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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-29 · Heft 3022 (29.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3022 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 200 1 Redaktion, Administration: Wien, II.,Taborstr.l Telephon 44-0-88, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 31-0-86 Serie, ab '/,S Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße t („lnfa“) Preise'- Wien und Oesterreich durch Poet oder Versohleifistellen mouaiL 5 Schilling. Bezugsbedingungen för das Ausland im Innern des Blattes. Morgemeilung B«UCMiT em : aiißir HdtsiBimiif ■ ItiMstof AifMtlaitsßrt Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast f nitubd. lifi.-IelMt. 45 giilf. Volkstümliche Preise 1 Mittags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO, KASERER Dir. 1022 Me«, Freitag, 29. 3«U 1927 9. gahrgmig Bor dem Kode der Marinelonferenz. Sie Abrüstung wird vertagt Genf, 38. Juli. (Wolff.) Der britische Marineminister Bridgeman und Lord Ce eil sind heute wieder in Genf eingetroffen, da die Marrnekonferenz heute wieder ausgenommen wurde. Die Bemühungen der drei Delegationen find darauf gerichtet, in der Kreuzerfrage zu einer Einigung m gelangen. Washington, 28. Juli. (Reuter.) Die Erklärung Chamberlains über Englands unabänderliche Haltung in der Kreuzerfrage bestätigt in hiesigen Politischen Kreisen die Auffassung, dass eine Verständigung unmöglich und eine Vertagung der Konferenz SiS 1931 immiigänglrch fei. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Sine lächerliche Erfirtdung. -y, Wien. 29. Juli. Dem Gerüchteseldzug gegen das englische Palästina- Mandat ist nun die italienische Regierung in einer halbamtlichen Verlautbarung entgegengetreten. Es wird die Vcr,Minderung ausgesprochen, daß ein solches Gerücht ernst genommen werden komtte, da doch Italien niemals einen Schritt nach dieser Richtung getan habe. Vorher hatte bereits die liberale „Westminster Gazette" in ei nein! Aufsatz ihres diplomatischen Mitarbeiters die Meldung von' einer beabsichtiglen Uebertragung des Mandates an Italien als eine lächerliche Erfindung bezeichnet. Tie Gerüchte gehen, wie wir bereits mitteilten, auf einen Fühlerartikel der „Daily Mail" zurück, der die Unterschrift des Herausgebers Lords Rothermere trug. Der Artikel sprach nicht von Verhandlungen, svirdern gab die Anregung. Es sollte sondiert werden, welche Aufnahme der Vorschlag in dev Oefsentlichkeit finden, würde. «Tatsächlich hat sich, soweit uns Pressestimmen vvrliegen, nur ein italienisches Blatt mit dem Plan beschäftigt und ihn, wie man dies nicht anders erwarten kann, gerne begrüßt und das sehr hypotheische Geschentk als einen Sympathrebeweis aufgenonnnen. Ein französisches Blatt hat dann bereits über laufende Verhandlungen berichtet und hirtzügdfügt, daß die Sache wegen des Widerspruchs der Londoner zionistischen Kreise sich sehr schwierigarrläßt. Die lAufkläriin g, die nun aus London und Ro m kommt , ist bkuttich. Es gibt keine . Verhandlungen. / . . Trotzdem ist die Angelegenheit nicht zu lürtWHWn. „Daily Mail" hat eine tägliche Auflage von einer halben Million Exemplaren und Lord Rothermere, der Nachfolger des Lott> Northrliffe, ist einer der reichste» Zeitungsmagnaten. Sein politischer Einfluß in verantwortlichen Kreisen ist sehr gering und Minister Hicks hat dem Lord in einer konservativen Versammlung geraten, doch lieber Zusammen mit dem Lord Beaverbrovk eine eigene Partei' Kr gründen. Da er aber seinen Artikeln eine so weitgehende Publizität verleihen kann, wäre es fälsch, sich nicht damit' zN befassen. Denn Lord Rothermere Met eine schr WUe Kampagne gegen das gesamte Frichenswerk von Versailles und die Lancierung der Mandatsfrage ist nur ein Teil des Awgriffes. Der schwerere Sturm richtet sich gegen den Vertrag von Trianon. Lord Rothermere hat mit seiner Stellungnahme in Ungarn einen Begeisterungstaumel hervorgerufen. Von den Kvmitatsverwattungen bis zu den israelitischen Freischwimmervereinen regnet es Begrüßungen, eme Liga HL sich gebildet und in Budapest wird schon eine Illuminierung vorgeschlagen. Denn der Lord hat die Wiederherstellung des alten Ungarn, wie es vor dem Krieg bestanden! hat, verlangt. Das Minister Benesch zurückgewiesen, aber äus Höflichkeit nur in einenr Parlamentsausschuß. Der Lord hat ihm nun in einem ellenlangen Brief geantwortet den er wieder in einer ungarischen Zeitung publizierte. Dieser Brief ist eine sehr arge Unhöflichkeit, denn er sagt, daß die Tschechoflvwakei nur England und Frankreich ihre Freiheit zü verdanken hat, und er verlangt einen ziffernmäßig belegten Bericht über die Bodenenteignung in de» magyarischen Gebieten. Nun ist es richtig, daß der gesamte Friedensvertrag ein Stümperwerk ist, das in der Grenzziehung durch eine profunde Unkenntnis der ethnischen Verhältnisse Mitteleuropas und des Balkans fast irreparablen Schaden ängerichtet hat. Mm ttefsten verspürt man dies in Oesterreich, das ja ein Opfer dieser Unkenntnis geworden ist und dessen Krisen auf diese Mängel zurückgehen. Es ist auch richtig, daß die Zerlegung der alten österreichischen Monarchie zu brüsk urä» zu radikal erfolgt ist, und daß sich daraus die Mnschlkißpropaganda entwickelt hat, die ja in Oesterreich nicht ,si) bedeutsam ist, im Ausland aber über Gebühr gefürchtet wird. Ms den Friedensverträgen ist die so schwere Belastung der Mnoritätenfrage entstanden und zu Dimensionen angewachsen, die die demokratische freie Entwicklung in Frage stellen. Ununterbrochen finden internationale Konferenzen statt, di« darauf angelegt sind, parttelle Schäden zu korrigieren. Mer das ganze Werk ist revisionsbedürftig geworden und auch seine Schöpfer verschließen sich dieser Meinung nicht mehr. Sie leisten nur Widerstand aus der Furcht heraus, daß das so mühsam aufgerichtete Gebäude des Völkerbundes einstürzen würde, penn es an einer Stelle angetastet wird. Was aber Lord Rothermevo will, ist gar nicht die US Wik« Tote «nd Schwerverwnndete. Der Wien-Pariser D-Zug wurde m Frankreich pon einem anderen Schnellzüge gerammt. Die Depeschen, die gierst nur von Leichtverletzten sprachen, berichten bereits von Toten und St erbenden. waren sie vow mehreren hundert.-Personen, und nicht nur von einigen VereinzÄten gesehen worden, die sich offenbar g«tüuscht> Ein genauer Bericht mit den Einzelheiten und Namen der Getöteten liegt zur Stunde'uoch.nicht vor. Es ist daher unmöglich festzustellen, ob sich auch Oesterreicher unter den Toten befinden. Der Zug Basel—Paris—Calais, der vor zrvei Tagen Wien verlassen hat und heute um 11 Uhr 9 Minuten vormittags in Aci e ns angekommen war, blieb 600 Meter -nördlich von Abbeville infolge eines Mafchinendefektes stehen. An dieser Stolle fuhr der Schnellzug Paris—Calais Nr. 5, der um 10 Uhr 10 Minuten von Paris weggefahren war, um 11 Uhr 55 Minuten in den Wiener - Schnellzug hinein. Die letzten Waggons wurden beschädigt, und zwar besonders stark der Schlafwagen als letzter Wagen des Wiener Zuges sowie der Postwagen. Drei Reisende des Schlafwagens wurden verletzt, A b b e v i l l e, 28. Juli. (Havas.) Der Schnellzug Paris—Calais ist heute auf den Expteßzug Wien—Basel- Calais, welcher wegen eines Materialgebrechens hatten müßte, aufgefahren. Hiebei wurden ungefähr zehn Personen öet* letzt darunter zwei schwer. Berlin 28. Juli. Zu dem Pariser Schnellzugs- Unglück wird weiter gemeldet, daß die beiden letzten Waggons vollständig zertrümmert find. Es wurden bereits ein Toter, drei lebensgefährlich und elf L e i ch t v e r l etz t e gezählt. 1000 Tote in British.Fndien. gnlolse eines Dammbruches. London, 28. Juli. (Reuter.) „Daily Expreß" meldet aus Kalkutta: ' Die Dlimme eines Kanals, der als Abfluß für die Gewässer eines Sees im Bezirk von B a r o d a dsen-ße, sind gebrochen. Hiebei wNirdeu 1000 Personen getötet. Nungesser und Sott mmusfindbar. «eine mehr. New York, 38. Juli. (Tel.-Komp.) DaS Flugzeug des amerikanischen Fliegerhauptmanus Dadwell, das mehrere Woche» hindurch Nachforschungen nach Nungesser und Coli in Vteufundlanö angestellt hat, ist wieder in Song Island eingetroffen. Cadwell erklärte, er sei iiberzeugt, daß Nungesser mrd Coli niemals Neufundland erreicht haben. Wich« dies der Fall gewesen, so hätten. Das Flugzeug hat während seiner Nachforschungen ein Gebiet ' von 15.000 Quad-vatnreilen abgesucht. 1 Das Palästina-Mandat. Stallen nementlect Me UeSernahMgerWte. Rom, 27. Juli. (P. T. A.) Die im Auslande umlaufenden Gerüchte, daß Italien das Palästina-Mandat Wertragen werden soll, werden hier offiziell schr energisch dementiert. Man spricht in Regierungskreifen Verwunderung darüber ans, daß solche Gerüchte überhaupt vttstcherr konnten, und betont, daß Italien nie die Absicht gehabt hat, das Mandat über Palästina zu übernehmen, daß auch in dieser Richtung keinerlei Schritte unternommen wurden. Der neue Befehlshaber der englischen Flotte. London, 28. Juli. Der Mdnrival der Flotte, Earl B-eiadt y, wird morgen vvu feinem Posten scheiden- Er hatte das Amt des Ersten Seelords säst acht Jahrs verwaltet. Sein Nachfolger ist'Admiral Charles Madden. Politische Berhastnng ln Belgrad. Der Ehesredalteur des „Ldlel". Graz, 28. Juli. Wie. die „Tagespost aus Belgrad meldet, wurde gestern der Chefredakteur deS HauptorganS der demokratischen Partei „Odjek", Mlottn Stank»dich. Verhaftet. Stankovich ist auch Mitglied des Hauptausschussts der demokratischen Partei, lieber den Grund der Verhaftung ist nich'ts bekannt. ' Die Freiburger Studenten treten aus. Die deutsche antlsemltssche Studentenschaft gesprengt. Berlin, 28, Juli Gestern hat die Freiburger Sl'tüUjsbe'ntieSschuft mit SitimmenMchirheit svlgendeU Antrag angenommen: Unter dem Eindruck des Würzburger Studententages, der nicht den Mut fand, die Berfassungsfrage zu einer einheitlichen Lösung zu. bringen, beschließt die Freiburger Studentenschaft, aus der Deutschen Studentenschaft aus zu treten. Sie erstrebt aber im Interesse des Bestandes ein-r Deulschen Studentenschaft eine Einigung gleichgesinnter Studentenschaften. 1151

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