Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3040 (17.8.1927)
- Date
- 1927-08-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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UZicn, MittwoK Wiener Morgenzeltung 17. Äugust 1927 Nr. svsv Sette 3 kiae neue i«ternatio»ale Wollkonserenz. Dre Vertreter der europäischen. Wv l l i n d n st r i e norden noch in diesem Jahre erneut zu einer Konferenz . . ' sarm neu treten, nur über die Ausgestaltung des niierimtwnalen Wollschiedsgerichtsmrsal>rens uno andere gerneinsame Fragen zu verhandeln. Voraussichtlich wird sich bei dieser chelegerrlreit die T s cd e cn o s l o \v akei b:m Wollschiedsgericht anschließe:!, nacki'rm auf der letzten Tagung Ende vorigen Jahres Jta'ien seinen Beitritt zu dem Abkommen erklm" hat. z : : I Eine 8»solve«r an der New Dotier Börse. Wie. aus N e w y o r k gemeldet wird, wurde die Bankfrrma A. L. Füller u. Go. vom ddewyorkör Börsenvorstand ihrer Rechte als Mitglied der Ncwyorker Fondsbörse für verlustig erklärt, da die Firma nicht imstande ist, ihrer Verpflichtungen nachzukommen. Unmittelbar nachdem, als die Zahlungseinstellung arr der Börse bekannt wurde und die Bankfirrna von der Börse ausgeschlossen wurde, haben die Gläubiger bei dem Bundesgericht den Antrag auf Banker otterklär ungundE in setzungpines Zwangs Verwalters gestellt. In dem Antrag beschuldigt man die Firma, noch Zahlungen geleistet zu haben, Während sie bereits zahlungsunfähig gewesen sei. Sie jugoslawische Handelsbilanz. Aus Belgrad wird berichtet: Laut den Angaben -er Generalzolldirektion betrug die Einfuhr im Monat Mai dieses Jahres 117.487 Tonnen im Werte von 677,689.140 Dinar. Die Ausfuhr im Mai dieses Jahres betrug 619,308.168 Dinar, so daß die Handelsbilanz für den Monat Mai mit einem Passivourn von 68,280.982 Dinar geschlossen hat. Hiemit ist die Passivität der Handelsbilanz, die für die ersten vier Monate dieses Jahres 246,732.479 Dinar betrug, weiter auf 306,013.461 Dinar gestiegen. Der Wert der Ausfuhr in den ersten fünf Monaten betrug 2.634,774.117 Dinar, der der Einsicht in der gleichen Zeit 2.839,737.878 Dinar. Die Steigerung der Passivität der Handelsbilanz entsteht dadurch, daß die Ausfuhr stark im Abflauen begriffen ist, während die Einfuhr verhältnismäßig nur gering zurückgeht. Der Getreidesoll. Nach einer Verordnung' des Finanzministe riums betragt der Zoll für Weizen, Halbfrucht und Spelz für die Zeit vom 16. bis,31. August 0.25 Goldkronen für 100 Kilogramm. Dieser Zoll gilt auch für Roggen, Gerste und Hafer und hat bei Berechnung des Zolles für Malz, Mehl, Brot, Tergivaren und Wetzenstärke Anwendung zu finden. Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Wien. Heute und morgen, 6 llhr abends, Sektions- und Plenarversammlung in der Kaufmannshalle des Wiener Bürger- Cafe, 2. Bezirk, Praterstratze 11, verbunden mit einem Referate des Herrn Benno Deutsch über „Fürsorge-Reform". Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Kluge r u. C o., 1. Vez., Tiefer Graben 23; Möbselfäbrik Sternlieb jun., 10. Bez., Favoriteustraße 165; Johann Bilkovskp. 6. Bez.,' Liniengasse 5; Anton Buberl, mechanische Werkstätte, 13. Bez., Meiselstratze 60; Siegfried Gronner, Ledergalanteriewarenhändler, 6. Bez., Wallgasse 25; Gregor Mascha, Lebensmittelhändler, 17. Bez., JörOrstratze 58; Berta Grünwald, 9. Bez., Rotenlöwengasse 7; Th«sr»:se Karniol, Schuhwarenhandet, 12. Bez., Merdlinger Hauptstraße 11; Ernestine Löbl, 12. Bez., Meidlinger Hauptstraße 55; Thomas Kalig, Zuckevwarenerzeuaer, 9. Bdz., Gussenbauergasse 4; Sophie Sperber, HandelSsrau, 5. Bez., Schloßgasse 26/13; Josef Hawrda, Maschinenfabrik, 6. Bez., Morihgasfe 3. (27. Fortsetzung) Copyright by Di. Max Vr>tt, B. LOwit Verlag. Wien. AMERIKA. Ein Kornau voo Säralom Asdi. Jossele fühlte die warme Herzlichkeit in ihren Augen, Lnd obwohl er hier so fremd war, heimelten ihn die paar jüdischen Worte, die sie gesprochen hatte, und ihr Blick so an, daß er sich schon etwas weniger verlassen und verhören fühlte. Dennoch saß er die ganze Zeit über wie ein verirrtes Kind da, und auch als Berel nachher kam und chn auf die Straße zog, um ihm zu zeigen, wie die Jungen spielten, da wollte er nicht mittun, weinte sogar und bat ihn flehentlich, er solle ihn nach Hause bringen. Zu Hause angekonunen, setzte sich Jossele in eine Ecke. Er aß nichts, er weinte nicht, er sprach auch nichts. Versonnen und ganz in sich versunken saß er da. Die Sonne schien so hell, von der Straße drang das Schreien und das Jauchzen der Kinder herein.- Wieder hört cman den Leierkasten. Die Mutter nahm den Jungen bei der Hand, sie wollte chn zu de» anderen Kindern führen. Jossele aber lief ins Zimmer, setzte sich wieder in die Ecke und schwieg immerzu. Als dann abends der Vater nach Hause kam, und das Abendbrot vorbei war, holte er wortlos den Talmudfolianten aus dem Schrank, schlug eine Stelle auf und begann laut mit dem Vater darin zu lesen. Plötzlich aber, inmitten seiner hellklingenden Nezitatton, fing er an bitterlich zu schluckten, -md Hannah Lea folgte Hm in der nächstem Sekunde, , m der der Vater sich von seinem Platze erhob, mit großen. Schritten die Stube durchmaß und dabei an seinem Bart zupfte. Keines von ihnen fragte das andere nach der Ursache des plötzlichen Schmerzausbruches. Alle >rei wußten es ganz genau: Vater, Mutter und Kind sehnten sich nach dem alten „Hei Ein Sommertag in Newy ork. Es war ein sehr warmer Tag. Bei uns würde man sagen: wie ein heißer Julitag, aber in Newyork war das erst einer von den Apriltagen. Ein warmer feuchter Wind blies vonder^See her, usnd es legte sich wie ein Nebel über |)ic Versteigerungen. Zwangsweise versteigert werden am 18. August, nachm. 2 Uhr, 5. Bez., Nikolsdorfergasse 23, und «in 3 Uhr nachm., 5. Bez.» Arbeitergasse 48, Bureauelnrtchtung, ein Autogestell, vier Räder samt Pneumatiks und Motor» Nummer nicht feststellbar» Blockzylinder. — In der Jakobergasse 1 am 13. August, nachm. 3 vis 7 Uhrr Wohmmgs-, Bureaueinrichtung. Kaue» GramMovhon kamt Zubehör, Bilder, Hobelbänke» Möbel, Pfosten ufm.; Wohnungseinrichtung, Klavier, Radioapparat, Bilder, Tisch, Stlv'ergerätc. diverse EMten; Schuhe; Bureautzinrichtung, Schreib- und Spinnmaschinen, Drehbank, Motor usw. Färbereien» und Druckerei,entrüst A. G. in Chur. In der gestern in Ehur (Schweiz) stattgefundenen Generalversanrmluna der Färbereien- und Druck,speientrust A. G. wurde beschlossen» für das Jahr 1926/1927 eine Dividende von 4 schweiz. Franken (wie im Vorjahr) auszuzahlen. Japans Interesse für Bialyftoker Textilwaren. Der Geschaf^'.ärer »der japanischen Gesandtschaft in Warschau ist in B i a : y sk o k eingetroffen, um sich mit den Verhältnissen der Bialystoker DextrÜndustrie vertraut zu machen und eventuell mit -den dortigen Industriellen in -Verhandlungen betreffend -die Lie fe rung Bi alystoker Textil waren für Japan zu treten. Gesteigerte Kohlenverladungen in Polnisch-Oberschlesien. Die Kohlenverladungen im polmsch-oberschleifischen Kohlenrevier haben in letzter Zeit stark zugenommen. In der ersten August- «dekade wurden im Durchschnitt 6000 Waggons täglich verladen, gegen höchstens 4600 Waggons in früheren Monaten. Im Zusammenhang damit haben sich auch die Transporte nach der Tschechoslowakei, Oesterreich und Italien vermehrt. Zunehmende Arbeitslosigkeit in Englmtt». Nack» eiltet Mitteilung des englischen Arbe:tsmin-iste-riums ist die Zahl -der Arbeitslosen in Großbritannien in der letzten Berichtswoche um nahezu 100.000 Personen gestiegen. Diese Vermehrung ist auf eine w<entliche Verschlechterung -in verschiedenen Industriezweigen, zum Teil auch der Kohleuind ustrie, zurück« zuführen. Erleichterung der Ausfuhr von Pyrrl aus Rumänien. Aus Bukarest wird berichtete Laut einer Verordnung der rumänischen Regierung wurde die Ausfuhr von Phrit aus Rumämen wesentlich erleichtert. Bisher war diese nur dann gestattet, wenn der Goldgehalt des PhritS geringer war als 2 Gramhn pro Tonne, der Silvergehalt pro Tonne geringer war als 2.6 Gramm und der Kupfergehalt geringer war als 0.2 Prozent. In Hinkunst wird die Ausfuhr ohne Rücksicht auf den Silber- und Kupfergehalt gestattet, während die zulässige Geldmenge auf 10 Gramm pro Tonne erhöht wird. ■ ii»; Wiener Börse. Fest und freundlich. Die Börse, die gestern nach dreitägiger Unterbrechung den Verkehr wieder aufnahm, setzle in freundlicher Stimmung ein, von der MaschinenfaÜriksaktien und tschechisch: Werte prositieve!^ Auch im Schranken ergaben sich namhafte Besserungen:. Die Siemens-Mtien, die, wie gemeldet, in Berlin eirrgeführt Nmirderr, befestigten sich um —.56, A. E. G. um —.30 Schilling. Später verminderten sich die Umsätze in der Kulisse, nachdem die Mattigkeit von den ungarischen Werten auf den Verkehr Übergriff. Die Kulisse blieb ruhig und auch die Ungarn konnten sich teilweise erholen. . Von den Schrankenwerten gewannen Carborundum 2.20, Neusiedler 6, Gösser Brau 4, Wagtzonlieihgefellschaft 2.70, Wienerberger Ziegel 2, .Dynamit 15, Perlnroostr 10 und Liefivger 1.25 Schilling. Niedriger blieben wenige Papiere. Fröhlich verloren 18, Tarbouches 2.50, Galicia sind um 7.50, Srag um 24, Stickstoff um 2, Brüxer Kohlen um 3.50, Reininghaus um 4.50, Nestomitzcr Zucker um 30, Schraubemfabrik Um 3.50 und Steyrermühl um 2.50 höher (gegangen. Apollo gaben 2 Schilling ab. Auf dem Anlage markt Notierten Rudolfsbahn-Schuld 2.55 und -Prioritäten 10.25, Wiener Verkchrsanlelhe 2.10. Die Rentenkurse befestigten sich ein wenig, doch blieb das Geschäft in Renten, leblos. . Ex-Cvupon werden, gehandelt: Wiener Ziegelwerke (kein Erträgnis), Graz-Küflacher pce 1925 und 1926 (kein Erträgnis), Pilsner Brauerei 120 tsch. Kronen, gleich 25.20 Sch. (für sqchzehn Monate), Phönix Lebensversicherung 2.60, Reichenberg-Gablonz-Tannwalder Eisenüahn-PrioritätS-Mien 8 tsch Kronen (1.70 Schilling), Stammaktien A und B, Rumpel A-G. für 1926 Und 1926 (kein Erträgnis), Coupon per 1. August 1927 Hr vierprozentigen StaatSeisenbahnPrioritäten-Obligationen vom Jahre 1900 ab heute ex (Einlösung mit 10 franz. Francs abzüglich Jukasfaspesen —.10 franz. Francs, Abschlag 2.75 Schilling). Kas.sakurse: Kompaß 1, Bodenkredit 126.50, Kreditanstalt 121.50, Anglo-AustriannBaick 6.10, Escvnrpte 25, Nationalbanl 231, Donau-Dampfschiff 124, N-ordbahn '1122, Nordbahn Genuß 615, Perlmooser 614, Gösser 200, Lemberger Brau 109.50, Spodium 38, Brown 19.60, Elin 38.90, Gasindustrie 58.60, Siemens 26.95, Steweag 30.90, Jnwald 67, Trifailer 69.25, Berg und Hütten 68.50, Sieir. Magnesit 68.50, Ungarn Kohle 930, Alpirre 43.90, Prager Eisenindustrie 282, Skmmg, ringer 15, Denes 23, Hofherr-Schrantz 11.90, Kabel Draht 26.25, Krupp 24,90, Lampen Ditmar 120, Steyr 29.75, WagneEiro 7.30, Lcykam 12.60, Galizische Karpathen 32.50, Tarboucho' 108.50, Etti 9.50, Semperit 17.85. Wiener Warenbörse. Die gestribs Börse cvöfsneie bei vuihigem Verkehr lustlos. Von Chemikalien bestand Interesse für Harze, -die zn erhöhten Preisen gekauft wurden. Inländisches Harz, Marke F, notierte S. 82 (-p 2), Marke WW S. 93 (4- 1). Die Preise aller -ubvigen Sorten verblieben auf dem Stande der Vorbörse. Während -der Kolonialwaren« markt bei unveränderten Preisen still lag, war die Tendenz bei Schweinefetten keine einheitliche. Die stärkste Einbuße erlitt nordamerikanisches Schweinefett, pure lard. Tierces, das zu Dollar 31.76 (— Dollar 2.12H) ausgeboten war; Wiener Schweinefett notierte S. 274 (— 2), hingegen wurde Buda-pester Stadtsett mit S. 262 (+ u) bezahlt. Von Oberledersorten notierten: Boxcalf, schwarz, inl., Prima, S. 2.40—2.70, Sekunda S. 2.20-2-50; Boxcalf, farbig, Prima, S. 2.90-^3.10, Sekunda S. 2.70—2.90. Bon Rohfellen wurden, der Jahreszeit entsprechend, herabgesetzt: Sommer- Ziegenfelle auf S. 6 (— 1), ferner ermäßigten sich Sommer- Rehfelle auf S. 6 (— 1) und WintLr-Mehfelle auf S. 3 (— 0.50). Textilwaren blieben unverändert. Wiener Viehmärtte. Rinderwiarkt. Auftri-eb: 2737 Mastrinder und 326' Stück Beinlpieh. ES notierten: Ochsen 1—1.90, Stterc 1.15—1.60, KÄhe 1.10-1.60, Beinldreh 0.70—1.05 das Kilo Lebendgewicht.. Ruhiger Verkehr. Alle Gattungen teurer. — Pf>e r bem'n t ct. Anftrteß: Gebrauchspferde 93, Schlächteripsserde 83, aus dem Schlachthaus 5 und aus der Kontumazabteilung 276. Es notierten: Kutschpferde 600—1200, leichte Zugpferde 300 —1200, schwere Zugpferde 600—1400 pro Stück. Schlächterpferde', Prima (Fohlen) 1—1.10, Sekunda 0.85—0.95, Bankvreh 0.60—0.80, Wurstivieh 0.35—0.(0 pro Kilo Lebendgewicht. Lebhaft. Wiener Börse ssir TanVEtschrftssiche 'Prüdukte. 'Die höheren Kurse auf der Budapeftser Ternrinbörse bewirkten auch eine festere Haltung des Wiener Marktes. Weizen und Körn lagen freundlicher, Hafer und Korn unverändert. Gehandelt wurde bulgarisches Korn zu 200 engl. Schilling ab Wien, Marchfelder um 37.60 ab Station,, ung. Korn war mehrfach gesucht, doch ist das Aufgebot gering, Ung. Merzen ohne nähere Provenienz wurde mit 1.94.Ke., pro September und 1.95 pro Oktober gehandelt. Kleie fand Ausnahme zu 23—23.50 S. Auch in Hafer ist das Anbot gering. Mais per September wurde I.IOVr Ke. ex Schlepp Wien gehandelt. Weiten, inl. 39—40.50, ung. Theiß 43.50—44, Roggen, Marchfeld 37.75—38.25, bürgen:. 37.25—37.75, Ungar. 38—38.25. Mais, tumätt 29 -29.50 vulgär. 28.75-29.00, ung. 30-30.50, Gerste 38 —42, ung. 37—41. Budapester Getrcideterminmarkt. Im Bu-dapester Dermin-, verkehr haben sich «die Preise neuerlich stark gebessert. Weizen per Oktober ZI.16, per März 38.66; Roggen per Oktober 27.70, per März 29.26. Newyorker Luft. Die Fenster der Mietshäuser flogen eines nach dem anderen auf, und alles, was den ganzen Winter sich in den Stuben gedrängt und' gedrückt hatte, strömte aus die Straße hinaus. Me Ballone und Fenstersimse füllten sich mit hundett Mngen. Bettzeug und Winterkleider, Matratzen und Federkissen streckten sich breit; aus jedem Fenstcrloch hervor. Me Treppen vor den Türen vertoaNdelten sich in Vorrämne der Stuben, die Stuben) selbst schienen aus den Häusern auf die Straße hinaus zu spazieren^!Mit Kind und Kegel, mit nassen Windeln und schmutzigen Handtüchern gings hinaus vor die Häuser, Frauen ohne Blusen saßen auf den Treppen und reichten Säuglingen die Brust, ohne sich vor den Passanten zu genieren, als ob es gar keinen Grund gäbe, es anders zu halten, da die anderen es ebenso taten. Bald w-ar die Straße voll von Federn und die ^uft geschwängert von einer beklemmenden lMischung von allerhand Düften. Hoch über den Köpfen aber spannte sich der Eisenweg der Stadtbahn, und jede zlveile Minute hörte man das Gedröhne eines durchlaufenden Zuges, der für AugeEcke die Luft verpestete und ein weithin reichendes Zütern und Schwingen hinterließ. PlötzNch hörte man e,ine echjte, rechte Kindermusik. Kleine Trommeln rasselten, Trompeten schmettertet, und Pfeifen trillerten die iMelodie eines amerikanischen Liedes. Hinter den Musikanten erschien eine Gruppe vonj Kindern in bunter Maskerade, die in strammem Schritt vorbeimarschrerte. Das ganze war ein,Mai-Ausflug^^. Me öffentliche Schule, in der Jossele war, führte ihre Zöglinge nach dem Zentralyark. Voran schritt Miß Isabel, die Lchrerin, die vvn Anfang an so gut zu Jossele gewesen war, und führte diesen an der Hand. Jossele war gar nicht zu erkennen. Er sollte der Fackelträger vor d^m ,Mniglichen Paa^ fein, das hinter ihm unter einem blaum, sternenbesötzten Baldachin einherschritt. Er hatte ein weißes Hemdchen an und auf dem Kopfe faß ihm eine Papiermütze mit Troddeln daran. In der Hand Gelt er einen. Fackelstumpf. Aber, Jossele schlich mehr, als er ging, und es war ihm sehr schwer zumute in diesem.bunten Kostüm. Er wußte nicht, wozu man ihn in diesem törichten Zuge mitWePPte. Die Kin-; der, dhe «lft^NatWWr avgMrkn, eines Märchens gruppiert. Dem königlichen Paare folgte der FeldMarschall. Das war der italienischck Junge, der nun schon enMcht verstand, eine rote Mütze aufhatte und an der Leine seinen geki^bttzn Hund mitführte, der auch vom Kopf bis zum Schwanz mit verschiedenem bunten , Papierschmück geziert war. Hinter ihm kamen Pagen, Generale, Soldaten und Sklaven. Die Kinder waren in fröhlichster Laune. Die Jungen stampften auf wie Soldaten, die Mädchen streuten Blumen über die Trottoire und von Zeit zu Zeit machten sie Verbeugungen und Knixe vor dem königlichen Paar und den Herrschaften. Viele Mütter gingen dem Zuge nach, manche - führten in Wagen die jüngeren Brstderchien mck Schwesterchen, die auch bei der großen ,Mai-Parade" mit dabei sein wollten, wieder andere trugen in Körbchein den jungen Ausflüglern das. Essen nach. Unter allen aber herrschte eine ftohe, eine rechte Kinderstlmmung, und daS machte vor allem die liebe Sonne, die ihre goldigen Strahlen zwischen den eisernen Schienen hindurch über alle Köpfe tanzen ließ. Nur Jossele, Jossele allein Hörte, weder etwas vom Flötenspiel, noch na'hnr er teil am Luchen der Kinder, das wie frisches Qüellwasser um ihn herum sprudelte, selbst das warme Sonnenlicht konnte sein Gemüt nicht aufhellen. Wie ein alter Mann, der; wer weiß wie viele Schmerzen im Leben zu ertragen gehabt hat, so ging er inmitten der lustigen Kinderschar. Mit bemaltem Gesicht und der Papiermütze — was macht er sich zum Narren am Hellen Tage? Der „Zweck", das war das Wörtchen, das im Köpfchen dieses kleinen Mannes am meisten austauchte, fragend, und fordernd. Dort drüben — da sitzen jetzt seine chemaligen Kameraden beim jMschen Lehrer und sind ihm schon ltve.it, weit im Talmudstudinm voraus, indes er wie versunken in die Nichtigkeiten der Welt ist. Was kann da das Ende sein? Der Vater ist den ganzen Tag nicht zu Hause, atbeitet, abends ist er zu müde, nkuß schlafen, und die Brüder, die sind längst keine Juden mehr. Wieviele Male er allein dem Berfücher hatte toiderstehen MsfeN! Zuerst beginnt es mit dem Beben. Ganze Stücke läßt er jetzt manchmal aus. Heute saß er den ganzen« Tag 'ohne HNt auf den: Kopfe und' ohne auch nur ein hebräisches Wo' geftheN'Mchaben. Er vergißt, vergißt alles,. (Fortsetzung solM «