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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-19 · Heft 3012 (19.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3012 (19.7.1927)
Date
1927-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Adttinisitfttiofi: Wien» U., l'Sborstr* 1 kelepkon 44MS8. 48449 i’elepHori abötJhf abends t&-5-80 8etsa. äb VaÖ tJbr abend» SS-5-U. D?nteketei i Vit, Lerehenfetderetraße 1 (#lnVa*) ftreiie! Wien and Oesterreich ittfeb Post öder'Verschleißsteilen monitl, 5 Schilling. BesngsbedinÄanffen kür das Ansland Tin Innern des Blatte». BESUCHST mm Rlnir ‘ Mut* Aifmtlaltsirt Die Gemütliehkeit der guten alten Zeit« Wer kommt, wird wieder Stammgast I IHfirmi. Ini.-Ieiief. 4S iial». Volkstümlich© Preise! Mittags-Menüs ä S 1•60 Direktion: OTTO KASERER »len, ArurtM 19. Sttli 112? 9. gahrgang 3cit 12 Uör nocöts 2cleUton Heine Anterveutlo« des Auslandes Der sozialdemokratische Parteivorstand und die Gew erkfchastSkomchisfion haben gestern abends den BerkehrS? streik für b e e n d i g t erklärt. Die Wiederaufnahme dcS Betriebes bei der Post, der Eisenbahn und in der Lchiffahrt Würde f ü r 12 U h rnachts festgesetzt. Es ist demnach d e r n o r male Z u st a n d wieder hergestellt. - ' ' "'' ' Die soziflsdeMokratische Pärtei hat' ihren Schritt . in einem May ifte. st begründet, in.'dein, es unter anderein ' ^ßt: '•;;;j/';;Y. ' ... , >Aüs wirtschaftlichen und aus politischen Gründen ''wollen wir' den Vepkehrsstreik keine S t und e.l a nger andauern kässen,. .als.es unbedingt notwendig ist. Aus wirtschaftlichen Gründen : Bei längerer .Hauer des. Streikes' Müßten, infolge des Stockens der ' . Pohstqffsüführ' ,hiele.'Betriebe. .eingestellt werden. Aus. polnischen Gründen k ^Die.Sicherung gegen. weitere Pläne: der Reaktion erfordern h en.Z u s a m m e n t.ri.tt d es - H arl wm'e.tz ^s,' der erst nach. der.. Beendigung.., des? -PerkehMtrtWMöWch ist.,Ws '.'diesen gründen > hWeft; . Wir uns eptMöMst?! Hs-.;; Eisenbähner,, i Ärnauschiffxr^' Host-, Telegräpheü-üpd Tele^phonMgestellten äüfzüfor-!dertt, die ÄWit HÄtq Mpütag üm? 12 Uhr nachls wieder aüfzüneHnien."' ' .4 ,! Denn. die Augenblickliche' Lage es, schön zulätzt, den ' Perkehrsstreik ,zu'beenden, so darf aber die Arbeiterschaft . därgüs nicht den Schluß.ziehen, daß nu.n schon alle Ge- ' fahren einer reaktionären Aüsnützüng der.Wiener Blut-' -tage geschwunden seien.. 1; Es gibt im Langer, der Regierung und ihrer Parteien immer noch gewissenlöse, jedes höheren PerüNtwortüngs- > gefühles bare Menschen, denen es' nicht darum zu tun ist, Beruhigung zü schaffen und. unser Land vor weiteren 7 schweren Gefahren zw '. bewahren, die vielmehr den Tod. von mehr, als. 85Ö-'gemordeten Proletariern, die. Schmer- - - -zen Hunderter Bewunderter,' das.Unglüch" zahlloser Fa- ' ■ Milien nur als üW Willkommene Gelegenheit betrachten, -j 1 . an dem vergossenen Blut ihre schmutzigen politischen Ge- '. schäfte zu machen. . Fahrausweise, deren Geltungsdauer während der Mt der BerckehtSeinstellnns ahgelaüfen ist, werden am Tage her Wiederaufnahme des Verkehres und an den drei nach folgen - den Ttzgey noch als gültig anerkannt. Das Gleiche gilt für Fahrkarten, mit, denen die. Fahrt während der BerkehrSeinftellung hätte angetreten werden, sollen. Ausgenommen'sind Abonnementskarten, MonatSstreckenkarteü und Wochen- - karten..? \ , stSir glauben, daß im Augenblick der Berkehrsstreik zum Schutze gegen die . Gefahr r e a k t i 0 n ä r e r A'n- . s ch l a g e nicht mehr notwendig ist. Aber, was wir auch i . jetzt noch keiye stunde enthrhrön können, das ist kaltblütige Besonnenheit und Disziplin, Einigkeit und Solidarität',' höchste' Wachsamkeit und Kampfbereitschaft der gesamten Ärbeitorklasse, damit jeder Angriff der Reaktion, uns schlagfertig finde. . . . Wir. fordern die gesamte Arbeiter- und Angefteilten- ,. schaff, auf, au ch w ei't er hin alle Straßen *, d e m .p n. jt tjx t i o n e n li tt S i r a h t u a n s a m m- -- koWE ü nM d in g t' z u' si e r M e'id e'w, aber ' auch ' Stüridp für. Stunde auf die. ParoleN der Partei und' GewerMafteil zü^wärten: Wir tun das unsere, ' u m d e n F riTd'e'n ' h erb e i^üisth r on. Ader wir werden - zum Kämpf bereit sein, wenn der Gegner uns zum' Kampf zwingt."; . ^Qle Sfise berfebren Die Generaldirektion der Oesterreichrscheu Bundesbahnen leist mit: „Infolge Beeydigüng des Verkehrsstreikes wird d er gefaint e Perfvn eit* «nd Güterv erk e h r ans den Oesterreichischen Bundesbahnen um Mitternacht von Montag» 18. zum Dienstqg 19. Juli l. I. im vollen Umfange wieder aufgenommen.. Aö Wien verkehren' daher ab' Dien-Stag früh alle fahrplanmüßigen Schnell- «nd - Personenzüge. Ae 8n»«e Stadt »och Immer besetzt. — Wae Aaslchreitaagea. Re «emelndewache. In . allen. Betrieben. Wiens Und der; Bundesländer . wurde gestern fysih di'e Ä'pb e.it a u f.g e.p y m m ern. Bur : der Berkehrsstreik'dauerte! fort. Men war hon der Welt ab-! geschnitten und > 'konnte' iin-' Siadio nur einen! kümmerlichen Vfsatz sinvenu.r. r:;■ > : Die AntoS sind zu einem großen Teil von Fremden gemiiesti worden»^ die Wien verlassen? Die allgemeine Nervosität ist! unverkennbar. ' Zw Tausenden strömten ^gestern' Menschen i zum Ring und Wm' Jüstizpalast, um das'Kampfgebiet .zu; besichtigen. Am Nachmittage muhte gUr^ Sscherheit der. Passage der Berkehr: der'Zweierlinie auf. her ganzen Strecke? bvn der Aksersträße bis' zur Sezession umgeleitet werden.. Auch die 46er Liüie ist abgelenkt. . 'Die inneren' Txottöire beim Parlament sind - ' von Polizisten mit Gewehr unh Hilitsirposten -psetzt. Der-.Schmerlmgplatz Tft a b g ei p e r-r t. Im,Papk j kampiert die^ Bereitschaft rings um ihre. Gewehrpyramiden.. Ueberall funkeln die Bajonette. > ^n vielen Stpahep streiften beritteye.Patrouillen. , . ' ' ' Die Ruhe wurde n i r g. e n d s g e. stö r t, ' ^n den Fa- > tteutv boÄnnt un^r' nduHr Roman! . v,yp 8oh»EloW. 'Äß$k:' .Glchv. ^eite;.6:) sind dizrch ein vmangetztzUs k pe^nnzMnet. milien.der-qEeren^B^zilcke dauerten chber twtz-aller äußerlichen Beruhigung die . Angstkäufe. an Lebensmittelnfort, und viele kleine Laden waren schon am Vormittag trusverkauft. ' Äuf den Bähnen^-verkehM .' , . ' die Lebensmittelzüge anstandslps. All. die Tausendehie in der Umgebung Wiens wohnen,, jedoch hier beschäftigt sind,. tverden mit Legitimätionen versehen und b e fö rd ept. Das Ausbleiben der Post hat die Geschäftsleute SsgreMcherwrise ebenso sGver getroffen, wie die . '*' rkuntöBstchM,"' Ware-zu dersendeu, doch sind Stornie- ' rungen: von Aufträgen' kaum zn befürchten. Katastrophal'wirkt sich der Umstand aus, daß. die Postf p a rk a s f e nicht funktioniert. , ' : Die Vom Bürgermeister cutfgestellte. \ Gemeinhewische; . wurde am Sonntag im Rgthaus vereidigt. Es jvyren im! ..ggyzen, SW M^nn. die das Gesöbnis des Gehorsams, zum- BhrRrmejster uttd se.inen Vertretern ablegten.. Sie erhielten qgS.den geständen der Stadt Oewag-Pisiolen. Die Polizei Mt quf dem Standputtkt, dqh der Bürgermeister.das Recht M Pijdüug einer Mache'besitze? die sich jedoch nur Mf?deit Sihutz 'der Äemeiudeohjekte zu beschränken habe. In den. Ordnungsdienst, .für den die Bundespolizei die Berantwor- .tutzg trägt? kMn diese Hache jedoch nicht, emgreifen.? Mrigen ist das 'Verhältnis' lstr beiden Körperschaften noch vq'llkp.mmen ungeklärt mch es ist'zweifelhaft, wse 1 Schwierigkeiten im Kabinett Seipel. Mtzsttmmung gegen Sattleb und Dingyoser. . Es ist. allgemein ausgefallen, daß der Bundeskanzler alle.Verhandlungen mit den Sozialdemokraten an sich genommen hot- Ties hat seine Ursache in Unstimmigkeiten innerhalb des Kabinets, die in Verbindung mit den letzten Vorfällen eingetreten sind. , /Tie Großdeutschen haben die Gelegenheit gefunden, endlich gegm den Landbündler Hart leb, der als Vizekanzler füngiert, loszugehen. Sie werfen ihm vor, daß er am Freitag überstürzt den Befehl zum Feuern an den Polizeipräsidenten erteilt habe. i Er sei nicht an die Verhältnisse einer Gir oft stad t gewöhnt und es fehle ihm die geistige Qualität, . die Tragweite eines solchen Auftrages zu ermessen. Much gegen den Minister Tr. Ding Hofer ist inan "aufgebracht. Er. hat am — Samstag seinen Urlaub! . lange die Wache bestehen wird und wie die Mittel für ihre Erhaltung aus dem' . Budget gedeckt werden. Der Polizeipräsident Dr. S ch o b.e r hat gestern die m. 'deu. Spitälern liegenden Polizisten besucht und sodMn. den Familien der getöteten Polizeibeamten Visiten p abgestattet. Wie nachträglich bekannt wird, hat sich am Samstag ein Zwischenfall ereignet, als . :i der Bundeskanzler Dr. Seipel in seinem Dienstauto durch die Mariahilferstraße fuhr, um sich, in das Bundeskanzleramt zu begeben. Der Ehauffeur wurde durch.Zurufe zum Halten veranlaßt, Demonstranten liefen auf den Wagen zu, erkannten den Bundeskanzler, , und zwei von ihnen sprangen auf das Trittbrett ' des Wagegs. Glücklicherweise gelang es einem Begleiter des Bundeskanzlers, einem herkulisch gebauten Sftann, die beiden rasch..vom Trittbrett herunterzusto'ß e n, worauf , der Ehauffeur das Auto sofort wieder in schnellste Fahrt. setzte, und der. Wagen davonsauste. Re Toten md Verwundeten. ' "In den Spitälern kommt es bei dem Besuche der Angehörigen und Freunde der Verletzten fortgesetzt zu erschütternden Szenen. Auf den Kliniken Hohene g:g und E i s e l's ber g, ' > im Sophienspitäl usw. wurde seit Freitagunter Heranziehung aller im Allgemeinen KrankeNhause nur irgendwie entbehrlichen ärztlichen Kräfte, aber auch mit Hilfe von Privatchirurgen das denkbar Möglichste geleistet. Leider ist der Zustandeiner Reihe von Verletzten, die schwere Kopf- und Bauchschüsse erlitten haben, ein derartiger, daß das Aergste -befürchtet werden muß. Die Zahl dev''Tötdn --- genaue Ziffern gibt es nicht — dürfte sich auf 120 bis 140 erhöhen, falls es nicht der Kunst der Aerzte gelingt, die. Schwerverletzten am Leben zu erhalten. Die Leichenfeier findet Mittwöch nachmittags auf dem Zentralfriedho.se, zweites Tor, statt. Eine kirchliche Einsegnung der Leichen dürfte nicht stattfinden. . Lediglich die Angehörigen der Toten dürfen der Totenfeier, beiwohnen. Die Todesopfer der Po^ lMi werden voraussichtlich Donnerstag bestattet toevden. ' ' Bon einem Arzte der Rettüngsgeselb-- schaft wird der „Korr.-Herzog" mitgeteilt, daß sich unter den Tode s op f ern auch eine hochschwangere Fra« und drei kleine Knaben .befinden. Einer war rittlings auf den Schultern des Vaters gesessen, als ihn das tödliche Blei traf. Der betreffende Arzt teilte auch m--. . daß der Reh-. tuü'gSgesellschaft wiederholt Verletzte von der Tra-- byhre heruntergerissen und mihha-nd-^M 7660

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