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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-23 · Heft 3016 (23.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3016 (23.7.1927)
Date
1927-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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H |PreiagoijP| ßyiktloB.AdministtAtlott: Wie«, II., Taborstr. 1 Telephon 44-E. 43-8-19 Telephon ab S Uhr abendi H-0% Serie, ab Vs9 Ohr abend« 3$$*83. . vrnptzerel: Vif., Larehenfelderstraße 1 („Iota") Fndie: Wien and Oetterreieh darcb Pott oder Vereebleift» stellen monatL 5 Schilling. Seragededlnetznaen fttrdaa A n «1 an d iw Innern de« Blatte« BESUCHET bin flmr IIMsttr «ifMiMItttrt Die Gemütlichkeit der guten eiten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast 1 lMUW.-ISM.0M Volkstümliche Freisei Mittags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KASERER Hk. 3 016 _____sdSSMML______ Sie», Bamstaa 33. 3uli 1927 9. gahrgaug EinfeWg eines WeWchMgs-Avsfchvsies. - Mißtrauens Als ditz erste parlamentarische Körperschaft hatte sich der Wiener Gemeinderat gestern mit den blutigen Mr« Men des 16. Md 16.'Juli zu beschäftigen. Pie mit großer. Spannung., erlvgrtete Sitzung ist. bip auf: wenige unbedrmtende Zwischenfälle ' ruhig und sachlich verlgufe«. . Der Wiener Genlsiuderat hat beschlossen, einen Untersuchungsausschuß ewzusstzen,. der jedoch nur sehr platonischer Natur sein kann. Er wird. wohl das' Recht' haben, Zeugen zu verhören, hat aber 'gar k e:i n e Möglich k e it, mrs dem zutage gebrachten: B.elpeis^aterial > K o n s e q tz e.n 5 e y. zu ziehenes steht: ihm k e in er l e i -S t r a e cht zur Äersüglln-. Ausschuß. wich nur .die Möglichkeit habey, MaferHÜ Dia ct-.f Zanwa-^tsch er s La> n z u z eig-e-n.:'' die dann ihrerseits'.erst die gerichtliche Untersuchung eirrzuleiten haben Wich. Wird.die Tätigkeit dieses Untersuchuygscnlsschusses äußerst erschweren. Die Zeugen stehen nicht «»Jo; der bei gerichtlichen flntepfuchnngen geforderten Wahrheitspflicht. Me werdeir,' wie ein Redner hex Opposition sagte, dem Untersuchungsausschuß, öü bewußt' oder unbewußt, „Räubergeschichten" erzählen dürfen und die Untersuchung so ins Uferlöse 'ziehen können. Trotz aller Mängel aber, die diesem Ausschuß anhäften. —,erHst nnmethm eine. I' n st i't u ti ö n, ü m e t-w a s L i ch t rn die duMen Vorfälle des blutigen Freitags und Samstags zubringen. Man muß - ihn auch Srtftll/vYCi "fiaAMiCiMt ' (e *«* A-i •+ m & «0 Jtl^ JC Wn, Tageslicht gebracht» was vielleicht Me! Üntersuchungsausnie zur Kenntnis der Oeffentlichkeit - gelangt Wre. EM^MM; Spät nachttz verlautet hie Polizeikorrespondepz Wiljl Helm: -Die vpm :.P o'l i z e i p r ä s i de n t e n ei« g e '- : s e tz te K o m m iss i ysi, die den gegen die Sicherheitswache erhobenen Anwurf, daß sie bei ihrem Einschreiten am 1ö. Juli 1927 A ch e i b e n s ch u-ß u n d Jag d m u n it i o n .verlpeudezt habe, auf seine -Berechtigung zuüherpOfen hatte pn.o die aus hem Bizepräsident der Pölizeidiresfion Dr. P a m e'r, dem Sachverständigen dir- Heeresministhnürtts.Oherst Ing. Gustap.Senk und dem Sachverständigen im Munftiöns- und Schietzfach Ing Pr. KatzlLeitn e r bestaiw, hat noch im Laufe des cheuttgen NachMtäges : i'ine. . V . ' 1; ', eingehende Vffichtignng deS, WaffemnagazitrS Ux ,;;'v: vorgemmimen und an Hand des. wie die Konnnisswnfest« stellt, m ust e r h a ft geführ 1 en W affen- - und M u. ri t t i o n s g x un d b u ch e s, dessen Aus- > und > Sht«.! gänge ausnahmslos d u r ch V e l e ge gedeckt erscheinen, die vorhandenen: Vorräte einer R e v i f t o n unterr Hsebei wurde festgestellt: Die vorhandene 8 Millimeter ^nyrMale) Schießmunition, Muster 93, beftnhet sich in den iOrrEtAb^schrägen^imh^ MSrt hauptsächlich ' den ErzeugunHjahryängeri iSiS und 1917 an, fwcmmt aus den Bestanden her ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee und wurde 'durchwegs 'in. den Jwhren' 1918 und WlS aus den M Arsenal befindlichen Vorräten von den damaligen .'Staatsamte für Heereswesen btt Poljzeidireftion zpr Berfligmig gestellt, Ihr Zuftünd ist volllommen einwandfreü ■ " die für die Schießübungen erforderliche S ch e iben schuß munitio n betrifft, . so: entshpechm-die yorh-nßttien, übrigens sehr geringen! Bestände znnächst. genau jene» Beständen, die schon vor dyn 15. Jnli 10S7 anSgewiesen waren. ES wurde somit mit Sicherheit festgestellt, daß nicht eine einzige ScheibenschNßpatrone vor und während der RnhestSrunge» am 15. und Ed. M. zur Ausgabe gelangt ist üm dar Palaftina-Mandat. MMW SMlIIW«! Wchm 6««lm>> Wch N0P. P g r i s, 21.' Juli.'.'Die ^iberte" meldet aus Rom, 'z.ttz jy kn letzten Wochen ein Meinungsaustausch zwischen tyx römischen und der Londoner Regierung bezüglich der AStretuye. des internationalen Mandats Englands über Palästina «» Italien ^D^fundey W. Die -WiW Regierung.soll sich z« einer/ so| Ken Wüstung n i ch t ab\ e h n end Verhalten, stößt abw auf dßn M i h e r s p r u ch z i o n i st i s ch e r K r e i s«.: diran DWß in Lontwn'sehr. gM sei. \ ■?v ■ '>• ' ' . Me MKüNS von dej: Uchertmguyg deS Palastinp- MndÄßtzäM'AMn tauK W den bekannten R o t h e rmer.e-%rtjkeln m „Daily Mailimmer wieder atzf. Das H'im^ N vM-Völlechmtd an England au f deffm - l r; ■ eigene n Wunsch erteilt worden, konnte demnach von England nur an den' B3lkerbund zurüökgegeben werden. Dies müßte dann zu einer-neuerlichen Aufrollung des-ganzen vorderasiatischen Problems führen, was wieder eine.schwere politische-'Komplikation bedeutet. Die englischen Regierungskreise habenwiederholt betont, daß die Frage des Palästina-Mandates i m S i n n e der B a l f o u r - D e! l a r a t i o n einen Mten Bestand der britischen Reichspolitik. bildet. ne»M m M'bek»««« London. 32.-Juli. Die '„Moyi.ingpost" melhet aus Bagdad': Rmh eiiier Konferenz mit dem brittschen Ober«. kommWr für den Ixak hat die britische Regierung beschlossen, den bestehenden Vertrag zwischen Großbritannien und dem Irak einer Revision zu unterziehen. K.ün'ig F e isa l wird binnen kurzem nach Europa ab- Wn die EmzeWiten m regeln. Sw redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungev sind durch ein vorangesetzte» E gekennzeichnet. Düs interessanteste Land. -y, Wien. 23. Juli. ' Oesterreich war in diesen Tagen sehr interessant, und Lgs Ausland beschäftigte sich sehr viel mit dieser Republik. Wir wollen hoffen, daß in der Zukunft für solches Interesse kein Mlaß sich ergeben wird, obzwar es in diesem Land poch sehr viele Elemente gibt, die solche Anläffe zu schaffen sich anstrengen. Diese Elemente sind an Nihiliemus. jenen gleich, die' vor einer Woche ihre Politischerl Anschauungen Mit Blut >und Brand akzentuiert haben. Die heute an der agitatorischen Vorbereitung arbeiten, geben vor, rechts zu stehen, und sie sind darum allen Ordnungsliebenden sympathisch geworden. Cs genügt hier, das Wort Jud zu sagen und alle Hemmungen der anerzogencn und sogar angeborenen Gesetzlichkeit schwinden ins Blaue. Es gibt gewiß Gesellschaftskreise, die es bestreiten, antisemitisch zu empfinden. Aber'sie sind es urrd sie kaschieren ihre Gefühle hinter einer sozialen Terminologie. Sie sagen Kommunismus, und da doch bekanntlich alle 'Kommunisten Juden, alle Sozialdemokraten . Juden. und alle Demokraten. JuNen find, so kömmt das alles auf eines , heraus. Die Auffaffung, daß das ganze Unglück von den Kommunisten angerichtet worden ist, hat sich auch auf das Auslapd überixagen. Das ist bequem, weil es der Mühe des Nachdenkens enthebt. Wir wollen darum unterstreichen, daß am Tage vor dem 15. Juki drei geHnlM>iKo)Hr, Me in einemburgenläydischen Ort zwei MinDM emen Man»- und'ein Kind erschössen hätten, ' fvei-! gespEen : wdrdin waren . Das Wirt' der Mwen, auf dem die kommunistische Propaganda. der. Tpt unbedingt Wd so- ^W WirrWM'idetden -mM-ei' ' Selbstverstchldlich - Meldet sich Moskau sofort zu Wort. Die Sowjetdiktatur. die bei den viÄen FüMerungen von Geiseln, so merklvürdig schweigsam war, kann sich in helles Ljcht setzen. Es lag nahedaß das Stichwort vom Kommu- . UiZmuZ aus den österreichischen Rechtskreisen kam Und daß es von-, Budapest mit durstiger Gier aufgenommen wurde. Moskau sah '.sich^ also veranlaßt, .noch,am IS. Juli eine bombastische Parole an das österreichische Proletariat zu erlassen. Das war glücklicherweise an diesem Tag nur mehr eine , leere Geste. 48 Stunden vorher war in Wien bereits die Ruhe und Besinnung, eingetreten, rmd .auch' .dch: Berkehxsstreik war aufgehoben. Der Aufruf der Komintern,-der kommunistischen Internationales war 'mehr air die Adresse der russischen Kommrmisten gerichtet, in den-n wcchrscheinlich große Hoffnungen erweckt' worden waren. Die Kundgebung ist übrigens für ^die polittsche Einsicht, dieser Jnteimatipnase dn schlecht^-'Feügnis.. Eine kommunistische Diktatur wäre Wi«i,-geschweige denn in Oesterreich denkbar. Wäre sie ayfgerichtet worden. — was doch nur nach einem Bürgerkrieg möglich wäre — so hätte ihr die' internationale Blockade, vielleicht auch auswärtige militärische Jnterventtonew ein schreckliches Ende 'bereitet. Aber da alle Reaktionären - „MoÄkaüi";, schreien, so ist - Moskau stolz in der -Brust und bestättgt alles: Dieses - Moskau-Schreie» .ist, wie gesagt,, sehr bequem; eS lenkt die. Aufmerksamkeit ab' von 'den tatsächlichen- Zuständen, die der Katastrophe zugetrieben - haben, imd kon- , stmiert. falsche - Verantwortlichkeiten. Das politische System in Oesterreich ist > Pom Grrmd. qüs verfehlt. Die Parteien reden und. arbeiten an einander vorbei,. Die Mehrheit,', hie sich nur auf einige wenige Stimmen im Parlamoyt Mtzep kann» tut, Ms Ware sie allem auf der Welt. Die Opposition, fcist so stark wie die Mehrheiß ftlhlt. sich nicht als MitverMrtwortlich, und sie, die im Parlament. niedergestimmt wird, tut genau das gleiche im Rathimß,.iy >dM. ste', dZe.MÄhrhelt besitzt. Die Länder sind Herren für. sich;s'Wi^n ist die Melkkuh, von der die Lqyder materiell, giftig und kulturell Scheit. Wien, gilt, als.Misch und wird deshalb. gehaßt, aber gerne angerufen. Dieser Zwiespalt zwischen zwei fast gleich si-ärken Parteien, zwischen rechts. und , linfs) zwischen Stadt Md Lqnd ist ja in allen Ländern, zu konstatieren, mußte aber in diesem kleinen, abgesperrten, vom FriedenZverträg' in den Pulsqdern ausgeschnittenen Staät aüsarten.' Hetzex gibt es in Menge, und es ist nicht gar so ausgeschlossen, daß die Maulmacher von rechts, die den-Stadtparkt stürmten, mit denen von links identisch waren., Füp. sie besteht . PolUik in Radcm und Exzeß, und das BenzinM.so neüträl ipie die Patrone. ' . Aus den vergifteten Verhältnissen der Stadt ist der Aufruhr gekommen. Er istniedergsworfen werden, oüeres ■"J i 46

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