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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-22 · Heft 3015 (22.7.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3015 (22.7.1927)
Date
1927-07-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Diener Morgenzettung 22. Mi 1927 Nr. 3016 Wenn die wirtschaftlichen Notwendigkeiten gegen die Form , der Kwuzah sein werden, so ivird sie verschwinden müssen.! Noch in diesem .Jahre wird man wissen, ob die Kwuzoth ' weiterexistieren können oder nicht. Doch von diesen Einzel- | heiten abgesehen, steht eines fest: Der Landwirtschaft wird die grützie Aufmerksamkeit geschenkt werden müssen. Ebenso sicher aber ist es, daß Palästina nicht bloß ein Agrarland sein kann. Das Land muß auch eine Industrie Haben und es mutz auch Städte, jüdische Städte, besitzen. Die Jndustriellenklasse ist heute überall der Schöpfer jedes Fortschritts und jeder Zivilisation. Es entsteht nun die Krage» welche Industriezweige Palästina wird haben können. Darauf werden uns unsere Experten antworten. Meiner Meinung nach ist vorläufig in Palästina außer der elektrischen, der Zement- und der Oelindmstrie keine Möglichkeit für größere Fabrikations- Unternehmungen. Daher muß sich hauptsächlich eine Kleinindustrie entwickeln. Für die Kleinindustrie in Palästina werden auch GeDmittrl zur Verfügung gestelltwerden. Daneben aber müssen ivir cmch den Handel in Palästina fordern. Die Kaufle-ute sind vorläufig in Palästina die einzigen, welche auf eigene Rechnung leben und keine Bechilsen erhalten. Auch weiterhin werden die jüdischen Kaufleute in Palästina eine wichtige Stütze der jüdischen --- Siedlung;ein. Daher muß ihnen mit Krediten geholfen iverden. äHmt muß sofort eine gutfundicrle.Handelsbank schaffen. Dies soll auch in kürzester Zeit geschehen. i Die Methoden der Geldbeschaffung für den Palästina- . aufban waren bisher nicht die richtigen. Meiner Meinung - nach muß nicht nur in den Aufbaumethoden, sondern j besonders in der Methode der Geldanföringung eine radikale Aenderung vor sich gehen. Ich habe einen Plan entworfen, nach dem das ganze jüdische Volk „Aktionär" beim Aufbau des jüdischen Natiqnalheims in Palästina sein soll, wirklich und einfach das ganze jüdische Volk. Es gibt auf der Welt 16 Millionen Inden, das sind vier Millionen jüdischer Familie«. Man muß mm eine große Aktiengesellschaft gründen; jede Aktie soll 10 Dollar kosten und jede jüdische Familie soll durchschnittlich anderthalb Aktien erwerben. Dadurch wird man eine Summe von ungefähr 60 Millionen Dollar erhalten, und damit wird es möglich sein, die Arbeit zu beginnen. W eizmann und Marshall müßten sich an die Spitze einer solchen Gesellschaft stellen und einen Appell an das ganze jüdische Volk richten, und ich bin sicher, daß die Geldmittel werden beschafft werden können." W>W»»>»»»»W»»»»»»>»»»»W»»»»»»»»»»»»»»»»»>»WW Vor dem Baseler Kongreß Kongrebansgabeu. Von Dr. Leo Goldhammer. D:e Besprechung der Kongreßprobleme beschäftigt die O^amsationen und Gruppen der Zioinistenschaft Oesterreichs '.n steigendem Maße. Zn'einer diesem Gegenstände gewidmeten Versammlung des Klubs' der radikalen Zionisten sprach n. a. der Präsident des Lmckeskom'.teeS, Dr. Goldhammer. Mr entnehmen seinen Ausführungen die nachstehenden Abschnitte: Die Aufgaben des am 30. August d. I. in Basel zusammentretenden 16. Zionistenkongresses bestehen, wenn wir von der Erstattung des Rechenschaftsberichtes, der sich daranknüpfenden Debatte und der Decharge absehen, darin, die zionistische Arbeit für die nächsten zwei Jahre festzusetzen, und die Organe zu wählen, die geeignet und gewillt sind, die gefaßten Beschlüsse auch tatsächlich durchzuführen. Die zionistische Arbeit gliedert sich in drei Gruppen: in die. organisatorische, politische und wirtschaftliche. Organisatorisch handelt es sich vor allem um die Frage, wer die Deranttvortung für die Arbeit im Galuth und in Palästina tragen soll, ob es diejenigen sein sollen, die die Arbeit tatsächlich leisten und jederzeit zu ihr stehen, also die Zionistische Organisation, oder die gesamte Judmheit, gleichgültig. ob sie zionistisch gesinnt ist oder nicht; mit anderen Worten: Soll in Zukunft die Zionistische Organisation die Jewish Agency bilden oder sie durch Heranziehung von Nichtzionisten in der vorgeschlagenen und vom vorigen Kongreß bereits beschlossenen Form erweitern? Es ist zweifellos Aufgabe der Zionistischen Organisation, den Kreis ihrer Mttglieder möglichst zu vergrößern, um das Ideal zu erreichen, daß die gesamte Judenheit zivilisiert wird. Solange dies aber nicht der Fall ist, kann es nicht nN Interesse einer intensiven Tätigkeit liegen, Gleichgültige oder Gegner des nationalen Gedankens heranzuziehen und ihnen die gleichen Rechte wie den Zionisten einzuräumen, ohne daß sie die gleichen Pflichten übernehmen. Die nichtzionistische Judenschaft kann, solange dies nicht der Fall ist, bloß zu einer Kooperation auf verschiedenen wirtschaftlichen Gebieten herangezogen werden. Politische Tätigkeit: Die Basis unserer aufbauenden Arbett in Palästina ist in der Balfour-Deklaration und in dem Mandat, das der Völkerbund der englischen Regierung übertragen hat, verankert. Dadurch, daß diese das ihr übertragene Mandat übernommen hat. hat sie eo ipso die Verpflichtung auf sich genommen, die Zionistische Organisation bei der Schaffung der nationalen Heimstätte in Palästina aktiv zu unterstützen. Was aber die palästinensische Regierung bisher getan hat, kann lediglich als ein w o h lwpllendes Dulden unserer Arbeit bezeichnet werden. Die ganze Last'rtrht derzeit auf unseren Schultern. Das kann aber für die Dauer absolut nicht genügen. Die gesamte Zionistenschc/'. in- und außerhalb Palästinas empfindet es außerordent- "i schwer, daß die englische Regierung noch nicht dazu gebracht werden konnte, aktiv die Errichtung der nationalen Heimstätte zu fördern. Was nützen alle Memoranden und Beschwerden, wenn der Präsident der Zionistischen Organisation selbst erklärt: „Niemals noch war unsere politische Lage in Palästina so gut wie jetzt. Das ist sehr viel, doch es ist noch nicht alles." Zu einer solchen Aeußerung muß selbst die englische Regierung sagen, daß entweder die Memoranden und Beschwerden von den Zionisten selbst nicht ernst genommen werden oder daß die Behauptung ihres Präsidenten nicht richtig ist. Hier wird klar und eindeutig der Kongreß seinen Willen dahin manifestieren müssen, daß das, was die englische Regierung bisher getan hat, keineswegs eine Erfüllung ihrer Verpflichtung bedeutet und daß sie das Aufbauwerk viel aktiver wird fördern müssen. " In wirtschaftlicher Hinsicht: Der Kongreß tritt in einer && einer ungeheuren wirtschaftlichen Kchis in Palästina ' zusammen, einer Krisis, die besonders charakterisiert wird durch das Aufhören fast jeder Einwanderung nach Palästina, das Anwachsen der Auswanderung, durch Stillstand m der kolonisatorischen Tätigkeit, durch den Zusammenbruch dervon der palästinensischen Arbeiterschaft geschaffenen Institutionen, wie des Hamaschbir und des Solel Boneh, und der von privater Seite geschaffenen Unternehmungen, wie der Fabrik Manor und der Gesellschaft Kehitzath Zion. Der Kongreß wird unbedingt Mittel und Wege ausfindig machen müssen, um diese Krisis zu beseitigen oder sie mindestens zu lindern. Was schlägt nun die Exekutive dem Kongreß vor? Präsident Weizmann erklärt, er habe keine neuen Mittel und Wege; die Hauptaufgabe sei, eine Ordnung des Budgets herbeizuführen; er fügt hinzu, daß der von der Expertenkommission zu erstattende Bericht uns nach eingehender und klarer Darstellung der Möglichkeiten auch die Mittel und Wege attgeben jvird, diese Ordnung des Biwgets herbeizuführen. Da dieser Bericht nach seiner eigenen Angabe vor Ende des Jahres 1027 nicht zu erwarten ist» muß man sich doch fragen: Was soll dann der Ingreß auf diesem Gebiete berate« und beschließen? Eine Kritik der bisherigen „Dilettanten" und Vorschläge dör „Kleinstädter" (darunter sollen wohl unsere bisherigen Kongreßdelegierten und Fachleute gemeint sein) lehnt Präsident Weizmann ab und die Vorschläge der „berufenen" und „ernsten" Mttglieder der Expertenkommission sind vdr Ende des Jahres nicht zu erioarten. Uebrigens hat der Vorsitzende dieser Expertenkommission vor wenigen Tagen in groben Umrissen das Ergebnis der Expertise mitgeteilt und hiebei seiner Ansicht Ausdruck gegeben, wie die fiir düs Palästinawerk notwendigen Geldmittel beschafft werden könnten. (Diese Ansicht des Herrn Louis F r e n k e l finden unsere Leser an anderer Stelle. — Die Redaktton.) Für ihn ist dieses Problem ein sehr einfaches. Er erklärt: Die 16 Millionen Juden der ganzön Welt, beziehungsweise die 4 Millionen Mischer Familien sollen je V/2 Aktien im Betrage von 16 Dollar einer neu zu gründenden Aktiengesellschaft zeichnen, so daß mtt den sich ergebenden 60 Millionen Dollar alle Arbetten bestritten werden könnten. Also nicht die reichen amerikanischen Juden sollen die erforderlichen Geldmittel berettstellen, sondern die j ü d i s ch e Masse. WaS Herz l bei der Gründung der I. T. T. vorgeschwebt ist, das soll jetzt nach der Entdeckung des Amerikaners wieder gemacht werden! Es ist also gar kein Zweifel, daß die von der Opposition immer wieder vorgebrachte Ansicht, die Erweiterung der Jewish Agency, die ja einem Notzustande abhelfen soll, werde die in sie gesetzten Erwartungen überhaupt nicht, jedenfalls aber nicht in absehbarer Zeit erfüllen, richtig ist. Wir werden zum alten, aber einzig richtigen Prinzip zurückkehren müssen, daß die Zionistische Organisation in Palästina nicht Dinge zu schassen hat, soirdern lediglich Bedingungen, daß unsere Aufgabe nicht die einer Kolonisationsgesellschaft ist, sondern einer politischen Partei, weiche ausschließlich die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und materiellen Voraussetzungen für die Bildung einer ökonomisch normal geschichteten Majorität in Erez Israel zu schaffen in der Lage ist. Bei Einhaltung dieses Prinzipes werden die mit Unrecht gegen die Arbeiterschaft Palästinas erhobenen Vorwürfe sowie der Schrei nach der Rentabilität, der jetzt von Amerika aus durch die zionistische Welt gellt, aufhören und der Boden für eine produktive, zum Endziel führende Arbeit geebnet sein. mm 3ns füdisdke Maus das jüdisdte Kssatt Konsrchvrogramm Mt Allgemeinen 3ioui„en Palästinas. „Haarez" veröffentlicht Vas hier auszugsweise wiedergegebene Kongreßpragramm derDlgemeMtn üionisten Palästinas, welche grundsätzliche A»Mger der Erweiterung der HewiH Ägenc^undder ^gemvärtigen zicmistischenHolitik jlitfc jDtÜ Jfcfct -ellungnahme aber verbinden Ne sehr schärst «form« und Reorganisationsforverungen, welche eses Programm eingehender Beachtung toei" machen. Stärkung der Orgeuifation. Erneuerung ihre» Grundlagen. Die Zionistische Organisation nicht bloß ein Instrunrent für den Aufbau Palästina», sondern auch für di« Organisierung der nationalen Eidergien, deS Volkes in Palästina und im Galuth. ' Statutarische Reformen, Maßllahmen zur Bekämpfung des DeparatiSmuS der Parteien undderFinantzinstituttouen. Einführung einer wirksamen Kontrolle der Organisation über die Leitung der Jnstiitutiouen. Schaffung einer besonderen, von der Exekutiv« unabhängigen Kon t ro ll in stanz in Pa« lästina. Reorganisation des Organisations-Departement». Ausdchmmg seine- Tätigkeitsbereiches. Reorganisation der zionistischen Bureaus iitt-b F i na «zinstitutionen im Geiste der Sparsamkeit, de» AdbaueS mW der Rationalisierung der Arbeit. Er neuerwng deS Personal» des zionistischen Apparates. EinfÜhmrng einer Beamtenordnung. Einführung allgemeiner Normen für Arbeitsbedingungen und Entlohnung! der Beamte», Pensionierung, verbindlich für alle zionistischen Institutionen, in Palästina und im Galuth, für die Fonds und für die Banken. Sicherung des gegenwärtig bestehende» Vorzugsrechtes der Palästinenser bezüglich der Wahl zum Kongreß durch Einführung einer konstitutionellen Bestimmung in die Statuten. Abschaffung d«S passiven Wahlrechtes zum Kongreß für Dealmte der Zionistischen Organisation, der zionistischen Fond» und ihrer Finanzinstitutionen. Abfchaffungder Stimmberechtigung der Mitglieder des Akö.ionskom i tee» im Kongreß, fpfeim sie nicht alS Delegierte gewählt worden find. . Bildung der Exekutiv« nicht auf Grund der Repräsentation von Parteien, sondern aus.der Grundlage eines bestimmten Arbeitsplanes. Verantwortlichkeit der Exekutiv- Mitglieder vor dem Kongreß und nicht vor Parteien. Mitglieder von Parteien, die in die Exekutive gewählt sind, müssen Nus ihren Per:!''.'» " u? treten. 2. Jewish Agency. Aufrechterhaltung der Beschlüsse deS 14. Kongress, löte* zielung realer Zusicherungen für die Beachtung der - wichtigsten Grundsätze, die der 14. Kongreß aufgestellt hat. Westntlrchs Voraussetzung: Reale Sicherung des Grundprinzips „einer aktiven Beteiligung au der Arbeit seitens alter Juden, die im Sinn« der Bälfour-Deklaration und des Mandats an der Errichtung deS nationalen Heimes in Palästina Mitwirken wölken", Erneut« Betonung der Grundsätze: a) Ständige Vergrößerung der Einwanderung, b) Ueberführung des Bodens in Volksbesitz, e) Landwirtschaftliche Kolonisation auf d»r Grundlage jüdischer Arbeit, d) Entwicklung der hebräischen Sprache und Kultur. Konstitutionelle Sicherstellung, daß der Präsident der Zionistischen Organisation unter allen Umständen President d-- erweiterten J^vish Agency ist. 3. Politik. AnertclUlilttg deS Grundprtzes, daß die politische Stellung der Juden in Palästina in hohem Maße von ihren wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen abhängig ist. Andererseits Festste!« lung, daß da» Verhalten der Mandatarmacht gegenüber dem Aufbauwerk und die ungenügende politische Tätigkeit der Jewish Ageney Ursachen für di« Dchtvä« chung der polittschen Machtstellung des Jischuw und des zionistischen Werkes sind. Di« Methode neutraler Passivität der Mandatarmacht steht im Widerspruche zu dem Geiste und dem Wort« laute der Mandats. Di« palästinensische Regierung ist verpflichtet, die Ansiedlung der Juden in Stadt u»ck» Land durch Schaffung günstiger Bedingungen für di« Ansiedler in der ersten Periode der Ansiedlung zu unterstützen, und zwar durch ein« großzügige Bodew, Zoll-, Kredit-, Verkehr«-, Erziehung-- und SanitätSpolitik. Verurteilung des offiziellen pplitischon Optimismus dar Exekutive, erkennbar z. B. in der Kundgebung der Exekutive vom April. Aufgabe de« Kongresse»: Darstellung der politischen Sagt, wie sie ist, und Formulierung politischer Forderungen unter Ablehnung aller Vertuschung »versuche, Förderung systematischer und aktiver politischer Arbeit der Exekutive in allen Kreisen und unter allen politischen Faktoren, die in Betracht kommen. Pflicht d«S Kongresses, von der MandatNV" m a ch t eine prinzipielle A e n d e r u >' i i >) r e S politischen <"* - ‘ m S zu fordern. 4. Wirtschaft. ^....ummene Reorganisation und System Wechsel in der wir tschaftlichen Arbeit der Zionistisch«« Organisation; außergewöhnliche Anstrengungen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Existsnzlosigkeit. Rationalisierung und Systematisierung der Wirtschaftsarbeit. Würdigung des Idealismus und der Opf«** freudigkeit des palästinensischen Arbeiter», tote auch bet einem Sysieniwrchsel für den Aufbau de» Lande» #» forderlich sind.

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