Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3025 (1.8.1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite < Men. Montay Wie«er Morgenzeitrmg 1. A«Wst m7 Wacker in Steinamanger geschlagen-. Die Meidlinger holten sich gestern in Steinamanger von S a b a r t o vor :?000 Zuschauern eine glatte Niederlage. In der ersten Halste schoß Stofsian drei Treffer, rvährend Wacker torlos ausging. Rach der Panse rafften sich die Wiener ans und waren durch Rappan und Windner cWestnal erfolgreich, doch erhöhten .Holzbauer und Stofftan den Vorsprung Sabarias. Weitere Ergebnisse. In Baden spielte Rudolfs- Hügel gegen den dortigen A. C. und geivann mit Mühe 3:2 (2:1). In Langenzers dorf absolvierte A d m i r a cm Trainingsspiel, das 10:1 (7:0) endete. Nicholson schlug Deutsch-Wagram 9:1 (5:0). Rarner, der vielfache Internationale der Vienna, hat sich, entgegen seinen llebertritrtsabsichten zu Rapid, wiederum für die Döblinger ve TP sichtet. Ser Lelchtathletil'LSnverkaMf SeutWlmd- Schweiz. Deutschland siegt mit 90'/2:45l/2 Punkten. — Der jüdische Läufer Kohn gewinnt die 5000 Meter. Der gestern in Düsseldorf ausgetragene siebente Länderkampf in der Leichtathletik zwischen Deutschland und der Schweiz endete mit dem eüvarteten überlegenen Sieg der Deutschen. 20.000 Zuschauer wohnten dem Treffen bei. Es wurden durchwegs sehr gute Leistungen geboten. Die 100 Meter holte sich H o u b e n in 10,6, in der 4X100- Meter-Staffel erreichte die deutsche Mannschaft mit der Zeit von 41 Sekunden den von den Amerikanern bei den olympischen Spielen des Jahres 1924 aufgestellten Weltrekord. Heber 6000 Meter errang für Deutschland der jüdische Läufer Kohn aus Berlin in 16,13,4 die Punkte. Kohn hatte erst vor kurzem die gleiche Konkurrenz bei den deutschen Meisterschaften gewonnen. Er ist erst vor einigen Wochen überhaupt zum erstenmal angetreten und derzeit bereits deutscher Meister und Rekordinhaber. Er gilt als sicherer Kandidat Deutschlands für die Olympiade 1928 in Amsterdam. Der LetchtatPetiktänderlampf England—Frankreich endete mit einem überlegenen Sieg der Engländer. Emen neuen Weltrekord im Stemmen stellte gestern tutf dem Krastsportplatz .Hipfinger auf, der im freien Stoßen 142>/s Kilogramm erreichte. Erfolge Wckner Schwimmer in Dudweis.?buch der zweite Tag brachte den Vertretern Wiens /bemerkenswerte Erfolge, und zwar: 200 Meter Brust für Damen: 1. Puchberger (Danubia) 3:37; 2. Hradicra (C. P. M) 3:37.8. - 100 Meter Brust für Herren: 1. Steiner (». T. E., Bratislava) 1:06. - 3X100 Meter Lagenstaffel für Herren: 1. Menna 4:06; 8. A. P. K, 4:08. - 100 Meter Jugend Freistil: 1. Patovfkh (Sparta) 1:13.4. - 200 Meter Brust für Herren: 1. Wondrovltz (Vienna) 3:09.2; 2. Kodak (Slavia) 3:18. — 3X100 Meter Lagenstaffel für Damen: 1. Danubia 5:06; 2. Slavia 6:17. — 1000 Meter: AntoS (C. P. K.) 12:32.2; 2. Kinzel (P. T. E., Bratislava) 13:08.2. - 1000 Meter Freistil für Damen: 1. Puchberger (Danubia) 16:49. Die Ungarn schlagen Frankreich im Wasserbau 92 (3:1). In Budapest ging gestern vor 6000 Zuschauern das Zusammentreffen des Mlropanreisiers mit den Franzosen, die den Titel des Weltmeisters haben, vor sich. Die Franzosen stellten einige Ersatzleute. ' Die Ungarn gewannen überlegen nttt 9:2 (3:1) Trefstrn. Ms SchiedSnchter fungierte Morverger «yrs Wien. SMNNSEW Jims jüdische Matt das jüdisthe Maus □□□□□□□□ >SSKSSlSSWÄS!S ® 0 0 a ® ® E H ninnr5iriifi¥ai®B®®H®®Bti][«i®B &ie besten Jleuersc/teinun^en «te* modernen JÜtexatm stets vorrätig laiiiHMMiaiiiiaiBiiiMiiiiiiH JOHN OALSWORTHY: Der silberne Löffel, geb. S 9*N0 EDMOND FLEG: Der kleine Prophet, geb. S 8*60 MARTHA OSTENSO: Erwachen im Dunkel geb.S 1160 TITAYNA: Rund um meinen Geliebten, geb. S 6 60 COLETTE: Mitsou, geb.S 6 60 SCHNITZLER: Spiel Im Morgengrauen, geb. S 9*90 GUSTAV MEYRINK: Der Engel vom westlichen Fenster, geb.S 15*30 bei jSiaaJkffcavuIf’tifig St. £ön>it Wien, I. 22. (13. Fortsetzung) Copyright by vr. If&x Prftgor, B. LOrrit Verlag, Wien. AMERIKA. Ein Doman von Sdialom Asdi. Zwei Stunden später kmnen ein paar handfeste Männer, die Emigrantengesellschaft über die Grenze bringen sollten. > «uni erst war Hannah Lea eingeschlasen, den Kopf an eine Kiste gelehnt, die hinter ihr stand. Der junge Mann im Gummimantel ging herum und weckte die Schlafenden, einen nach dem arideren. Aus allen Ecken hoben sich Kopfe auf, man reckte sich in die Höhe, halb schlaftrunken ergriffen die Männer das Gepäck, die Mütter weckten die Kinder Und nahmen sie auf den 26nn, daun machte sich alles mit wortlosenr Ernst auf den Weg. Rachele nahm ihren kleinen Bruder.beim Mein. Jossele ivcrr nrüde und ganz verschlafen, er wußte nicht, wo zt war und was hier;mtt ihm! geschehe — er Hatte Angst und suchte sich an seiner Mutter zu! halten. Auch die „Banditen*" ließen die Flügel hängen Und waren still, traurig und versonnen geworden. Nur Rachele hielt sich aufrecht, dachte an alles und munterte die Jungen auf. Es ging zunächst die Landstraße entlang. Voran schritten die Schmuggler, hinter ihnen im dichten Zug die Emigranten. Die Nacht war kalt und klar. Der. Mond kam aus den Wolken hervor — aber das war den Führern gar nicht recht. Eine längere Zeit waren sie im Ztveifel, ob sie den W^g nicht aufgeben sollten — aber der Himmel war stark mit Wolken bedeckt und von Zeit zu Zett verschwand auch der Mond. Das gab den Fuhrleuten Hoffnung, Und man entschloß sich, weiterzugehen. Es ging über Felder, die naß waren vom Nachttau. In der Ferne zeigte sich ein ungietzeurer klunrpiger Schatten. Es war ein >Wald, durch den mM hindurch ntufjte. > ‘ Der kleine Jossele, der vor Kälte zitterte, konnte das rasche Tempo der Wandernden nicht einhalten — so war Hcmnah Lea allmählich ein Stück Hinter den 'anderen zurückgeblieben. Aber die Führer riesen ihr voll Heftigkeit zN, sie möge sich doch beeilen, und der erschreckte Jossele, erfaßt von der jüdischen Untertänigkeit, die schon dem achtjährigen Jungen eigen war, sing an, .zu lause», so schnell er nur konnte. So kamen sie in den WM hinein. Es war ein dichter Wald. ,Die Nacht wurde dunkler (der Mond war hinter den Wolken), und die „Agenten" waren ganz zufrieden. 'Zur größeren 'Sicherheit teilte irarn de» Trupp in mchrere Abteilungen, und gpuippeuLveise schritt man vor zwischen deir Baumen. Oft verstellten lAeste den Weg, und jeden ^Augenblick blieb man in irgendeinem wild verwachsenen Buschwerk stecken, aus dem man sich rmr mit Mche berfreien konnte.!Aus allen Ecken kroch es wie Gespenster hervor. Jossele lvenigffens sah ganz genau, wie sie Müschen den Bäumen hervortanzten, und bald, bald dachte er, werden sie ganz nahe herankonrmen in ihren weißen Gewändern und zum Wasser ziehen, um dort zu baden. Ten» das sind die Seelen Verstorbener,'die im Wasser untertaüchen, ttm sich reinzuwaschen, ehe sie $erc Himmel «mfsieigen Mn! großen Gericht . .; ' In der Schule hatte er GvschWen gehört) Und er selbst hatte auch eine Mengje gÄesen ür den FabeMkchiern, ßiie er sich an jedem Freitag bei Jcckob, dem Buchbinder, gekauft hatte, Geschichten von wilden Wäldern und wüsten Feldern, in denen Schatten lsund Gespenster umherstreichen, wo schreckliche Rärrber wohnen, die den lKönigsfohtt und die Prinzessin fangen Und in tiefen, 'tiefen Höhlen in Ketten halten. Und im WaDe, da "liegt jener Stein, der den Eingang zu der Hohle verschließt, die direkt ins Paradies führt. Jossele war überzeugt, daß dies hier der schreckliche WÜD sei, von dem er in seinen Märchenbüchern gelesen hatte — man mußte ja durch furchtbare WMer Und entseßliche Wüsteneien hindurch, wenn man nach Amerika reiste. Und es schien ihm, daß' von diesem Wald Straßen ausgehen «ach dckn heiligen Lande Israel Und brach allen Ländern der Wett. Dort aber, wo der (Wald endete, hallten sich sicher die riesigen Menschenfresser auf mit .»den iUNgeheuer lattgsin Bärten. l ( Klopfenden Herzens erwartet er, setzt (Und jetzt uÜWn die Menschenfresser ttunmen. Und siche, da sind' sie schon — aus der Ferne ihört man^ das Galoppieren viän Reitern, das das Echo noch einmal heirträgt. „Was ist düs?" Me werden still, die Schritte stocken, man wirst 'sich M Erde. Die Mutter zieht Jossele zu sich herab und' versteckt' sich — alles, der ganze lEmigrantenzUg, liegt seA lang hingestreckt auf dem Boden zwischen >derr Bäumen, halt den Mem an — mau hört.nichts als das.Aufschlagen der Werde- HUse, vom Echo wiederholt . . ,■ i , f ' Manchmal nähern'sie sich, die Menschenfresser, Und bald werdm sie gewiß da sein lirnd alle als Giesturgene mitschleppen in ihre Höhle und.werden sie in Käfige sperren und auffüttcrn, daß sie fett tverden, und jeden Dag eines von ihnen auf der Feuerpfanne braten . . . Ein Kind weint; man erschrickt; die Mütter halten den Kindern den Munßi zu. Jossele hört neben sich jemand mit zitternder Stimme Bußgebete sagen, viele flüstern die Gebete mit in di? Erde, ins Gras hinein. Er hört, wie Mutters Lippen murmeln: „Gott Abraham, hilf uns!" Auch Rachele betet neben ihm: -^Großer Gott im Himmel!" sagt sie leise im selben Dur-, stall wie die Mutter, wenn! sie am Sabbat die Lichter segnet. Es ist ihm, als ob alle bereit seien, ihr Sterbegebet zn sagen, Und schon will er tvemen. Die Mutter flüstert ihm M ,^Foselle, Jofelle, sei still, sie werden bald durchreiten^ . . Nein, er wird nicht weinen, >er wird seine.Stimme mchch hören lassen, damit sie nicht merken, fafo er und die Seinen sind'. Er wird auch beten, wie idie Großen, wie alle beteir: „'Gott, m Himmel!" Nein, nein, das Ändere "Gebet, das größte/ das man spricht, wenn die Seele ausgeht, das alle Juden sprechen, wenn sie in Gefahr find Und' tvenn man ein Gespenst sicht. ,Möre JsiM, dev .Gvfge, dein Gott, ist em eülziger Gott^ >Jnbrünstlg betete der Keine — und wer weiß, ob sein Gebet nicht 'geholfen hat. Mm hörte bald, wie der Klcürg der Merdehufe sich weit hinten im W verüw. „Still, weiter, nur keinen Lärm machen!" rief eine Stimme. Man «Wb sich, 'tatbj wieder ging es vorwärts. -Melobt sei der Schöpfer!", sagte Hannah Lea Und hob die Mngen Mn HinüUel auf. „Die Väter haben Kr UuS gebetet:" . «.... Sv He Wündjerung die tzaUHe Nacht hindurch. Mn anderen Morgen, als die ^Emigranten ^schon \m* Ms der Grenze waren und als maU sie „ins Bad^ führte zur „Desinsektton^- da fühlte sich schon keiner mehr anders, demt als ein Stück Ware, bia§ Mau Noch lAmerika verschickt Irnd das Man von einer Haind in die chHere wirft, bis «L endlich bMeu im Hafen anlangt. > ' (Fortsetzung foM) Theater ww heMte / mmmmm Deutsches Dolkstheater: Der Hexer Anfang 8. Ende vor V,11 Uhr Bolksoper: Jrh Hab' mein Herz in Heidelberg verloren Anfang V,8, Ende nach 10 Uhr Theater a.b. Wien: Der Orlow Anfang 8. Ende V,11 Uhr Johann-Strautz-Theater; Rosen aus SchiraS Anfang 8. Ende gegen */,11 Uhr Stadttheaterr Wien lacht wieder Anfang 8. Ende nach 10 Uhr Theater in der Josefstadtr Die Kameliendame Anfang 8. Ende >/,11 Uhr Sam««rfpiele r Zwölf Mädel lernen heiraten Anfang */,9. Ende nach V,ll Uhr Lnstspiel'Theater r Die KeuschhettSkonturrenz Anfang 8. Ende 10 Uhr Bürgaartew-Vithne r Richard Wagner-Abend Anfang 8 Uhr, Ende nach */,U Uhr Rola«d»Büh«er Die weiße Sklavin im Netz der Mädchenhändler Anfang 8 Uhr, Ende 10 Uhr lcheS Küustlertabarett. 3. Bez., Praterze 60. Auf Sommerfrische V49 Uhr Ratfio-Prograhmn Heute Montag 11 Uhr: Vormittagsmusik. 16*15 Uhr: RachmittagSkouzert. 18 Uhr: Jugendstunde. Ans Leberecht Hühnchens Welt. (25. Juli 1842 gest. Heinrich Seidel.) Erzählt von Käthe Ehren. 19 Uhr: Gesundheitsschädigunse» durch tierische Schädlinge. Dr. Friedrich Schick. 19 30 Uhr: Ctnwirknng von Licht, Lnst und Bewegung auf den lebenden Organismus. Primararzt Dr. Han» Redtenbacher. 20*06 Uhr r Geschichte der Jagdmnstk. Jägerlieder und Waldstücke. AuSgeftthrt von Bläsern der Wiener Staatsoper unter Leitung von Prof. Karl Stiegler. Morgen Di erlstag 11 Ubr: Vormittagsmusik. 16*16 Uhr: RachmittagSkonzert. Mttwirkendr Theo Tihan (Gesang). 18*30 Uhrr Körperpflege im Sommer. Dr. med. Elda Lindenfeld-LachS. 19 Uhrr Amateurkinematographie. Carl M. Kotlik. I 19*80 Uhr: Esperanto für Awänge».! 20*06 Uhrr A«S MaupaffantS Geschichten. (6. August 1850 geb. Guy de Maupafsant.) Erzählt von Hilda Wegner und Dr. Werner Riemerschmid. 21*05 Uhrr Schubertiade. Streichquartettsatz D-moll, op. postum. (GotteSmann-Quartett). Klavtervortrag r Wanderer-PhaMafie (Otto Schulhof). Gesangsvorträge r Der Wanderer, An die Laute, Der Tod und das Mädchen, Die Forelle, Alinde, Musensohn. (Anton Tansche; am Flügel: Otto Schulhost) Cellovorträge r Arpeggione-Sonate (Wilhelm Wiukker). Streichquartett: Der Tod uitb das Mädchen (Gottesmann-Qnartetzy. >ai.eir. i * ARBEITEN zv konkurrenzlos billigen Preisen, raschest, gründlich, dauerhaft nur durch BAUMGARTEN XXV Karl-Meißl-Straße 6/2 mVMHBB DER ANKER Alis. Versicherunas a. g. 09e9Q99999e9909QQQ9999999GGG& Schafwoll-Schwimmtrikots Jakob Gelles, 1« Rotgasse 1 (Ankerhof-Kunstuhr) Alleinige Anzeigers-Annahme: Annoncenexpedttioa Heinrich Schale!, Wien. 1. Bezirk. Wollzeilo 11. Herausgeber und Eigentümer: Jüdifchak- Zeitmrgsu. VerlagSges. m. b. H., Wie», 2. Bez., Laborstraße 1—3. — BercmttvoM. Redalteur: Jakob KranZz. Wien. IS. Be-., Brechergaffe S. — Druck: »Jnva*. Men, 7. Bez.. Lerchersteldersiraße i,