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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-01 · Heft 3025 (1.8.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3025 (1.8.1927)
Date
1927-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Preis 8O9 . Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 felephon 44-0-88, 43-3-19 Telephon ab 6 Dhr abends 31-0-86 Serie, ab '/-S Uhr abends 38-5-83. Drnckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) Preise: Wien and Oesterreioh durch Post oder Verschleißsteilen monatL 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Nr. 3025 Wie«, Montag, 1. Augnft 1027 IISUCHET m «ui» HsfitmMl» Mhlsttr Aiftuftaftiuri. Die Gemütlichkeit der'gutea alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast 1 Hatnitii. Imii.-VHK i. 45 g nti. Volkstümliche Preiset I Mittags - Menüs ä S 1'60 Direktion: OTTO KASEftEfi 9. Fahrgang Unterbrechung der Marinekonferenz. Fiir sinre Leit vertagt. L, d tt b o tt, 31. Juli. Die auf Montag nachmittags einberufeno Vollsitzung der Seeabrüstungskonferenz ist zunächst ans unbestimmte Zeit vert a g t worden. Der Beschluß ist in einer Aussprache gefallen, die heute nachmittags zwischen Lord BridttemlSn und Giibson stattfand. Abends wird mitgeteilt, daß die Konferenz auf Wunsch d e r A m e r i k a tt c r für zwei bis drei Tage ihre Beratungen aussetzt. Die Vertagung ist mit dem Ende der Konferenz gleichbedeutend, nachdem Präsident Coolidge schon am Samstag die Hoffnungslosigkeit aller wetteren Verhandlungen feftgestellt hatte. Die britische Regierung beabsichtigt jetzt, sofort ein negatides Abkommen anznregen, das die Beteiligten verpflichten würde, während einer bestimmten Periode keinerlei neues Marine bauprog r a m m aufzustellen. Bridgeman und Lord Eecil haben den amerikanischen Vertreter bereits von ihrer Absicht verständigt. Wenn sich die Amerikaner darauf einlassen sollten, dann werden während dieser Ruhepause neue Versuche gemacht werden, eine" Märineabrüstungsvertrag zuständezübringen. Mne SrkMruug de« Prinzen Sarol. Er will nach Rumänien zurückkehren. Paris, 31. Juli. (Havas.) Der „Matin" veröffentlicht eine vom P r im z e n Car o l einem Mitarbeiter des Blattes diktierte Erklärung, worin es heißt: Wenn ich seinerzeit auf meine Rechte verzichtet habe, so geschah dies, weil ich unter ernsten Umständen durch Personen und durch Mittel hiezu^ gezwungen wurde, die zu beurteilen, ich mich enthalte. Ich beklage alle Konsequenzen dieser Entscheidung. Da dio Lage in Rumänien heute sich geändert hat, bin ich als Rumäne und als Vater meiner Ansicht nach bc- . rechtigt, über die Größe Rumäniens und die Interessen meines Sohnes zu wachen mrd persönlich zu intervenieren. Ich wünsche sehnlichst, meinem Lande nützlich zu iein, ohne Unruhen hevvorzurufen. Ich bin bereit, einem eventuellem Rufe des rumänischen Volkes Folge zu leisten. „Journal" schreibt: Die Erklärung des Prinzen Carol hätte keinen Sinn, wenn sie nicht bedeutete, daß er den Gegnern des gegenwärtigen Regimes in Rumänien zurufen will: W e n n I h r einen F ü h r e r h a b e n w o l lt, dann bin ich zur Stelle! Diese Tatsache ist mn so ernster, als die gegenwärtig an der Regierung befindliche Partei Bratianus zahreiche Gegner hat. Der einzige Wunsch, den die Freunde Rumäniens, unter denen Frankreich beit ersten Rang für sich beansprucht, aussprechen können, ist, daß diesem Lande die Zuckungen einer Thronfolger-Krise erspart bleiben. «Echo de Paris" führt aus, in Wirklichkeit sei der verbannte Prinz Carol nicht nur seiner Titel und seines Namens entkleidet worden, sondern auch seiner väterlichen Macht, vnd zwar auf die Initiative des verstorbenen Kö n i gs F e r d i n a n d. Prinz Carol habe also kein Recht, auch nur einen dieser Ansprüche in irgend einer Form geltend zu machen. Es wäre zu wünschen, daß Bvatianu obsiege, und daß er seine Ratgeber bis zum Jahre 1940, dem Jahre der Volljährigkeit des Königs Michael, die Stabilität des Staates gewährleisten. Memrncea« in die Bendße abgereift. Paris, 81. Juli. (Havas.) C l e m e n c e a u ist heute mittelsAutomobils auf sein Landgut in der Vendee abgereist. Aussperrung in der Andapefter vlfthiampen- Budapest, 31. Juli. Wie die Blätter melden, hat die Vereinigt« Glühlampen- und Elek trizitütSa A. - \3. ihre Arbeiter, die in einzelnen 'Abteilungen der Fabrik wegen Lohnforderungen die Arbeit n i« d e r g eT e g t hatten, aufgeforbert) die Arbeit am Samstag wieder aufzunehmen. Da diese Aufforderung erfolglos blieb, hat die Gesellschaft den Betrieb ganz eingestellt und sämtlichen 4500 'Arbeiter«, gekündig' Re Maffia ans Sizilien. Rom, 1. August. (Tel.-Komp.) Im Kampfe gegen die siz ilian llsche Maffia gelang es der Polizei, eine Verbrecherbande unschädlich zu machen, die in mehreren Ortschaften um Palermo ihr Unwesen trieb. Tie Bande hatte die Bevölkerung seit langem unter Terror gehalten. Die Behörden stellten Hunderte von u »gesühnten Verbrechen fest, die der Bande zur Last fallen. .Unter' den 200 Verhafteten befinden sich zahlreiche heimliche Führer der Maffia, denen es sogar teilweise gelungen w«ar, öffentliche Aemter zu bekleiden. Sarro und Banzetti. Boston, 31. Juli. (Wolfs.) Da der Sohn des die Untersuchung im Falle. S a c co-V a n-zstti pe^önW^. .fGrendM^ Gouverneurs Füller an Blinddarmentzündung erkrankt ist, wird der Bericht über den Fall wahrscheinlich noch niAt Gestern nachmittags wurde in dem an Hietzing grenzenden Teil der Schmelz ein unter sensationellen Begleitumständen'verübter Raubmord entdeckt. Der 26jährige Drogist Hermann I a r o s ch hat seine 39jährige Tante, die Kanditenverschleißerin Anna M a tz durch Erdrosseln getötet und versuchte zu flüchten. Er konnte aber bald nach d e r T a t f e st g e n o m m e n w e r d e n. Der Mörder gestand zuerst, daß er einen Raubmord verüben wollte, gab aber bei der weiteren Einvernahme zu, die Tat über Anstiften seines Onkels, des 41jährigen Elektrikers Gottfried Matz, verübt zu haben, der ihm als „B e l o h n u n g" 100 Schilling zusicherte. Das Ehepaar A n n a u n d Gottfried M a tz bewohnte mit seinen beiden Töchtern im Alter von 12 und 3 Jahren eine Parterrewohnung im Hause Missindorfstraße Nr. 10. Anschließend an Küche und Schlafzimmer befindet sich eine kleine, sauber gehaltene Konditorei, die Frau Anna Matz, eine Frau von 39 Jahren, selbst betreute. Das Eheleben der beiden Leute war nicht duraus harmonisch. Es gab oft Streit; der Mann) ein Kriegsinvalide, der sich im Felde ein schweres Nervenleiden zugezogen hatte, stieß wiederholt gefährliche Drohungen gegen seine Gattin aus und lvar oft auch recht grob zu ihr. Obwohl Frau Matz manchmal erklärte, sie wolle sich scheiden lassen, stand sie doch immer wieder von ihrer Absicht ab. Gestern gegen ^4 Uhr nachmittags wollte eine Frau das Geschäft betreten, bemerkte aber, daß die Eingangstüv: versperrt war. Dies fiel ihr um so mehr auf, als durch die verschlossene Tür eine ziemlich heftige Debatte hörbar war. Als trotz wiederholten? Klopfen nicht geöffnet wurde, verständigte die Frau einen eben vorüberkommenden Rayonsposten. Auch dieser pochte wiederholt und blickte durch das Glasfenster der Eingangstür ins Geschäft. Da sah er plötzlich den Kopf eines Mannes unter dem Berkausspntt anstauchen, sofort aber wieder verschwinden. Der Wachmann dachte zuerst an Einbrecher und rief zwei weitere Wachorgane um Sukkurs herbei. Während die.hrei Wachleute noch miteinander sprachen, sahen sie plötzlich einen jungen Burschen aus dem Hausflur treten und gegen die Linzerstrahe zu eilen. Sofort Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. am Mittwoch erstattet werden. Die Entscheidung dürste also vertagt werk«- Ln« Wische Semeindeftnint in PMftinn. Jerusalem, 30. Juli. (I. T. A.) Die Jüdische Nationalversammlung in Palästina (Asfefath Haniwchärün) tritt im Oktober dieses Jahres zusammen,/ um über die Organisierung der palästinensischen Judenheitgemäß den Bestimmungen der am 16. Juli in der Official'. Gazette veröffentlichten, von der britischen Regierung be- - reits genehmigten Mischen GeMeindevrdnuna schlüsse zu fassen. Re Lage in Speien. Beirut, 30. Juli. (Havas.) Die letzten aufrührerischen Elemente der Drusen sind ins Djebel zurückgekehrt, wo die Ordnung gesichert ist. Bloß Sultan Utrasch mit 300 Kriegern habe sich noch nicht unterworfen n"d findet sich gegenwärtig in Nedsch. Sie Ueberschwemmnngrkaiaftrophe in Fndien. Bomb a, 31. Juli. (Reuter.) Die TelegrapheNverbindungen mit. Baroda sind jetzt wiederhergestellt. Die Zahl der Toten in der Stadt beläuft sich auf ungefähr 30. Man befürchtet jedoch, daß noch weitere 100 Personen in der^Wgebung ettrnnken sind. In Ahmedabad sind 6000 Häuser zerstört. wurde die Verfolgung ausgenommen und der Unbekannte in der Linzerstraße: bei dem Viadukt der Vorortelinie, die dort die Linzerstraße überspannt, gestellt. Als der Bursche den Weg zur Flucht verlegt sah, kletterte er an einem Pfeiler des Viaduttes empor, um die Geleiseanlagen zu erreichen. Die Wachleute riefen ihm zu, sie würden schießen» falls er nicht fofort herabkomme. Sie zogen auch ihre Revolver. Da kletterte der Mann herab und ließ sich widerstandslos fest- . nehmen. Unterdessen war auch bereits eine Kommission am Tatorte erschienen. Sie fand den 41jah'rigen Elektriker Gottfried Matz nt tiefer Bewußtlosigkeit nach einem epileptischen Ansall. Der Ohnmächtige lag in dem an das Geschäft, anschließenden Wohnzimmer und wurde sofort mittels Auto zum Kommissariat Schmelz gebracht. Als die Polizei hierauf das Geschäftslokal betrat, bot sich ihr ein furchtbarer Anblick. Zu Füßen deS Berkanfspnttes, auf dem Rücken hingeftreckt, das Gesicht mtt Blut bedeckt, das Kinn in einer Weise zerschmettert» daß sich die Knochen durch das Fleisch gebohrt hatten, fand man die Leich« der Frau Matz. Die Geldlade oberhalb der Leiche war zum Teil geöffnet. Es unterlag also keinem Zweifel, daß hier ein Raubmord verübt worden war. Auch über die Person deS Täters herrschte bald Klarheit. Der Verhaftete war der 25jährige Drogist K a r l I a r o s ch, ein Neffe der Ermordeten, in Marburg geboren, Penzingersttaße 146 wohnhaft. Auf der Polizei ergab sich dann eine aufsehenerregende Aufklärung: Jarosch gab an, daß ihm Matz einen Betrag von 100 Schilling versprochen habe, wenn er die Tante ans der Welt schaffe. Matz hat nach Aussage von Hausyarteien s e i n e F r a u wiederholt am Leben bedroht. Er war arheiisscheu und die Sorge für den vierköpfigen Haushalt lag einzig auf den Schultern der Frau. Matz wurde noch abendin Haft genommen und dem Sicherheitsbureau überstellt. Li« Raubmord a«s der Schmelz. Vom Ehemann zur Ermordung der raute gedungen.

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