Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3010 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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|Pref»$gOg 1 MVufnCtivlli) AullUuiiwaUvU Wien, n^Taborstr.l Telephon 44^38, 48-849 Telephon ab 6 tJhf abend» 38-5-80 Serie, ab V-S tfer abends 38-5-83. Druckerei: VC., Lerchenfeldewtraße 1 Of»-) Wie» und Oesterreich durch Post oder VeraohleiSsteQen monaÜ. 6 Schilling. Bezugsbedingungen fftrdae Ausland tmTonern des Blattes. orgenzrttimg BESUCHET m noff lUiiiMimw . (Mur MMMttiti M« Gemütiiobkeit der gtttdn alten Zeit. W*r kommt, wird wieder Stammgast I «SM.W.-M1.ÜIM Volks tümli obe Freie*! Mittags - Mentte ä S 1*50 Direktion: OTTO KASERCB Er. 3010 Wien. Freitag. IS. galt 1927 (15. rhamos S687). 9. Jahrgang SEM N SWkKM MH. Lar BerdM der Geschworenen. Der Prozeß ist gestern abends nach zehntägiger Dauer zu Ende geführt worden. Die Angeklagten, die zwei Brüder Tfcharmann und ihr Schwager P i n t e r wurden in allen Fragen von den Geschworenen mit großer Mehrheit f r e i g e s p r o ch e n. Da der Staatsanwalt keine Erklärung avgav, wurden die Angeklagten sofort a u f freien Fuß gefetzt. Auf der Straße vor dem Landesgericht kam es z u Beifalls- und Mißfallenskundgebungen des Publikums, die aber bald durch ein Massen' aufgcbot der Wache eingestellt wurden. Nach dreieinhalbstündiger Beratung verkündete der Cömanri der Geschworenen folgendes Verdikt' Von dem Verbrechen der ö f f e n t l i ch e n Gewalttätigkeit durch boshafte Handlung unter besonders gefährlichen Umständen wurden sämtliche Angeklagten mit 9 S t i m m e n N e i tt, gegen 3 Stimmen Ja freigesprochen. Die zu dieser Frage gestellten Zusatzfragen entfielen somit. Die Gventualfrage auf versuchte s ch w e r e K ö r p e r v e r l e tz u n g wurde mit 6 Stimmen Ja gegen 6 Stimmen Nein beantwortet. Dadurch entfielen die Zusatzfragen auf Notwehr, Nvtwehrüberschreitung und vermeintliche Notwehr. Die dritte Gventualfrage- Vergehen gegen die Sicherheit des Lebens, wurde mit 7 Ja gegen 6 Nein beantwortet, wodurch die letzte Frage, ob daraus der Tod eines Menschen entstanden sei, entfiel. Der Vorsitzende erklärte gleich vor Beginn der Verlesung des Geschwovenenverdiktes, daß er jede Beifalls- oder Mißfallskundgeöung rücksichtslos ahnden werde. Das Auditorium enthielt sich auch beim Freispruch jeder Aeußerung. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, so daß der Enthaftung der Freigesprochenen nichts mehr im Wege stand. Sie erfolgte dann auch nach Ueberstellung der Freigesprochenen an das Landesgerich Bor dem Tore des grauen Hauses hatte sich eine größere Menschenmenge, vornehmlich Parteigänger der Angeklagten eingefunden und nahm den Freispruch mit Heil- und Bravorufen auf. Auch einige Gegner hatten sich eingefunden, die mit Pfuirufen erwiderten. Ein starkes P o l i z e i a u f g e bot verhinderte jedoch jede weitere Demonstration und zerstreute die Menge. EWWWM9t>»MSWWWM»OW»WM»W»»>>>»^' ' ■ Me Wischen Siedelungen unbeschädigt — Sa» Erdbeben in Jerusalem. jordanieu. Panik in Tran»> I e r u s a l e m, 14. Juli. In den jüdischen Siedlungen in Judaea?im Emek Jesreel und in Galiläa ist k e i n e r l e i Schaden entstanden. In T e l A w i w und S a f e d erfolgten lediglich geringfügige Beschädigungen an Häusern. In T i b e r i a ß sind im ganzen 12 Häuser völlig zerstört wo /den. Einige Personen wurden verletzt. In I e r n s a l e m trat die Katastrophe um 3 Uhr nachmittags ein. Es war ein von Norden nach Süden verläufendcs Zittern, dem in wenigen Sekunden ein unterirdischer Schlag folgte. Man hatte das Empfinden, daß unter den Füßen ein großer Einsturz erfolgt sei. In den ersten Schrecken mischte sich sofort das Krachen der zusammenvrechenden Gebäude. Staubwolken machtcll die Atmosphäre undurchsichtig, alles eilte auf die Straßen. Dabei dauerte das Erdbeben wie ein unter dem Boden grollendes Gewitter fort. Als es auf' hörte, wagte niemand ein Haus zu betreten. Zu den bereits gemeldeten Beschädigungen ist noch nachzutragen, daß der Turm der Dormitionskirche und die Kuppel des Heiligen Grabes schwere Nisse aufweisen. Der Sachschaden an der Universität in Jerusalem wird auf 3000 Pfund geschätzt. Unter den in der Altstadt in Jerusalem beschädigten Gebäuden befindet sich die Synag o g e B e t h E l. In L y d d a, der bekannten Eisenbahnstation, tvurden 7 Personen getötet, 10 verletzt, in R a m l e h sind 12 Personen tot, 40 verwundet, in Jericho 9 Tote, in N a - blus 20 Tote, 260 Verletzte. Die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten konnte noch nicht festgestellt iverden. Unter den Getöteten befindet sich keinIude. Me Katastrophe ln Lransiordanlen. Wie bereits berichtet, ist der Hauptort von Transjordanien, Amman am Javvok-Fluß fast zerstört worden. Gleich der erste Erdstoß warf die von den englischen Beamten neu erbauten Häuser wie Spielzeuge um. Die Stadt zählt etwa 10.000 Einwohner, zumeist Araber, syrische Drusen und englisches Militär. Die P a n i k d e r Araber war unbeschreiblich, als ihre neue Moschee und gleich darauf die englische Fliegerkaserne i n s i ch z u s a mm e n st ü r z t e n. Die etwa 20 Kilometer lange. Straße von der Allenvy- Brücke über den Jordan ViS nach Amman ist aufgerissen und «nfahrvar geworden. Die Zahl der Toten wird erst nach Wegräumung des Schuttes festzustellen fein. Die Stadt Maan existiert nnr mehr als ein Trümmerhaufen. Ans dem flachen Land ist der Schaden sehr gering, da sich dort nur wenige, zumeist Veduinifche Siedelungen mit Zelten befinden. 259.999 Pfund Schade«. Jerusalem, 14. Juli. Die Zahl der Toten steigt ständig. Der materielle Gefamtfchaden läßt sich noch nicht avfchätzen, da noch immer Häuser einst ü r z e n. Eine Schätzung lautet auf 250.000 Pfund. Infolge der Tatsache, daß Palästina keine natürlichen Hilfsquellen Hat, ist die Aufgabe der Wiederherstellung des Schadens sehr schwierik,. Das Bild des Kaisers Wilhelm rerfchlasea. London, 14. Juli. (Wolff.) Wie aus Jerusckl e.m gemeldet wird, sind durch das Erdbeben die oberen Stockwerke des Regierungsgebäudes zerstört worden. Der Ostgiebel der Kapelle ist vollständig zerstört. Ein vom Turm gefallener Stein durchschlug das Dach der Kapelle und zerstörte das Deckengemälde, das den früheren deutschen Kaiser in biblischen Gewändern, in der Hand ein Modell des Gebäudes haltend, darstellt. Ae beschstdigten Stielte in Jerusalem. In der „Vossischen Zeitung" schreibt Dr. Wolfgang Weisl:. Die ^Residenz" Lord PI u m e r s, die Kaiserin-Augusta-Viktoria-Stiftung am Oelberg, ist ein stattliches, riesiges Bauwerk, das mit seinem im wilhelminischen Stil gehaltenen Festungsturm Jerusalem architektonisch — nicht ganz zum Vorteil der Stadt — beherrscht und bis zum Toten Meer hin sichtbar ist: das erste Gebäude Jerusalems, das der Wanderer, von Osten kommend, erblickt. Die Stiftung ist deutsches Eigentum geblieben und ivurde an Lord Plumer nur vermietet, bis die palästinensische Negierung ihm eirie neue „Residenz" im Westen der Stadt erbaut hat. . Ein weiteres berühmtes Gebäude, das schwer beschädigt wurde, ist das chemische Institut der Hebräischen Universität in Jerusalem, dessen Leiter, ein deutscher Gelehrter von internationalem Ruf, der Biochemiker Fodor aus Halle ist. Das Gebäude ist ursprünglich ein arabisches, schloßähnliches Wohnhaus gewesen, das wegen seiner architektonischen Schönheit geschont wurde, als d-r deutsche Architekt Kornberg es zum Chemischen Institut Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. umbaute. Schon bei diesen Dauarbeiten zeigte sich, daß das Dach, wie die meisten arabischen Dächer, zwar sehr stilvoll, aber sehr schlecht gebaut war; es war nicht tragfähig genug, eine Aufstockung zu gestatten. Das Erdbeben hat auch hier erwiesen, wie sehr die arabische Bauweise der europäischen unterlegen ist; während die Neubauten der Hebräischen Universität nur unwesentlich beschädigt wurden, stürzte das arabische Dach des Chemischen Institutes ein. Trotz der großen Schaden, die hier mrd in den anderen Städten Palästinas angerichtet wurden, kann man sagen, daß das Erdbeben, entgegen den ersten Meldungen, die den Umfang der Katastrophe nicht übersehen konnten, für das Wirtschaftsleben Palästinas ziemlich belanglos geblieben ist. Die Katastrophe spielte sich in wirtschaftlichen Randgebieten ab, die weder für die Industrie, noch für die Kolonisation, noch für den Geldverkehr wesentlichere Bedeutung gehabt haben; die europäischen Siedlungszentren find völlig verschont geblieben, und der Sachschaden übersteigt nicht die Leistungsfähigkeit der Palästina-Regierung, die im letzten Wirtschaftsjahre neuerlich einen Bndgetüberschuß von 10 Millionen Mark gehabt hat. Eine „Neuaufnahme von Kapital" kommt um so weniger in Betracht, als die Anleihe von 4,500,000 Pfund, die England der Palästina-Regierung in Anbetracht deren ständiger Ueberschüffe bewilligt hat, noch in den Kaffen des Kolonialamtes ruht, ohne daß ein Penny davon ausgegeven wurde. Das Erdbeben war eine lokale Katastrophe von drei oder vier arabischen Städten; es war die größte derartige Katastrophe Palästinas feit Jahrhunderten, aber sie hat mehr Bedeutung angesichts der schweren Menschmopfer, die sie in Nablus, Amman und Ramleh gefordert hat, als durch die wirtschaftlichen Schäden, die sie dem Lande bereitet hat. Das Wirtschaftsleben Palästinas pulsiert heute schon in den europäisch-jüdischen Zentren, die abseits deS Bebenherdes gelegen sind. Polinäre gerettet. SefflmrschW im fcansiMtu Parlament. P a r i s, 14. Juli. (Havas.) Das Parlament hat nach einer die ganze Nacht dauernden Sitzung die 0esston geschlossen. Bor Schluß der Seffion hat der Senat den von der Kammer beschlossenen Entwurf betreffend di« Erhöhung der Beamtengeh älter einstimmig angenommen. Die Kammer hat einen Entwurf angenommen, der es der Regierung ermöglicht, das französisch-deutsche Zollabkommen während der Parlamentsferien abzuschliehen. LruschilowsN erschossen. Moskau, 14. Juli. (Wolff.) Das Präsidium des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion lehnte das Gnadengesuch Drnschilowskis ab. Das Urteil wurde voll st reckt. Ae Windischgrätz.Francs kursieren weiter B u da p e st, 14. Juli. Wie „Esti Karir" berichtet, ist vor einigen Tagen bei einer Filiale der Ungarisch-italienischen Bank eine 1000-Franes-Nvte eingewechselt worden, dir sich bei späterer Prüfung als eine Fälschung erwiesen hat. ES besucht der Verdacht, daß dieses. Falsifikat noch von den sein derzeitigen Franesirvten-Fälschungen herrührt. Die Polizei hat sestgestellt, daß die Note von einem Angestellten eines hiesigen Spielklubs eingewechselt worden M. der angegeben hat, sie von einem Besucher des Klubs als Pfand für ein Darlehen erhalten zu haben» Die Polizei hat auch diese Person stellig gemacht. Nähere Angaben über daS Ergebnis der weiteren Untersuchung fehlen noch. Sine internationale Aus-und Nnwaudenmgslousere«». New York, 14. Juli. („Pol. Korr.") Im März des nächsten JahreS findet in Havanna auf Cuba die zweit» ttttc* staatliche Konferenz der Gin- und AuswanderungsländAk ftchtt. X jummtsz T»I>IIW«II»1»||| »ihnf.i I' «t4*g»v.**1*1 .«ft»»