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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-30 · Heft 3023 (30.7.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3023 (30.7.1927)
Date
1927-07-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, GamStag Wiener Morge«zettrms SS. JvN 1087 Skr. S0S8 Lage versetzt, die Tarifsätze auf Vieh und Fleisch zu erhöhen, die Ungarn auf- Grundlage des Handelsvertrages zivischeu Oestevreich und I u g'o's'I'a'w'i'e'n ebenfalls auf Grund der MeistbegünsiigungOklausel zugestanden waren. Die österreichische Regierung hat sich nunmehr an die jugoslawische Regierung mit einem Antrag auf E rhöhung der Tarifsätze auf Dich und Fleisch gewendet. Sie motiviert diesen Antrag mit den Bedürfnissen der österreichischen Volkswirtschaft. Di« Aendcrung dieser Tarifsätze erfordert eine Revision des Handelsvertrages zwischen den beiden Staaten, weshalb die österreichische die jugoslawische Regierung aufgefordert hat, Verhandlungen wegen Abschlußes eines Z usatzabkommens zum gegenwärtig gellenden HandelArertrag einzukellen. Laut Vorschlag der österreichischen Regierung hätten die diesbezüglichen Verhandlungen bereits Mitte September d. I. zu beginnen. Auf dem Wege r«m europäischen Khemietrust. Es ist zwar augenblicklich noch nicht so well, daß man von einer Ueboreinftimmung der chemischen Industrien der drei führenden europäischen Lander Deutschland, England und Frankreich und der Bildung einer Chemie-Gemeinschaft sprechen konnte, jedvch bewegen sich die Dinge so konzentrisch auf das gemeinsame Ziel, wie seinerzeü beim internationalen StahlpM. Man muß sich zum Verständnis die Vorgänge aus der jüngsten Entwicklung der chemischen Industrie vor Augen Hallen. In allen drei Ländern hat der in der Kriegsnot zu überragender Bedeutung gelangte Gedanke der nationalen chemischen Rüstung die Stickstofferzeugung, neuerdings auch die VerflüfsigungderKohle, in den Mittelpunkt gestellt. Die Selbstversorgung mit Kohlenteererzeugniffen und Farbstoffen schreitet in England und Frankreich gleichfalls von Jahr zu Jahr fort. In ganz ähnlicher Weise entwickeln sich die Dinge in England. Der Zeitpunkt, an dem auch diese beiden Länder, ebenso wie bislang die S ch w e i z und die amerikanische Teerfarbenindnstri e, mll Deutschland am Weltmärkte in scharfe« Wettbewerb eintreten würden, liegt nicht mehr fern. Anderseits bestcht nicht nur ein gemeinsames Interesse an der Regelung der Lage auf dem internationalen Stickstoffmarkt«, sondern auch für flüssige Kohle. Dr dem Bergiusverfahren zur Kohlenverstüsiigung sind nicht nur die IG. Farbenindustrie, fordern auch englische Kreise wettgehend beteiligt. Es bestehen englische Beteillgungen an der Haager „Studiengesellschaft" für Bergiusverfahren. Zugleich aber war die IG. Farbenindustrie seinerzeit gelungen worden, der zu einer Sttckstoffanlaye umgebauten Toulouser Pulverfabrik der französischen Regierung Patente zur Herstellung von schwefelsaurem Ammoniak auszuliefern. Me drei Länder haben in einer bedeutsamen internationalen Stickstoffkonferenz in Biarritz im Vorjahre sich auf eine gemeinsame Propagcmda des synthettschen Stickstoffes geeinigt. Ein wetterer wichtiger Punkt ist die Tatsache, daß die chemische Industrie der drei Länder weitgehend konzentriert ist. Die Beziehungen der deutschen IG. M führenden ausländischen Konzernen sind bekannt, und wenn die IG. jetzt die deutschen Nobelintereffen ausgenommen hat, so ist sie naturgemäß ganz selbsttätig in engere Belli. Fortsetzung) Copyright \>j Di, Prager, B. LOvü Verleg, Wien. AMERIKA. ein Bornim von smaiom Asm. Zu Hause war schon der Fuhrmann, der auf das Gepäck wartete. In der Mtte des Zimmers lag ein großer Wacken, auf einer Seite guckte der Hängeleuchter hervor, noch geschmückt mit blauen -Papierfransen, die sie zum letzten Wasfahfest daran geheftet hatte. Unwillkürlich muhte sie dcwan denken, wieviel Tage noch bis zum nächsten Sabbat wären und wie sie am Sabbat-Äbend über die Lichter werde den Segen sprechen können. Eine Mlmosenbüchse hing noch an der Wand. Jossele sollte sie 'abnehmen mll» nach dem Bethaufe tragen. Dann kam Vetter Wolf mit seinem Weib. Die Frau lsiett ttgendetwas. unterm Jackett, was sie für die Kinder ,Mf die Reise" mitgebvacht hatte. Vetter Wolf war sehr gut zu Hamuch Lea und redete sehr freundlich mll ihr. Indessen kam Leibusch mit dem „Agenten", sie hatten noch irgendetwas miteinander zu verhandeln. In der Stube wurde es enge, und alles ging.ball» drunter und drüber. Die Bettstellen wurden zerlegt, die Sessel übereinandergestellt, bas Mcherschränkchen hinausgetragen. Rächte packte das Bettzeug mitten in der Stube. .Rings auf dem Boden lag Stroh herum und allerhand Abfällzeug. Muhme Scheindel hustete und kicherte, dann rief sie irgendetivas in die Stube hinein, doch was — das weiß',sie allein nicht mehr: seit jener Zeit lebte sie wie im Traum. . . Ueber die Grenze. Die Familie saß eng zusammengepfercht im Waggon, .Hannah Lea mll den Kindern und den Bündeln und Kö.rben wie eine Henne, die Eier ausbrütet. So ging es in die weite Welt hinaus. Hannah Lea ließ kein Kind sich vom Fleck rühren — sie hatte förmlich Angst, inan merbe ihr eÄres stehlen. Sie hörte nicht auf, die „Banditen" anzuziehungen Kun neuen großen Chemie trust Englands, der Imperial Chemical Industries, getreten. Da dieser Trust auch den wichtigsten Wettbewerber, der IG. Farbenindustrie, nämlich die British Dyestuffs Corp., in sich einschließt, so muh die IG. Farbeninduftrie mll dem Trust paktieren, um gegen Zollschikanen des neuen Chemietrusts und seines Führers Sir Alfred Mond gesell zu sein. Ganz ähnliche haW wirtschaftliche, halb politische Beweggründe sprechen auch für ein Paktieren mit der französischen Chemie, denn auch dort ist eine große Zusammenfassung von Großfirmen, wie Pechiney, Gaffa, St. Gobain u. a., unter den Fittichen der Etablissements Kuhlmann im Gange, die auf der ganzen Linie die gleichen Gebiete bearbeitet, wie die IG. Farbenindustrie. Da gleichzeitig mll den andauernden englischdeutschen Konferenzen auch die Besprechungen der französischen und der deutschen Chemiker einen glatten Verlauf nehmen, so darf man mll einer dreieckigen Abmachung in baiDiger Zett rechnen. Dre Devisenmärkte wiesen nur geringfügige Bewegung aus. Das KurSNiveau war wenig verändert. Der Schilling hat sich um einen halben Punkt auf 73.08Vbefestigt, ebenso der französische Franc, der mit 20.32V- Parität Zürich schloß. Lira und Leu sind im wesentlichen unverändert. Die Reichsmark war um ein Geringes schwächer (183.60). Der österreichische Getreidezoll. Der Zoll für Weizen, Halibfrucht und Spelz beträgt für die Zeit vom 1. bis 16. August 1927 0.50 Goldkronen für 100 Kilogramm. Dieser Zoll gilt gemäß Zolltanfgesetz auch für Roggen, Gerste und Hafer und hat ferner bet Berechnung des Zolles für Malz, Mehl und andere MUlereierzeugnisse, Brot, Teigwaren und Weizenstärke Anwendung Al finden. Er bleibt auch über den 15. August hinaus insolange in Geltung, als nicht e:ne Abänderung erfolgt. Dre Haftung der Gemeinde Wien für das Wiener Ruß- Nndgefchäft. In den letzten Wochen haben, wie feinerzett berichtet, Besprechungen der Gemeinde Wien mtt den Frnanztnstituten stattgefunden, welche die Finanzierung der mit einer Garantie der Genveirch versehenen Kredite für Lieferungen nach Rußland bezweckten. Die Verhandlungen find aus Zweckmäßigkeitsgründen seit Mitte Mtt unterbrochen worden und düMen, wenn in den Verhältnissen keine Aenderung eintritt, im September wieder ausgenommen werden. Ein wesentlicher Schaden wird sich für me österreichische Industrie voraussichtlich nicht ergeben, wett, wie verlautet, die Garantieleistung der Gemernde für alle vis zum 31. März 1928 vorgenommene» Lieferungen geplant ist. Es könnte auch eventuell, wie dies in Deutschland der Fall war, eine Erstreckung dieser Frist eintreten. &ne neue Zuckerfabrik in Oesterreich. Mittwoch hat sich die unter Beteiligung der Länderbank und des Wiener .Bankvereins gegründete Hirmer Zu ckerfabriks-A.G. mtt einem Kapital von fünf Millionen SckMng konstituiert. Die Gesellschaft übernimmt die früher der Firma Harttg u. Rothermann gehörige Zuckerfabrik in Hirm im Burgenland und wird diese so ausbauen, daß sie eins Kapazität von 700.000 Meterzentner Rübe haben wird. Feilbietung. Beim Bezirksgerrcht Floridsdorf wird heute um 3410 Uhr vormittags eine Anzahl Liegenschaften in Jedlesee und in der Ueberfuhvstraße zwangsweise versteigert. Schätzwert 18.372 S., geringstes Gebot 9166 S. — Vom Exekutionsgericht Wien werden am 2. August um 3 Uhr nachmittags Mechanikermasch'.nen im 5. Bezirk, Jahngasse 38, versteigert. — Beim Bezirksgericht Purkersdorf heute um 10 Uhr vormittags Liegenschaft Grundbuch Purkersdorf, E.-Z. 656. Schä^oert 12.570 S>, geringstes Gebot 6285 S. KaprtalSreduktion der Timber Holding Gesellschaft. Wie dem „Berliner Tageblatt^ gemeldet wird, fand biefer Tage ttt Basel eine BerwaltungsratSsitzung der Timber Holding Gesellschaft statt, in der beschlossen wurde, einer außerordentlichen Generalversammlung die Reduzierung des Aktienkapitals von 6 auf 1 Million Schweizer Franken in Vorschlag zu bringen. Tie KapttalSreduktion erweise sich als unvermeidlich, da die frühere Verwaltung dte Beteiligungen der Gesellschaft an Konzeruunternehmungen zu hoch bewertet habe und eins Reche von GesMsten Verluste ergeben hätten. Die neue Verwaltung will nach Abstoßung einzelner industrieller Beteiligungen die Gesellschaft dem reinen Handelsgeschäft zuführen. Sperre des polnischen Getteideexports. Aus Warschau wird gemeldet: In einer Pressekonferenz über die Passivität der polnischen Handelsbilanz erklärte Handelsminister Kwiatkowski, dag die ungünstige Entwicklung des Außenhandels in erster Linie auf die infolge der nach der vorigen Ernte erngetretenen Getreideausfuhr und dann im Laufe der letzten Monate notwendigen Getreideeinfuhr zurückzuführen sei. In diesem Jahr wird der Getreideexport völlig gesperrt werden. Im übrigen stelle die Passivität keine wesentliche Gefahr für Polen dar. Der polnische Export erobere immerfort neue Absatzgebiete. Der Minister äußerte sich ablehnend gegenüber den Stimmen, dre zwecks Aktivierung der Handelsbilanz eine Valorisierung der Zölle verlangen. Die Regierung bereite einen neuen Zolltarif vor, der sich an das belgische Zollsystem anleynen wird. . Dre türkischen Schulde«. Me aus Paris gemeldet wird, ist in den türkischen Schuldenverchandlungen eine Ernrgung erzielt worden, indem sich die türkische Regierung bereit erklärt hat, den Zinsendienst für alte Staatsschulden zum größten Teil wieder auftunehmen. Insgesamt wird die Türkei nach diesem Abkommen 62 Prozent der alten Schuld rn steigenden Annuitäten von 1928 bis 1951 zahlen. Für die einzelnen türkischen Anleihen ist aber eine verschiedenarttge Behandlung vorgesehen, auck werden verschiedene Währungen als Zahlungsmittel dienen. So z. B. werden Tßrkenlose Zu 100 Prozent rn französischen Francs ausgezahlt. Für den Schuldendrenst sind die Einnahmen aus Zöllen verpfändet worden. Die türkischen Nachfolgestaaten, auf die laut den Frredensverträgen ein Teil des SchuldenLienstes entfällt, haben ftch, wie bereits bekannt, im voraus mtt der zu erfolgenden Regelung einverstanden erklärt. Erne neue griechische Emissionsbank. Wie aus Athen gemeldet wird, hat die griechische Regierung über Anweisung des Völkerbundes beschlossen, eine Emissionsbank für Papiergeld zu errichten. Der griechischen Narionalbank wrrd das Recht der Notenausgabe entzogen werden. Sie soll sich auf rein bankmäßige Geschäfte beschränken. Die neue Emissionsbank, deren Kapital anfänglich eine halbe Milliarde Drachmen betragen wird und deren Aktien von der griechischen Nationalbank ausgegeben werden, soll zusammen mit dem Staat an der Stabilisierung der griechischen Währung arbeiten. Sie sol^ volle Autonomie" erhalten. Wiener Börse. Geringe Umsätze. — Behauptet. Die Prümienerklärung, der Kassatag und der Ultimo legten der Börse wohl' einige Zurückhaltung «auf, doch war .im ganzen die Stimmung nicht ungünstig. Das Interesse für Elektrizitätswerk hiett weiter an; Siemens und Clin konnten auch gestern Kursbesftrungen erzielen, A. E. G. gaben zufolge von Realisationen nach. In den meisten Kulissen, ausgenommen die der ungarische,, Montanwerte, war Beftstigung zu verzeichnen, doch waren die Umsätze gering. Einig« Nachfrage zeigte sich nach.Staatsbahn und Krupp. Prämienerklärung: Oesterveichische Kredit 66.25, Un garische Kredit 113.50, Lombarden 19.80, Staatsbahn 32.30, Siemens 24.56, Skoda 194.60, Sälgo 96, Trifailler 65.50, Alpine 41.75, Fetten 53.60, Ungarische Hofherr 22.90, Krupp 23.35, Poldihütte 124, Rima 154.25, Karpathen 32.10, Dampfschiff 112, Naphtha 9.40, Aussiger 196, Koburg 41. Jm Schvanken waren keine größeren Kursbewegungen zu verzeichnen. Der Renten markt lag ruhig. Auf dem lnläge markt notierten Rudolfsbahn-Schuld 2.50 und -Prior,-- täten 12.20, Oesterveichische Eisenbahnanleihe 5.23, Wiener Verbehrsanleihe 2.10, Wiener Anleihe, Emission 191-7, 0.61, Emission 1918 0.35 und Emission 1921 2.80. schreien. Chaim war sehr neugierig und wollte alles wissen, was es in und außer dem Waggon zu sehen gab. Immer wieder schlich er sich davon und warf seine Blicke hier durchs Fenster, dort durch die Tür, und jedesmal, tvenn sich ihr der Junge unter den Händen entwand, vermeinte Hannah Loa schon, er sei bevetts verloren und verschwunden. Denn auf alle Leute im Waggon blickte Hannah Lea mll Angst, als hatten sie es auf ihv und ihrer Kinder Leben abgesehen, und sie wagte gar nicht, mll irgend jemand ein Wort zu sprechen oder irgendwas zu fragen, denn so hatte sie der ,Mjgerll" instruiert: „Mll keinem sich ins Gespräch emlassen!" obwohl es doch Menschen ihrer -Art Und ihrer Sprache waren. So fuhren sie einen ganzen Dag und kamen vor jAinbr^rch der Nach in der Station an, die ihr der Agent «mf einem Zettel verzeichnet hatte, den sie die ganze Zeit Wer in der Hand hielt und wie ihren Augapfel hütete. Ein junger Mann in Gummimantel mit einer ausländischen Mütze «mf dem Kopf ging durch den Waggon und fragte mit gedämpfter Stimme: „Irgendjemand für die Das war das Losungswort, das ihr der'Atz ent bezeichnet hatte. Sie reichte dem jungen Micmne den Zetttl, und er machte ihr insgeheim ein Zeichen: „Folgt mir!" — Da nahm sie rasch Bündel, und Körbe, Rächele führte Jossele bei der Hand, die „Bandllen" wurden auch mit Gepäck beladen, und als ginge es zur Schlachbcmk, trabten sie alle hinter dem jungen Mann daher. Von jetzt ab fühlte sich Hannah Lea tatsächlich als Gefangene. Jetzt fkliH erst die richtige „Reise nach Amerika" an. 'Deute sschüen auf sie ein, befahlen ihr, so oder so zu tun, und sie führte alles «Ms wie ein Sträfling. Der junge Mann rief dem Fuhrmann ein paar Worte Ar. Plötzlich sch« er mll rauher Stimme: „Versteckt Euch vor den Gendarmen!" Im selben Augenblick war er selbst verschwunden, als hätte ihn die Erde verschlungen. Ein paar Minuten stand Hannah Lea mit den Kinder» und all dem Gepäck allein auf der Station in ungeheurer Aufregung und ratlos, was sie tun sollte. Sie war jeden AugeMick gewärtig, daß einer der Grenzsoldaten ans sie zukommen und sie mll» die Kinder ins Gefängnis werfen werde. Und sie hiett sich wirklich selbst für eine große Verbrecherin, weil sie „über die Grenzt" hinüber wollte. «Aber als sie sich schon ganz und gar verloren glaubte, tauche plötzlich wieder der junge Mann «mf, der dem Fuhrmann in brummendem Ton etwas auftrug. Hannah Leä und die Kinder eilten Wagen, der schon vollgepa-ckt war mit Männern und Frauen. Man warf Hannah Loa und die Kinder wie Gepäckballen «mf den Wagen, und hui! raste die Fuhre im ^Galopp davon. Nach zwei Stunden fuhr der Wagen in einen großen Hof ein. Ueber den Feldern ringsum lag schwarz und schwer die Nach. In dev Nähe rauschte ein Wasser, mll» der Wind wehte kühl. Hunde schlugen an und überbellteu einander. Hannah Lea dache nich anders, als jetzt seien sie nahe der „großen Miste, durch die man hindurch müsse," ehe man nach Amerika kommt. Ein Dov'wurde aufgerissen, und sie kamen direkt in die große Schlafstube eines Wirtshauses, wv sie beim Schin eines kleinen Nachtlämpchns eine ganze Menge von Auswanderern erblickten, die familienweise mll ihren Bündeln auf dem Boden lagerten. Die Neuangekommenen suchten sich schnell Plätze «ms. Hannah Lea fand ein Bündel Heu, auf dem sie und die Kinder sich ausstrecken konnten. Sie blickte um sich, urll> ihr Wurde echeblich leichter zumute, als sie bemerkte, daß die Leute ringsum Juden seien, tvenngleich sie das Jüdisch in littauischem Dialekt sprachen. Sie sah, wie die Lmcte es sich bequem machen, ihre Teemaschinerr herausholteu, wie sio Brot und Gurken hervorzogen und unter die Fannlien.- Mitglieder vertellten und da erinnerte sich aicch Hannah Loa an ihre Schwälbchen, die den ganzen Tag nichts in: Schnabel gehabt hatten. Sie öffnete ein Bündel und holte Weißbrot itnt> Wurst heraus, die die reich Schwägerin ihr mll auf den Weg gegeben hatte. Rachle aber, die viel energischer rvar und viel mehr Mut hatte als ihre Mutter, nahm ohne viele Wort« den Teekochr und ging den Littanern nach in die zweite Stube, wo es warmes Wasser gab. Während die Familie aus einem Glase, das von einer Hand in die andere ging, Tee' trank, klickte voic nebenher Frau an Hannah Lea herair, und indem sie sich auf einem Bündel neben ihr niederließ, fragte sie:

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