Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3009 (14.7.1927)
- Date
- 1927-07-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ke. 8009 Wien, Donnerstag Wiener Mvr^en(eiLung Mtztzähriges Stipendium zum Studium an der Kunstschule von M»th Kensington und bildete sich weiter in Paris fort. Er jttrrde ei» angesehener Meister, dessen Werke gern gekauft wurden rwd war stets auf den Änsstellungen der Britischen Akademie der Künste vertreten. EnthüLunp einer Mozart-Gedenkiasel. Me Gesellschaft der Musikftminde hat am Mittwoch am Hause 1. Bezirk, RauyeusteiivtzaFe 8, eine« Gedenktafel für W.?A. Mozart aniwÄiKen lassen. Mi dieser Stelle stand bis 1849 das Haus, in dem Mozart am! 8. Dezember 1791 gestorben ist. Die Gedenktafel wurde nach einer kurzen Ansprache des Vertreters der Gesellschaft der Musikfreunde, Kommerzialrat Karl Hutterstraßer, in die Obhut der Gemeinde Übergeben. Aus den Theatern. Burgtheater. Freitag, den 15. Juli, halb 8 Uhr „Adam und Eva". . ' Opern theater. Morgen, halb 6 Uhr, letzte Vorstellung' in dieser Spielzeit: Die Ballette „Car naval", „Die Prinzessin von Tragant" und „Wiener Walzer". Direktor Erich Müller Hai die Revueoperette „D i e Lady vom Lido"' von Florian und Dr. Robert Kätscher, Musik von Dr. Robert Kätscher, zur,Uraufführung am Johann- Strauß-Theater erworben. l Im Stadt theater wird die Revue der Stars „Wien lacht wieder" Dienstag, den 19. d.>, zum 350. Male aufgeführt. Im Theater au der Wien geht Mittwoch, den 20. d., 8 Uhr abends die 175. Aufführung -der Operette „Die Königin" in Szene. W Gerichtssaal. Sehordnung «m 3 Uhr früh. Der Ingenieur Josef Luftig überquerte am 19. März um halb 3 Uhr früh bei der Kreuzung der Blechturmgasse die Wiedener Hauptstraße. Da kam ein aus d-rei Wagen bestehender Kehrzug dxr städtischen Straßenreinigung. Der Ingenieur versuchte, auszuweich^n, der Kehrzug machte jedoch eine schärfere Wendung, als er erwartet hatte, und plötzlich verspürte der Ingenieur einen Stoß am Kopf, durch den ihm der Hut hinunter irr den Straßenkot geschleudert wurde. Der Mitfahrer Konrad Jahn hatte ihm auf diese unsanfte Art zu verstehen gegeben, er solle ausweichen^ Entrüstet darüber, rief d^r Ingenieur die Intervention des nächsten Wachpostens, des Oberwachmannes Ludwig Stadelmann, an. Der Wachmann lehnte es jedoch nach Anhörung des Personals des Kehrzuges ab, eßnz «'schreiten. Hieraus entwickelte sich eine Debatte zwischen dem Ingenieur und dem Wachmann, in deren Verlauf Ingenieur Lustig dem Wachmann vorwarf: „S.ie. :.finb Parteiisch vorgegangen!" Nun war der Wachmann plötzlich geneigt, einzuschreiten, aber nur gegen den Ingenieur,den er wegew Wachebeleidigung anzergte. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Margareten (Bezirksrichter Dr. Wänicek) sagte der Angeklagte: „Ich wußte nicht, daß ich damit ein Unrecht beging, daß ich dem Wachebeamten Parteilichkeit vvrwarf. Heute bedauere ich ja den Ausdruck sehr. Ich wollte ja nur das Nationale des Täters ausgenommen haben und empfand die Weigerung des Wachebeamten als Unrecht." Oberwachmann Stadelmann gab als Zeuge an: „Ich fragte den Angeklagten, was er eigentlich jetzt mitten i n der Nacht auf'der Straße zu tun habe, wo alle Gehsteige frei seien. Er habe vor allem die Gehordnnng einzuhalten. Hierauf warf er mir Parteilichkeit vor." Richter: „Hat der Angeklagte Ihnen erzählt, daß der Chauffeur ihm den Hut' hinuntergeschtagen hat?" Zeuge: „Er hat mich aufgefordert, ihn deshalb an- Kuzeigen. Zuerst, wollte er nur das Nationale haben, dann aber forderte er die Anzeige." 3)er große französische ^Romancier Anaiote ffroiace in vornehmsten Einbänden mit reicher Goldprägung nur S 3.- pro Rand Der Brunnen von Santa Clara / Novellen Die Sehnsucht des Johann Servien / Roman Die Perlmutterdose / Novellen Die Bratküche zur Königin Pädauque 7 Roman Die Ulme am Wall / Roman Die Probierpuppe / Roman Clio, Balthasar und andere Novellen Peter Noziöre / Roman Blaubarts sieben Frauen und andere wunderbare Qeschichten Der Aufruhr der Engel / Roman Die Götter dürsten / Roman Auf dem weißen Felsen / Roman Komödiantengeschichte / Roman Der Amethystring I Roman i'Buchhandlung -St. Xövjü Wien, Stoteriturmsitaße 22 Richter: „Sagen Sie mir sagendes: Wenn jemand zu Ihnen kommt, Ihnen erzählt, er sei von jemandem gestoßen worden und Sie bittet, das Nationale M Töt.rs aufzunehmen, was tun Sie da?" Zeuge: „Ich kann das Nationale aufnehmen, aber . wenn. keine Körperverletzung oder Gefährdung erfolgt ist, dann ist der Fall schwierig." Der Mitfahrer Konrad Jahn sagte aus: „Der Herr hat mir etwas übernächtig geschienen und anscheinend hat er den Wagen gar nicht bemerkt. Beinahe wäre er schm unter die Walze gekommen und da habe ich eine HandbewegUNg gemacht, um ihn zu Ivarnen. Ich weiß nicht, ob ich wirklich seinen Hut getroffen habe, jedenfalls ist es unabsichtlich geschehen. Man kann doch nicht Zusehen, wie er überfahren wird; dann kann ihn die Gemeinde Wien erhalten." , Der. Richter sprach den Angeklagten fre i mit folgender Begründung: Wohl sei Parteilichkeit der schwerste Vorwurf, den man einer Amtsperson machen könne, doch sei der Wachmann nach Ansicht des Gerichtes nicht korrekt vorgegangen, da er verpfl'chtet gewesen sei, auf die Mitteilung des Ingenieurs, ihm sei der Hut vom Kopf gestoßen worden, das Nationale des Täters aufzunehmen. Darum sei trotz der etwas zu weit gehenden Kritik der Freispruch erfolgt. Sind solche Anzeige« notwendig? Ter arbeitslose (Anstreichergehilfe Josef B. harte sich vor dem Bezirksgericht Margareten (Bezirlsrichter Doktor Jedlicka) wegen Bettel ns zu verantworten. Ter Angeklagte, ein kleiner, magerer Mann, von sehr nervösem lAussehen, der während des Verhöres öfters stotterte, wurde von der Bahnverwaltung angezeigt, weil er im Perstn'nzug auf der Fahrt nach Mödling die Fahrgäste angebettelt hatte. Richter: „Haben Sie gebettelt?" IMgekl.: ,Zch habe nichts zum Leven. Arbeitslosenunterstützung beziehe ich keine. Ich Hab' schon alles versucht und die verschiedensten Berufe augesangen und kann feinen Verdienst bekommen. Ich bin zu 60 Prozent Kriegs invalider und bekomme 48 Schilling Invalidenrente." Richter: „Davon müssen Sie leben?" 11. 19*7 ~c'"* 7 Ä-nge,i : ,,vvä) soll >.a Jit a'cc.i, br: 3 aat, dem zu - ick) mein-.' (5x-stenz a rsgeh-V, soll mi h unterstützen Woher soll i y es kenn n?;;:rSu. mein ich leben null! Soll ich stehlen ol er einb rechen, da ist doch noch immer besser, ich gehe betteln, eh' ich verhungere. Bezirksrichter Tr. Jedlicka nroch d.n Angellog' .en " -"-t unüberwindlichen Zwangs frei. 8i» Geschöst mit Hunden. Ms Halle a. d. S. »vird uns berichtet: Der Spezialarzt Dr. Krug uno der Flieger Knopf hatten sich ivegen eines originellen Versicherungsbetruges vor einem hiesigen 'Gerichte zu verairtworten. Sie hatten ein Hunde-Exportgeschäft gegründet, das die Ans fuhr deutscher Rassehunde nach Amerika betrieb. Tie Hunde starben mit verblüffender Regelmäßigkeit auf den Transporten. Schließlich stellte sich heraus, daß die Vierfüßler in' der doppelten Höhe des Kaufpreises auf Unfall versichert waren. Man kam auch darauf, daß ihnen vor ihrer Verfrachtung ein schleichendes Gift erngegeben wurde. Die beiden Angeklagten bezahlten beit originellen Einfall mit je neun Monaten Gefängnis. Junge Liebe. D'.e 19jäbrige Margarete P. lernte den IHjährigen Tischlcrlehrling Johann N. bei einem Feste der kommunistischen Partei kennen und bekam nach der entsprechenden Zeit ein Kind. Worauf der 16jährige auf Anerkennung der Vaterschaft und Alimentationsleistung geklagt wurde. Der glückliche Vater jedoch bestritt energisch die Behauptungen und erklärte, daß er es nicht sein könne. Margarete habe mit einer ganzen Reihe von Jünglingen Beziehungen unterhalten. Worauf zur Klarstellung eine Blutprobe vorgenommen wurde, die feststellte, daß tatsächlich Johann nicht der Vater sein könne. So sprach das Gericht den Sechzehnjährigen frei und wies die Klage,ab. vereine. Bortröge «nd Versammlungen. Wiener Bethamidrasch, 2. Bez., Tempelgasfe 3. Heute von 6 bis 7 Uhr Rabbiner Lektor Dr. Gelbhaus: Psabmett. Jüdisch -> akademischer Juristrnreretn. Herr Jakob Stark, Präses des Jüdisch-akademischen Juristenvereines, w-rrd morgen um 12 Uhr mittags im großen Festsaal der Universität zum Doktor der StaatÄvtssenschasten vromovtert. <xxxxxxxxxxmmmmxxxsoocx»pooo(xmxmxmxmxmxxmxx3ooooooooooo^ VOLKSWIRTSCHAFT Sie Verhandlungen zwischen der österreichischen and ungarischen Mühlenindnstrie. Wie bereits gemeldet, sieht das Zusatzabkommen zum! Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Ungarn eine Erhöhung des Mehl z olles auf 5 Kronen: Zuschlag züim! Getreidezoll vor, über die noch zwischen den österreichischen und ungarischen Mühlen eine Vereinbarung abzuschließen ist. Tie Verhandlungen zwischen den österreichischen und ungarischen Mühlen laufen schoit seit längerer Zeit. Nächste Woche kommt der Präsident des Budapester Mühlenverbandes Alexander Stux nach Wien, um die Verhandlungen zum Abschluß zu bringen. Wie es heißt, soll die Frage des Zollzuschlages derartig erledigt werden, daß die Wirkung d-r Zollaststeigeirung auf die feinsten Mchlsorten, das Nullermchk lokalisiert tverden, um eine überniäßige Bwtvertenernng zü! verhindern. Dies sieht alles sehr schön aus, es dürste jedoch in Wirklichkeit die Kosten des (Abkommens zwischen der österreichischen und der erzfaulen ungarischen Mühlenindnstrie, das im August effektuiert werden soll, der Verbraucher; tragen. Ser österreichische Rnßland-Hchort. Me Gemeinde Wie» sawntittt 90,000.000 Schilling. Die Gemeinde Wien hat sich bereit erklärt, für den Export nach Rußland jener Firmen, die ihre Waren in Wien erzeugen, eine Haftung in der Höhe von siebzig Prozent des Fakturenwertes zu übernehnren. Wi» nunmehr verlautet, will die Gemeinde vorläufig dieses Garantieobligo mit 50 Millionen Schilling begrenzen. Wenn die Exportgeschäfte in Gang sind, soll die Garantie bis zum doppelten Betrag erhöht werden. die Nachfrage nach Kapital größer sei als das Angebot, was auf die infolge der Jndustrieau sstände geringer gewordenen Gewinne zurückzuführen sei. Die weiterhin ungünstige Lage des Newh'orker Wechselkurses deute auf die Notwendigkeit hin, sich bezüglich der Ausländsanleihen zurückzuhalten. zumal die jüngst in London enüttiertcn festländischen Anleihen bewirkt haben, daß gewisse europäische Wechselkurse eine gegen England gerichtete Tendenz aufweis en. Re Konferenz der Banktzröfidenten in New Nott. Aus London wird berichtet: Während man in französischen und amerikanischen Finanzkreisen sich noch darum', bemüht, den Inhalt und das Ergebnis der Besprechung der Bankpräsidenten zu verschleiern oder abzuschwächen, spricht man sich in der City und in der englischen Presse offenherzig über diese Tagung aus. Zwei Beschlüsse werden hierzülande als feststehend angesehen: ' 1. Eine Zusage Frankreichs, den Franken,, sobald das notwendige Gesetz verabschiedet werden kann, bei einem Satze von etwa 4 :1 zu stabilisieren. 2. Sotten die Bankpräsidenten sich darüber geeinigt haben, daß in Zukunft keine größeren Geld-, Verschickungen von Notenbank zu Notenbank erfolgen, sondern daß jede Notenbank außerhalb ihres eigenen Goldbestandes besonders ausgewiefene Golddepots bei anderen Notenbanken entrichten soll. Das strengste Geheimnis wird bisher über die gegenseitige Relativität der Diskontsätze gewahrt, die 'Gegenstand der Erörterimgen gebildet haben. Sollunton zwischen Zngoflawie« «nd Bulgarien? Sofia, 12. Juli. Wie die hiesigen Blätter berichten, sollen demnächstdieHan delsvertragsverhandlungen zwischen Jugoslawien und Bulgarien beginnen. Die Blätter bemerken dazu, daß der Handelsvertrag zwischen diesen beiden Staates als der erste Schritt für die Schaffung einer Zollunion zu betrachten sei, der später eventuell auch Griechenland beitreten solle. ^_ England gibt (eine Anslandranleihen. 1 Aus London wird berichtet: Times veröffentlichen in ihrem Geschäftsteile eine Warnu ng bezüg li ch a uskän di scher An leih en, wobei das Blatt seststellt, die Tatsache, daß .die australische Bundesaiileihe nicht mehr als 1V Prozent der gewünschten Summe vorn anlagesuchenden Publikum zu erhalten versuchte, sei ein Zeichen dafür, daß Me Äparvmtagenvewegurrg ,m Dorotheum. Im Monate Juni 1927 wurden beim Dorotheum!m Spar- und Schecksinlagenvertehre S. 11,904.618.19 eingelegt und S. 11,606.180.69 rückgezahlt. M't Ende Juni 10(27 betrug der Gesamteinlagenstand S. 31,805.436.90. Verband jüdischer Kauf Leute und Geiverbetrethrnder, Heute, 8 Uhr abends, findet im Mener Bürgercafe (2. Bez., Praterstraße 11) eine Plenarversammlung statt. Parteienverkehr im Sekretariat 1. Bez., Elisabethstraße 9, 1/10, täglich von 9 vis 11 Uhr. Sprechstunden des Präsidenten Kommerzialrat Markus Montag, Dienstag und Mittwoch von 4 bis 5 Uhr, des Vizepräsidenten Kohu Donnerstag von 4 bis 5 Uhr und des Vizepräsidenten A. M. Ehrlich Freitag von 4 bis 5 Uhr. Montag, den 18. d. M., Vorstandssitzung in: Klublokal (Cafe Atlashof). Bericht über den Ausbau der Kreditkaffe. Bon der österreichischen Glasindustrie. Die Josts Jnwabd A.-G. hat in ihrer letzten Generalversammlung beschlossen, ihre in Oesterreich gelegenen Betrie-be, unter denen sich auch die Moosbrunner Glashütte befindet, als s e l b st ä n d'. g.e Unternehmungen abzutrennen. Wie wir bereits stinemeit berichtet haben, soll ferners in Oesterreich eine neu« masch-melle Dafel« glasfabrit mit e-ner JahreSprodaMon von IK Millionen Quaidwtmewrrr errichtet werden. Wie wir nunmehr «sich««, hat zu fefefem Zwecke die Wiener Industrie- und McmtaG-