Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3004 (9.7.1927)
- Date
- 1927-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Preis gO ö l Redaktion, Administration: Wien, II., faborstr. 1 Telephon 44-0-38. 43-3-19 Telephon ab 6 Ohr abends 38-5-80 Serie, ab */a9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei:;1I., Lerchenfeldorstraße 1 („lnva"') Preise; 7i en und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen mouatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Nr. 3004 BEQUEME TEILZAHLUNG! orgcnjeituna MÖBELHAU/ WÜHL. »V. SCHIEIFM0H16AS5E Nt 3 TELEFON 55 9 35 Wien, Samstag. 9. guli 1927 (9. Lhamus 5687). 9. Jahrgang tttöfll mi W MW«. Die Wahlen in Rumänien. — Antisemiten. Sozialdemottaten und Kommunisten ohne Mandat. — Sies der Liberalen. B u d a p e st, 8. Juli. Wie „Magyarorszag" aus Bukarest meldet, haben nach den bis 10 Uhr vormittags vorliegenden Meldungen die l i b e r a'l e Partei etwa 290, die nationale Bauernpartei 60 bis 70 Mandate errungen. Die Antisemiten, die Sozialdemokraten und die Kommunisten haben bisher kein einziges Mandat erhalten. Eine schwere Niederlage hat auch der gewesene Ministerpräsideut Averescu erlitten. Seine Anhänger sind mit ihyr sämtlich durchgefallen. . . » Er selbst hat in seinem Wahlbezirk Turn-Severin 360 Stimmen erhalten. Der Kandidat der Regierungspartei konnte 20.000 Stimmen auf sich vereinigen. In Hermannstadt ist' der Führer der Deutschen, Rudolf B r a n d s ch. gewählt worden. Ile Einzelergebnisse. Bukarest, 8. Juli. Die Wahlergebnisse aus den Provinzen sind folgende: Im alten Königreich erhielt die.liberale Partei 70. bis 80 Prozent, in B e s s a r bien 60 bis 70 Prozent, in der B u k o w i n a 50 bis 55 Prozent, in Siebenbürgen 30 bis 40 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Durchschnittlich erhielt die liberale Partei im ganzen Lande 60 bis 75 Prozent der abgegebenen Stimmen, die nationale Bauern- - artei 20 bis 26 Prozent. Die übrigen Sitze werden an die Minderheitsparteien verteilt werden, die in einzelnen Bezirken die absolute Mehrheit erhalten haben. Die Wahlen sind in vollkommener Ruhe durchgeführt worden. Große Mehrheit der Regierung. . B u k a r e st, 8. Juli. Die Agentur Orient-Radio meldet: Die starke Mehrheit, di'e die Negierung bei den Wahlen zum Nachteil insbesondere der nationalen B a u e ruft arte i erzielte, ist vor allem der vollendeten Organisation und der ausgebreiteten Propaganda der liberalen Partei zu verdanken, weiters der Unterstützung durch verschiedene Gruppen, namentlich durch die Aktion Dr. Luft u s, der eine beträchtliche Zahl der Stimmen der nationalen Bauernpartei gewann, sowie dem Kartell mit den Juden, die früher ihre Stimmen der nationalen Bauernpartei gegeben haben, und schließlich dem Widerwillen der Wählermassen . gegenüber u m st ü r z l e r i sch e n Wühlereien sowie deren Verlangen nach Ordnung. Die nationale Bauernpartei behauptet ihren Stau, in Siebenbürgen, wo sie beträchtliche Erfolge errang. Unter den Gewählten befinden.sich die Oppositionsführer Wihalache, Maniu, Stere, Madgaaro, Cantacuzene und der Wojwode Vaida. Nicht gewählt wurden die Oppositionsführer Jorga, Averescu und C u z a. SW Riesenbrand in Ältmannsdors. Gestern um die Mittagsstunde brach in einem Nachbarhanse der Meierei S i l l e r in A l t m a n n s d o r f ein Brand aus, der k a t a st r o p h a l e n Umfang annahm. Die Meierei mit ihren Stallungen, Vorratsräumen sowie mehrere Häüser der Umgebung wurden ein Raub der Flammen. Zweitausend Hühner, eine große Anzahl von Nutzvieh ' und Schweinen verbrannten, der Sachschaden ist enorm. (Ausführlicher Bericht im Inner): des Blattes.) Deutschland vor Neuwahlen? Der drohende zerfall der Koalition. Berlin, 8. Juli. (Wolfs.) Die „Germania", das Organ -es Zentrums, erklärt, die Zentrumsfraktion werde an der Koalition fest halten, solange die Grundlagen, auf denen sie aufgebaut ist, nicht erschüttert werden, nicht einen Tag länger. Sollten R e i ch s t a g s w a >h >l e n am natürlichen Ende dieses Reichstages stehen, so wird die Zentrumsfraktion ohne Zaudern die Politische Verantwortung für das übernehmen, was im Zeichen dieser Koalition geschaffen worden ist. Für diese Koalition und mit dieser Koalition den Wahlkämpf zu führen, fällt niemandem in unseren Reihen ein. Eine Reichstagsauflösung wegen des. Zerfalles her Regierungsparteien bei der Schulvorlage dürfte nicht mehr sein als der letzte Einlaß zum Todesurteil über einen Reichstag, Per nicht imstande wäre, eine tragfähige Grundlage für eine Regierung zu schaffen. Von der Wahl eines solchen Anlasses, raten wiallerdings entschieden ab. Der Bürgermeister von kremowivom Amt enthoben. C z e r n o w i tz, 8. Juli. Wie der „Glasul Bncovinei" mitteilt, wurde der Bürgermeister Dr. Sbiera vom Innenminister seines Amtes enthoben. An Stelle des bisherigen Polizeipräfekten Bolocan wurde Baron Nicu F l o n d o r zum Polizeipräsidenten ernannt. Der Gemeinderat ist aufgelöst und eine Regierungskommission zur einstweiligen Leitung der Geschäfte bestellt worden Die Mandate der Minderheiten in Polen. Protest de« Wischen Kind» me» Nie Wnllrelorm. W a r s ch a u, 8. Juli. Im Wahlreform-Unterausschutz des polnischen Sejm, wurde, tvie gemeldet, gestern beschlossen, die Zahl der Abgeordneten von 444 auf 412 und die der Senatoren von 111 auf 108 herabzu setzen. Da die Reduktion der Mandate fast ausschließlich die nationalen Minderheiten betrifft, hat der jüd i s ch e K l u b beschlossen, an den Sejm und an den Senat, an den Ministerpräsidenten, an alle Minister und an sämtliche parlamentarische Klubs ein Schreiben zu richten, worin gegen eine Verminderung der Zahl der Volksvertreter in den ,von nichtpolnischer Bevölkerung bewohnten Ostgebieten schärfste Verwahrung eingelegt wird. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Henry Fords neuester Reklametriü. -y, Wien, 9. Juli. In der antisemitischen Internationale ist eine schwere Bresche entstanden. Henry Ford, der als eine der stärksten Potenzen dieser Weltverfchwörnng geschätzt wurde, hat seinen Posten verlassen. Er widerruft alles, was er gegen das Judentum hat schreiben und drucken lassen; er sagt sicklos von allen rassenkämpferischen Tendenzen und insbesondere ist er überaus betrübt, daß sein Matt, der „Dearöorn Independent" die „Geheimnisse der Weisen von Zion" ver- . üfsentlicht hat, die eine große Fälschung sind. Er steht als Mann von Ehre nicht an, die Judenschaft um Entschuldigung zu bitten und sie für die Zukunft seines guten Willens und seiner Freundschaft zu versichern. Was diese Freundschaft anbelangt, so wird wohl jeder Jude als Mann' von Ehre sie ablehnen, und es kann im Judentum, wo immer es lebt und um welche Partei oder Weltanschauung es sich handelt, nur ein Gefühl des. Ekels Lecken, was da Ford unterschreibt. Hätte er jettte!Anschuldigungen und Anklagen 'durch Beweis erhärten wollen und wäre dann zur Erkennns der Wahrheit gelangt, dann würde seine öffentliche Erklärung für sich alle Rechte der Loyalität in Anspruch nehmen können. Sie müßte beachtet Wersen und erhielte sogar den Wert eines historischen Diokumen es. Ford hat . Ge'egenheit genug gehabt, seine Kritik an Judentum und Juden zu beweisen. Er wurde geklagt und Nathan Strauß hat ihn öffentlich vor ein Schiedsgericht! gerufen. Er möge dort sein Material vorlegen, aus dem! hervorgeht, daß , die Juden" die Finanzgebarung der Bereinigten Staaten kontrollieren. Ford hair dies abgelehnt. Er hat den Rechtsanwalt Schapjra beschuldigt, sich aus der sir istischen Vertretung der Farmerverbände betrügerische Gewinne gesichert zu haben. Vor Gericht ging Ford ^nicht und als er in die Enge getrieben wurde, erfand er den geheimnisvollen Ueberfall auf sein Mito. Dem jüdischen Publizisten Hermann Bernstein hat er in Zeitungsartikeln vorgeworfen, er habe beim Friedenskongreß eine ftir die Menschheit verderbliche Tätigkeit entfaltet. Bernstein hat geklagt, aber eine Verhandlung wußte Ford immer wieder zu vereiteln.. Nun sollen im Herbst diese beiden Prozesse, der des Anwalts Schapira und der des Redakteurs Bernstein, doch durchgeführt werden. Ford gibt einen Generalwiderruf. Diese widerliche Komödie, die doch nur der jämmerlichsten Feigheit entspringt, kann das Urteil über Ford nicht zu seinen Gunsten beeinflussen. Es ist nicht die männliche Ehrenhaftigkeit, die einen Fehler einsieht,' sondern die Furcht vor der Öffentlichkeit. Henry Ford ist der reichste Mann der Welt und er ist auch einer der niaßgebendsten Wirtschaftsführcr in Mnerika. Das System, den: er sein ungeheures Vermögen verdankt, ist die schrecklichste «Ausbeutung seiner Arbeiter, die an dem lausenden Band zu Mechanismen herabgewürdigt wurden. Ebenso abscheulich sind seine Vertriebsmethoden, : über die kürzlich einer seiner Verkäufer ein sehr interessantes Buch geschrieben hat. Es ist die offenste Erpressung, mit der Ford vorgegangen "st, der seinen Menten, wenn sie nicht die vorgeschriebene und willkürlich bemessene Anzahl von Wagenabnehmen wollten, beit Kredit sperrte und sie iit den Ruin trieb. .Nebenbei bemerkt, mußte jeder auch noch das Zwangsabkommen ftlr den „Dearborn Jndependant", und zwar gleich ftir hundert Exemplare, bezahlen. Dieser Ford ist nun durch sein Geld und durch seine geschäftliche Bedenkenlosigkeit sogar in den smartesten Kreisen anffälligj geworden und die angesehensten Politiker bezeichneten ihn als eine soziale Gefahr. Unter Führung des Hauses Morgan bildete sich eine Judnstriellengrnppe, die im Einvernehmen mit den Gewerkschaften sowie mit den Kleingewerbetreibenden von Detroit, die Ford aüfznsaugen versucht hatte, gegen ihn dörgeht. In dieser Situation, die den Nimbus und die für moderne Bademäntel zu billigen Preisen bei der 6., Mariahilferstraße Nr. 3