Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3037 (13.8.1927)
- Date
- 1927-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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’ H j Preis «Bb ] Redaktion, Administration Wien, fl.# Taborstr. 1 Telephon 44-0-38 43-3-19 Telephon ab 3 Uhr abends 31-0-86 Serie, ab 1/a9 Uhr abends 31-5-83. Druckerei: VH., Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) Preise Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen fftr das Ausland im Innern des Blattes. «r. 3037 Wiener ■•4», Wien. Samstag. 13. Augaft 1927 -m/mr .mmpjrjtmmmmmm’ßtt * BESUCHST om j Rim» Rathsnsheller Röhlster Äofenthaltsort* Die Gemütliöhkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wie* der Stammgast! Volkstümliche Preisei Mittags - Menüs LSI*50 Direktion: OTTO KASERER 0. Jahrgang Verschiebung des Szeanfluges Sturm auf dem Meere. D efsau, 12. August. 'Heute nachmittags fint» außer« ordeuttkch «»günstige Nachrichten Über dße Wetterlage auf dem Atlantic ein getroffen, uw du Sturm von 50 -iS 00 Stundenkilometern 'herrscht. Unter diesen Umstünden Ist der Start -»nächst -is morgen auSgesetzt wordm. Die beiden Ozean'maschinen sind tm Laufe der ersten Nachmittagsstunden'von ihren Probeflügen wieder zurückgekehrt. Die Piloten haben erklärt, daß die beiden Apparate einschließlich der Radioanlagen ausgezeichnet funktionieren!. Die drei Junkers-Maschinen, die an den Mpen-Wettvewerben teilnehmen werden, sind heute vormittags gestartet. Bor de« Start in Sessa«. Dessau, 12. August. Der Sonderberichterstatter. des Wolfffchen Bureaus meldet: Die FlüOeüge sind von Samstag' vormittags an startbereit. Mes ist nochmals uberprüft, alles ist in bester Ordnung Leftmden worden. Die Motoren, der neue Kompaß, die neue Radio-EmpfanrBanlage avbettm ausgezeichnet. Die Piloten find mit der Generalprobe zufrieden. Sie haben das Vertrauen, daß ihre Maschinen sie sicher über den Ozean tragen werden,, doch sieht der Termin noch nicht fest. Im . letzten Augenblick zeigt sich dev'Wettergott wieder ungnädig. Es ist sinnlos, Lestn Orkan zu fliegen. Die Tragödie von NunWsser rrndCöN schreckt und die Leitung der Junkers-Werke steht auf dem Stand-. puNkt, daß Pilot rmd Maschine zu wertvoll sind, um leicht- — Ae Zunlersflugzeuge. sinnig einer sicheren Gefahr preisgegeben zu werden. Merdings stehen die Dinge nicht so, wie behauptet wird, daß auf keinen Fall Samstag abends gestartet wird. Die Piloten erwägen die morgigen Wettermeldungen «nd werden darnach ihre Entscheidung treffen. Gerade in diesen Tagen wechseln fcfe inetedrologrfchen Verhältnisse auf dem Atlantik sehr schnell. Wären die Meger eher gestartet, so hätten sie vorgestern den seltenen Fall gehabt, einen großen Teil des Fluges mit Rückenwind zurücklegen zu können. Wenn sich der Rückschlag so schnell vollzieht, können ebenso in den 12 oder 13 Stunden günstigere Nachrichten in der Hamburger Seewarte eingehen. Jedenfalls ist in Dessau alles fertig. Das' Weitere sicht beim Wetter. Wird es besser, wird gestartet. . Konstanz, 12. August. (Wolfs.)' Von den drei Junkers-Maschinen, dre heute mittag, von Dessau nach Zürich abgsflogen sind, um in der Schweiz an dem internationalen Flugmeeting teilzunehmen, mußte eine Maschine in der Nähe von Ueberlingen am Bodensee kurz nach 3 Uhr nachmittags notlanden. Das Flugzeug wurde derart beschädigt, daß es seine Fahrt nicht fortsetzen konnte und abmontiert werden mußte. Pilot und Mechaniker kamen mit ltzichtm Hautabschürfungen davon. .Skyvst wurde "niemand verletzt , KoettWke. Berlin, 18. AUgust. (>Tel.-Konrp.),Der Start besOzsau» fKsgers Kö nne cke «st vorläufig für nwvgen nachmittags 3 Uhr festgesetzt, wo er vom Te mP e lhoifer Flugseld nach Köln Mögen will. Ausdehnung der Lohnkämpfe. Budap c st, ,12. August. '(Tel.-Komp.) Die Streikbewegung in der Metallindustrie hat heute an Ausdehnung gewonnen« 2500 Arbeiter der Ganzschen Waggonfabrik in.Steinbruch haben die Arbett niedergelegt, nachdem die Direttion ihnen, statt der geforderten Lohnerhöhung, den Vorschlag übermittebr ließ, die Arbeitszett von 8 auf 10 Stunden auszudehnen und auf dieser Basis über eine Lohnregulievung zu verhandeln. Die Arbeiter lehnten diesen Vorschlag ab, proklamierten jedoch nicht formell den Streik, sondern erschienen heute morgens i n i h r e n S o n n t a g s g e w ä n d e r n in' der Fabrtt> ohne die Arbett auszunehmen. Anscheinend wollen sie mit dieser Taktik die FabrKsdrrektion zu einer Aussperrung zwingen. Auch die Arbeiter der WaffenfavrikS-A.-G. sind in den Streik getreten, nachdem die Direktion ihre Forderung einer 26prozenttgen generellen Lohnerhöhung abgelohrtt hatte.. Die Direktton antwortete mtt der soforügen Aussperrung der 600 Arbeiter der Fährst. Durch diese neue Verschärfung des Lvhwkampfes in der «ngarifchen Metalltndttstrie erhöhte sich dir Zahl der Streikenden um rund 3000 auf 15.500. In den Mittagsstunden haben andererseits etwa 900' Arbeiter von sechs kleineren Essenkonstruttionsbetrieben die Arbett, nach erfolgter Einigung mtt der Unternehmerschaft wieder ausgenommen. In diesen sechs Betrieben habm die Direkttonen den Arbeitern eine perzentu ekle Löhner Höhung bewilligt, deren Ausmaß nW bchmnt gegeben wurde. Die 3500 aüSgefperrten Arbeiter der Bereinigten Glühlampen- und Elektrizitäts-Ä.-G. haben ein Angebot der Direktion, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder au-fznnohmen, abgelehnt. Der A«Ssiand dauert hier feit drei Wochen. Auch die 7000 Metallarbeiter der Manfred Weiß-Werke in C'fepel setzen den Gtvest fort. Die VermittlungsMion wird fortgeführt, bietet aber wenig Aussicht auf Erfolg, weil der Landesverband der ungarischen Cisenindustriellen erst nach Moderaufnahme der Arbeit über die Lohnfragen verhandeürvnll, wahrend die Arbetterschaft darauf behartt, daß erst der Loynkonflikt geregelt und dann die Arbett wieder ausgenommen werde. Auch in der Provinz gewinnt die Gtrestbewegung an Boden. In Raab sind heute 600 Bauarbettev wegen abgelehnter Lohnforderungen in den AuSstand getreten. Schließlich streiken seit heute vormittags 86 Elektvomonteure, die bei dem Bau des städtischen Szechenyi-StvandbadeS beschäftigt sind. Dieses Bad, eine besonders großartige und modeme Strandbadanlage, sollte am 19. August, am Vorabend des St. Stephanstages,. feierlich eröffnet werden. Infolge des Streiks der Elektrotechniker wird die Eröffnung des Strandbades waWchetnKch. verschoben werden müssen, Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes E gekennzeichnet. Trotzlis Thermidor. —y, Wien,. 13. August. Auf der Moskauer Konferenz'des konnmmistischen Zen^ tralkonntees ist es (doch nicht ganz so zugegaugen, wie amtlich ins Uusland berichtet worden war. Ter angedrohte Aus-' schluß der Opposition, WruppeUm Trotzki und Srnowiew,. mußte unterbleiben Und lüste sich in eine .Verwarnung auf. Dagegen erklärten, die Gerügten, einige Fehler ihr-r Taktik einzusehen, im .Prinzip aber auf der Kritik, der Parteilertung zu bestehend Das. Zentralkomitee begab sich gerne auf die goldene Mücke, die aber nur kurzen Bestand hat. Am 1. Dezember wird der Parteikongreß zusammentreten Mttt) bis dahin ist die.Entscheidung vertagt. Die wisiierborftrgen Oppositionellen haben als ihr Resümee der Unseinandersetzüng festgestellt, baß sie Idie Diskussionsfreiheit in der Partei erreicht haben ^und sohin ihre illegalen Ayak-- tioneu einziehen können. Nach' iaußen war berichtet worden, daß, sich Trotzki und seine Getreuen unterworfen Hätten. iMe Sicherst aber in Wrklichkett so, daß rnan Wen entgegenkommen Mußte. k Wr die Opposition, die Wuppe der FAns^ehn — so! viele ^Mitglieder des Zentralkomitees zählt, sie —, HÄt,. Trotzki eine große Rede, in der er eine ätzende Kritik d^r AüMnde unternahm. „Das Dhermidorkapitel Hat begönnert." '-.Der Thermidorist >rn der Mschichhe der französische: Wchvlntwn' der' Sturz Mobespierres. ünd der Jakobiner,. die Ueberlettüng zum BonaPartisnAs und zUn: neuen Wrger- -regime. - Trotzki wirst dev 'Zentralleitung v!or, baß sie die ThernüdortendenAn nicht energisch genug.bekämpfe Das klmgt emrgwmaßen befremdend angesichts der so urcheiml-rchm Aktivttät der Tscheka.^ Mer-Trotzki meint nicht dies, sondern das - vbn^ der-Not erzwungene Paktieren der'Dik-- ttrtur Mtt dem BauernttiM, und er -berührt dltmjtt wiederdie Wunde Stelle ttn-der bolschewikischen MrtschcrstskonstrUV-' tion. Er selb-st erklärt, daß wegen 8er 'tochinischen - RM,- ständrtzkeit des Lcnides^ ein Aufbau des SozialAWIs unmöglich W' Und davckus ergibt sich für ihn wgisch ckuch die Unmöglichkett, die auf Krieg und Weltrevolutton gtz- Mtte Außenpolitik Rußlands fortz>ufühven. Darauf aui>- wartet die Mehrheit, daß die Opposition die MvstärkUng der Lmrdesverto8>igmrg unterwühle 'juind' daß sie fast so desch- WifH sei wie seinerzeit Elemenceau, der im Kriege die Entfernung der leitenden Organe forderte. >Das Zentralkomitee erklärt denn auch in seiner nach außen ^adressierten. Mesvl-ution, daß Rußland von Einkreisung bchrvht ist , und daß es trotz seiner -Friedensliebe gexüstet. bleiheu Müsse, ohne jedoch bWoi,' M hie/w!rtschastlich zweckmäßigen.Beziehungen zu den' kapitalistischen Staaten eine Älbsage zn richten. Läßt Man den Nachsatz weg, so hätte dieser. 89e* schluß genau den gleichen Inhalt wie die großer: Loherrgrin- Reden des Kaisers Wilhelm,, der solange Einkreisung schrie, As.er sie glücklich herbeigeftthrt hatte. Die russische Diktatur ist offensiv und aggressiv, sie muß es . sein. Sie ist äus der Revolution entstanden und tat ihre Herkunft nicht verleugnen. Sie Mß, Um sich zu erhalten, Wieltagrtation betrvibm, um pie- Anftnerksmnkeit von dtznr Unterschied^ Epischen Rußland und dem Westen abzUlenken. Sie muß auch nMitaristisch sein und sie hätte ohne ihre Dscheka und ohne den Weist dieses ^stitution kernen Beshwd' mehr. Mer da sie vorgibt, W nur der von ihr vertretene radikale Marxismus' den Frieder: bedeutet, so klagt sie ztverdeulrg über den bösen Nachbar, mit dem sie so gerne B^iehuNgen anknüpft, um ihre SteriliM' Kr heilen. W kommt ihrer Propaganda freilich zugute, daß sich im Westen der Zug nach «chts ümner öffenküMger Vollzieht. Die großen Staaten sind wieder auf dem Wege zur militaristischen und chauvinMchen ReMion Und ihnen' beguemt sich auch der Sozialismus an, desseir lAmstettMuftr. Znternattonale nur mühsam ihr Fiasko verscheiert. Die VevständigungsüM Mrüstnngskonftrenzen, an benm dieses Jahr so reich ist, können die Sache der Versöhmmg und des Frichens nicht vorwärts bringen. Gewiß ist die öffentliche Meinimg - so' stark ' geworden, vaß auch Minister in infolge tleiner Regien konkurrenzlos billig bei Kam» & Fried VI., Linke Wienzeile 40 LM m\ ‘‘«-1 I '1 K