Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3021 (28.7.1927)
- Date
- 1927-07-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Gettr io Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung g8. JuN 1927 Nr. 8021 speziell daS2:2-Spiel gegen die Giants, wobei wir bis zur Pause 2:0 führten, wurde in großartiger Form absolviert. Dennoch blieb der materielle Erfolg aus und das kam so: In Amerika herrscht derzeit auch eine ziemliche wirtschaftliche Stagnation. Das Interesse für sportliche -Veranstaltungen hat abgenommen. Auch die bedeutenden Baseball- und Boxveranstalter klagen über Rückgang der Besuchsziffern. Der Fußballsport hat überhaupt nur sein spezielles Publikum. Es ist sehr begrenzt, da der richtige Amerikaner sich auch heute noch wenig dafür interessiert und nur die <ut8 Europa eingswanderten Schichten, die auch hier schon Fußballspiele besuchten, gehen zu den j Matches. Ein Stammpublikum von 2000 bis 3000 Personen reicht wohl aus, um in der lokalen Meisterschaftskampagne materiell zu reüssieren. Wenn ein Manager zum Beispiel eine neue Attraktion, natürlich in amerikanischer Aufmachung, ankündigt, dann kommen leicht tausend Besucher mehr aus den Platz und die Kosten eines europäischen Spielers für die ganze Saison sind dadurch fast hereingebracht. Für die Bedeckung der Spesen für eine Tourneemannschaft mit allem, was drum nnd dran hängt, reicht aber diese Besucherzahl nicht aus. Im Vorjahre haben die Hakoah-Spicle starke jüdische Massen angezogen. Diesmal war das nicht der Fall, weil die Wiederkehr zu rasch erfolgte. Außerdem hat die Abwanderung jüdischer Spieler nach Amerika aus Gründen des Professionalismus in gewisser Hinsicht verstimmend gewirkt. Ein riesiger Nachteil erwuchs uns auch daraus, daß infolge der Gegnerschaft Agars, der eine große Rolle im amerikanischen Fußballverband spielt, nur ein Sonntag in New Aork zur Verfügung stand. Dieses eine Spiel hat auch tatsächlich 30.000 Dollar ab geworfen. Agar selbst konnte sich für die Spiele der Palästina- Mannschaft drei Sonntage in New Jork sichern. Die Wochentagspiele in dieser Metropole haben nur geringe BesuchHifsern gebracht. In den übrigen Städten war es natürlich noch schlimmer. Noch zwei Sonntage in New Kork, und die Unternehmer hatten bestimmt gut abgeschnitten. Tatsächlich war auch das Publikum in einer gewissen Hinsicht sportlich enttäuscht. Die Mannschaft konnte nichts Neues zeigen nnd die vorjährigen Leistungen natürlich nicht überbieten. Amerika ist aber das Land der Sensationen. Viele, die sich die Geschichte einmal im Vorjahr angesehen hatten, bliÄen diesmal aus. Ein weiterer Fehler war es, daß der Apparat von Sekretariaten und vorbereitenden 'Oomitees auf den Umsatz der vorjährigen Tournee eingestellt war. Es wurden solche Bureaus eingerichtet und derartige Investitionen gemacht, die sich daun bitter rachen mußten. Den Einnahmen von beiläufig 80.000 Dollar in 15 Spielen standen Ausgaben von mehr als 110.000 Dollar gegenüber. Wir mußten froh sein, daß wir unser Fixum mit kleinen Abstrichen bekommen haben. Ich glaube, daß Amerika auswärtigen Mannschaften nunmehr sehr lange verschlossen bleiben wird. Was die weiteren Spielerverluste anlangt, so würden solche, die hinübergravitieren, auch ohne die diesjährige Tournee die Möglichkeit eines Engagements haben. Ich stehe auf dem Standpunkt, nachdem ich in Amerika war, noch mehr, und weiß mich damit eines Sinnes mit Dr. Korner, daß man keinen Spieler, der hinüber will, zurückhalten soll, so schwer dies auch die Hakoäh trifft. Es ist kein Vergnügen drüben zu spielen, aber jeder kann sich, sagen wir in zwei Jahren, soviel ersparen, daß er sich dann hier ein« Existenz aufbanen kann. In materieller Hinsicht für den Verein ist noch zu sagen, »aß wir durch das Fixum die Spielerlöhne decken Schneider, Schuster, Leinenweber, Doktor^ Kaufmann, Totengräber, Fußballspieler und Touristen, Bankbeamte und Juristen, Professoren, Sänger, Lehrer, . Pensionisten, Rauchfangkehrer, Bäcker, Maler oder Richter, Autofahrer, Weber, Dichter. Bürger, Bauer, Bettelmann, Kurz und bündig: jedermann Fühlt sich glücklich wie ein Prinz Durch VIVIL, das PFEFFERMINZ_ konnten und dem Klub doch auch Zuwendungen zugekommen sind, was bei den gegenwärtigen schweren Zeiten des Professionalismus in Wien sicherlich viel bedeutet. Dagegen ist es sicherlich ein Defizit, daß in Wien der Ruf der H a k o a h durch Stellung einer schwachen Mannschaft b eeinträchtigt und die Anhängerschaft verstimmt wurde, lieber den effektiven Erfolg kann man also verschiedener Meinung sein. Was die Zukunft betrifft, so besteht in weiten jüdischen Kreisen der Wunsch, eine starke Fußballmannschaft spielen zu sehen. Das ist sicher berechtigt, denn eine gute Fußballmannschaft bedeutet zweifellos ein großes Aktiv um für die jüdische Sportidee. Es gibt sogar Kreise, die für diesen Zweck finanzielle Opfer bringen wollen. Es ist die Frage, ob die vorhandenen Mittel die Möglichkeit geben tverden, die starke Mannschaft bereits Heuer aufzustellen. Mit Amerika können wir natürlich hinsichtlich der Gagen nicht konkurrieren. Der größte Teil der Spieler ist erst im nächsten Jahr zu erwarten. Freilich macht unser talentierter Nachwuchs große Fortschritte, uwd jedes Uebergangsjahr bringt uns der Zeit näher, wo wir aus der eigenen Reserve werden schöpfen können. Die nächsten T a g e werden über dieses Problem Klarheit bringen. Im Herzen sind alle unsere „Amerikaner" nach wie vor treue Hakoahner, das haben sie drüben bewiesen und daswerden sie in den kommenden August-Spielen zeigen. Die Lage nach der Demission der Klubleitung. Wie wir gestern berichtet haben, hat die Klubleitung der Hakoah Dienstag nachts ihre Demission gegeben. Sie wird die Geschäfte noch bis zu den Neuwahlen weiter- I führen. Wir hatten Gelegenheit, mit dem Mitglied der bisherigen Klubleitung und gleichzeitigen Kassier des Vereines, Direktor M a r g u l i e s, zu sprechen, der uns folgendes mitteilte: „Die breite Oeffentlichkeit nimmt mrr nach außen hin sichtbare Erfolge, oder Nichtersolge wahr. Ich als Kassier des Vereines muß erklären, daß kein Geld da ist und wir nicht blind in die Zukrmft gehen können. Die Klubleitung hat seinerzeit dke Amerika-Reise gutgeheißen und ist daher solidarisch mit Dr. Körner, der stets nur persönliche Opfer zugunsten der großen Idee des Vereines gebracht hat. Aus den Freunden und Förderern des Vereines hat sich ein Proponentenkomitee gebildet, das dem Professionalismus zu Hilfe kommen will. Jenem Professionalisnnrs, der, wie der beste Kenner der Verhältnisse, Hugo Meisel, neulich sagte, ohne Gönner nicht ausk o m m e n kann. Man will eine entsprechende Flrßballmannschaft im Interesse der Propaganda für den jüdischen Sport haben. Darin sind sich auch die maßgebenden Personen aller unserer Amateursektionen einig. Die Hakoah ist ein Verein und keine U n t e r n c h m u n g. Ein Verein braucht eben Förderer und Gönner, eine Unternehmung eine Aktiengesellschaft. Die Klubleitung kann Gagen nicht garantieren, darum hat sie demissioniert. DaS Prbponentenkomitee will die Geschäfte der Fußballsektion derart führen, daß ein eventuelles Defizit den Klub als solchen nicht belasten darf. Selbstverständlich kann sich die materielle Hilfe nur in einem gewissen erreichbaren Rahmen bewegen. Ueberspannte Forderungen von Spielern stehen außer jeder Diskussion. Man ist bestrebt, dm Weg der Gesundung ohne Abenteuer zu gehen und will eine immerhin solide und genug schlagkräftige Mannschaft ans die Beine zn bringen. Wenn das Proponentenkomitee hiezu die notwendigen Sicherungen wird geben können, dann wird sich kein Mitglied der bisherigen Leitung, wenn die Generalversammlung seine Mitarbeit wünscht, einer ihn nur ehrenden Berufung entziehen. Jedenfalls hoffen wir alle, daß unser Dr. Körner nach Klärung der Lage wieder die ehrenamtliche Leitung des Vereines übernehmen wird." Der Unfall des Rapid-Tormannes Fetal im Meisterschaftsspiel Rapid—Admira am 23. April d. I. hatte ein gerichtliches Nachspiel. Der Admira-Spieler Sie gl, mit dem Feig! seinerzeit zusammengestoßen war, hatte sich gestern wegen Vergehens gegen die körperliche Sicherheit zn verantworten. Feigl entlastete den Angeklagten und schilderte den Zusammenstoß als n n b e - ab sich tigt. Auch der damalige Schiedsrichter Retichury stellte eine böse Absicht Siegls tn Abrede und illustrierte die damalige Situation durch Photographien. Der Richter Doktor Wilsi'nger sprach Sieg! mich frei. Durchquerung des Aermelkanals mit einem kleinen Boot. Paris, 27. Juli. (Wolfs.) Christian Marique hat gestern mit einem kleinen Boot den Kanal von Cap Grisnez aus überquert und ist nach drei Stunden 33 Minuten in Dover angekommen. Während der Fahrt kenterte das Boot zwe'mal infolge des Wellenschlages eines vorüberfahrenden Uobevseedampfers, jwch gelang es oem Geleitboot - beidemal, das kleine Boot wieder slottzu machen. ' WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusern sowie in Leschallen stets unser Blatt zn verlange^! Theater von heute «urgtheater. Geschlossen. Staatsoper r Geschlossen. Deutsches Volkstheater: Der Hexer Anfang 8, Ende vor V,ll Uhr volk-oper: Ich Hab' mein Herz in Heidelberg verloren Anfang V,8, Ende nach 10 Uhr Theater a.d. Wien: Der Orlow Anfang 8. Ende gegen 11 Uhr Johaim-Strautz-Theaterr Rosen aus Schiras Anfang 8.. Ende gegen ty,ll Uhr lraimnud-Theaterr Geschlossen Wiener Bürgertheater: Geschlossen Stadttheater: Wien lacht wieder Anfang 8. Ende nach 10 Uhr kenatffarree'Bühire: Geschlossen Theater in der Jofefstadir Theodore & Cie. Anfang 8. Ende 7,11 Uhr Kamxerspiele Zwölf Mädel lernen heiraten Anfang V,9. Ende nach 7,11 Uhr LnststziebTheater- Die Kenschhettskonkurrenz Anfang 8. Ende 10 Uhr vnrggarten-BÜHner Sinfoniekonzert Anfang 8 Uhr, Ende »ach */,11 Uhr Roland»Bßhner Die weiße Sklavin im Retz bet Mädchenhändler Anfang 8 Uhr, Ende 10 Uhr X Radio-Programm Heute Donnerstag 11 Uhr r Vormtttagsmufik. 1615 Uhr: NachmÜtagskonzert. 18-15 Uhr: Ausflugsziele nnd Reisepläne. Sektionsrat Detnlein. 18-30 Uhr r Naturgeschichte der Rax. Dr. Ludwig Karell. 19 Uhr: Esperantokurs für Anfänger. 1945 Uhr: Opernaufführung. Martha. Morgen Freitag. 11 Uhrr Normiltagsmuftt. 1615 Uhr r NachmÜtagskonzert. 18- 45 Uhrr Wochenbericht für Fremdenverkehr. Sektionsrat Ing. Detnlein. 19 Uhr: Sportferle. Ueber Ringe«. (F. £ Markones.) 19- 30 Uhr: Mineralogisch-geologische Spaziergänge durch Oesterreich. UntversttätSprofeffor Dr. H. Leitmeter. 20 05 Uhr: Konzert des'Wiener Symphonieorchesters. Oer Alte Herren-Verband d. J. A. V. „Emunah" in Wien zeigt in tiefster Trauer an, daß oines seiner hervorragendsten Mitglieder Obarlandesgerlchtsrat Dr. Wilhelm Wagner der sich um die zionistische Bewegung in Mähren und Schlesien besonders verdient gemacht hat, nach langem Leiden verschieden ist und ln Blelitz beerdigt wurde. Wien, im Juli 1927. Bernhard Kohn Hiowf1pfortgaue20 »««»»»»»»»»»,«»«Uh««W oEDl GUMMI RADIO Par S 2.50 Wechenxaten er* halten Sie fcompl. ti&dlo- Apoaxate mit allem Zubehör ln fe neter Anaffthrang nnd alle Radiotaestaadteile Mur Im Mualkhaua Sohlealnger. Wien, VII., Burgaaae 122 a | Bücher | Buchhandlung und Antiquariat Hermann Tuchner, Wie», II. Tavorstratze 52, Eingang Gr. Stadtantgaffe?. Tel. 41-4-20. Großes, best, assortierte» Lager an misten« schaftltcher « UnterhaltungS« Nieral ur, ilugendfchriften, Schulbüchern usw. Sachkundige Bedienung u. Besorgung jede» Buche». Billigste Preise. An. tauf von Büchern und ganze» Bibliotbeken 677» -1LBSIIHGvon GOLD SILBER PLATIN bei «387 c. i. sra. w ii. Gumpendorferatrasoe 85 Sveziaiist 'M Me«- uni) BorzilliinerMkl Solid und billig 157 Solei «Mir u. Sohn 7„ Bez., Siebenstern» sie 18 Farbige Badeanzüge Jakob GeUes. L Rotgaffei (Ankerhof-Kunstuhr) Alleinige Anzetgeu-Anuahme: Annoneenexpedttton Heinrich Schale!. Wien. 1. Bezirk. Wollzetlv 11. Herausgeber und Eigentümer: Jüdische . ZeikmgSu. Berlagsgef m. b. H., Wien, % Bez.. Laborstraße 1—^8. — Beranttvortt. Redakteur: Jockob KrauSz. Wien, IS. Bez., Brechergasse S. — Druck: „Inda", Wien, > 7. Be-., LerchenfelderOaße 1.