Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3033 (9.8.1927)
- Date
- 1927-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Preis 20 g | Redaktion, Administration: Wien, II.,Taborstr.l Telephon 44-0-88, 48-8-19 Telephon ab 6 Uhr abends 31-0-86 Serie, ab Va9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelder8traßo 1 („Inva“) Preise: | Wien und Oeute*r«i'Cih durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ansland im Innern des Blattes. wammm—mmmmmmmmmmmm Nr. 3033 Wiener Wien. Dienstag, 8. August 1927 BESUCHET mm i Mimp Rutliaasbellsi* Kahlster Aefenthaltsort. Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast 1 HiM.M.-ViinUSinli. Volkstümlio-he Preise I Ml t tags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KASERER 9. Jahrgang Sie werden hmgerichtet! Alle Instanzen lehne« die Mederaufnahme und dle Begnadigung Saccos und Baurettls ab. B ost o n, 8. August. (Wolff.) Der Oberste Gerichtshof lehnte den Antrag ab, das Gesetz für Sicherung der perwuttchen Freiheit auf Saceo und BanzetÜ anzmvenden, ebenso Re Bestätigung des Borliegeus eines Rechtsirrtuans. Jnfolgedeffen wird die Hinrichtung Saeeos und DaazettiS keinen Aufschub erfahren. Dedham, 8. August. (Wolff.) Der Richter der ersten Instanz hm Prozeß gegen Sacco und BanzetÜ, Thayer, bat den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt. Daudet macht sich lustig. Kr wohnt gegenüber der französischen Botschaft. Paris> 8. August. (Tel.-Komp.) Leon Daudet hat sich, tme Claris Soir" aus Brüssel meldet, in dem der fron. zLMcherr Botschaft gegenüberliegenden Hotel Ga-lM^Linquarttert. Kn anttliberalet Block in RumSnien. FllflousverhaMungen. lMuDanke^st, 6. August. Zwischen «den Parteien AvereSvU's und Jor-gas sind Fnsionsverhandluinge-n im Gange. Der illuüstmld, daß die Presse der Bauernpartei die Fulsionsverhandkungsn begrüßt und der „Ad-everul" die Schaffung eines antiliberalen Blocks im Hinblick auf „eventuell eintretende wichtige Ereignisse" als notwendig bezeichnet, wird von.den.Regierungsgegnern a-ls ein Zeichen für die Beteiligung auch der Bauernpartei gedeutet. Doch tonnte auch die vollzogene Fusion aller Oppositioneller die Stellung der Liberalen keinesfalls erschüttern und den Regentschaftsstatus deswegen nicht berühre^, weil die Bauernpartei dessen rückhaltslose Anhängerin ist. kxpldfionen ln Bukarest. « »er Schietzftiltte. Bü bare st, 8. Au Mt. (Telcomp.) Auf der Schießsisätte deS 28. Jnfmtteriereg imentes ist Bukarest erfolgten heute in den ersten Nachmittagsstchstden Explosionen, die am späten! Abend noch andaNerten. Der Umfang des Schadens ist bisher noch nicht fest» gestellt worden. Ein ungarischer Arbeiter, der im Berdachite Wht, das ^Feuer gelegt zu haben, stunde verhaftet. 8ine Windhose in gafth. , Gu-kare st, 8. August. (Telcomp.) Ueber Jassy ging heute eine Windhose in einer -Breite von düva -40 Metern hinweg. Eine Frau wurde getütet. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt Mnd mehrere Dächer abgetragen. > 1 1 ■ eine Rede Pilsudslis. Warschau, 8. August. (Wolff.) Zur Feier der piob- «Nischen Legionen hielt Marschall P'ilsudski in Kautsch! eine Ansprache, in der er scharf« Kritik an denjenigen polnischen Kreisen Me, die seiner Fühnmg nicht hatten folgen ,vollen. Unter anderem sagte Msudski: ,Ms ich im Jahre 1918 aus Magdeburg Urrückgekehrt war, fand ich irr Men Sie Mutter Nungessers bittet. Paris, 8. August. (Tel.-Komp.) Wie daS Verteidigungslomitee für Sacco und Vcmzetti mitteilt, hat die Mutter des Ozeanfliegers Nungesfer an Gouiverneur Füller ein Telegramm gerichtet, worin sie im Namen Frankreichs das amerikanische Volk, die amerikanische Regierung und den Gouverneur bittet, die beiden Verurteilten zu begnadigen und frei zu lassen. Das Bewußtsein, daß ihre Intervention zur Rettung -der 'beiden Unglücklichen beigetragen habe, werde ihr bis zur Rückkehr ihres Sohnes den Frieden verleihen. ein CH a o s der Ansichten, des Denkens Und der Parteigruppen vor. Wenn mast zwanzig Stunden mit Leuten reden mußte, die sich gegenseitig verfluchten, -Anstand Und ICHre absprachen, so - nrußte einem. das Reden mit Polen überhaupt zuwider werden. Ich rechne es zu den Wunderst meiner Tätigkeit, daß ich' aus diesenr wilden Chaos einerr Ausweg Md. - Es war dies aber eine Arbeit, da ich eine ganze Reihe von -Kraftworten und bissigen Bezeichnungen erfindest nrußte. Mast wild sie nach meinem Tode hevausgebeN, ob-gleich ich darin die Polen als I dio t e n bezeichne, so Ml/ waren nrir damals gemeinsame Beratungen rnit meineir LandÄerrftn zuwidergelvorden." Die Ansprache Piksudskis! lief darauf hinaus, daß seinerzeit infolge der geschilderten Uneinigkeit die fremden Mächte die Geschicke Polens beeinflußten, während Pilsudskr seine Anhänger astwies, nur Polen zu dienen. gtalienlfche Berhastungen mif Schweizer Boden. Staatsgefährliche Touristen. Bern, 8. August. (Wolff.) In der Nähe der schweizerisch - italie ni scheu Grenze, oberhalb der Ortschaft Gan-dria (Bezirk Lugano), wurden vor einigen Tagen in Lugano ansässige Touristen von fasci strichen Milizen aus schweizerischem Boden verhaftet. Zwei von ihnen wurden 'bald wieder sreigelassen, die anderen aber in Hast behalten, weil sie Massen mit sich -führten. Die Untersuchung durch -die Zollbeamten Hat ergeben, daß die Verhaftung tatsächlich noch a tuf schw eizer isch-e m B o d e n e r f o l g t i st. Das politische Departement in Bernbeauftragte die schweizerische Gesandtschaft in Rom, 'bei der italienischen Regierung dringendst zu intervenieren und die Freilassung der Touristen zu verlangen. Diese Intervention ist nunmehr erfolgt und die Verhafteten sind von den italienischen Behörden wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Dir Kölner Friedhofsschönder verhaftet. Der Kölner Kri-minalpolizei ist os gelungen, die Attentäter zu ermitteln, tvelchs vor kurzem die Ävabmäler auf dem jüdischen. Friedhof in Köln-Lindenchal geschändet haben, Es war dies di« 48. Schändung eines jüdischen Friedhofes seit dem Jahr« 1923 und die Judenhasfer 'haben besonders barbarisch gewütet. Nicht weniger als 79 Grabsteine wurden Umtzelegt, zertrümmert und besudelt. Wie mstn' von vornherein ämwhmvn mußte, sind die Täter Hake nk reu zier. Der einstweilen als Hastpttiiter Ermittelte wird allerdings von der Kölner nationalsozialistischsn Organisation verleugnet. Man tzibt an, er sei aus der Bereinigung ausgeschlossen, worden und habe diesen Racheakt verübt, um die Kölner NationalsvzKalisien zu kompromittieren (!). Bezüglich seiner Helfer Mit jedoch fest, daß sie durchaus WtgMer der rasftstasttiftnMschen Qrgmrtsation sind. 1 Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilunger sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Der Protest gegen den elektrischen Stuhl. —V, Wien, 9. August. Die Bewegung zur Rettung der beiden Italiener vor dem elektrischen Stuhl nimmt üstmer größere Dimensionen an. In der ganzen Welt vereinigen sich' die gerecht und rechtlich denkenden Menschen zst einer Aktion des Gewissens. Sie wollen sich dagegen, auflehnen, daß zwei arme Tdufel, gegen die ein Jndizienprozeß geführt wurde und die seit sieben Jahren alle Qualen zwischen Hoffnung und Enttäuschung durchleben müssen, hingerichtet werden. Es ist ein Lotest gegen die Todesstrafe, die in diesem FaM noch durch die Folter der letzten Tage, durch das Schwanken stoischen der Begnadigung und dem inappellablen Akt, noch mehr aber durch die Kenntnis der Vorgänge in der Welt jenseits der Gefängnismauern verschärft wird. Es ist 'heute fast nebensächlich geworden, ab das Verfahren gegen die beiden allen Ansprüchen, der Beweisführung entsprochen hat, ob tatsächlich den Belasftmgszeugen übermäßig viel Utanben, den Entlastungszmgen dagegen M wenig Gehör geschenkt worden war. 'Diese ' sieben 'Jahre rock» ihre letzten furDba.ven Tage, da die beiden zum Grintzerstreik sich entschlossen, sprechen deutlicher gegen die Wbesstöaft als aU% was die .Rechtsphilosophen sagen können. Und wenn sich nicht der tolldreiste Anarchismus der Sache bemächtigt hätte, so wäre dem Protest der ganzen Welt wohl auch der Erfolg sicher gewesen. Wer aber daran denkt, daß hier in 'Oesterreich nach den Ereignissen! der Julirevolte von -sehr lauten und zielbewußten Gewaltpolrtikern diü WiedereMsichNung des Galgens verlangt wird, der möge an die -Saceo und Vanzetti denken, die jetzt ihre SchoeckenSnjÄWe. ttngsiheWMlt verbringen müssen. - l ' > Es ist ein furchtbares' Bild des geistigen ZüstcüÄes der Welt, das dieser Vorgang und noch mehr diese ^FoHerung zeichnet. Nach dem Äiege, der doch über Mllionen schMloser Menschen die Straft des Grabes verhängt hat, splNnl doch die >Menschen voll iCkel den jGedanken von sich werfen, ein Wesen ihrer Art 'aus dem Leben zu werft«. Wenn die Gesellschaft sich schützen will, so hat sw doch,Mittel germg. Und wenn sie aussprechen will, daß das Leben heilig fern und bleiben muß, so darf sie Unter keinen 'Umständen selbst 'Kand aulegen Und für diesen entsetzlichen Mt noch, gesetzliche Formen und Ärmeln schaffen. Nichts Mt dem Menschen das Recht zum Mord. G!ewiß auch Nuht dem -Mörder. Aper ist die Anwendung der G!ewalt die Sühne für seine Tat?. Ist sie nicht vielnrehr ihre Anerkennrmg? Me Straft soll bessern. Dias wird Unmöglich, wenn sie der Tod ist. Aber es ist bdchj die Verrohung aller Sittlichkeit, die heute das Leben der Gesellschaft beherrscht, jes ist das Prinzip der Räche mrd der Vergeltung, das" häute stärker ist als je und das sich in allen Gebieten! deÄ Zusammenlebens, in Politik Und in Wirtschaft, zeigt'. Es' hat gar viele Namen, tritt bald als Repressalie, als Rezipro-. zität, als Kompensation auf; im Wesen ist sä' die Vendetta des KMenMenschen Und charakterisiert das NivE, auf dem das Rechtsempfinden nach einer vieltauftrldjährig-en Entwicklung angekomUren! ist. Ist das Gefühl stir Recht und' Unrecht aber immer so stark und mächtig gewesen wie es sich entweder bei den' aistwikanischm GlÄchtm oder Lei dein Protest der Oeffentlichftit ausspricht? Es sind viele Morde geschehen, nicht gar Justizmorde, und die Entrüstung hat geschoiegen. Es sind an Juden Morde geschehen, es sind jüdische Mmtzchen, -'Greift, Frarren, Kinder zu vielen Tausenden erschlagen worden, ohne 'Gevichtsversahren, ohne Urteil, o^re jgeregelte Justiz. Es hat Mgrome gegeben, deren Opftr kaum M Mten sind, es ist Mut in mächtigen! Ströme,: geflossen, ,mch dem Kriege und ohne die sonst -amvendbare Berufung äuf sein sogenanntes Gesetz'. Das ist in Rußland geschehen, als die weißen Horden des AMinmr Mljura und der andeverr Spießgesellen dm/ch die Ukraine' tobten, als der General Wivangel und die Generäle Judenitsch Und DenWr.UNd^Koktscha.k unk Hilft b-r so demokratischen West- Ur den Heiden Sommer Crepella, Etamine und Voile, große Desflnauswahl, Per Meter 8 —»98 bei der 6., Mariahllserstraße Nr. 3 8244546193