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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-24 · Heft 3047 (24.8.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3047 (24.8.1927)
Date
1927-08-24
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Men, Mittwoch Wiener Morgenzeitung 24. August 192? Nr. 304? das amettkanffche Konsortium an Ort rr-nd Stelle eine Expertise vorgenommen, die ergab, daß für die Moder« nrsierung imd den Ausbau der rumänischen Eisenbahnen eine Anleiihesunmre von etwa 50 Millionen Dollar erforderlich ist. Deninächst sollen nun die offiziellen Verhandlungen über di' Anleihebedingungen aufgenonnnen werden. Wie von gut informierter Belgrader Stelle berichtet wird, sondiert die jugoslawische Regierung das Terrain für den Abschluß einer größeren Anleihe auf dem Londoner Markte, der Jugoslawien durch die Regelimg der Schuldenabzahlung an England wieder erschlossen wurde. Die Anleihe soll durch die Ver-mi-dLl-u-N'g der Ba-nk wv'N England ausgenommen werden und hcmpWchlich zur SEaAllT^lew-nng!ne-S Dtmerr dienOr. Die a^nsilÄ-u dü s-ch«n Kerpiterl-ien im Bmllga-Mom 'belaufen sich heute auf 466 Mi ll i o n an Lewa; davon sdL rund 200 Millionen französischbLlg^che^ rnnd 60 Millionen dent^che, 44 Millionen Mvicr ^WÄlienir^che Kapitalien. In den letzten Jahren ist ein starker Kapitalzustrom in das Land festzustellen. Bon den neun größeren bulgarischen Banken wurden flinf JnMnt» mit fremdem Kapital gegründet; vom Gsfamtkapttalden Banken. Bulgariens in Höhe van 360-Millionen besmdewW''3ATMMrmen Lewain-ansWnWchvnrHSsckM. kWkmd als Geldgeber. Die fast hundertjÄhrrge BWteperiode britttzher Kapitalsausftchr, welche England zum Geldgeber der Welt gemacht «hatte, endete plötzlich -durch den Weltkrieg. Allerdings Hatten sich schon vorher Anzeichen emes Wechsels sühWar gemacht. Wohl betrug der Beginn des Kriegs das cnMErts arbeitertde englische Kapital fast ifi-et AdiLIiwrdem doch war die finanzielle Bormachckftellung Englarchs damals beretts auf die Dauer nicht mehr haltbar, einerseits, da die Entwicklung^ der europAstHen Maaten, die um reichlich 50 Jahre hinter der sugWhen emherjchritt, bereits so weit gekommen war, dH' vi-Äe-von ihnen (siehe Deutschland) in immer stärkerem D^e ein Gutterl ihres Kapitalbedarfes aus eigenen MLtel decken konnten, andererseits da die fortschreitende GwßrMdvstrialisierung Amerikas schon damals einen neuen GÄdgeber schuf. Der Weltkrieg war für England sehr kostspielig, da es die Hauptlast der Finanzierung seiner ' Alliierten zu tragerr haüe, und das Ergebnis war, daß die englische Sck<raisschuld heute ungefähr l.7 Milliarden PHmnd> also bas Zehnfache der Vorkriegszeit beträgt und -daß der Schuldendienst fast die Hälfte -der gefangen Jcchreseinkünfte des Staates erfordert. Ein bedeutender Teil dieser jährllchsn Lasten muß mit Hilfe hoher divM-er Steuern bestritten werben, und dies ergibt einen Mckgaug des jährlich ersparten Teiles des NcrttonalemkoMWens. Dieser ersparte Tool nun, der für Anlagezwecke m Betracht komnrt, ist heute wchenttich geringer und ver- Mndert die AnlageuröglichLeii englischen Kapttals im Ausland. Gleichzeitig ist auch die bribi-sche Aah-l-ung-sbMamz heute weniger günftig als vor dem Kriege. Wohl lvar die Einfuhr nach England seit langem beträchtlich größer als die Ausfuhr, aber das Defizit wurde durch die übrigen sogenannten „geheimen" Aktivposten einer Zahlungsbilanz (Einnahmen ans der Schiffahrt, Bankprovisionen, Zinsen usw.) weitaus mettge macht. Noch im Jahre 1913 Ivar der Ueberschuß 'der englischen Zahlungsbilanz zirka 180 Mlli-onen Pfund, seither ist er immer kleiner geworden, und für «das Jahr 1926 ergab sich infolge des Bergarbei-terstve-iks sogar ein Defizit von 12 Millionen Pfund. Nun wird jede Kapitalsausfuhr letzten Endes auch durch den Uebenschuß der Zahlungsbilanz bestritten und auch dies ergibt also eine Schwächung der englischen Ausfuhrmöglichkeitow an Geld. Tatsächlich ist auch der bmickösche Kapitale>x^p o r t von durchschnMich 172 'MWionen Wund jährRch vor dem Kriege in den Ikchven 1923 As 1926 auf zirka 130 Milbion-en Pfmird jährlich gesunken. England fft also nicht mehr der «nerßchöMchV Geldgeber der Welt und erscheint Der wie auf manchen anderen Gebieten seiner wirtschaftlichen GeMigung gezwungen, sich einzuschrämken. Ob diese BerhAtniffe dauerrcher oder vorübergehender Natur sein werden, läßt sich honte «och nicht löschen, jedenfalls ist zu bedenke», dast der Einfluß der enorur gesteigerten inneren Schuld Englands sich notwendigerwesie ans Jahrzehnte «streckt. M d^eS -ist ln Betracht zu ziehen, wenn die GetsMgnny Englands am-europäischen Anleihemarkt erwogew-wird. D«e HMtdeESVezichNnsm Mischen Oestervekch »nd Pa* Mtrna. Me unS mttgetellt wird, wurde Kammerrat Morrz K o hn, Dizqrräfident des Verbandes jüdischer Kanfleute und Gewervetrlechender, 6. Bez., Mattahilferstratze Nr. 101, mit der Bildung und dem Vorsitz der zu gründenden palästinensischen Sektion der Oesterteichisch-Omentallschen HandtzMantmer betraut. Die HandeMÄmnier hat sich an Herrn Paul Sie i n mit dem Ersuchen gewendet, in den Vorstand einzutreten. Die Gründung der palästinensischen Sektion erfolgte zmst Zwecke der Intensivierung der aus dem WirffchasiÄverVchr mit Palästina, gerichteten Bestrebungen. . Internationale Tagung des Lebensrmttel-Dctailhaudels. Ueber Nrrwaung des RÄchwerbcmdes der Deutschen Kauflentv des Kollmkrl-FmÄast» und Lebensmrttel-Ginzechrndels fand in Berlin eine internationale Konferenz des LebonSmÄtÄ-DetaÄ- Handels statt, zu der Delegierte aus Beilgien, Holland, Schweden, der Schweiz, Tschechoslowakei, Ungarn u. a. erschienen waren. Aus Oesterreich waren seitens des Unpolitischen Verbandes .der Lebensmittelhandler Wrens Präsident Leo Sternberg und Vizepräsident Anton Rott delegiert. Die Beratungen der Delegierten erstreckten sich auf gemeinsame Maßnahmen zur wirtschafÜichm Hebung des LebensmttM-Detaklhaüdels und der Abwehr von Gefahren, die dem Lebensmittelhandel von Seite d«S Großkapitals drohen. Zur Erörterung und Durchführung dieser Maßnahmen wurde Me Bildung eines internationalen Komitees mit dem Sitze in Zürich beschlossen, weiches sich mit allen aktuellen Fragen des Lebsasmittelhandels zu befassen haben wird. Die nächste Tagung wird im'Jahve 1928 iw Frankreich a-bgehalten werden. Verband der Mischen Kanfkeute mrd GelwerveHteKerHen w Wien. Morgen Donnerstag, präzise 8 Uhr abends, Plenarversammlung in der Kaufmanushalle des Mener Bürgercafe, 6. Bez., Praterstmße 11. Vortrag: MchtÄanwalt Dr. Ludwig Ehrlich über aktuelle wirtschaftliche Fragen. Sodann Behandlung wichtiger, die bevorstehende Wiener Herbstmesse betreffende Angelegcnheüen. — Heute Mittwoch um ÜaD 8 Uhr abends driuaende Sitzung der Vorstandsmitglieder im Kluvlokal des Wiener Bürgercafts. Erhöhung des SMituskoutingents in der Tschechoslowakei. Aus Prag wird gemeldet: Infolge der erwarteten sehr guten Kartosftlernto soll das K-ontingent für die Gruppe der l«Md» wirlschaMcheu Breumreien um 24.000 Hek-tol-iter erh-M werden. Die Vechand.rrngen über das tschechoflowattjche Zuckerkartell sind, wie unS aus Prag berichtet wird, unter Vermittlung des Präsidenten des Zuckerindustrievereines Robert Mandclik bereits wesentlich fortgeschritten. Mit den Raffinerien in Böhmen und Mähren wurde mit Ausnahme eines größeren UnternehnrenS bereits ein« Einigung erzielt; mit den slowakischen Unternehmungen steht diese noch aus. Doch wird damit gerechnet, daß auch lsier ein Uevereinffrinmen erzielt werden wird, so daß bereits in nächster Zeit mit der Aufnahme der offizielle« Kartellperhandlungen zu rechnen ist. Alttenabstempelung Sei der EMeordiamÄhke. Aus Budapest wird uns berichtet: Die ConcordiamÜhlen A. G-, die bekanntlich seit längerer Zeit mit großen Schwierigkeiten kämpft, hat unk die Bewilligung zur Akttenabstemvelung angesucht, durch die das 1.17 Millionen Pengö betragende Aktienkapital auf ein Drittel reduziert werden soll. Das Nominale soll von 12 auf 4 Pengö herabgesetzt werden. Gleichzeitig soll eine Zusammenlegung der abgestempelten Aktien im Verhältnis 3:1 erfolgen, so daß das alte Nonrinale von 12 Pengö pro Aktie Meder erreicht wird. Hierauf will die Gesellschaft durch eine neue Emission das Aktienkapital auf 1.5 Millionen Vengö erhöhen. Die Concordiamühle schuldet gegenwärtig ungefähr 10 Millionen Pengö. Kern sitgoslawischcS Getretdeausfuhrvervot. Aus Belgrad wird berichtet: Äckerbauminister St ankovic machte den Vertretern der Pmsse Mitteilungen über die offiziellen Ernteschähungen, aus denen hervorgeht, daß die Ernte Iugosiaroiens im Vergleich zum Vorjahr bei Weizen um 6 Prozent, bei Gerste um 1 Prozent größer, bei Hafer um 23 Prozent und bei Roggen um 3 Prozent kleiner geschätzt wird. Der Uebersckprß der heurigen Ernte von zrrka zwei Millionen Zentner Getreide werde zusammen rnit den Vorräte« der vorjährigen Ernte hinreichende Mengen für den Export bieten, so daß kein YsetreideanSstlbrverbot und auch keine Aufhebung der bestehenden Einfuhrverbote für Getreide erfolgen werde. Die Tavakprodllktion Griechenlands. Tie griechische Dabakproduktion betrug im Jahre 1926 56.600 Tonnen xM Werte vvn 3065 Millionen Drachmen (1923 nur 25.800 Tonnen im Werte Von 417 Millionen Drachmen). Angebaut wurden Mit Tabak 65.000 Hektar. Die Tabakausfuhr belref sich 1926 auf 65.324 Tonnen (1W> 41.709 Tonnen). Davon ging der größte Teil (21.494 Tonnen) nach Deutschland; es folgten als Absatzländer griechischen Tabaks Italien mit 15.750 Tonnen. Nordamerika mit 9894 Tonnen, Aegypten mit 3709 Tonnen, Holland -mit 1521 Tonnen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über: Düse! Ev., ß. Gsz., Tccho-rstroße 30; Robert Bachner, 3. Bez., Aspangbahnhof; Fr, KMitz, 14. Bez., SechShauserstraße 45; Baumeister, Erwin Mchalup, 7. Bez., Halbgasse 6; Selchermeister Otto Janlka, 30. Bez., Gerhavd-usgasse 45; Baurequisitenerzeugung Anton Bvezina, 10. Äez., Favovrteustraße 132. Unveränderte DeviseniErkte. Die Devisenkurse zeigten auf den internationalen Märkten keine nenneuSwerten Veränderungen. Devise Madrid büßte einen Dell ihres montägigen Kursgewinnes wieder ein und schloß 87.60 Parttät Zürich.. Ebenso ist der Leu von *3,20 wieder auf 3.19 zurückgeganHen. Sonst ergaben sich keine bemerkenÄverten Mrsschwankungen. Der Schilling notiert unverändert 73.07^2. Mener Börse. Anfangs rückgängig, später befestigt. Bei geringem Verkehr erössnete dü« Börse in schkWhiswr Haltung, Wobei vorKLogenp ungarische Werte nachgaben. Sowohl in der Kustsse als auch im Schranken trat dann ein gewffjar KrrrSsiillsiand ein. Im weiteren Verlaufs erwachte jedoch auf S«8 msMmmc laan. Leo Goldensleln. Ein.Freund, der einen beträchtlichen Teil seines Lebens in der Bukowina verbracht Hatte, erzählte mir sÄgerÄS Begebenheit. «AL ich kürzlich mit vielen Hunderten, vom gleichen Streben Beseelter zum Grabe Herzls prlgerte, Erinnerte ich mich cm einen Vorfall, der sich in den neunziger Jahren rm Judenviertel von Ezerrwtvitz gutrug. Es handelie sich mn den tragischen Tod einer Frau, der, indem nun manche Einzelheiten aus ihrem Leben in die Oeffentlichkeit drangen, allgemeine Anteilnahme erregte, obwohl die Verstorbene 'ein Freudenmädchen war. Die schuldspruchbereite Moral mutzte wirklichem Mtttzefühl weichen. Indessen ist das Schicksal der längst Bergessenm nicht etwa feiner äußeren Umstände Halber bemerkenswett. Ein Mud frommer jMscher Eltern, ist sie twtz der strengen, jn orthodoxen ^kreisen üblichen Erziehung auf eine solche Bahn geraten. Ms die beiden Alten die Unmöglichkeit erkannten, ihre Tochter zu retten, wunderten sie, das Furchtbare zu büßen, nach Palästina aus und starben dort nach eirügen Jahren. Eine traurige jFamilientragödie. Aber sie bildet nicht den Gegm stand dieses Berichtes, sondern das spätere Schicksal des gefallenen 'Mädchens. Im Wesen dieser Frau hatte sich riämlrch eine ans WmLerbare grenzende Wandlung vollzogen. Mitten aus Trosllofigkeit und Verachtung eavuchs chr unerwartet ein Ziel, das. ihrem Dasein Sinn und Inhalt gab; aus einer vom Leben Ausgehöhlten, zwecklos Vegetierenden, wurde eine hoffnMgsfroh Strebende, von reiner Mssion Erfüllte. Der Umschwung setzte zur Zeit eines kttsenhaften Seelen--' zustandes ein, der so über alles Maß fürWbar und unerträglich war, daß er, naturgemäß, nur noch durch SeVstmord hätte beendigt werden können. Sie haßte M selbst, das Leben, das Geschick .und Gott. Die Eindrücke der Um>- wttt erreWten sie durch einen SHAer^^vv» Bttvchtmrg>»nd MLettvWu, der sie umgab. MoM MH leben? MW. durch dM-MMAW Ach, es war ihr keine Last und kein Hindernis mehr; Kerchgüürg und ohne Zögern hatte sie es einem ungewissen jSchickfall üöevanüvottet, wenn sie so weit gewesen wäre, den iletztsr verzweifelten Schritt yu tun. Da bekam sie einen Brief aus Pallästura, der die ttev erträMchkeit. ihres Zustandes etwas milderte, indem ihre jlNedmcken -sich vom eigenen! Ich loslösten und einem anderen ^Gegenstände zuwandten. Es war die Nachricht vom Tode ikhrer Eltern; sie waren beide kurz hintereinander gestorben; «erst der Vater, dann, nach drei 'Dagen,- &5e' Mrrtter. In dem Briefe befand sich auch der letzte Gruß des Vaters, ein vollbeschriebenes Matt,;das er sich,- kurz vor fernem Tode, mit offensichtlicher >Mihe äbgerungen haben mochte. Kern Wort des Vorwurfes starrd darin, keine Aeußerung, die verriet, was die alten Leute gelitten hatten. Nur von der Schönheit Palästinas schrieb er, von'Jerusalem, das ihm voll der biblischen Wunder erschien, und von dem Mlück, im Lande der Väter zu sein und dereinst' die müden ^jEeder in die heilige Eide betten zu dürfen. Sie verbarg den Brief erst in der Kommode und blieb eine Zeitlang regungslos, im Banne wunderlicher Gedanke« und Empfindungen. Nicht einmal weinen konnte sie. So sehr war ihre Seele verschüttet. .Mer gegen den Morgen des nächstm Tages, als sie allein war mtf> ruhen durfte, fiel der Gedanke sie an wie ein wildes Tier. , Wne unsichtbare Faust ttß sie aus dem Bette, so bo$ " sie, fast ohne eigenen Wlllen, zur Kommode wankte/ die Lade mlfriß und' rjach dem.Briese griff. Im tiefen Danrmer, der das Zimmer fülüe, führte sie das matt schimmernde! Glatt an die Augen, als wollte sie es lesen; mit einem Mal« aber siel sie, von der Unverrückbarkeit der Tatsache überwältigt, zu Boden. Jetzt erst begriff und fühlte .sie, daß die Eltern tot waren, jetzt erst konnte sie? weirreu. Sie vergrub das GesW in den Teppich, und Wer Achte entrang sich ein. von wirren Worten und kurzen Schreiest untechrochnres .Schlltthzen. Sie Laste und Wach, zählle die hohen Lugenden der beiden GerstoaVenLN auftnr^verdammtv- DhifeW mÄ lMenschjast- *vrH .. nffTifTTT 'Sfry ' Mne Loden. | und jammerte, bis der ^Alltag und die gewohnten Wichten j sie riefen. In den sickgerLlen - Dagel^gmg -sie in der Win MrdigÄ iGewiffensbisse und dNMpser Trauer umher. DaUserchiMal sagte sie sichs, daß nur sie allein am Tode der Eltern Schuld trage; zuweilen schrie es .in ihr wild auf im Verlangen nach Buße, Mochte sie.noch so' schwer sein. Sie kmn sichtlich herab, ab er per Gedanke an Selbstmord, der sie früher ständig zu begleiten pflegte, war Wort ihr gewichen. Sie durfte, Pas fühlte sie, jetzt nicht' sterben. -Irgend etwas rrmßte sie (bot, ,imt die mahnende, anklagestbe Stinrme, die unablässig in chtt.rief, zum Schweigen bttngen. Beide!Gräber, die tMsend Mellen lveit ungekannt und vevlassen lagen, forderten etwas von xhr, -und sie würde kein« Ruhe finderr, solange sie nicht diese Forderung erfüllte. Eines Nachmittags, auf emem! -ihrer täglichen traurigen Gange, blieb sie Vor «einer jüdischen Buchhandlung Ästchen Und warf, wie von ungefähr, .einen Mick in das Schaufenster. Da sah sie lein Mld, das sogleich ihre Aufmerksamkeit fesselte. i. Es war ein« Radierung,!die ein Mjotkv jaus Jerusalem widergab. Vom künstlerischÄr Wett lber -Zeichnung hatte 'sie kerne Ahnung. Was sie leinzig und allein bewegte, war der «Gedanke: , - Das also ist Jerusalem..^ Hier haßen meine Eltern den Kummer zu verwinden gesucht.. * Hier liegerr sie NM begraben!... Plötzlich, wie «irre Offenbarung, wie ein jäh aufleuchtender, wegwerfender Schein mitten.in sinisterer Nachlt, übermannte es sie: Du mußt hin . . . nach Palästina!... So Whast war der Medarck, von so zwingercker Uebvvzeugung, so physisch wahrnehmbar, daß es ihr schien, als stünde ein unsichtbares Wesen hinter chr und flüstere ihr die Worte ins Ohr. Me ein Befehl klmg es, dem sie blind Miorchen mußte. Als sie weiter ging, war sie eine andere. Enre drückende Last war von ihr gewichen. We leicht atmete sie mit einem Malst Die Trauer sichrer Seele ward von einer vagen Hofftrmrg gemlldett. Durch das «Dickicht und die Wirrnis ihres Lebens lief eht Weg, , opi-^Kew Ende Nnhe und Erlösung freundlich winkten. Wöttsetzmrg fokgtt)!

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