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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-22 · Heft 3045 (22.8.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3045 (22.8.1927)
Date
1927-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Prel» «O g | Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 31-0-86 Serie. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 (,W) Preise: Men und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Wiener Morgenleitung BESUCHET m RIciibf Rathanshelbp Rflhlster Aifenttoltsort. Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgastl KaiarhBi. Ileai.-Hcin! t. 45 g aatw. Volkstümliche Preise I Mittags - Menüs ä S 1’50 Direktion: OTTO KASERER Rr. 3045 Wien, Montag, 22. August 1927 9. Fahrgang Ae jüdische Rechtsschutzkonferenz. Lee Rat zum Schutze der Rechte der indischen Minderheiten. - Sokaiow PMdent, Khaies und Grünbaum MzeprSfidenten. Zürich, 21. August. (Schlv. Dep.-Ag.) Die Kouleeeuz zum Schutze der jüdischen Minderheiten, an der über 60 Delegierte aus 13 Landern Europas, Amerikas und Afrikas teilnehrnen, hat ihre Beratungen beendigt. In den angenommenen Resolutionen wendet . sich die Konferenz gegen die politische und wirtschaftliche Unterdrückung der jüdischen Minderheiten in Osteuropa und fordert für sie das Recht des freien nationalen Sichauslebens sowie die Autorität in den inneren jüdischen Angelegenheiten, insbesondere im Schulwesen. Sie erklärt es als Pflicht des Völkerbundes, darüber zrr wachen, daß die von ihm garantierten Verträge zugunsten der Minderheiten auch wirklich erfüllt werden; ferner protestiert die Konferenz gegen die Verfolgung der Juden in Sowjetrußland sowie gegen die a n t i s e m i t i s ch e n E x z e s s e i n R uz m än i en. Um den Kampf für die Verteidigung der Rechte der jüdischen Minderheiten erfolgreich zu gestalten, ruft die Konferenz eine ständige Organisation ins Leben, nämlich den Rat für die Rechte der jüdischen Minderheiten. Sitz der neuen Organisation ist Genf. Als erster Präsident des Konzil wurde , N. Soko - low,. Präsident der Zionistischen Weltexekutive, gewählt. Zu Vizepräsidenten wurden unter anderem gewählt: Oberräbbiner Dr. Chajes aus Wien und der Sejmdeputierte Grünbaum. Sie Aktion beim Bölkerbund und die zusammenarbeit mit »en Minderheitsnationen. Zürich, 20. August. (I. T. A.) Der zweite Tag der Konferenz begann mit einem Referat Dr. Zewi A b e r - s o n s, des Genfer Vertreters des Komitees der jüdischen Delegationen, über das Selbstbestimmungsrecht der Minderheitsnationen. Während das Palästina-Mandat die jüdische Staatsideo verwirklicht, ist es in den Ländern der Diaspora notwendig, die jüdischen Minderheiten zu schützen und auf die Verwirklichung der internationalen Verträge hinzuarveiterr. Diese Verträge verwirklichen nur die Mindestforderungen der nationalen Minderheiten, es wird notwendig sein, eine Erweiterung dieser Rechte änzustreben. Gegenwärtig aber muß die Aktion auf der Basis der geltenden Rechte geführt werden. Dr. Margulies (Tschechoslowakei) referierte über die Zusammenarbeit mit den anderen Minderheitsnationen und den internationalen pazifistischen Organisationen und hob die besondere nationale Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit hervor, die sich darin auSdrückt, daß diese Kreise das jüdische ' Volk anerkennen. Er referierte auch über die Rolle der Juden auf den Minderheitskongressen. Zu Beginn der allgemeinen Aussprache polemisierte T s ch e r n i ch o w (Willnr) gegen Professor Drrbnow, der die Judenpolitik Her Sowjetregierung angriff. Die sozialen Maßnahmen der Solvjetregiernng zur Hebung der wirtschaftlichen Position der jüdischen Massen bedeute den Beginn einer neuen Epoche der sozialen Emanzipation der Judenheit in Rußland. Der polnische Sejmdeputierte D r. Reich führte aus, der Zweck der Konferenz ist nicht der Kampf gegen irgendeinen Staat, sondern die Verteidigung der jüdischer: Recht e, wo sie verletzt werden. — Der Delegierte der palästinensischen Völkerbundliga, M. M. Nssischkin protestierte in scharfer Form gegen die Art, wie Tschernikow die Lage in Sowjetruhland dargestellt hat und schilderte das tragische Schicksal der drei Millionen russischer Inden, denen jede Entwicklung in jüdischem Sinne verlvvhrt ist. Nssischkin, der hebräisch sprach, erntete sehr starken Applaus. Als letzter Redner führte der Deputierte des polnischen Sejm, G r ü n bau m, aus, daß der <Sinn dieser Konferenz nicht die Austragung inuerjüdischer Streitigkeiten sei, sondern die Schaffung eines zentralen, auf demokratischer Grundlage und mit Beteiligung der Juden Amerikas zu begründenden Organisationsfonds, der den Juden in den Ländern mit Minderheiten, b esonders inOsteuropa, einen Rückhalt bieten soll. In später Abendstunde wurde die Generaldebatte fortgesetzt. Der Sprecher des jüdischen Nationalrates in Palästina, Dr. M o s s i n s o h n, wies auf die hohe Bedeutung hin, die das jüdische Palästina heute schon für die jüdischen Minderheiten in der Diaspora besitze. Als kirltnrettes Zentrum unterstützt Palästina die Forderung aller jüdischen Minderheiten nach eigenem kulturellem Ansreben. Mossinsohn forderte das neu zu schaffende Zentralorgan auf, sich energisch für die ihrer Ueberze-ugung wegen in Sowjetrußland verfolgten Zionisten eirizusetzen. Ser dritte Log. Zürich, 20. August. (I. T. A.) An der heutigen Vormittagssitzung protestierte W v l f s o n-Newyork gegen die .^.Exzesse, die sich in den letzten Tagen wieder in Rumänien ereignet haben, und fordert, daß die rumänische Regierung ihr Versprechen, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, erfülle. Richter H art man u, der Vizepräsident, des amerikanischen jüdischen Kongresses, berichtet, daß der Kongreß beim Strnatssekvetiir der Bereinigten Stalaten Schritte unternonnnion habe, daiß dieser bei der rumänischen Regierung energische Vorstellungen erhebe. Ein Schreiben des am Erscheinen verhinderten ersten Präsidenten des amerikanischen jüdischen Kongresses, In i n: Mack, worin dieser die Konferenz begrüßt und die Schaffung eines starkeil einheitlichen Zmtrnlorgans ebenfalls als Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf fordert, wurde mit großem Beifall entgegengenvmnien. Unter den übrigen Begrüßungsschreibeir fanden besonders die der eingeladenen Vertreter der Juden in Rumänien und Italien, die an der Konferenz nicht teilnehmen können, aber ihr Zusammentreten lebhaft begrüßten, große Beachtung. Ser Genfer Rationalttöienkongreß. Genf, 21. August. Dem Kongreß der europäischen Nationalitäten sind gestern und heute Sitznngen der verschiedenen Ausschüsse und des Gremiums vorangegangen. Der Kongreß wird heute im Konferenzsaal der „Amis de l'Jnstruetion" durch Eröffnungsreden des Präsidenten und der Ausschußmitglieder, dmrch Deklaration der neu aufgenommenen Gruppen, Bildung des Präsidiums und der Kominissivllen eröffnet werden. Am Nachmittag finden Kommissionssitzungen statt. Der zweite Sitzungstag (23. August)) ist denk Hauptreserat der Konferenz „Gefährdung des europäischen Friedens durch nationale Unduldsamkeit" und zwei in der Pgchmittagssitzung folgenden Ergänzungsreferaten über die „Innen- und zwischenstaatliche Zusammenarbeit der Nationalitäten" und über das „Sprachenproblem" sowie eingehender Aussprache über diese Kernprobleme der Mnderheitenbewegung gewidmet. Den letzten Konferenztag füllt die Bearbeitung folgender Probleme aus: Staatssouveränität und Minderheitenrecht, Fragen der Nationalitätenkunde (Bestimmung der Zugehörigkeit zur Nationalität), statistische und sonstige Erhebungen und Fragen der Organisation und Propaganda. Die Konferenz ivird in gewohnter Weife durch eine die. Arbeitsergebnisse zusammenfassende Schlußrede des Präsidenten beendet. . . Das Progamm kann nach den Mitteilungen des Sekretariats in der Sitzung des vorbereitenden Ausschusses, der auch die endgültige Verteilung der Referate bestimmt, uriwesentliche Verschreibungen erfahren. sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Keine Aendemng in der tfchecho- Koatttton. Prag, 22. August. „Veukov" schreibt: Von berufenster Stelle sind wir ermächtigt zu erklären, daß alle Meldungen von einer Aenderung der derzeitigen Regierungsmehrheit und sämtliche hierauf aufgebauteir Kombina ionen absolut unbegründet sind. „Lidove Listy" schreiben u. a.: Die Koalition der heutigen Regierungsparteien wird das ganze Programnr, aus welches sie sich als Regierungsmajorität geeinigt hat, durchführen, und bis zu dieser Zeit sind alle Kombinationen be t r e f f s e i n e r A e n d c r u n g d e r Z u s a in in e nsetzung der Regierung nicht aktuell. Sie russischen Emigranten in Ianrig. 3« einem Konzentrationslager interniert. Warschau, 22. August. (Tsch. Pr. B.) Die aus Polen ausgewieseuerr russischen Emigranten, welche in Polen monarchistische P r o p a g a n d a entfalteten, wurden von den Danziger Behörden in einem Konzentrationslager in Danzig interniert. ' Die Agenten der sowj etrussischen H andels Mission ln Danzig haben den Emigranten die Rückkehr nach.Sowjetrußland nach vorheriger Loy alitäts erklärung gegenüber der Sowjetregierung vorgeschlagen, was jedock die russischen Emigranten ab lehnten. ' Lovaffy gestorben. Budapest, 21. August. (U., T. K. B.) >Der ehenrcüige ' Minister und Oktobristenführer. Tr. Martin Lvvassy ist heute früh einem Herzschlag erlegen. — Lovassh War Unterrichtsminister in dem' von Michael Karachi gebiNeten Kabinett. Zur Zeit der 'Kommune ging er nach Wien Und leitete hier als Chefredakteur die ungarische Zeitung „Jövo". Er kehrte dann nach. Budapest zurück. Die gegen "ihn 'ÄNgeleitete Untersuchung wurde eingestellt. Schwindel mit gefälschten Postanweisungen. Ae Poftbenmtin. die »kiele Sffnet. - SM SAMm erschwindelt. Aus Salzburg wird berichtet: Der.Maurer Mathias Göschl vergaß, als er in Ranger dingen in Kärnten bei einem Bauern übernachtete, seine Personalöbkumente, darunter auch einen Heimat schein. Als er, in Salzburg angekommen, den Verlust bemerkte, bat er seinen früherer Quartiergeber um Nachsendung seiner Papiere. Dex Brief wurde abgesendet, gelangte jedoch nicht an Göschl, da die Salzburger Postexpedientm Marie Katschthal e r, die Frau eines Kutschers, den Brief öffnete Md sich den darin befindlichen Heimatschein und die anderen Dokumente aneignete. Mt dem HeimatschÄn beschloß sie zusarnmen mit ihrem Freunde, dem Bauzeichner Wilhelm H a r >t l, einen Postanweifungsbetrug zu verüben. Die beiden fälschten sieben Postanweisungen auf zusammen 8000 Schilling, stellten sie aus den Namen ,Holzhändler. Mathias Göschl, poste restante" aus und versahen sie mit einem.gefällchten Aufgabestempe'l des Postamtes Loser. Diese Anweisungen schmuggelte die Katschthaler in den Einlauf der Post Reichen hall und Berchtesgaden. Dort erschien kurz daraus ein Mann, der sich mit dem Heimatschein des Mathias Göschl legitimierte und das Geld beheben wollte. Man verlangte jedoch von ihm einen Reisepaß als AuAveispaPier, und so k >m .rr nach einigen Tagen, am 12. August, wieder und wies einen von der Bezirkshaupt,Mannschaft St. Johann im Pongau ausgestellten Reisepaß vor. Damit kassierte er dje 6000 Schilling ein. Auf einer der fingierten PostaMei'sungen war der Absendername von den Fälschern unleserlich ausgefüllt worden und daher erkundigte sich das Postamt Reichenhall beim Postamt Loser nach diesem Absender. Loser meldete, daß weder die'eine noch -die anderen sechs Postanwoisungen emgezahtt worden waren. Die Salzburger Polizei und Gendarinerie forschten nun den wirklichen Mathias Göschl aus und auf Grund seiner Aussagen kam man aus die Spur des ganzen Schwindels. Die P)stbeamtin, ihr Mann und ihr Freund wurden verhaftet 729664

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