Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3045 (22.8.1927)
- Date
- 1927-08-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3046 Wien, Montag des polnischen Staates finde. In dieser Hinsicht wurde bereits viel getan, wenn auch noch vieles diesbezüglich zu realisieren ist. Die polnische Negierung, die von der besten Absicht hinsichtlich der Vcrwirilichung der Verfassungsbestimmungen betreffend die Nationalitäten beseelt ist, begegnet auf ihrem Weg Schwierigkeiten zweifacher Natur. Vorerst sind es Schwieigkeiteu seitens eines großen Teiles der polnischen Oefftntlichkeit, sodann auch Schwierigkeiten, die die nationalen Minderheiten selbst bereiten. Die Regierung muß daher eilten Kampf nach zwei Seiten hin führen. Mgefehcn von den nationalisüschm Tendenzen, die ohnedies in fast sämtlichen Teilen der heutigen Gesellschaft in der Nachkriegszeit überaus vorherrschen, stützt sich der Widerstand eines Teiles der polnischen Oeffentlichleit gegen die Verwirklichung der vollständigen Gleichberechtigung aller Nationalitäten innerhalb Polens auf eine ganze Reihe von Tatsachen. Ein großer Teil der Polen ist der Meinung, daß die nationalen Minderheiten nicht nur nichts zum Aufbau des polnischen Staates beigetragen haben, sondern auch oft dagegen gearbeitet hätten, so daß der polnische Staat gegen ihren Willen geschaffen wurde. Man führt gewöhnlich Tatsachen an, die auf eine feindliche Propaganda der nationalen Minderheiten während des Krieges, hauptsächlich aber in für die Zukunft Polens entscheidend«!! Augenblicken Hinweisen. Hiebei wird gewöhnlich erwähnt, daß Minderheiten, die zur Schaffung des' polnischen Staates so gut wie nichts beigetragen haben, keineswegs so behandelt werden können, wie die Bevölkerung, die im Verlauf der letzten hundert Jahre für Polen gekämpft und Blut vergossen hat. Man weist darauf hin, daß in den Nachbarstaaten, wo bedeutende Teile des polnischen Volkes wohnen, diese ebenfalls keine Gleichberechtigung genießen, und das die Expcrimentationspolitik ihnen gegenüber gerade von jener Nationalität betrieben wird, die in Polen für sich volle Rechte in Anspruch! nimmt. Man stellt auch oft fest, daß Polen seinen Minderheiten bereits heute weitaus mehr Rechte erteilt, als sie den polnischen Minderheiten irgendwo anders zuteil werden. Indem alle diese Ansichten und Voruteile bekämpft werden, kann die gegenwärtige Regierung bereits auf die Unterstützung großer Teile der polnischen öffentlichen Meinung bei der Durchführung ihrer Nationalitätenpolitik rechnen. 'Die Durchführung der berechtigten Forderungen der polnischen Minderheitsnatlotten hätte sicherlich e-n:n größeren Erfolg gezeitigt, wenn keine, Schwierigkeiten seitens Nationalitäten selbst entstehen würden, die einzig und allein in den Beziehungen der Minderheiten zu Uv len als Staat zu'buchen sind. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Polen "ein Propagandaterrain für eine sta-atsseindliche Politik ist, die 'freu Bestand des Staates gefährdet. Der Staat,, der nach so vielen Jahrzehnten der Nichtexistenz mit großer Mühe sich innerlich ausbaut, sich stufenweise seine Autorität in'der internationalen Welt schafft und jene Position zu 'erringen versucht, die ihm mit Rücksicht auf sein Gebiet, seine Bevölkerungszahl, seine ökonomische und kulturelle Lage'gebührt, ist sicherlich ein Faktor, mit dessen Rolle sich 'noch nicht alle einverstanden erklären. Fortwährend werden noch dem Staate gegenüber Ansprüche, selbst in territorialer Hinsicht, erhoben. Dies alles findet selbstverständlich einen Widerhall in der attti staatlichen Propaganda, die auch innerhalb der nationalen Minderheiten Anklang findet. Obwohl die Idee der Loyalität dem polnischen Staate gegenüber innerhalb der nationalen Minderheiten bereits bedeutende Fortschritte gemacht hat, so kann mau doch folgende Tatsachen nicht verschweigen, wie der Boykott der polnischen Staatlichkeit durch große Teile der, ostgalizischen Ukrainer, sowie die'Teilnahme der wetßrussischen Abgeordneten au antistaatlichen Aktionen, geschweige dettn die geradezu feindliche Stellung der Minderheitspresst Polen gegenüber. Ties alles zlvingt Polen zu besonderer Vorsicht bezüglich der Behandlung der Minderheitsangelegenheiten. Dies um so mehr als jeder falsche Schritt der Minderheiten jenen Teilen der 'polnischen Oefsentllchkeit, dir gegen die Minderheitsrechte austreten,. Argumente in die Hände spielt, sich jedweder Reform'zugunsten der nationalen Minderheiten zu widcrsetzen. Darin besteht eben die 'größte Schwierigkeit, der die polnische Regierung, die bemüht'ist, eine faktische Sicherung der vollen Minderheitsrechte durchzusühreu, 'begegnet. Es ist ja klar, daß die Faktoren der Regierung keineswegs die antistaatlichen Jrredentabestrebungen fördern können. Ich möchte hiev besonders die Mülle hervorhebeu, die big internationalen Minderheilskongresse, die in 'Polen mit vollem Verständnis begrüßt wurden, spielen könnten. Diese Kongresse, die sich zur 'Aufgabe stellen, die Minderheitsfragen im Rahmen der bestehenden 'Staaten auf der Grundlage der vollsten Loyalität ihnen gegenüber "zu erörtern, könnten auch der polnischen Regierung 'bet dev Durchführung ihrer Politik sehr behilflich sein. "Indem sie zur Verbesserung der Lage der polnischen Minorität in den anderen Staaten beitragen, nehmen sie allen jenen, die die Verbesserung der Lage der Minderheiten in Polen von der der polnischen Minderheiten in den anderen Staaten abhängig machen, jedwedes Argument aus der Hand. Ebenso müssen die Kongresse, da sie die 'Notwendigkeit eines loyalen Verhältnisses der Minderheiten den Staaten gegenüber, in bereit Mitte sie kraft der internationalen Verträge leben müssen, auch auf die Stärkung des 'loyalen Zusammenlebens der nationalen Minderheiten tu Polen inlt dem polnischen Staatsvolk elnwlrken. Daher werden alle, denen die Erledigung der Angelegenheiten der nationalen Minderheiten in Polen am Herzen liegt, mit 'besonderer Achtsamkeit und herzlicher Sympathie den Fortschritt der Arbeiten des nächsten Minderheitenkongresses in Genf verfolgen. Wiener Morgenzeitung 22. August 1027 Seite 3 BanlnoleiMcher in Mgraben. eine MrWtte für MM-Mten ntnaeüoten. Bor kurzem erhielt die Polizei davon Kenntnis, daß sich in Men zivek Männer aushalten sollen, die sich mit der Herstellung falscher rumänischer Äanknoien befassen. Tatsächlich gelang es, di>e beiden Verdächtigen in Hietzing auszuforschen und zu verhaften. Es sind der aus Jassy stammende Kaufmann Schi Gründe kg und der Maschinentechniker Karl Weiß aus Graz. Gtünbetg soll sehr vermögend sein und in Rumänien mehrere Häuser besitzen. Weiß war aus Oesterreich nach Rumänien ausgeivandert und hatte dort einen Posten als Leiter öiner Fabrik gefunden, «dann aber seine Stellung verloren. In Jassy lernte er durch Zufall den Grünberg kennen. Grüuberg gestand, schon in Rumänien mit Weih den Plan zur Herstellung falscher rumänischer Banknoten zu IM Lei besprochen zu haben. Er hat diesem Zwecke Mehrere tausend Schilling geopfert. Sie kauften bei Etchgraben ein villenarstgrs Hänschen um 6000 Schilling an und richteten dort eine vollständige Vanknotenfälscherwerkstätto ein. Samstag vormittags wurde nun in der Villa der Bauknotefälfcher eine Hausdurchsuchung vorgenommen, bei der eilte Steindduckp resse, eine Tiegeldruckpresse, mehrere Zinkplatten, einige photographische Platten, Walzen, zwei rote Glühbirnen, verschiedene andere Werkzeuge gefunden wurden, dann photographische Platten, die schon das Bild der 100-Lei- Noten trugen, dann etwa 6000 Kilogramm Bvnknotenpapicr und 5000 Stück Papier, die schon iir der Größe der rumänischen 160-Lei-Noten zugeschnitten waren. Das Material wurde belchlag u ahmt.. gnternationale Taschendiebe in Salzburg. Selbst die Salzburger Festspie e haben internationale Taschendiebe zu einem Gastspiele veranlaßt. Vor einigeu Tagen wurden dort zwei berüchtigte internationale Gauner, die angeblichen Kaufleute Jankiel'S afir und Leo Dzialoszinski verhaftet. Am Samstag fuhr derEzernowitzer Fabrikant Klügler am Nachmittag in der. Straßenbahn, als er verspürte, wie jemand in. seine Hosentasche griff: Klügler ergriff blitzschnell die Hand des Diebes, der jedoch dem Fabrikanten einen Fan st schlag ins Gesicht versetzte, so daß. Klügle r blutüberströmt z u r ü ck t a u m e l t e. Ter Dieb konnte jedoch schließlich verhaftet werden. Bä der Polizei wurde er als Henoch Sieradzki, ein gefährlicher, internationaler Langfinger, agnosziert. 'Er ist zweiselÄs Mitglied der Bande des Safir und Dzialoszinfki. Ae! Tage mit einer Leiche. Elne Wienerin auf vem Monte Rosa tövllch verumllM Zermatt, 21. August. (Schweiz. Dcp.-Ag.) Im Montc-Rosa-Massit) find beim Abstieg vom Gastor in der ZwillingSgrnppc Tr. Pfeiffer aus Wien mit seiner Begleiterin, Fräulein Grete BcLcyl (Wien) über ein Schneefeld abgcrutscht. Der DeglMcrin drang der Eispikkel in den Unterleib, was ihren sofortigen Tod herbciführte. Dr. Pfeiffer, der Abschürfungen am Kopfe erlitt, mußte 3 Tage bot der Leiche bleiben, weil die Wetterlage äußerst schlecht wc*r. Sein Zustand gibt zu keinerlei Besorgnis Anlaß. Wien, 22. August. Ein Kind ertkuntrn. Der Kanalränmergehilse Alois M i kl Eilte am Samstag nachmittags mit seiner Frau Elisabeth und den beiden Kindern, dem sechsjährigen Philipp und seinem jüngeren Bruder, zu Besuch aus dem beim städtischen Lagerhaus Verankerten Schlepper. Als die Familie um halb 3 Uhr das Schiss verließ, lief Philipp vor seinen Eltern jum Ufer. Als er vom Schleppschiff auf das Ufcrschleppschiff springen wollte, glitt er aus und fiel ins Wasser. Eh'e Versuche zu seiner Rettung unternommen werden konnten, ivar der Knabe in den Wellen verschwunden. Die Leiche ist noch nicht geborgen. Angostochen. Sonntag abends entstand beim PHöiiippalast int Volksprater zwischen mehreren Burschen eine Rauferei, bei der mit Messern' und Stöcken gekämpft wurde. Durch einen verhängnisvollen Zufall kam der 93jährige Buchhalter Moviz Großß, 1. Bezirk, Lazenhof Nr. 2 wohnhaft, vorüber, ohne sich in iden Streit zu mengen. Plötzlich erhielt er als ganz Unbeteiligter eine tiefe und gefährliche Stichwunde am Bauch. Vlan brachte ihn in die Wachstube Hauptallee, wo ihm die Rettung sgelellschaft HAise leistete. Er wurde dann ins Spital der Barmherzigen Brüder. Tod durch Leuchtgas. Die 36>jährige Schneiderin Henriette Gottlieb wurde gestern abends in der Küche ihrer Wohnung, Felberstraße 100, auf dem Boden liegend leblos aufgefunden. Die Küche war mit Leuchtgas erfüllt und die Hähne des Gasherdes standen offen. Die Rettungsgesellschaft konnte nur den Eintritt des Todes feststellen. Ob Unfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht ganz klargestellt. Em Mord in Niedekhollabrunn. Sonntag nachts wurde dev Wiener Polizeidivektion mitgcteilt, daß in Medechollabrunn Sanlstag abends eine Bluttat verübt worden ist. Der Knecht Anton. Konyati, zu Ghorgyu im Kontitat Heves in Ungarn geboren, in Niederhollabrunn wohnhaft, hat am 20. d. M. gegen 10 Uhr abends in Niederhollabrunn den Ziegteldeckergehilsen Franz Stand aus Rache mit einem Revolver erschossen, und ist in der Richtung nach Wien geflüchtet. Der Mörder ist mittelgroß, hat schwarzes Haar, dunklen Schnurrvartanflug und trägt Dreispitzhut. Er spricht ungarisch und wenig deutsch. Den Revolver hat er mitgenommen. ♦ Der mitteleuropäische Mp. MMg schsiset «ach grsMoser Leistung gegen Sparta aus. — Rapid flegt i« Agram 1:8. Mavia-U. 2. B. 4:8. Die gestrige Runde uni den mittelenropütschen Cup verlief durch daS Wiener Spiel Admira gegen Sparta f e h r 6c w e g t. Entgegen den Erwartungen gviang es den Floridsdorfern, die Sparta zu besiegelt, obwohl sie die längste Zeit hindurch nur neun vollwertige Spieler im Felde hatten. Durch Fehlentscheidungen des Schiedsrichters wurde Admira, die eine Prachtleistung bot, um die Möglichkeit gebracht, in der Konkurrenz weiter zu verbleiben. — Rapid gewann das Retourspiel gegen Hajd-ul in Agram mit dom kvappsten aller Siege imch mäßiger Leistung. — In Prag konnte die Slavia den Budapeste t U. T. E. glatt ab fertigen. 'Demnach sind die Tschechen in diesem Wettbewerb in Front. Für die nächsten Spiele haben sich qualifiziert: Sparta, Slavia, Rapid, HUngaria und Beogradski Sportklub. Wmlra—Sparta 8:3 <3:8). Die Floriüsdorser bereits 3:1 in der Führung. — Derbes und schwaches Spie! der Sparta. — Wüstrak, Klima und Schall verletzt. Das auf dem W. A. C.-Platz im Prater vor fast ausverkauftem Hause ausgetragene Spiel der beiden Mannschaften war eines der aufregendste n Gefechte. Die Floridsdorfer konnten sich zu einer hervorragenden Leistung emporschwingen und die berühmten Tschechen in Grund und Boden spielen. Schon in der 6. Minute wurde Wostrak verletzt; er schied aus und statierte dann später als Stürmer. Knapp vor der Pause wurde Klima von Kada niedergetreten und mußte vom Platze getragen werden. Nach Seitenwechsel trat Klima wieder ein. Um die Mitte der zweiten Hälfte mußte Schall nach einem Zusamnienstoß mit Patek a u s s ch e i d e n. Sparta zeigte diesmal außerordentliche Rücksichtslosigkeit und Brutalität, lieferte dabei ein schlechtes Spiel, wobei die schwache L e i st u n g des berühmten Kada besonders auffiel. Auch sonst sah man von den Gästen nicht viel. Ihr Angriff bot nur sehr kurze Zeit hindurch gute Leistungen. Den Löwenanteil am Erfolg Ad m i r as hat der Mittelläufer Koch. Neben ihm zeichnete sich Schott aus. Im Angriff war S i e g l. hervorragend. Schiedsrichte r “® chioßlor aus Budapest war den Anforderungen des schweren Spieles nichts gewachsen. Beim Stande von 5:1 benachteiligte er die Wiener sichtlich. In der 10. Minute erzielt Schall im Nachschuß, nachdenr sein erster Ball an der Stange abgeprallt war und Stoiber den Tormann angeschossen hatte, den ersten Treffer. Admira bleibt trotz des Ausscheiden Wostraks weiter im Angriff. In der 40. Minute wird Klima niedergetreten, dann wird der zurückgekehrte Wostrak im Strafraum der Sparta von K o l e n a t y niedergestoßen. Den diktierten Elfer verwandelt Sieg! zum zweiten Treffer. Nach der Pause spielt Admira in Umstellung. Runge bekleidet Wostraks Posten. In der dritten Minute köpft S i l n y für Sparta ein. Zwei Minuten s p ä 1e r placiert Schall einen von dem humpelnden Klima zugespielten Ball ins Tor. Bald darauf jagt Runge aus 88 Meter Entfernung einen Strafstoß in das Sparta-Netz. Es steht 4:1. In der 16. Minute verwandelt Stoiber einen Ball, der an Hochmann vorbei ins Netz springt. 5:1. Admira hat das Resultat der Vorwoche gegen Sparta eingestellt und hat Aussichten, am Cup weiter teilzunehmen. Siegl bricht durch, wird im Strafraum gefoult, der Schiedsrichter gibt nichts. Schall wird vom Platze getragen. Nach einem Corner köpft Pate! ein. Es steht 6:2. Nach einer abermaligen Ecke wird Franzl ohne Ball gerempelt und Silnh kann ungehindert den Ball mit dem Kopf im Tore Admiras mlterbringen. 6:3. Fünf Minuten vor Schluß wird Kolenaty wegen Ärrtisierens ausgeschlossen. An dem Stand wird nichts mehr geändert. Die Mannschaften spielten in folgender Aufftellung: A-dMira: Franzl; Bozi, Janda; Wostrak, Kvch, Schott: Siegl, Klima, Stoiber, Schall, Runge.