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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-13 · Heft 3008 (13.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3008 (13.7.1927)
Date
1927-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Pfci« gög \ Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. I Telephon 44-0-88, 48-8-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab tya9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VH., Lerchenfelderstraße 1 (*lnva*) Preiset Wien nnd Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Morgertxeilmm iMÖftCtKAUl XWUHfc ttaUEMr 'W me Nr. 3008 Wien» Mittwoch, 18. Sttli 1927 (13. Thamus 5687). 9. Jahrgang Ae Erdbebenkatastrophe in Palästina. Ae hebrSWe llniverfitSt beschädigt. Die Meldungen, die uns bis zur Stunde über das Katastrophale Erdbeben in Palästina und in Aegypten vorliegen, können sich naturgemäß nur aus die Mitteilung der wichtigsten Vorfälle beschränken. Einzelheiten müssen noch abgewactet werden, so daß es heute noch nicht möglich ist, dageologische BUd des Ereignisses zu zeichnen. Das Unglück hat sich a u f a l t e m, v u l k a n ischemBoden abgespielt, dessen Zentrum die Tote-Meer- Ebene ist. Vorderasien und Aegypten bilden mit der nordafrikanischen. Wüstentafel eine geologische Einheit. Daraus erklärt es sich, daß die taktonischen Einstürze in beiden Gebieten sich ereignet haben. Das Erdbeben trat kurz nach 3 Uhr nachmittags ein und äußerte sich an verschiedenen Punkten durch umfangreiche Gebäudeeinstürze. Die Verluste an Toten sind verhältnismäßig sehr hoch. So kamen in Jerusalem 26 Menschen ums Leben und viele Personen wurden schwer verwundet. In dem rein arabischen Nablus (dem alten Sichern) sind gleichfalls 62 Personen tot, 30 Verletzte, am Karmel haben fürvff»Menschen das Leben verloren. In Jericho wur--. den drei europäische Touristen unter den Trümmern eines Gasthof begraben. In Transjordanien sollen 300 Tote zu beklagen sein. Der Sachschaden ist sehr groß. Nebst dem Heiligen ilrab wurde m Jerusalem das Gebäude der hebräischen Universität auf dem Sko- \ pusberg und das Palais des Oberkommissärs auf dem Oelberg schwer beschädigt. Aus Aegypten liegen nur Nachrichten über Sachschaden vor, der sich auf die Nilniederung in der Gegend von Kairo beschränkt. Sie zerstSrung in Rablns. Jerusalem, 12. Juli. (Reuter.) Nach den letzten Nachrichten aus Nablus sind durch das Erdbeben 62 Personen ums Leben gekommen und 260 verletzt worden. Auch der Bazar ist eingestürzt. Die Bergung der Toten dauert fort. Große Verwüstungen. Kairo, 12. Juli. (Reuter.) Wie von Augenzeugen berichtet wird, wird die Zahl der durch das Erdbeben in Transjordanien getöteten Personen auf 300 geschätzt. Zahlreiche Häuser wurde beschädigt oder stürzten ein. In M a a n dauerte das Beben 40 Sekunden. In Ä turn an und anderen Ortschaften Transjordaniens sowie in L u d d R a m l e h (Palästina) wurden zahlreiche Personen getötet. Aemenceaus Befinden. Sehr ernst. Paris, 12. Juli. (Havas.) Nach Blättermeldungen sind die Aerzte der Ansicht, daß der Gesundheitszustand Clcmenccaus zu ernsten Besorgnissen Anlaß gebe. Es handle sich um keine eigentliche Krankheit, sondern um ein Nachlassen der Gehirntätigkeit. Immerhin nehme Clemenceau Nahrung zu sich. Nach dem „Petit Parisien" habe Clemenceau Montag abends erklärt, daß er sich v i e l b e s s e r fühle. Die Nacht aus Dienstag hat er gut verbracht. Am Morgen war sein Befinden zufriedenstellend. ‘ Clemenceau ist am 18. September 1841 gehören, steht mithin im 86. ^^"".sjahre. Frankreich und die Anschlußbewegung. Metra fite eint mltteleuroMA SoMon. — zugofinalen und Ungar» aiderftrcden. London, 12. Juli. Nach hier eingetroffenen Informationen beschäftigt sich die französische Negierung in jüngster Zeit intensiver mit der künftigen Gestaltung der Geschicke Oesterreichs. Insbesondere Poincare soll sich eingehende Berichte über den Stand der Anschlußbewegung in Oesterreich von Quai d'Orsay erbeten haben und man bringt den Pariser Besuch des französischen Gesandten in Wien, Chanrbrun, damit in Verbindung. Der Gesandte wurde wiederholt von Poincare empfangen, der dein Knbinettschef seine früheren Berichte bestätigte, daß die Anschlußbewegung in Oesterreich tatsächlich von Tag zu Tag an Anhängern gewinne. Poincare soll schon vor Wochen der Prager Negierung als einziges Mittel zur Verhinderung des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland den Abschluß eines Zullbündnisses zwischen der Tschechoslowakei und Oesterreich nahegelegt haben, dem sich über Betreiben Frankreichs späterhin auch Jugoslawien, Polen und Ungarn anschließen sollten. . * Wie verlautet, habe Dr. Benefch auf der letzten Konferenz der Kleinen Entente diese französische Anregung vorgebracht, zn der sich jedoch der jngosiawifcho Minister des Aeußern Dr. Marinkvvie durchaus ablehnend verhalten habe. Bon England unterstützt, weigere sich Ungarn, in eine mitteleuropäische Zollunion ernzutreten, falls nicht Budapest als ihr Zentrum gedacht ist. In englischen politischen Kreisen hält man den Plan einer mitteleuropäischen Zoll- und Wirtschaftsunion für undurchführbar. Man ist daher auch nicht geneigt, sich für dieses Projekt Poincares, dem übrigens auch Brian d nicht wohlwollend gegenüberstehe, einzusetzen. Rekord-Weizenemte. Der amerllanWe osslzlelle Bericht. Rom, 12. Juli. (Stefani.) Ein von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika im internationalen landwirtschaftlichen Institut eingelangtes Telegramm besagt, daß, die gesamte Weizenernte auf 232,162.000 Zentner, das ist um 2.5 Prozent Häher als im Vorjahre und um 6 Prozent höher als die Durchschnittsernte' in den letzten fünf Jahren geschätzt werde. Auch der Ertrag des 9Ä)ggens, der Gerste, des Hafers, des Flachses und der Kartoffel wird vorausMtlich größer sein, ebenso auch die der Zuckerrüben. Todesurteil gegen Irukchilewstt. Moskau, 12. Juli. Das Militärkolleginm des Obersten Gerichtes verurteilte Druschilowski, dem Anträge des Staatsamvaltes gemäß, wegen Spionage cejeu dieSowletunion und Anfertigung gefälschter Dokumente zum Tode. Sein gesamtes Eigentum verfällt beut Staat. BtMerSnderuilsen im englischen Seitungrwefe«. „DM Gfttonlcle* verkauft. L o n d o n, 11. Juli. Zum Ankauf , der Aktien der „United Newspapers", in deren Besitz sich der „Daily Chronicle" und mehrere aridere liberale Blätter befinden, hat sich eine neue Gesellschaft gebildet. Das Kapital der Gesellschaft beträgt 3.060 000 Pfund Sterling. Die Direktoren sind Lord Readrng, das Parlamentsmitglied Hutchinson und drei andere bekannte. Persön- 1 lichtesten. I Die Politik der Blätter bleibt unverändert. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Das Wahlergebnis in Rumänien. (Von unserem Bukarester M.-R.-Korrespondenten.) Jonel Bratianu, der Chef der liberalen Partei, hat auf allen Linien einen grandiosen Sieg über die Oppositionsparteien davongetragen. Er hat eine Regierungsmchrhest erzielt, die in beiden gesetzgebenden Körperschaften über 80 Prozent ausmachen wird. Aus dieser Tatsache kann man aber noch keineswegs den Schluß ziehen, daß tatsächlich das ganze rumänische Volk hinter der liberalen Partei steht. Es ist jedenfalls unleugbar, daß die Liberalen in allen Kreisen der Bevöllerung nach dem Regime Averescu-Goga viele Freunde gewonnen haben, ganz besonders aber dadurch, daß es ihnen gelungen ist, den Bauernführer Dr. Lupu cm sich zu fesseln, indem sie ihm ein Ministcrportefeuille und überdies 20 Mandate in der Kammer für seine Partei einräumten. Dazu kam noch der Umstand, daß sie in einem offenen Manifest von ihrer Minoritätenfreundlichkest sprachen und Steuer- und Zollerleichterungen in Aussicht stellten. Unter den Opposstionsparteien war die nationale Bauernpartei, die unter Führung Maniu§ steht, und ihre Domäne in Transsylvanien hat, die mächtigste. Bratianu bot dieser Partei noch unter dem Kabinette Stirbey 4 Ministerportefeuilles und 120 Mandate in der Kammer an. Es konnte aber aus prinzipiellen Rücksichten keine Einigung erzielt werden, weshalb die Wahlschlacht nach der Uebernahme der Negierungsgeschäfte durch Bratianu ausgesuchten werden mutzte. Es wurde ein erbitterter Kampf in der Presse und in Versammlungen geführt, wobei die Frage der Regelung der Thronfolge die Hauptrolle spielte. Am 4. Jänner 1926 einigten sich alle Parteien auf eine Regentschaft, die den früheren Thronfolger ausschließt. Diesen Standpunkt, der Gesetz geworden ist, vertritt Bratianu, der Chef der mächtigsten Partei im Lande. Hingegen nehmen alle übrigen Parteien, die seinerzeit diesem Gesetze zugestimmt hatten, einen gegenteiligen Standpunkt ein, was im gegenwärtigen Wahlkampfe in krasser Form zum Ausdruck kam. Außer der nationalen Bauernpartei, die in Transsylvanien ungefähr 70 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigte und 54 Mandate erzielte, hat noch der Minderheitsblock 16 Mandate, und zwar 11 Magyaren und 6 Deutsche, erlangt. Alle anderen Parteien, wie die Averescaner, welche noch vor Wochen über die Regierungsmehrheit verfügten, Jorgisten, Cuzisten, welche im averescanischen Parlamente 10 Deputierte hatten, und Sozialisten hcwen nicht die erforderlichen 2 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht und werden im Parlamente gar keine Vertretung haben. An den Senatswahlen nehmen alle diese Parteien, mst Ausnahme der Sozialisten, zum Zeichen des Protestes gegen den Wahlterror, bricht teil, so daß die Liberalen in dieser Körperschaft ohne Opposition ihre Gesetze durchbringen werden. Für alle Fälle ist es begrüßenswert, daß der Cuzismus zusammengebrochen ist und weder im Parlament noch im Senat seine Vertreter haben wird. Dennoch wird es an antisemitischen Parlamentariern nicht fehlen, da ja die liberale Partei selbst über eine genügende Anzahl von Anhängern dieser Richtung verfügen dürste. Nach Provinzen geordnet, haben die Liberalen im Altreiche 70 bis 80 Prozent, in Bessarabien 70 Prozent, in der Bukowina 60 Prozent und in Transsylvanien 30 Prozent aller abgegebenen Stimmen bei den Kammerwahlen auf sich vereinigt, higegen erreichten sie bei den Senatswahlen fast volle 100 Prozent. Vielfach haben die Juden den Liberalen zum Wahlsiege verholfen, mit Ausnahme von Czernowitz, wo Doktor Strauch er auf sich kaum 300 Mische Stimmen vereinigte, dennoch aber infolge des Wahlergebnisses in der Provinz als gewählt erscheint. Ebenso wurden Dr. Salo von W e i s s e l b e r g e r in Czernowitz (Senat), Dr. F i ldermann in Bukarest (Kammer) und Horia Carp in Balti (Senat) auf der liberalen Liste gewählt. Die jüdischen Kandidaten des Minderheitsblockes, auf der Liste der nationalen Bauernpartei und auf der der Sozialdemokraten, sind gefallen. Die Anzahl der jüdischen Mandate beträgt somit im gaogen vier..

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