Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3003 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BESUCHET din Wiener Rathauskeller! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast l WM.W.-IÜIN.WI». Volkstümliche Preise I Mittags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KASERER 1 Preis «0 o| Redaktion, Administration: Wien, 0«) Taboretr. 1 Telephon 44-0*88, 48-8-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ah ‘/*9 Ohr abends 38-5-83. Druckerei: Vll., Lerchenfelderstraße 1 („Inra“) Preise: Wien nnd Oesterreich durch Post oder Verschleißitellen monatL 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. orgmzeilung Rr. 3003 Wien. Steitao, 3. guli 1027 (8. Asm«, 8087). Sie Mandatsverwaltung im gadre 1026. Der von der britischen Regierung dem Völkerbundsvat erstattete Bericht über die Verwaltung von Palästina und Transi o r d a n i e n im Jahre 1926, der der Mandatskommission in ihrer gegenwärtigen Tagung Vorgelegen hat, ist soeben als Weißbuch hevauSgegeben woiwen. Wir lassen hier (auszugsweise) den ersten Teil nach der uns durch die I: T. A. übermittelten Usbersetzung folgen. Der Bericht stellt einleitend fest, daß trotz der schlechten Wirtschaftslage und trotz der Vorgänge in Syrien die ftuhe im Lande nicht gestört wurde. Der öffentliche Sicherheitsdienst wurde unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit reorganisiert. Der Bericht fährt sodann fort: Ungeachtet der sinkenden Einkünfte und vermehrte« AnSgaben gegenüber 1925 wurde zu Ende des Jahres 1926 ein Ueberschuß .von 1,804.554 agypt. Pfund gegen 1,069.576 äghpt. Pfund zu Ende 1925 erzielt. Aus den Ueberfchüffen und seitens des KronSagenten wurden Vorschüsse bewilligt zwecks Durchführung von öffentlichen Arbeiten, die in Voraussicht der Palästina-Anleihe in Angriff genommen wurden. Die Rückzahlung dieser Vorschüsse, sowie der Summe von einer Million Pfund Sterling« die ,, der britischen Regierung für Eisenbahnen, Straßen, Telegraphen-Änlagen und andere Aktiva zustehen, erfolgt nach . Ausgabe der Diereinhalb-Millionen-Pfund-Anleihe. Der Rest der Anleihesumme wird z u r E r r i ch t ungei n e s Hafens in Haifa.und anderer notwendiger Arbeiten verwendet. Obgleich die Staatssinanzen des Landes nicht unbefriedigend sind, heischen sie eine vorsichtige Politik. Die Erhöhung der Einkünfte, die die Akkumulation beträchtlicher Ueberschußbeträge ermöglicht hat, betraf hauptsächlich Rechnungsposten, die sich aus dem großen Eknströmen jüdischen Kapitals in daS Land ergaben. In enger Verbindung mit diesem Kapitalseinstrom werden diese Posten je nachdem sinken und steigen. Es ist aber zu be- ^enfen, daß jüdischer Unternehmungsgeist und jüdisches Kapi- Reue Schwimmrekorde der Hakoah. Bon IM Blenenseld und Fritz! Löwy. Bei dem gestern im Hietzinger Strandbad ausgetragenen Meeting stellte Hedy BieNenseld im Bruststilschwimmen über 200 Meter eine neue österreichische Bestleistung auf. Ihre erzielte Zeit ist nur nm 6/io Sekunden schwächer als der Weltrekord. Fräulein Bienenfold vervesforte auch ihre bisherige Höchstleistung über 100 Meter. Die Siegerin im „Quer durch Wien", Fritzi Löwy, schlug ihren 'bisherigen Rekord über 100 Meter Freistil um 6/io Semden. MhereS im Sportteil. Levine stiegt mstck 1 Stzne Wmderlln. Paris, 7. Juli. Levine teilte gestern mit, daß er an Bord der „Miß Columbia" von Paris nach Amerika mit ei"em französischen Piloten zurückfliegen wolle. Er habe sich zuerst an Chamberlin gewendet, der aber wegen anderer Verpflichtungen absagen mußte. » Nach dem „Quottdien" tpird die deutsche Fliegerin Thea R a s ch e am GamStag mit einem Flugzeug den Kanal überfliegen, wobei Levine sie begleiten soll. Sie Kammerwahlen in AnmSnie«. Bukarest, 7. Juli. (Orient-Radio.) Die Kammerwahlen haben heute begonnen. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe. Bukarest, 7. Juli. (Orient-Radio.) Der Chef des Generalstabes General Luv«sev hat -um 15. Juli demissioniert. tal noch nicht jenen Erfolg halten — und einen solchen Erfolg nach der Natur der Dinge auch noch nicht haben konnten —- um die Produktion des Landes auf eine Höhe zu bringen, die der wachsenden Bevölkerungszahl entspricht, um die jetzt noch bestehende erschreckende Ungleichheit zwischen Import und Export zu vermindern. Solange diese Bedingungen ^.rtbeftehen, wird es schwer sein, eine finanzielle Stabilität zu sichern; deshalb müssen die Ausgaben möglichst niedrig gehalten werden, um die Zahlung der Zinsen und der Amortisationsvaten der geplanten Anleihe zu sichern. Die normale und stetige Ausbeutung der landwirtschaftlichen und anderen natürlichen Hilfsquellen des Landes wird, wenn auch langsam, durch verbesserte Verkehrsmittel, die von der Regierung mit Hilfe der Anleihefonds geschaffen werden sollen, gefördert werden, um so rechtzeitig eine stabilere wirtschaftliche Basis zu sichern. In der Zwischenzeit wird durch die Akkumulierung der Ueberschüsse ein Reservefonds geschaffen, aus dem, wenn die Umstände es zulassen, Kapitalien zur Durchführung des Bauprogramm 8 und anderer öffentlicher und nutzbringender Arbeiten/ deren das Land dringend dedtrrf, verfügbar sein werden. Bezüglich, des Unterrichtswesens wird erklärt, es sei das Ziel der Regierung, die Verwaltung der beiden Schulsysteme (des jüdischen und des arabischen) parallel zu entwickeln und ein staatliches Unterrichtsshstem auszuarbeiten, das sich auf alle Schulen beziehen soll und vom Staate sowie den Ortsbehövden finanziell gestützt werden soll. Organe der lokalen Regierung, wie Munizipalräte und Gemeinderäte, sollen als lokale Unterrichtsbehörden organisiert und ermächtigt werden, eine erhöhte Steuer für Unterrichtszwecke zu erheben. Eine neue Unterrichtsordnung, die die bestehende (ottomanische) Gesetzgebung ersetzen soll, ist in Vorbereitung. Ser Prozeß gegen Turati. Der Angeklagte flüchtig, seine Freunde Jonfinlett Rom, 7. Juli. (Stefan!.) In kurzer Zeit wird vor dem Gerichte in Savona der Prozeß, gegen den Führer der einheitssozialistis chen Partei Philipp Turati, der aus politischen Gründen seinerzeit Italien verlassen hatte, und gegen alle jene Personen, die ihm auf seiner Flucht behilflich waren, beginnen. Bier von den Angeklagten, darunter Turati selbst, sind flüchtig, alle anderen wurden seinerzeit in KvnfinierungSkolonien verschickt. » Rom, 7. Juli. (Stefan:.) Der Sondergerichtshof für den Schutz des Staates hat heute den ehemaligen Bank- .direktor Zannutttni in Cividale, der der Mitschuld an dem von Z aniboni gegen den Ministerpräsidenten Mussolini versuchten Attentat beschuldigt ist, zu acht Jahren zwei Monaten schweren Kerkers verurteilt. Meder ei« iagoslawilch-italienlschrr zwischensell. Rom, 7. Juli. (Stefan:.) Die Blätter melden aus Belgrad, daß Graf Karl Connestabile detta St aff a aus Jugoslawien ausgewiesen worden sei, weil er einen französischen Offizier verprügelt hatte, der ihn beschuldigte, Spionage zugunsten Italiens betrieben zu haben. Der italienische Gesandte ftt Belgrad protestierte energisch gegen die von der jugoslawischen Regierung getroffene Maßnahme. 0. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Der Schutz des jüdischen Rechtes. Borr Professor Simon Dubnow. In die Auseinandersetzung über die Züricher Konferenz zum Schutze des jüdischen Rechtes greift der große jüdische Historiker Professor Simon Dubnow mit oer folgenden Darlegung ein: Das Problem steht so: Nachdem die Friedensverträge die osteuropäischen jüdischen Gemeinschaften als BolksmiuderheiteN, deren Rechte unter dem Schutz 'des Völkerbundes stehen, formell anerkannt haben, muß, eine interterritoriale jüdische Organisation geschaffen werden, die alle Aktionen zum Schutze dieser Rechte in den verschiedenen Ländern, wie Polen, Rumänien, Ungarns Litauen, Lettland, vereinheitlichen soll. Eine deutsche Minderheit in Polen, Italien oder der Tschechoslowakei kann durch Deutschlands Vertreter im Völkerbund gegen ein ihr angetanes Unrecht appellieren; das jüdische Volk hat nicht seine Vertreter in: Völkerbund, deshalb muß «in Kollektivum geschaffen werden, das in Fällen, wo die intexnational garantierten jüdischen Minderheitsrechte verletzt werden, als hie jüdische Mittlerstelle zu fungieren hat. Es ist dies der einzige Weg für jüdische Politiker, wenn sie nicht' zur alten Hintertürenpolitik, zur erniedrigenden persönlichen Bittstellerei bei Ministern und Diplomaten, die heute am Ruder und morgen verschwunden sind, zurückkehren wollen. Man darf eines nicht vergessen: In der Vorkriegszeit haben Juden für ihre Emanzipation oder für die Verwirklichung bereits gegebener Emanzipation in jedem Lande gesondert diesen Kampf geführt, in gewissen Fällen auch mit . Hilfe der Weltpresse oder vereinzelter diplomatischer Verstellungen. Heute haben wir das Recht, offiziell an jene internationalen Instanzen zu appellierst, die die Rechte aller Minderheiten in dem neuaufgsbauten Europa garantiert haben. Man befindet sich in einem großen Irrtum, wenn man glaubt, daß „Minderhettsrecht" nur national-kulturelle Autonomie bauten kann; nein, gemeint sind allerlei Rechte für Minderheiten: Bürgerrechte, Politische Rechte und kulturelle Rechte. Haben doch gegenwärtig Juden in Rumänien oder Polen dafür zu kämpfen, daß man sie nicht in den Straßen mißhandelt, daß man ihre Studenten nicht aus den Schulen hinanswirft, daß der Numerus clausus abgeschafft werde, daß Juden zu Staatsanstellungen, öffentlichen Arbeiten und so weiter zugelassen werden. Wenn aber Staatssubventionen für jüdische'Schulen gefordert werden, soll diese Forderung ungesetzlich sein? Fordern dies ja auch alle Minderheiten! Man sagt, eS sei gefährlich, dre (echt-nationalen) jüdi- ,schen Gemeinschaften in Osteuropa als nationale Minderheiten hinzustellen, weil das Wort „national" mit Bezug auf Juden in den Friedensverträgen nicht erwähnt sei. Sogar diejenigen assimilierten Westjuden, die so sprechen, müssen aber auch zugeben, daß in allen Ländern di« Juden zum mindesten «ine religiöse Minderheit sind wie dürfen sie es dann zulassen, daß die Rechte einer solche« Minderheit verletzt werden sollen, ohne dagegen zu protestieren? Erscheint es dem geehrien Großrabbiner von Frankreich nicht verdrießlich, wenn man einen jüdischen Studenten in Jassy oder Bukarest schlägt, sei es; daß ihm dies als Mitglied einer religiösen Minderhett, wie der Herr Großrabbiner meint, oder als Mtglied einer nationalen Minderheit, wie die nicht assimilierten «m:änischen Juden selbst meinen, widerfährt? Man sagt, es sei gefährlich, eine interterritorial« jüdische Organisation für Rechtsschutz der jüdischen Minderheiten zu schaffen. Aber diejenigen, di« di«s zum Ausdruck bringen, treten doch selbst im Namen des Judentums durch Organisationen, wie „Alliance Jsraelite" (das große Wort „Universelle" vergessen sie oft) in Paris, Joint Foreign Committee in London, American Fewish Committee und andere interterritoriale jüdische Organisationen, hervor. Wäre eS nicht gegenüber der Außenwelt taktisch richtiger, wenn im Namen des jüdischen Ä)lkes eine einzige bevollmächtigte alljüdische Organisation hervorträte, statt daß fünf oder sechs Wiancen und Komitees, die M oft müeinander nicht verständigen können, Aktionen unternehmen-