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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-11 · Heft 3006 (11.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3006 (11.7.1927)
Date
1927-07-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3006 Wim, Montag Wiener Morgenzettnag 15. Jull 1027 Seite 3 Re Befetzaag der Klinik Finger. m neuer unlverWWanval. Der Vorstand der ersten Universitätsklinik für Hautnnd Geschlechtskrankheiten, der weit über Wien hinaus bekannte Hofrat Prof. Finge r, tritt, wie bekannt, in den Ruhestand; für seine Nachfolge hat er primo et aequo loco die Professoren Oppenheim und S ch e r b e r, an zweiter Stelle die Professoren M u ch a und Kreibich vorgeschlagen. Dieser Vorschlag hat der medizinischen Fakultät nicht gepaßt, da die beiden an erster Stelle vorgeschlagenen Kandidaten Kapazitäten in ihrem Fach sind wrb der Burschenschafterclique nicht passen. Daher haben sie für die Klinig Finger, die hauptsächlich auf dem Gebiete der Geschlechtskrankheiten hervorragt, einen ausgesprochenen Dermatologen, den Innsbrucker Professor Kerl nominiert. Dieser Kerl hat in Innsbruck, ähnlich seinem Kollegen Arzt, der auch eine peinlich überraschende Professur in Wien erhielt, ein recht bescheidenes Autzerordentliches-Professoren- Dasein gefithrt und ist für Geschlechtskrankheiten nicht spezialisiert, sondern ausgesprochener Dermatologe und Kosmetiker. Prof. Finger weist nun in einem Interview auf diesen Umstand hin und fügt hinzu, daß dadurch die Gefahr bestehe, die für die Volksgesundheit so bedeutengsvolle Behandlung der Gonorrhoe würde an der Klinik nicht mehr die richtige Pflege finden. Hofrat Finger deutet auch an, daß er, wenn die Regierung dem Vorschlag des Professorenkollegiums zustimmt, von seinemAmtealSPräsident des Obersten SanitätSrates zurücktreten würde. Ob dieser Schritt freilich angesichts der Haltung der Negierung, die unter dem Diktat der Men Herren von der Universität steht, eine Wirkung haben wird, ist noch sehr fraglich. v« Verein deutscher Mediziner im KinderlvitnI. ' Ter Rechmmgsredldent Wenzel Arco htnterließ die Häuser Ll-erejiengasse 37 und 39 für eine Kinder-Spütalsstiftuirg ohne Unterschied der Konfession. Für die Stiftung bildete sich ein Verein, der die Häuser im Jahre 1914 flir Spitalszwecke adaptierte. Dann brach der Krieg, aus und die beiden Hauser erhielten Militärbe'ag. Als bter ' Verein nach dem Kriege sich bemühte, die Verwaltung der Häuser wieder in seine Hände zu bekommen, um gemäß dem Willen des Stifters ein Kinderspital einzurichten, durchkreuzte der damalige Minister für Volksgesundheit, Doktor Kaup, diese Pläne und drängte auf die Errichtung eines Studentenheims. Tatsächlich wurden die Häuser dem V e r- , ein deutscher Mediz iner zur Verfügung gestellt. Im! Jahre 1925 übernahm dann die Gemeinde Wien die Verwaltung der Häuser, konnte aber den Hakenkveuzleroerein, der offenbar sehr fpitalsbedürftig ist. nicht heraus bekommen Und mußte klagen. Die hcrkenkreuzlerischen Mediziner erhoben allerlei leere Einwendungen, denen jedoch das Zivillandesgericht kein Mlgenmerk schenkte. Ter Räumungsklage wurde stattgegeben 'uttb nach einer gründlichen Durchräuchkrung werden nun wohl die Häuser bald dem Zweck, für den sie gestiftet wurden, dienen können. Einer „TttlM".KatastroM entronnen. London, 10. Juli. (Reuter.) Der heute in Greenock eingetroffena transatlantische Dampfer ,,M o n t c a l in^ hatte auf der Fahrt ein aufregendes Erlebnis. Er stieß am zweiten Tage näch seiner 'Mfahrt von Montreal gegen einen Eisberg. Unter den etwa tausend Passagieren entstand große Aufregung. Viele Frauen fielen in Ohnmacht. Ein Schraubenflügel des Schiffes wurde bei dem Zusammenstoß gebrochen. Vorsichtshalber wurden Der Hausarzt. Redigiert von De» Ganei Beer. lieber mmchtsanMe. Es gibt Menscheit — meist handelt es sich um Frauen — btc an gehäuften OhnmachtSanscillen leiden. Diese treten nach affektiven Erregungen, roie körperlichem Schmerz, Aerger, Angst vor ärztlichen Angriffen, nach erschöpfen-- den körperlichen Anstrengungen, wie langem Stehen und dergleichen, auf. Solche Individuen sinken unter einem eigenartigen Gefühl doS Schwindels Und des Schwarzwerdens vor den Augen plötzlich hin. Der Erschlaffung der Muskulatur gesellt sich eine tiefe Blässe des Gesichtes, das Bewußtsein erscheint völlig aufgehoben. Wie rasch der Anfall gekommen, so rasch erholen sich die meist im allgemeinen sonst gesunden Menschen, die aber Zeichen einer nervösen Körperbeschaffenheit und nervöser everbter Belastung ausweissn. Die Ursache der Ohnmachtsanfälle. liegt in den abnormen Schwankungen der Blutverteilung, wie sie ein minderwertiger Gefätznervenapparat mit sich bringt. Solche Menschen haben eine rosig-durchsichtige Hautfarbe, erröten leicht neigen zu Herzklopfen und Pulsveschleunigung und weisen eine große Uebevempsindlichkeit der Haut» besonders gegen Kälte und Hitze auf, EÄ sind überempfindliche Naturen mit leicht wechselnder Stimmung, die bei Bahn- und Seefahrten das Rückwärtsfahren nicht vertragen. Bor grellen Licht- und starken GehÜrreizen erschauern sie. Sie zeichnen sich durch übergroße Kleiber- und Körperpflege auS, haben infolge der empfindlichen Haut gegen juckende Reize Avneigung gegen Samt und wollene Strümpfe. die Rettungsboote bereitgesiellt, doch stellte es sich heraus, - daß die Hülle des Schiffes unbeschädigt ge-! blieben war. \ Bon einem Mmtiaeti zerfleischt. Aus Payerbach wird gemeldet: Ein Bruder des RazwirteS Camillo K r o n i ch ist im Knappenhof das Opfer eines Racheattentates geworden. Der Anschlag galt eigentlich dem Wirte Kranich selber. Der 86 Jahre alte Hausknecht Griesauer aus Reichenau überfiel Bruno Kranich und versetzte ihm fünfzehn Messerstiche. Er wurde verhaftet. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus nach Neunkirchen gebracht. Angeblich soll Griesauer schon zwei Jahre in einer Irrenanstalt verbracht haben und als unzurechnungsfähig gelten. Me Borortelinie wird elektrifiziert? Wie ein Wiener Montagsblatt erfahren haben rvill, soll die sogenannte Borortelinie, welch« von Heiligenstadt über die äußeren Bezirke nach Hütteldorf führt und noch immer mit Dampf betrieben ivird, demnächst außer Betrieb gesetzt werden, um dann von de« Wiener Stadtverwaltung übernommen und elektrifiziert zu werden. Unruhe» in Bagdad. Bagdad, 10. Juli. (Reuter.) Bei der unweit der Stadt gelegenen berühmten Moschee Kadimain kam c§ heute vormittags anläßlich eines religiösen Festes zu einem Zusammen st oß zwischen Zivilisten und Soldaten der Irak-Armee, über dessen Ursache nichts bekannt ist. Die Soldaten, die ebenso wie die Andächtigen Schiiten waren und keine Waffen trugen, wurden von der ungeheuren Menschenmenge angegriffen. Es lourden zwei Soldaten und drei Zivilisten getötet, sechzehn Soldaten und 23 Zivilpersonen verwundet. Ein Teil der Menschenberluste ist auf daS große Gedränge, das unter den hunderttausend Menschen herrschte, zurückzuführen. Der fihefteDaftm her „Aktiva kranralse" enthaftet. Paris, 10. Juli. (Havas.) Der EAifredakteur der „Aetion Francaise", Pujo, ist heute vormittags vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden. Pujo sprach dem PressesyMkat seinen Dank für die beim Minister dcS Innern, Sarraut, unternommenen Schritte für seine Freilassung aus. Bezüglich der gegen ihn gerichteten Beschuldigung erklärte er, daß er für die Geschehnisse zwar die moralische Verantwortung übernommen habe, daß man ihn aber nach seiner Meinung juristisch nicht verantwortlich macheir könne. Tue Selbstmorde des Sonntags. In der Nacht vom SamStag zum Sonntag hat sich der 43Wrtge Kohlenhändler Ludwig Haller, Ullmannstraße 89, in seiner Wohnung erhängt und wurde als Leiche aufgesunden. — Gestern gegen 8 Uhr nachts sahen Passanten, wie cfit etwa 30jähriger, mittelgroßer Mann mit dunklem Anzug, weißem Hemd und Kragen bekleidet, von der Flortdsdorferbrucke m den Donaustrom sprang. Er verschwand in den Wellen. Bonn Baden ertrunken. Gestern mittags ist beim Baden in der Allen Donau der 16jährige Gäveroeschüler Erwin Model, Dammftraße 38, am großen Bruckhaufen beim Baden im Wasser versunken. Zwar wurde der Knabe geborgen, doch konnte man nur mehr den Eintritt des Todes feststellen. Wenn man den Kopf »US dem Mraßenbahnfenster Jttxti Der iechsjährrge Schuhmacherssohn Ernst Bau er, Goldschlagstraße 124, erlitt gestern nachmittags dadurch schwere Verletzungen am Kops, daß er auf der Fahrt in einem Stratzenbahnzug der Linie 62 sich in einem unbewachten Augenblick zu weit aus dem Fenster beugte und mit dem Kopf zwischen Fensterrahmen und die Wand eines stehenden Autos gepreßt wurde. Mit Anzeichen eines Skhädelgrundtzruches wurde das Kind durch die Rettungsgesellschast auf die erste Unfallstation gebracht. Das Schachturnier m Kecsremet. In der zwölften Runde deS Schachturniers siegte AhueS über AsztaloS, Bukovie über Brinmnann, Tartakower Wer Berndtton, Iates über Colle. Die Partie Aljechin—Niemzwwitsch, das Hauptereignis des Tages, sowie die Partien Kmoch—Vajda und Grünfeld—LakaeS endeten remis. Sunt Abschied eine Niederlage. Hakoah—Brooklyn Wanderers 1:4 (0:2). New Nork, 10 Juli. Gestern hat sich die Wiener Hakoah von hier verabschiedet. Sie stand der Mannschaft der Brooklyn Wanderers gegenüber und mußte eine überraschende und auch unverdienteNrederlage in Kauf nehmen. Anfangs waren die Gäste überlegen, konnten aber die sich ihnen bietenden Gelegenheiten nicht ausnützen. Wort mann hatte das Pech, zwei glänzende Chancen zu vergeben. Dann gelanget: den New Norkern zwei Zufallstreffer. Nach der Pause ergab sich der gleiche Verlauf. Die technisch besseren Hakoah ner erhalten zwei Tore und könnet: erst knapp vor Schluß durch Schwarz daS Ehren g oal erzielen. Wegen der unerträglichen Hitze waren bloß 6000 Z u scher NH t anwesend, die die Wiener zum Abschied herzlich feierten. Nach dem Spiel schiffte sich die Mannschaft gleich auf „Äquitania" zur Heimreise ein. Horvath bei Aadld. Uebvr raschend erweise ist HoovaH gestern, nachdem erbest in von letzten Tagen abermals für.Simmering unterschrieben hat, dem Sportklub Rapid Veigetvete-n. Horvath, der bekanntlich noch am Samstag be: den SimMeringem gegen B. A. C. gespielt hat, wird ab Herbst fiit die Hütteldorfer tätig sein. Bereits heute fährt er aus Erholung zu den in Trummersbach befindlichen Raipld-Gpielern. Als A bl äffe summe werden Schilling genannt. Außer den minderwertigen Gefäßnerven ist bet solchen neuropachischen Personen auch ein psychischer Fattor von ausschlaggebender Bedeutung. Es wird auch dem Laten ausgefallen sein, daß solche Leute niemals einen OhnmachtSanfall in solcher Situation bekommen, in der sie durch ihn in Gefahr geraten könnten, also niemals auf der Straße, im Bade, sondern stets im. Haus, bei einer Feier, beim Arzt. Der Anfall ähnelt dem hysterischen, der in noch sicherer Umgebung (gewöhnlich auf erneu: weichen Sofa) vor sich geht, doch spielt hier der Wunschfaktor ke:ne Rolle, sondern es handelt sich hiebei um ein Nachlassen der Willensspamrung. Die Langeweile der Situation ruft oft den Zustand der Zerstreutheit mtt der Folge der Ohnmacht hervor. Wohl zu unterscheiden vor: derlei harmlosen Anfällen, sind jene echter epileptischer Natur. Hier besteht ttefe Bewußtlosigkeit, gewöhnlich von Krämpfen begleitet, da treten oft Verletzungen deS Körperauf. Der Epileptiker fällt oft auch aus der Straße zusammen und vorletzt sich an einer Fensterscheibe. Man findet bei ihm Zungenbiß, regelmäßiges Einnässen im Anfalls, dem leichte Verwirrtheit und stundenlanger Schlaf folgen. Kommt man einem Ohnmächtigen zu Hilfe, fo bringe mai: ihn zuerst in horizontale Lagerung mtt dom Kopfe, befreie ihn von beengenden Kleidungsstücken (Riemen, Mieder), befeuchte Gesicht und Brust mit kaltem Wasser, kitzle oder bürste Fußsohlen und Handteller. Bei stockendem Atem versuche man künstliche Atmung durch Zusammendrücken deS Brustkorbes. Beim Erwachen reiche man dem Kranken Hoftnannstropfet:, schwarzen Kaffee oder Lee. Jedenfalls verständige man einen Arzt, der durch Injektion von Herzmitteln weitere Erholung des Ohntnächtigen erreichen wird. Betrifft die vorübergehende oder länger dauernd« Ohnmacht eine ältere Person, so muß man an einen Herzschlag oder Gehtrnschlag denken. GcheE kommt mM bei Menschen vor, die air einem Herzfehler leiden, auch Ivcnn sie sich dessen nicht bewußt geworden sind, ober es liegt die Verstopfung eines größerctt GehirngefLßeS durch ein von den kranken Herzklappen losgelöstes Blutgerinnsel vor. Es kann sich aber auch UM eine Zerreißung eines lebenswichtigen Gchirugefäßes handeln, wie eä bei fortgeschrittener Arterienverhärtung vorkommt. Erst die nächsten Stunden und Tage lassen dann erkennen, wie weit eine Schädigung eingetreten ist und welche Aussichten auf eine Rückbildung der Beschädigung bestehen. Selbstverständlich muß man bei einer Ohnmacht auch eine mögliche Vergiftung mit medizinischen oder anderen Giften berücksichtigen. Auch an cm« Vergiftung durch Kohlendunst, Gas oder durch den elektrischetr Strom muß mm: denken. Man ersieht daraus, daß t& keineswegs einfach ist, sofort die Ursache für eine Ohnmacht fostzustellen, wichtig ist es, jedenfalls sofort die nötigen Allgemeinmahnahmen zur Erweckung des Ohmnächttget: zu ergreifen und nicht kopflos dazustehen. Am besten, man berufe rasch «inen Arzt. Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung:“: Monatlich Wien und Oesterreich.......... 8 5 — Tschechoslowakische Republik.Kö Jugoslawien.... Dinar Polen.. . . . . . ziotj Deutschland.. . . . Goldmarf England . .. sh Frankreich, Belgien . . Pres, teilen . Lire — Rumänien . ... ........ Le! 170 — Bulgarien .Lewa 100*- Amerika.. Dollar 1-— Schwein und das übrige Ausland ..... Franken 5*^- Oesterr. Postsparkassenkonto 150.693.

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