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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-03 · Heft 3027 (3.8.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3027 (3.8.1927)
Date
1927-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 510 g j Redaktion, Administration: Wien, H.jTaborstr.1 Telephon 44-0-89, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 31-0-96 Serie, ab */a9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 („lim") Preise - Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. mmmmum BESUCHET dik RliBir Rathausheller KCHitster Aifenttialtsort. Die Gemütliohkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast! miMW.-Wil.WlH. Volkstümliche Preise! Mittags - Menüs ä S 1•60 Direktion: OTTO KASER ER iWMMMir Nr. 3027 -t Me«, Mittwoch, 3. August 1927 Bor schweren Lohnkiimpfen In der Metallindustrie. 3n Budapest wird bereits aestreitt. — Die Präger Metallarbeiter derlaugen Lohnerhöhungen. 9. Zahrgang -ü u b a p c ft, 2. August. ^Tel.-iKomp.) Die Streiks in de» «nzelnerr Betrieben Jbfrr i(Si feuiutnt ft rite und bei der Vereinigten Glühlampen-- und Ele7trizitLtHsU.-G. dauert fort. ES fischen gegenwärtig etwa 6000 Arbeiter im Streik. Bei der Berenngten Glühlampen-, und iElektrizitLts^A.-G. sind Verhandlungen mit den Arbeitern noch nicht ausgenommen Worden. Die FabrikSleitung steht ans den Standpunkt, daß sie bereit ist, die Arbeiter ahne weiteres Wieder an fzu nehmen, falls diese -einen ungestörten Betrieb gewährleisten. Die crusgespcrrten Arbeiter. werden morgen eine Fabriksversammlung abhaltev, um über ihr weiteres Verhalten schlüssig zu werden. Eine treue Phase in der StrerkbÄveguug ist heute vormittag» cingetreten, indem 7000!Arbeiter der Csepeker Munitionsfabrik Manfred Wersz der Werksleitung ein Memorandum überreichten, worin sie eine Erhöhung der Löhne um 20 Prozent verlangen. Die Fabriksleitung dürfte das Verlangen der Arbeiter allent!Anschxin nach ableh nen, was eine weitere Ausdehnung der StrÄkbewegung zur Folge haben dürfte. Der Hauptstadt droht übrigens auch die Gefahr eines A u sstandes der Lebensmittelbranche, indem in den jKreisen der Mühlenarbeiter und der Mrbrliter der Backereibetric.be gleichfalls eine Lohnbewegung eingeleitet worden ist. Diese Arbeiierkcitcgorien verlangen eine Erhöhnng ihrer Löhne um 30 bis Genf, 2. August. (Tel.-Komp.) Die japanische Delegation hat den Amerikanern neue Vorschläge unterbreitet, die sie auch der englischen Delegation vorlegte. Es soll sich um ein Kompromiß zwischen dem englischen und dem amerikanischen Standpunkt handeln. * Die Nachricht hat in den Kressen der Marinekonferenz lebhaft ü b e r r a f ch t. Gestern vormittags fanden, im Zusammenhang mit dem neuen Vermittlungsvorschlagder Japaner, verschiedene K o n f e r e n z e n zwischen den einzelnen Delegationsführern statt, lieber den Inhalt der Besprechungen wird strengstes Stillschweigen belloolidge kandidiert nicht mehr. Rapid City, 2. August. (Wolfs.) Präsident Coolid ge erklärte den Vertretern der Zeitungerr, er sei nicht geneigt, sich für die Präsidmtschaftswahlen von 1928 rls Kandidat aufstellen zu lassen. Tranrlordanischer Gebiet zu Palästina? Jerusalem, 1. August. (I. T. A.) Einige transjordanische Schecks haben bei der Palästina-Negierung Protest eingelegt, gegen den angeblichen' Beschluß Großbritanniens, das Gebiet von H a m a in der Nähe von Samakh in Transjordanien Palästina einzuberleiben. König Faisal kommt nach Kuropa. London, 2. August. (Wolfs.) Nach hier eingetrossenen Berichten beabsichtigt der K.önig von Irak, Faisal, demnächst eine Enropareise anzrttreten. Der König, der vom Minister des ^Auswärtigen, Zafar Pascha,"begleitet sein wird, soll mit der britischen Regierung einige gemeinsame Interessen berührende Fragen, insbesondere auch die Frage s Beitrittes Iraks zum Völkerbund, besprechen. 40 Prozent. Die Mühlen werden die Lohnforderuirgen der Ar-, beiter einer gemeinsamen Konferenz ttorlegen und dann ihre Be^ schlüsse fassen.! Prag, 2. August. Gestern traten hier die Vertreter aller am Kollektivverträg der Metallarbeiter beteiligten Arbeiterorganisationen zur Beraturrg über die Frage der Forderung einer Lohnerhöhung zusammen. Die Vertreter der Metallarbeiter beschlossen, eine Teuermigsarishilfe zu verlangen, und erhoffen, mit Rücksicht ans die gute Beschäftigung der Automobil-, Hütten- und Gießereiindustrie die Erfüllung dieser Forderung. Nach den Informationen einer Prager Korrespondenz scheint es kaum wahrscheinlich, daß die Betriebe ans eine Erhöhung entgehen werden, da die Befürchtung besteht, daß höhere Löhne die Produktion und Konkurrenzfähigkeit, beddohön körmten. Auch in Frankreich. Berlin, .2. August. Wie die „Vbssische Zeitung"' vom 3. ds. aus P a r i s m e l d c t; x hat die größte Atttomovilfabrik Frankreichs, Citroen, - eilte Anzahl ihrer Arbeiter für längere Zeit beurlaubt. wah rt. Nur soviel wird bekannt, daß die japanischen Vorschläge sofort nach Washington undLondon übermittelt wurden. Ueber den Inhalt der Vorschläge werden zwei verschiedene Lesarten verbreitet. Nach der einen soll es sich um die Festsetzung eines provisorischen Bauprogrammes für große Kreuzer handeln, dessen Gültigkeit bis 1936 dauern soll,-nach der anderen Version proponieren die Japaner ein Abkommen, das den Charakter eines Freundschaftsvertrages nach Art des Locarno - P a k t e s> zwischen den dxei größten Seemächten der Welt tragen würde. Paris,- 2. Augusts Die Militärstation Port E t i e n n e in Westafrika tourde von einer mehrtausendköpfigen Räubevbande angeriffen und belagert. Nach schwerem Kampfe gelang es . der Garnison, die Räuber in die Flucht zu schlagen. Die Verfolgung touvde unverzüglich ausgenommen und ersteeckte sich auf eine Nückzugslinie von tausend Kilometern Länge. Den Franzosen gesellte sich der Beduinenstamm des Emirs Pa re a,.der alle seine wehrfähigen Männer in den Kampf gegen die Räuber schickte. Die Beduinen richteten eilt furchtbares Gemetzel unter den Räubern an. Es bot einen schaurigen Anblick, als die Beduinen nach siegreicher Schlacht mit mehr als tausend abgeschnittenen Köpfen der Räuber, die sie auf ihre Laltzen gvspiesit hatten, durch die Wüste Heiniwärts zogen. Die Räuber hatten auf ihrem Rückzüge zwei v e ru n g l ü ck t e französische Flieger und drei spanische Fischer e r m o r d e r t u n d Hunderte von K a m e-l e n b er a u b t. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Die Preßbanditen. —y, Wien, 3. August. Die Vorlage „betreffend die Bekämpfung der Mißbräuche im Presselvesen" ist. gestern dem Nationalrat zugegangen. Bon diesem Entwurf war in den letzten Tagen viel die Rede. Der Bundeskanzler und der Vizekanzler hatten in ihren Reden über die Julirevolte derartige Pläne * ausgesprochen, und aus den hinter der Regierung stehenden Parteien war angekündigt worden, daß man die Pressedelikte den Geschworenen entziehen und de« Schöffen zuweisen wolle. Dies schien, insoweit es sich um den Schutz der Ehre uüd des Kredits von Privatpersonen handelte, auch tätsächlich einem weit verbreiteten Wunsche der Bevölkerung zu entsprechen. Es war für jeden, der öffentlich angegriffen wurde, ein unsägliches Martyrium, sich vor den Geschworenen zur Wehr zu setzen. Der 'Mann, der seine Ehre bedroht sah, wurde im Handumdrehen zum Angeklagten, der mit allem Schmutz beworfen! werden konnte. Bon diesem Gesichtspunkt aus kann man der Absicht des neuen Entwurfes, den Beleidiger zur Rechenschaft und Strafe zu stellen, beipflichten.;; Die Vorlage ist aber von anderer Seite her sehr anfechtbar: Sie stellt die Annahme! von Bestechungen durch Prefseleute und Beleidigungen von Einzelpersonen unter schwere Strafsanktion, denkt aber, nicht an den Bestecher, der doch sicherlich, wenn er Gell» zur Unterdrückung von Mitteilungen oder zur Vornahme bestimmter Mitteilungen ansgrbt, unsaubere Zwecke verfolgt. Das -ist ein sehr grober. Fehler, und eine Reche von Prozessen des vergangenen Jahres Hai gezeigt, daß zur Korruption mindestens zwei gehören. Der eine nimmt, der andere gibt. Wer ist da der größere >Mifsetäter? Die Frage ist schwer zu. entscheiden, aber sie stellt sich sofort anders, wenn auch bei dem. Geber nach den Mottven seiner. Scheukftestdigkeit geforscht wird. Wir sind, um nicht mißverstanden zu werden,, nicht für eine Begünstigung des Preßpiratentums; aber wir meinen, daß es niemals zu einer Bedrohung der Oefsentlichkeit auswachsen kann, wenn es nicht Begünstigungen fände. Auch diese gehören vor das Gericht und sie sind doch eine weit größere Gefahr für die politische Sittlichkeit. - Der Entwurf will übrigens auch! die allgemeine Sittlichkeit schützen und greift auf das Lieblingsthema aller Moralischen, nämlichauf die Schmutzschriften, die aus der Lüsternheit des ^Publikums ein Gelverbe machen. Auch hier wäre eine klare Definition der Begriffe sehr notwendig, um nicht Debatten a la lex Heintze herbeizuführen. Das -Auffallendste aber an diesem Entwürfe ist, daß er nur die Person schützt oder straft, daß er aber dem in Oesterreich so üppigen Uebelstand der Verhetzung und Aufreizung nicht an den Leib geht. Gerade das politische Delikt wird nicht getroffen und auf diesem Gebiet sind in Oesterreich furchtbare Verbrechen begangen worden, denen sich keine Behörde in den Weg gestellt hat. Wir meinen die von einem Teile der Rechtspresse geübten Frechheiten gegen die jüdische Bevölkerung. Im Vorjahr hat ein solches Blatt die Wohnungsadressen jüdischer Personen veröffentlicht, und. ein Staatsanwalt, der darüber befragt wurde, hatte achselzuckend erklärt, eine Anklageerhebung sei angesichts der Praxis der Geschworenengerichte fast aussichtslos. Nun ist der Entwurf bö, der mit solchem Trara angekündigt wurde, und er schweigt sich! über diesen wunden Punkt in unserem öffentlichen Leben vollkommen aus. Wir glauben nicht daran, daß die neue Uebnng dem journalistischen Freibeutertum ein radikales Ende machen kann. Aber wir meinen, daß gerade diese Aufreizung Zum Judenhaß und Judenpogrom zu den Zuständen von Mitte Juli mit beigetragen hat. Man hat gesehen, daß die Aufforderung zum Bürgerkrieg straflos blieb imb nicht einmal von Amtswegen verfolgt wurde. Das hat auf gewisse Teile der Bevölkerung gewirtt und Ereignisse hervorgerufen, die nicht aus der Geschichte der Stadt getilgt welken können. Aber die Gefahr ist nicht gebannt und der neue Entwurf mit feiner übel angebrachten Liberalität tut nichts, ivoraus man erkennen würde, daß die Regierung die Situation sieht. Es wird Aufgabe der jüdischen Bevölkerung sein, auf diesen schweren Mangel aufmerksam zu machen. 6in Freundschastrvertrag oder ein provisorischer Banprogramm. OOOcXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXrOXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX) Gemetzel in Westasrika. Riluderlümvle mit lause«» Lote«.

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