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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-07 · Heft 3031 (7.8.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3031 (7.8.1927)
Date
1927-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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j Preis LS jf Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38. 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 31-0-86 Serie, ab '/?9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 („hm“) kreise: Wienand Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Wiener SKSUCHET mn »lenir RafhausliBller Kühlster Aafenthaltsort. Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast I MMIaiJeiit.tipuft Volkstümliche Preise! Mittags - Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASER ER Nr. 3081 Men. Sonntag. 7. August 1927 9. Jahrgang New York im Belagerungszustand. Sie Bombenattentate in Amerika. — Nie Täter spurlos verschwunden. Tote «nd Verletzte. New York, 6. August. (Tel,-Komp.) Bei dem ersten Attentat auf die Untergrundbahn, das sich gestern nachts kurz vor Bvtriebsschlnß im Toiletteraum der Station Ecke 28. Straße und 7. Avenue ereignete, wurden zwei Reisende getötet und etwa 50 Personen schwer verletzt. Die Station wiwde in Trümmer gelegt. Bon den Tätern konnte keine Spur entdeckt werden. Wenige Minuten später explodierte eine zweite B o m v e in der Station Ecks 8. Avenue und 28. Straße. Hier hatte der Zugsführer des gerade einlaufenden Zuges die Geistesgegenwart, den Train sofort zum Stehen zu bringen, so daß nur der Triebwagen beschädigt wurde. ■ Durch eine dritte Exp to fion an der 33. Straße wurde eine Person getötet und mehrere schwer verletzt. Eine vierte Bombe explodierte um yz2 Uhr nachts in der Station der 106. Straße. In allen Fällen entkamen die Täter unerkannt. Alarmbereitschaft. N o w y o r k, 6. August. (Tel.-Komp.) Sofort nach dem Attentat wurde das gesamte Polizeikorps von Newyork in der Stärke von 17.000 Mann mobil gemacht. DieStadt befindet sich im Belagern n g s z u stand. Jeder Zug der Untergrundbahn fährt unter polizeilicher Bedeckung. Alle öffentlichen Gebäude, besonders in der Wallstreet, werden stark bewacht, da man weitere Anschläge befürchtet. Das Attentat gegen die Emanuel-Kirche in Philadelphia dürfte ein Racheakt sein, da deren Pfarrer sich öffentlich gegen 8acco und Vanzetti ausgesprochen hatte. Bombenanschlag in Baltimore. Baltimore, 6. August. (Reuter.) Heute früh wurde auf das Bürgermeisteramt ein Bombenattentat verübt, um das Gebäude in die Luft zu sprengen. Es ist kein Opfer an Menschenleben zu beklagen. Zar Erdbeben in Palästina. Ile Regierung bietet den Wischen Geschädigten 30 Wund an. Jerusalem, 5. August. (I. T. A.) Unter der Judenschaft Jerusalems herrscht schärfste Unzufriedenheit darüber, daß die Regierung auf die Bitte der jüdischen Gemeinde um Beistellung einer Summe zur Abhilfe der dringendsten Not der jüdischen Einwohner der durch das Erdbeben stark mitgenommenen Altstadt von Jerusalem die lächerliche Summe von 30 Pfund angeboten hat. Dabei sind mehr als 100 jüdische Familien Jerusalems durch die Katastrophe in tiefste Not geraten. In der letzten Sitzung des Jerusalemer Stadtrates wurde mitgeteilt, daß 20 Architekten mit der Untersuchung der beschädigten Häuser beschäftigt sind. 176 Häuser der A l t st a d t sind in einem einsturzgefährlichen Zustand und müssen sofort repariert, zum Teil abgetragen werden. In V e t h l e h e m müssen 160 Häuser abgetragen und 100 repariert werden, in ■ Bethjallah 30 Häuser abgetragen und 160 repariert werden. In H e b r o u wurden eine arabische Frau, ein arabischer und ein Wischer Knabe infolge der überstandenen Schrecken während des Erdbebens irrsinnig. Ile Sachverftiindigea-KommWon sllr PaWina. N e w y v r k, 3. August. (I. T. 91.) Dr. Etwovd M e a d>, der landwürtschaftliche Experte der Vereinigten Staaten für Urbarmachung und Landanbau, hat am 1, August an Bord des „Leviathan" die Reise nach Europa und Palästina an-s getreten. In Palästina wird er in seiner Eigenschaft als Mitglied der Sachverständigenkommission der Jewish Agency die landwirtschaftlichen Möglich- Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Joch begnadigt? Paris, 6. August. „Chicago Tribüne" will ans wohlinformierter Quelle erfahren haben, das Gouverneur Füller die Absicht habe, in der l o tz t e n M i n u t e die Begnadigung Saccos und Vanzettis zu verfügen. Der Sekretär des Gouverneurs Füller erklärte, der Gouverneur werde über die Peditien, worin um Einleitung eines neuen Prozesses in der Sache Sacco-, Vanzetti ersucht tvuvde, erst am Montag ent-»' scheiden. Attentate ln Südamerika Buenos Aires, 6. August. (Wofts.) Die Bewegung für einen Gen e r a lft r eik als ■ Sympathiekundgebung für Sa cco und Vanzetti dehnt sich aus. Aus dem Innern des Landes werden Gewaltakte gemeldet. In Pergamino in der Provinz Buenos Aires wurde eine Bombe vor ein Automobilgeschäst geworfen. Dre Schaufenster wurden zertrümmert. Eine weitere Bombe wurde auf eine Eisenvahnstrecke geschleudert, richtete jedoch nur unbedeutenden Schaden an. In den Straßen finden Demonstrationen statt. Tie Lädenbesitzer wurden gezwungen, ihre Läden zu schließen. (Nähere Einzelheiten im Innern des Blattes.) ketten iyr Zusammenhang mit der allgemeinen wirtschaftlichen Prosperität des Landes prüfen. Noch in dieser Woche wird sich Professor Jacob G. Lipman, der Direktorder Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt des Schates New Jersey, zu gleichen Zwecken nach Palästina begeben. König Fund — Ehrendoktor der llniveesttüt ln Rom. Rom, 6. August. Die Universität Rom hat dem hier zu Besuch weilenden König Fuad von Aegypten die'Würde eines Ehrendoktors der Rechte verliehen. Der Streik in Budapest. 13.000 Metallarbeiter. Budapest, 6. August. (Tel.-Komp.) Den Bemühurrgen des Oberstadthauptnraun-Stellvertreters Karl Andejka ist es gelungen, eine Besprechung von je drei Vertrauensmännern aus den Manfred Weiszschen Werken in Csepel und der Vereinigten Mühlanrpeufabriks 9l. G. mit Delegierten der beiden Fabriksleitungen herbeizuführen, die heute mittags begannen. Bei den Verhandlungen, von denen man hofft, daß sie erfolgreich sein werden, wiesen die Vertreter der streikenden Arbeiter nach, daß insgesamt 13.000 Arbeiter der Eisenbrauche in der Lohnbewegung stehen, und zwar in Csepel 7000, bei der'Vereinigten Glühkanchenfabriks Ä. G. 4500, bei Ganz-Danubius '200, in der Oetlschim Fabrik 150. in kleineren Eisenkonstruktionsbetrieben 600 und in anderen Werkstätten 600 Arbeiter.. Die Verhandlungen dauern zur Stunde iwch an. In Nenpeft wird die Unterstützung der ansgesperrteu. Arbeiter am Montag beginnen. Die von der Aussperrung nicht betroffenen Arbeiter Haben eine» Fonds zugunsten ihrer ausgesperrten Genossen gesammelt, dep sich heute bereits äuf etwa 40.000 Pengö beläuft. Diese Summe wird durch gelverkschaftliche Unterstützungsbeiträge ergänzt werden, so daß die '.Arbeiter der Glühlampenfabriks 9l. G. an: Montag ihre Löhne nahezu unverkürzt a!nsbezahlt erhalten werden. Alle Schuld röcht sich. — y, Wien, 7. Autist. So ist also Oesterreich in die hohe Politil :n die Sphäre, in der die ganz Großen die Geschic.. tknents btstimm-m. Die Interalliierte Militärlo,..-...>,ion, die seit der Arsinälgeschichte ein durch schöne Diäten geziertes Dasiin führte, hat in Funktion treten können. Sie ist im Namen des Friedensvertrages ausgerückt und hat die Gemeindeschutzwache zur Auflösung gebracht. Ueber die Note dieser Kommission wurde zwischen dem Bundeskanzler und dem Bürgermeister fünf Tage lang verhandelt und der Inhalt dieser Besprechungen ist nicht schwer zu erraten. Den Standpunkt des Bundeskanzlers kennt man aus seiner Rode im Nationalrat. Er hat die Aufstellung dieses Korps als ungesetzliche und verfassungswidrige Maßnahme bekämpft und ist von seinen: Standpunkt nicht abgegangen. Der Bürgermeister hat nun in diesen Konferenzen seine Wache verteidigt. Er mußte dies tun, um sein und seiner Partei Prestige vor diesem neuerlichen Schlag zu schützen. Seine Aufgabe konnte nicht gelingen, weil der Widerspruch der Ententekommission übermächtig war und die innerösterreichischen Streitfragen hier auf den toten Punkt gekommen sind. Es ist also zunächst festzuhalten, daß es Organe der Entente gibt, die die Ausführung des Friedensverttages kontrollieren. Einstweilen freilich nur, insoweit das Waffeninteresse in Frage kommt. Wenn es sich um den Schutz dev Minoritäten handelt und wenn rechtsgerichtete Organisationen mit Flinte und Revolver spielen, dann ist kein Organ vorhanden. Das Auge des Gesetzes schläft; und wenn-es wach ist, blinzelt es nach der Seite, wo es den linken Bolschewismus vermutet. Es ist diesmal wach gewesen und hat die Gemeindeschutzwache gesehen. Sie mutz weg, und das ist der vierte Stoß, der die sozialdemokratische Partei trifft. Sie hat die Straß enrevolte nicht gemeistert, sie hat den Verkehrsstreik abblasen müssen, sie hat auf dem Boden des Parlaments ihre Anträge auf Untersuchung und Amnestie fallen gesehen und die Obstruktion gegen die Zollvorlage einstellen müssen, sie muß nun ihrer Wache die Waffe und den Oeffentlichkeitscharakter nehmen. Es bleiben als Resultat tausend neue Wächter für städtische Objekte und Märkte. Waren die so notwendig? Soweit bekannt,' sind auch während der ärgsten Exzesse keine Angriffe aus städtisches Gut und ans die Märkte vorgekommen. Diese neue Formation ist nur eine Verlegenheit, hinter der der Bürgermeister aus der Not eine Tugend macht. Mer es entsteht die Frage, ob dies nicht auch schon am 18. Juli, als die Werbetrommel gerührt wurde, zu erwarten war. Wer ist der Urheber dieser Unüberlegtheit gewesen, in der die amtliche Funktion, des Landeshauptmannes für eine so anfechtbare Sache eingesetzt wuvde? Viktor Adler hat einmal gesagt: . „Wenn ich meine Leute auf die Sttaße sichre, muß ich genau wißen, wie ich sie wieder nach Hause bringe." Diese Maxime hat seine Partei vollständig vergessen. Ihre Führer sind in der Mannigfaltigkeit chrer Geschäfte gefangen, sie sind ihren Massen, aber auch dem praktischen Leben, das nun einmal der pathetischen Betrachtung abhold ist, fremd geworden. Das unleugbare Anschwellen chrer Parteiorganisationen haben sie sich, der werbenden Kraft chrer Persönlichkeiten zugeschrieben. Aber es sind doch nur die Fehler, die Sünden der anderen die Ursache gowesen, und wo das nicht zutrifft, war es die Machtfülle der sozialdemokratischen Führer, die die Nachläufer angezogen hat, die neue Konjunktur, die über Posten, Aemter und Pfründen verfügt und ihre Mittel auch mit eiserner Hand anzuwenden wußte. Gewiß hat die Lueger-Partei dasselbe getan und die Gesinnungstüchtigkeit Gelohnt. Das hat die sozialdemokratische Führung getreulich kopiert, und das durfte sie, die Partei der Opposition, der Freiheit und des Gewissens niemals tun. Sie hat den Rechtsparteien das Agitationsmaterial ins Haus geliefert. Sie hat damit/dieses ganz merkwürdige Schauspiel provoziert daß sich heute die Berufsfelnde der Ordnung und der geistigen Kultur, die Mörderverbände offen als Schützer des Rechtes.und der Republik aufspielen dürfen und daß sich die uferloseste Terrorpwpaganda auf der Straße breitmacht. Es wird ungescheut für eine Bürgergarde und ftir eine technische Nothilfe geworben, andere Namen für die alten Schutzgarden der Reaktion und des sozialen Rückschrittes. Das erweckt selbstverständlich keine Bedenken bei der Interalliierten Militärkommissiou, und das ist der sicherste Gradmesser ftir die Größe der Fehler, die die Sozialdemokratie begangen hat. Sie hat den Nimbus verloren und ist in der Verteidigung. Sie kann nicht mehr an eine Offensive denken. Alle Schuld rächt sich. ZZ20QQOOQGDOQCGODQQQQOGOOOOOQQOOQQQOOOO(XX>C00000300000GGOQOOOQOOOOOOCQQOOOOCOQQ

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