigung zu ' verantworten. Drei von ihnen wurden zu je s e ch s M o n aten Gefängnis, die übrigen zu zwei Monaten,; beziehungsweise zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Innenminister Sarraut hat nachmittags mit Justizminister Barth ou über die gegen die gestern verhafteten Manifestanten und -namentlich gegen die Plünderer anzuwendenden S t r a f m a ß n a h m e n beraten. Auch l» London. London, 24..August. Die Kundgebungen im Hydepack arteten gestern abends wiederum zu Tumulffzenen ausals ein Teil der ^Dsmonstranten vor die amerikanische Botschaft ziehen wollte. Berittene Polizei.. . trieb mit Gumm ik n ü:t f e ln.die Menge auseinander. Peldem Zufammenistoß wurden 40 Personen verletzt^ ,12 Personen wurden ins Spital überführt. Stürmische' Demonstrationen in Amsterdam und Rotterdam. Am st er da m, 24. August. Aus dem «großen Platz, vor dem königlichen Schloß kam es gestern abends im Anschluß an Sacco-Kundgebungen zu Zusammenstößen zwischen einer hauptsächlich aus jungen Burschen «bestehen«- den Menge und der Polizei, die von Säbeln und Gummiknütteln Gebrauch machte, wobei m e h r e r e P e r s onen verletzt wurden. Die Zusammenstöße ereigneten sich später auch an «verschiedenen anderen Plätzen, die von der Polizei geräumt werden mußten. Im Hinblick auf die Protestkundgebungen wurde die Militärische Besatzung verstärkt. Weiters ereigneten sich Zusammenstöße auch in R o t t e r d a m und im Haag, wo die Polizei ebenfallZ eingreifen mußte. Verschiedene Personen wurden verletzt. Zahlreiche Demonstranten wurden verhaftet. In Rotterdam mußte die Polizei sogar von der Schußwaffe Gebrauch machen. Auch l« Leipzig wird geschossen. < Leipzig, 24. August. (Wolff.) Eine von den Kommunisten anläßlich der Hinrichtung Saceos und Vanzettis'veranstaltete Demonstration führte schwere Zusammenstöße «auf dem Messeplatz herbei,, wo drei Polizei! e n t e, m i tz ha n d e l t -wurden. Die Demonstranten griffen 'eine uccheliegende Polizejstation mit Pflastersteinen und Ersen stangen an. Die Polizei erwiderte den Angriff mit der Schußwaffe. Ein Demonstrant wurde verwundet, einer getötet. Die Ru he ist wieder 'hergestellt. Bombenerdlofion in Wrago. Chicago, 24. August. (Reuter.) In der vergangenen Nacht erfolgte hier eine Bombenexplosion, durch die drei Gebäude zerstört wurden. Die Polizei glaubt, daß es sich nicht um eine mit den' Demonstrationen gegen die Hinrichtung von Saeco und Vanzetti im Zusammenhang stehende Angelegenheit Handle. Man vermutet vielmeh-, daß die Bombe don Leuten geworfen wr-re, die heimlich Alkohol und altochol- 'Mtige Getränke heostellten und miteinander in Konkurrenz standen. Die. Polrzet fahndet zurzeit nach drei Leuten, die an der Stelle, wo die Explosion erfolgte, gearbeitet hatten. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche MitteUnngen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Banlrate. Bon l auf 6*5 Prozent. Der Generalrat der Oesterreichischen Nationalbauk hat in der gestern stattgefnndenen Sitzung beschlossen, den Zinsfuß im Wechfeleskompte mit Wirksamkeit von heute von 7 auf &y2 Prozent zu ermäßigeir und dementsprechend auch die Sätze im Darlehensgeschäft um ein halbes Prozent herabzusrtzvn. (Näheres im Wirtschaftsteil.) Ser Kongreß der Minderheiten. Minderheiten «n» Mkerdnnd. Genf, 23. August. (Schtveiz. Dep.-Ag.) Der europäische Minderheitenkongretz beendete heute abends die Diskussion über die Frage der staatlrchen Souveränität und der Rechte der Minderheiten. Dr. Margulies (jüdische Gruppe der Tschechoslowakei) wies darauf hin, daß die Staaten den Schutz ihrer rraitionallan MBnÄerheitcn nicht als eine ihnen «mferlogte Last, sondern als eine ihrer Pflichten betrachten sollten, die sie im Interesse der ganzen Volksgemeinschaft erfüllen. Dr. Schiemann (Vertreter der deutschen Minderheiten Lettlands) führte aus, 'daß es. nicht Aufgabe des Staates sei, den?, organisierten Mindercheiten: .in Wettanfchammgs- «imd' Kültuvfragetr die Auffassung «des Mehrheitsvolkes aufzudrängen. Der Kongreß', hörte hierauf mit lebhaftem Interesse einen Bericht des Sekretärs Dr. Ewald A m e n d e über die Fragen der Gefährdung des europäischen Friedens durch nationale Unduldsamkeit. Seine Ausführungen warfen ein klares Licht auf die großen Schwierigkeiten, mit denen die nationalen Minderheiten in manchen Staaten noch immer zu kämpfen haben. Der Referent betonte, daß das Klagerecht Mm Bölkeirbund im Falle von Uebertretungen der Minderheitssihutzbestimmungen sich als ein Verfahren erwiesen habe, das den Min- . derheitsgruppen mehr Schaden als Nutzen bringe. Andererseits seien die.von einigen Staaten offen betriebenen MtwnalisterttugsLeftrebungvn gjegenübe.'r ihren Mjuderherteu - neuerdings eine ernsthafte Gefahr für den europäischen Frieden geworden.-Zum Schluß, seiner Darlegungen richtete Dr. Amende einen warmen Appell an demV ölkerbund, an die Lösung des Minderheitenproblenrs endlich einmal s y st e m a t i s ch tittb mutig heranzutreten. Ler Schutz der Auswanderer. Ein Kongreß in Rohitfch. Die „Grazer Tagespost" meldet aus Laibach: Vom' 26. bis 2.7. September wird m R o h i t s ch - S a u e r - b runn ein Kongreß für die Aus wandererfrage stattfin'den,. auf . dem alle Probleme, die sich auf den Schutz der Auswanderer beziehen, besprochen werden. Phantasten im amerikanischen Einwanderungsamt. Ile geheime Invasion der - elf AuslSnder. London, 24. August. „Times" berichten aus New- N o r k, die Eiwvanderungsbehörden 'seien em^m Klan mtf der Spur, wonach Ausländer n«ach Amerika in gwßem Umfange mit Hilfe gefälschter Sichtvermerke eingeschmuggelt tverden. sotten. Der Argwohn der Behörden sei in der letzten Woche erregt worden, als si ebeu Italiener km Besitze von unregelmäßigen Sichtvermerken gefunden wurden, die sie vom Hamburger Konsulat erhalten zu haben behaupten. Fünf von den sieben gestanden später, daß sie die Sichtvermerke für Summen von 100 bis .600 Dollar gekauft haben. Drei Tage später sei der Argwohn der Behörden durch die Ankunft von vier weiteren Ausländern, die mit ähnlsthen Sichtvermerken versehm waren, verstärkt worden.

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